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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
stolz bis stolzaufstrebend (Bd. 19, Sp. 231 bis 283)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) stolz, adj. geschichte und form:
a) die verbreitung unseres wortes reicht vom hochd.-niederd. gebiet in ausstrahlungen nach Frankreich (von hier aus nach England) und Scandinavien: mhd. (spätahd.) nhd. stolz; mndd. stolt (afries. stult) — altfranz. estout 'keck, kühn, stolz' ist entlehnt aus dem deutschen, vgl. Diez4 2, 577; aus der franz. quelle stammt wieder engl. stout 'dick, stark, muthig, stolz' und mndl. stout animosus, theuton. bei Verwijs-Verdam 7, 2246; stout ferox, arrogans, fastosus Kilian; bemerkenswerth ist bei dem letzteren der in der bedeutung liegende hinweis auf die entlehnung zur zeit der höfischen kultur, gegenüber dem einheimischen stolt (coene, moedich, menlick) audax, animosus, cordatus ebenda (s. im übrigen unten) — nach Scandinavien drang einmal das hochd. stolz zur höfischen zeit: þó þeir væri svá stolz, at þeir gjørði lønd sin helgari en aðrar jarðir í Breitafirði Eyrbyggja saga 9, und noch charakteristischer, wenn es sich in der þiðr. s. findet: svá styrkr ok stollz 112 (über stolz in den volksliedern jüngerer papierhandschriften vgl. S. Bugge n. folkeviser 68; 90 und S. Grundtvig d. g. folkev. 4, 471 f.) — in einem anderen strome gelangte unser wort zur zeit der kirchlichen reformation nach dem norden und, bedeutsam genug, dieses mal in niederdeutschem gewande: schwed.-dän. stolt (spätan. stoltr) — dial. norw. staut, dän. stout sind junge entlehnungen aus dem englischen (bez. holländ.). — keine beziehung zu dem german. begriffsinhalt unseres worts hat ital. stolto (s. weiteres darüber unten).
b) den zusammenhang mit lat. stultus (stolidus) zu suchen, lag schon gelehrt-volksthümlicher sprache nahe, um eine billige wirkung in sprichwörtlicher redensart zu erreichen: stultus und stolz wächst gern auf einem holz Stieler 2177, vgl. Prätorius der abenteuerliche glückstopf (1669) 281 (wobei hier gleichgültig ist, ob das adj. oder das subst. gemeint sei):

bei dem stolz man narren kennt,
denn stolz von stultus wird genennt,
die Teutschen hand verstanden wol,
wie man die hoffart nennen sol theatrum diabolorum 369a (vgl. auch
Wille die sittenlehre in denksprüchen der Deutschen 18).

und so auch sonst: wie man sie zu latein nennet die stolidi inflati, auff teutsch stoltze vnfläter Spangenberg gansskönig 8. — einen sprachlichen zusammenhang glaubte Stieler aber nicht annehmen zu dürfen; doch den neueren hat er sich immer wieder aufgedrängt: Prellwitz (Kuhns zs. 42, 91) empfand den lautlichen anklang an lat. stolidus; versuche, den anstosz an der schwierigkeit, welche die mhd. bedeutungen unseres wortes gegenüber der herleitung aus lat. stultus bereiten, zu beseitigen, sind wiederholt gemacht worden, so indem man für nhd. stolz den weg vom lat. wort über die bedeutungen 'unbesonnenübermüthiganmaszendvornehmsteif' annimmt.als den kulturkreis, in welchem diese entwicklung vor sich gegangen sein müszte, wird man zunächst das mönchthum zu denken haben, wo stultus (stolidus) eine schlagwortartige verwendung fand, um die thorheit und eitelkeit aller weltlust etwa zu bezeichnen. doch diese hier hinzugefügte kulturgeschichtliche erwägung macht die übernahme des wortes durch die höfische sprache nur unwahrscheinlicher. wenn gleichwohl unter d) die annahme der entlehnung wieder hervorgestellt wird, so geschieht es auf einem anderen grunde.
c) mit rücksicht auf die schwierigkeit einer kulturgeschichtlichen erklärung des entlehnungsvorganges aus lat. stultus hat man für unser wort heimische verwandtschaftsbeziehungen gesucht. sprachlich und begrifflich gleich nahe lag da die sippe von stelze, fem. (s. oben; als ahd. stelza, mhd. stelze, ndd. stölte, dän. stylte, engl. stilt), wozu dann stolz im verhältnisz des ablauts steht. (kirchenslav. stolbŭ

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'säule' mag weiter verwandt sein, vgl. Prellwitz in Kuhns zs. 42, 91). Mor. Heyne hat dann auf dem grunde der alleinstehenden ahd. glosse der fursten stolze arehitriclinus (Graff 6, 679; vielleicht nur verderbt aus stuolsâʒo, vgl. DWB dem hêrsten stuolsâʒen architriclino, diutisca 2, 42; kaum schon kürzung wie nhd. schulze aus ahd. scultheiʒo u. s. w.) das kulturgeschichtliche bild gezeichnet: den vornehmen herren in der halle, welcher auf dem hochsitz (architriclinium) seinen platz hat, im gegensatz zu der auf den tiefer geordneten plätzen untergebrachten gefolgsmannschaft.man wird die tragfähigkeit dieser einen ahd. glosse nicht überschätzen dürfen, aber gleichwohl nicht daran zweifeln, dasz die beziehung zu stelze mannigfach unser wort beeinfluszt hat.
d) doch daneben wird man zur annahme einer entlehnung aus dem lateinischen gerne zurückgreifen, wenn nur dieser vorgang irgend eine genügende kulturgeschichtliche erklärung zu finden vermag. zunächst musz die zeit der entlehnung (wegen der hochd. verschiebung des t zu z) vor dem 6. jahrh. liegen; damit wird der vorgang aber fast mehr in weltliche als in kirchlich-klösterliche kreise zu verlegen sein. im kreise der vermuthungen bietet sich da als ein naheliegendes der widerstreit des germanischen und antiken bildungsideals, wie er z. b. in dem einspruch der gotischen edlinge gegen die römisch-gelehrte erziehung des Athalarisch von Procop (de bello goth. 1, 2) uns überliefert ist (diese vorstellungen aber waren stark genug, dasz Amalasvintha erschreckt ihnen nachgeben muszte): voll trotz haben vielleicht die vornehmen Goten, welche an der väter art und sitte mit nachdruck festhielten, diese ihnen von den vertretern antiker gelehrsamkeit gegebene spottbezeichnung stultus, stolidus (vgl. indocti stolidique et depugnare parati Julian bei August. op. imperf. contra Julian. 2) als eine ehrenbezeichnung für sich angenommen (ein mehr im lichte der geschichte liegendes beispiel diene zur erhellung: ähnlich schöpften die gegen masznahmen der spanischen regierung protestierenden niederländischen edelleute aus dem hohnwort des grafen Barlaimont: ce n'est qu'un tas des gueux! auf vorschlag des grafen Brederode mit begeisterung als künftige bezeichnung für die bundesmitglieder den namen gueusen, geuzen, aber doch eigentlich 'bettler'). so braucht man nicht eine vorgeschichtl. entwicklung von lat. stultus (stolidus) über die begriffe 'unbesonnen, übermüthig, anmaszend', zuletzt 'vornehm, steif' bis zu mhd. stolz anzunehmen; so erklärt sich aber auch aus dem umstande, dasz es sich um eine gotische prägung handelt, warum das ital. stolto so gar nichts von dem germanischen begriffsinhalt unseres wortes aufnahm (aus diesem grunde also kann die begriffsumbildung nicht im langob. liegen, denn dann wäre sehr wahrscheinlich die spiegelung dieses vorganges im italienischen zu erkennen). — wir hätten hier aber in der übernahme dieses mit neuem inhalt erfüllten wortbegriffes (zunächst wohl) durch die Oberdeutschen ein neues beispiel für die auch sonst (so auf dem gebiete der kirchlichen institution, der heldensage) nachweisbaren gotischen beziehungen dieser stämme.unter den weiteren lehnwörtern weisen besonders alterthümliche bedeutung auf afranz. estout 'kühn' (auch in der weiteren ausstrahlung nach England als stout 'stark') und estotoier, verb., 'miszhandeln' (vgl. provenz. estot für estout), wie es vornehmer herren art leicht sein kann (vielleicht auch hierin der hinweis auf eine herrschende kaste). — W. Bruckner (zs. f. deutsche wortf. 13, 152) nimmt mit rücksicht auf die bedeutung von franz. estout und unserm stolz als grundlage ein vulgärlat. *extultus (für elatus; belegtes tultus, toltus aber nur in dem sinne von ablatus du Cange 8, 120b, so auch abstultus ebenda; auch die ausschlieszlich in dieser bedeutungsrichtung sich bewegende bildung mlat. toltura bereitet der annahme nicht sonderlich den boden). ital. stolto (zu lat. stultus) wäre dann überhaupt davon zu trennen.
e) unter dem formalen unseres wortes steht vereinzelt die schreibung stulczes lebene im Alsfelder passionssp.; sonst ist in der steigerung hervorzuheben die den umlaut führende form compar. stölzer: zu belegen bei Seb. Brant, Luther, Ayrer, Fischart, Logau, Grob, Butschky, Gottsched und E. v. Kleist; unter den wörterbüchern

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als ausschlieszlich bei Stieler; neben stolzer bei Steinbach 2, 720; superlat. stölzester Stieler; das stölzste bei Grässe jägerbrevier.umlautlos: compar. stoltzer bei Sleidanus, Ramler, Klopstock, Vosz und seitdem in der schriftsprache herrschend wie der superlat. der stolzeste (die stoltzten kinder Reinicke Fuchs von 1650). s. im übrigen die belege unten. bedeutung: die abschnitte 1 bis 3 weisen die grundlinien der entwicklung auf. mannigfaltige schillerungcn der bedeutung hindern aber hier wie im folgenden eine straffe anordnung des materials. von abschnitt 4 folgt das schema der syntaktischen erscheinung und nur im untergrund hält sich das farbenspiel des bedeutungswandels. so wurde ein überblick des materials ermöglicht.

1) animosus, fastosus, superbus; als ausdruck tüchtiger mannesart, eine deutliche spiegelung der ausgangssphäre des wortes; als grundzug von gebärde und geste des heldenthums:

der lantgrâve ist sô gemuot,
daʒ er mit stolzen helden sîne habe vertuot,
der iegeslîcher wol ein kenpfe wære
Walther 20, 11;

und wort und begriff ist seitdem nicht verloren gegangen:

wohin ist mancher stolzer held,
der künheit halb vor kein dürfft weichen?
Kirchhof wendunmuth 2, 46;

gern läszt es dem stolzem held
seine kronen
Pfeffel poet. versuche 1, 11;

vor dir gebücket
knien auch stolze helden
maler Müller 1, 331;

viel stoltzer ritter buch der liebe 80a (Wigalois 8940; Blumauer gedichte 56);

so ward im zu mynne
von ir ain zartes kussen kunt
an seinen stoltzen ritters munt
Heinr. v. Neustadt Apollon. 18552;

die ritter ziehn herbei aus fernem gau,
die hohen säle füllen stolze gäste
A. v. Droste-Hülshoff 2, 210.

stolz deutlicher auf dem grunde von vorrechten der geburt (und sozialen stellung), vgl. die zusammensetzung adelstoltz superbo, altiero, fiero per la sua nascita Kramer dict. 2, 983b, und bis zu 'anmaszend, hochfahrend' nur ein kleiner schritt: die stolzen herren (Alexis Roland von Berlin 1, 30); so bei Luther in der miszverstandenen stelle: er ist gott, seinen zorn kan niemand stillen, unter jm müssen sich beugen die stoltzen herren Hiob 9, 13;

ich floh die stolzen granden,
die sich den ersten stamm Europens wähnen
Z. Werner Martin Luther 45.

so: ein fauler stolzer adel Klinger werke 3, 67.
a) als selbverständlich und berechtigt empfundener einschlusz im begriff vom fürsten (der doch den anderen vorgeordnet ist) ein stolzer fürst (O. Ludwig 5, 345):

sach sitzen einen herren prechtig,
herrlicher geberd, stoltz, fürstmechtig
Hans Sachs 1, 438 Keller;

so denn auch von Christus, dem himmelskönig: Christus ist so stolcz und ein sölcher eyfferer, das er keinen andern uff seinem stul wil siczen lassen Luther 10, 3, 373 Weim.; von gott: got ist zu stoltz, er ist der oberest lehenher 27, 236 Weim. — du hast stoltze (gloriosos Vulg.) könige gestürtzt aus ihrem bette und umbbracht Jes. Sir. 48, 2; den stoltzen künig Baltasar H. Sachs 1, 435 Keller; Ludwig war gedemüthigt, wie vielleicht nie ein stolzer könig gedemüthigt war Herder 23, 35; der stolze herzog Göthe 8, 75 Weim.;

der stolze Ludwig thut, was er nur weis und kann,
die flammen stärker anzublasen
Gottsched gedichte (1751) 1, 18;

ich stand dabei, als in Toledos mauren
der stolze Karl die huldigung empfieng
Schiller 5, 1, 7 (don Karlos 1, 1).

nun auch: der stolze millionenreiche handelskönig Seidel Leberecht Hühnchen 9.
b) der stolze mann (vgl. Habacuc 2, 5) im vollgefühl seiner männlichkeit, im bewusztsein seiner kraft; doch dann auch prächtig und stattlich durch kleidung und rüstung, wuchs und ansehen: da sach man manchen stoltzen

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mann z rosz das best thn Wickram 1, 33 (vgl. ebenda die spiegelung ir dunckend mich ein stoltzer und kner mann sein, derhalb ich an euch beger, ir wlt ein ritt oder drey mit mir thn; dann ich meinem herren versprochen hab, ... der erst und manlichest held, so mir heut z gesicht kummet, mit dem wil ich mein heyl verschen); der stoltz schwartz man Thedel von Wallmoden 380;

da (vor Troia) bliben ist manig stoltzer man
Schaidenraisser Odyssea 52a;

ich will
ja zu den füssen dieses stolzen mannes
nur gott noch einmal danken
Lessing 3, 76 (Nathan 3, 2);

denn der stolzeste mann schmeichelt dem pöbel und kriecht
Göthe 5, 270 Weim. (vgl. auch 43, 66);

stolzer mann,
vertrau den wogen nicht in deinem glücke
Körner 1, 265;

und auch hier schon in der bedeutung von 'übermüthig' schillernd:

Wilhelm Thell, du bist ein stoltzer mann,
warumb hast mim ht nit eer anthan? schweiz. schausp. 3, 25, 241;

vgl. (der vorwurf,) er müsse ein stoltzer kund seyn, dasz er vor jhm den hut nicht abneme Harsdörffer frauenzimmergesprechsp. 1, O 1a.
α) auch von vertretern einer nation, besonders ein stolzer Römer (Anton Ulrich von Braunschweig Octavia 1, 726); stolzer Spanier! Schiller 4, 27; vom bürgerthum: (ein) stolzer freireichsstädter O. Ludwig 5, 345; aller hochtrabenden reichen zirkel der stolzen Frankfurter (ungeachtet) E. Solger nachgel. schr. 1, 22; ach ihr stoltzen Hamburger, hättet ihr mich zu eurem bürgemeister gemacht, ... Weise drei erznarren 25 neudr.;

ein burger ist besser als ein baur;
drumb so müssen sie stöltzer sein
und müssen trincken bier und wein
und treiben desto gröszern pracht
Ayrer dramen 1, 75 (erbauung Roms 3).

doch die stolzen paurn Liliencron hist. volkslieder 2, 514, 4 (auf den Landshuter krieg 1504) und im bauernkrieg: sihe, wie stoltz die baurn, wie verzagt die herrn waren ynn dieser nehisten grewlichen aufrur Luther 19, 224 Weim. (vgl. die zusammensetzung baurenstoltz rustico borioso, chi hà boria villana, rustica ò contadinesca Kramer dict. 2 [1702], 983b).
β) noch deutlicher kehrt jugendliche kraftfülle, freude am geputzten kleid und mannichfachem aufwand hervor (besonders in der sphäre des liebeshandels) ein stolzer knabe (Mone schauspiele 1, 102, 702; Montanus schwankbücher 10; 34; 42; 396; 408 u. ö.; Brunner erzählungen 1, 101. vgl. oberhessisch ě stolzer borsch Crecelius 812):

du bist nicht werth, du stoltzer knab (als personification des nomens),
dasz du habst die geringste gab
Gilhusius grammatica (4, 3) 104;

so solls den stolzen knaben gehn
die trachten nach groszem gut
Herder 25, 134;

geswind vand er einen stolzen jungherren Seuse 14 Bihlmeyer;

ein junger reicher stoltzer mann
Hans Sachs 6, 137 Keller;

stoltzer jüngling juvenis superbus Maaler 389d;

see hin, du stoltzer jüngling fyn,
und lasz hie dynen zorn usz syn! schweiz. schausp. des 16. jh. 1, 65, 193;

do was z den gezeyten
ein stoltzer jüngeling hürnen Seyfried 13 neudr.

so auch ein engel: ein stoltzer himelscher jungling Seuse 139 (so auch 21; 53) Bihlmeyer.
c) besondere erwähnung finde der stolze bettler, welcher im kampfe mit seinem selbstbewusztsein, vor fremden thüren gaben heischen musz (s. auch bettelstolz, adj., th. 1 sp. 1732): es ist nichts verdrieszlicher, als ein stoltzer bettler, und ein reicher geitzhals non vi è di più amaro ch'un povero superbo ed un ricco avaro Kramer dict. 2 (1702), 983a; wir sind stolze bettler Caroline 1, 48; es giebt

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stolze bettler, mein herr graf, überaus stolze bettler! Bauernfeld ges. schr. 2, 160;

der stolze held sieht mit erstauntem blicke
den stolzen bettler an
Ramler fabellese 3, 238.

vgl. DWB man findet manchen bettler, der das brod fur der thur nimpt, so stoltz und böse als kein reicher Luther 32, 307 Weim.
d) allgemein ein stolzer mensch huomo superbo Kramer dict. 2 (1702), 983a (auch: hieraus merkete Axel schon, mit was stolzen leuten ers zu tuhn haben würde Bucholtz Herkuliskus 19): es vergnügt sie, einen stolzen menschen wie ich bin an ihrem fuszschemel angekettet zu sehen Göthe IV 1, 146 Weim.; auch dasz er den kopf mehr hoch als nieder getragen und dadurch auf manchen den eindruck eines stolzen menschen gemacht habe Kerner bilderbuch 20. als ausdruck sittlicher höhe: ein stolzer mensch verlangt von sich das auszerordentliche Ebner-Eschenbach 1, 41. (emphatisch) als die krone der schöpfung: der stolze mensch wehret sich, sein geschlecht als eine solche brut der erde und als einen raub der alles zerstörenden verwesung zu betrachten Herder 13, 8;

diesz hoffe, stolzer mensch; erkenn indesz dein glücke,
und misz das schicksal nicht nach deinem kurzen blicke
N. D. Giseke poet. werke (1767) 4;

wir stolze menschenkinder
sind doch recht arme sünder Mildheim. liederbuch 32.


e) eine neue sphäre erobert sich unser wort in verwendungen wie der stolze gelehrte u. ä.: eyn predigt ... vor die stolczen, homutigen geyster Luther 34, 2, 98 Weim.; ideo ist s. Paulus so ein stoltzer prediger 29, 10 Weim.; ein stolzer pfaff (Hans Sachs 17, 80 Keller-Götze); stolze und mit groszer weisheit ausgefüllete läute Bellin hochd. rechtschreibung (1657) b 2; ein stoltzer philosophus, der sich auszthun und rühmen dorfft, ihm were nichts in keiner kunst verborgen Calepinus 151a; stolze plauder- und polterköpfe Lichtenberg nachl. 90; unverstand des glaubens macht stoltze heuchler und ketzer Dannhawer catechismusmilch 1, 9; namentlich jurisprudenz und philologie hatten hier (in Göttingen) lange ihre stolzesten vertreter Laube 1, 71;

er ist nichz vor meim stolzen schreiber fastnachtsp. 620, 5;

es steigt der stolze candidat
mit gröszerm trotz auf Themis stuffen
Gottsched gedichte (1751) 1, 178;

ich lache ob den hochgelahrten affen,
die sich aufblähn zu stolzen geistesrichtern
Heine 1, 59.


f) mit collect. begriff, entsprechend mhd. vil stolziu rîterschaft Nib. 6, 2:

die stolze reuterey, die sonsten grosz gethan,
kam flüchtig und getrennt für diszmal unrecht an
Heräus gedichte 37;

mit stolzer mannschaftszahl Reinicke Fuchs (1650) 18; stolze übermacht Thümmel reise 1, 3; die stolzeste europäische nation (die Engländer) schlesw. literaturbr. (14) 109, 8 lit. denkm.; das kleine mädchen, einer adeligen, stolzen und höchst orthodoxen familie angehörig Keller 1, 47;

du triff mit des speers hinschmetternder wucht
das stolze geschlecht des Herakles
Strachwitz gedichte 21.


2) in weiblicher sphäre wird bei aller parallelen entwicklung zu 1 doch der begriff des in kleidung und schmuck prächtigen besonders hervorgekehrt: stolze frau (Jesaja 32, 9; 11); die stattliche haltung des körpers wird auch hier hervorgehoben oder doch stillschweigend vorausgesetzt: und sie werden euch und ewere stoltze hochtragende frawen neben den hundtschlagern setzen Paracelsus opera 1, 142; auch im folgenden ist dieses 'sich hochtragen' und nicht blosz ein 'voller busen' gemeint;

ir hals was sinewel als ain zain,
schne weysz als ain helffenpain.
si was so stoltz umb die prust:
es hett ainen siechen man gelust
ir vil sussen mynne,
ob er wär pey den synnen
Heinrich v. Neustadt Apollon. 15072;

wenn es nur keine von den stolzen weibern ist, die voll von ihrer tugend, über alle schwachheiten erhaben zu seyn glauben Lessing 2, 301 (Sara Sampson 3, 2);

[Bd. 19, Sp. 236]


dem stoltzen weib zu einer schand
Hans Sachs 1, 114 Keller;

ein seuberliches stoltzes weib pfarrer von Kalenberg 37

so ist das stolze weib nun asche, grausz und staub?
Lohenstein Ibrahim Sultan 89;

auch: eine der stolzesten courtisanen ..., die man jemals in Rom reich und beliebt gesehen hatte Göthe 43, 147 Weim.; sie ging langsam, wie eine stolze südländerin ... zu einer gruppe herren und frauen Stifter 1, 60. — hier besonders hat unser wort die bedeutung von 'üppig in der tracht, schön gekleidet' angenommen vgl. eichsfeld. štols schöngekleidet Hentrich 38.
a) entsprechend oben 1 a eine stolze königin (vgl. Dähnhardt griech. dramen 1, 168): eine stolze Semiramis Börne ges. schr. 2, 29. — die sanfte Venus geschickter zum ideal weiblicher schönheit als die stolze Juno Meiszner skizzen 1, 24;

und dasz sich die hohe stolze
Juno, Jupiters gemahlin,
von den schweifen ihrer pfauen
einen federbusch gemacht
Göthe 4, 319 Weim.;

auch sonst in der erhabenen personification kein priester seiner stolzen göttin (der dramatischen kunst) Freytag 14, 35.
b) mit der nebenbedeutung von 'spröde, zurückhaltend' die stolze jungfrau (vgl. Hans Sachs 18, 16 Keller-Götze; Caroline 1, 79), welche in der pracht und schöne ihrer jugendfülle auf sich hält, sich nicht fortwirft: eine stolze jungfer Grob dicht. versuchg. 22; eine stoltze dirne una superba, superbaccia, che stà sulla reina Kramer dict. 2 (1702), 983a; die stolze tochter Schiller 13, 350; des stolzen mädchens grotte maler Müller 1, 125; oberhess. ě stolz mâdche Crecelius 812; gött. en stolt mæken Schambach 212a; die stolze königstochter aber, als sie vernahm, dasz er ihr nicht ebenbürtig war, verschmähte ihn kinder- und hausmärchen 17;

wer gesach ie stolczer meid? Alsfelder passionssp. 29, 938.

der sittliche grund wird deutlicher: (so) hat deine untreue das stolze mädchen zur hausirerin gemacht Holtei erz. schr. 2, 49; als ein herrliches, stolzes, blühendes kind war sie gegangen, als eine blasse, stille, scheue frau kam sie zurück Ebner-Eschenbach 4, 181;

ich raitt ains tags allaine
bis das ich dört ersach
ain stoltzes diernlin raine
Hätzlerin 14;

ich weisz mir ein stoltze müllerin Gargantua (1) 34 neudr.;

es war eine stolze jüdin,
ein wunderschönes weib
Mittler volkslieder 183.

auch: stoltze schönheit bellezza superba Kramer dict. 2 (1702), 983b;

sucht nun ein kleiner sturm die stoltze schönheit heim,
und fällt die sehnsucht selbst auf liebes honigseim;
so läst sie endlich noch den eigensinn bezwingen,
dasz man ihr den und den zum freyer möge bringen
Henrici gedichte 3, 448;

dich zu wecken
aus tiefem wehmutsschlummer, stolze schönheit
Pocci kommödienbüchlein 4, 4.

neben spröde: die stolze, spröde männerfeindin Holtei erz. schr. 3, 33, neben edel:

juncvrowe edele unde stolt,
ich was di ie von herzen holt Katharinenspiel 131, 68,

besonders neben jung: so pin ich hübsch, junck und stolcz, so kan ich den leuten nichts geweren, sie haben wolgefallen an mir Albrecht von Eyb deutsche schr. 1, 28; ain schöne klosterfraw und lept noch auf das 66. jar und ist jung und stoltz deutsche städtechron. 5, 139, 10.
c) aus dem vorigen ergiebt sich leicht stolz 'unartig, eigensinnig, ungehorsam': e stolz kenk (kind) Müller-Weitz Aachener mundart 237; vgl. holld. een stout kind.
3) die bedeutung 'anmaszend, übermüthig, überhebungsvoll' wird besonders entwickelt von verwendungen wie der stolze feind u. ä.: der stolze feind, der deine brüder unterdrücket, ist allein deiner überwindung würdig

[Bd. 19, Sp. 237]


Weiszkern in der samml. von schauspielen 1, 4 (Klinger werke 3, 76);

wie lang sol denn mein stoltzer feind
sich vber mich erheben
Ringwaldt handbüchlin a 11a (vgl.
Paul Gerhardt bei
Fischer-Tümpel 3, 414a);

gleich in dem frühling seiner jugent
er also schlug die stoltze feind
Zinkgref auserles. ged. 37 neudr.;

er machte durchs gebet mehr als durch macht der waffen,
wie ehmals Constantin, dem stoltzen feind zu schaffen
Neukirch anfangsgründe (1724) 872;

geschwenkt von eines helden arm
hat dieser panner manchen schwarm
der stolzen feind in mancher schlacht,
wie scheues wildpret, weggejagt
Stolberg 1, 98.


a) der stolze tyrann (Hans Sachs 1, 225, 11 Keller) u. s. w.:

was trotzest du, stolzer tyrann,
dasz deine verkehrte gewalt
den armen viel schaden thun kann?
P. Gerhardt gedichte 2, 1 Ebeling;

du sprachst den stolzen purpurnen tyrannen
ins antlitz hohn
Schubart gedichte 2, 309;

es wird die sache selbst ernst gnug mit sich bringen, das den zornigen, trotzigen, stoltzen eissenfresser die zeen so stumpff sollen werden, das sie nicht wol frische butter beissen konnen Luther 19, 648 Weim.; aber ich bin seer zornig, vber die stoltzen heiden Sacharj 1, 15; gott hat der stoltzen heiden wurtzel ausgerot (radices gentium superbarum destruxit deus Vulg.) und demütige an jre stet gepflantzet Jes. Syr. 10, 18;

warf aber gleich sein zorn mit euch
viel tausend stolze Franzen nieder
Neukirch gedichte 7;

dem stolzen Gallier ein vorbild eigner siege!
Ramler lyr. ged. (1772) 132;

auffhube er seine hand, und warff mit der schleuder, und schlug den stoltzen Goliath (exultationem Goliae Vulg. entsprechend γαυρίαμα τοῦ Γολιάθ Sept. 47, 4) darnider Jes. Syr. 47, 5; da thetten sie bei Andernach ein treffen, und schlagen den stoltzen Calvum in die flucht Franck chron. 83a; ich aus keiner hoffarth den stoltzen Haman nicht habe wollen anbeten engl. comedien und tragedien (1624) D 8b.
b) vom tod und vom teufel u. s. w.: der stoltze teuffel Luther 26, 348 Weim.;

den stoltzen teuffel sol
er (Christus) treten unter sich
Schmuck bei
Fischer-Tümpel kirchenlied 1, 70;

den bogen auch, und kocher
er ihm gleich warf zu fewr,
lacht ausz den stoltzen pocher (den tod)
sampt seinem grabgemäur
Spee trutznachtigall (1649) 58;

die niederlage hier schreyt mord. — o stolzer Tod (o proud Death),
welch fest geht vor in deiner ewgen zelle,
dasz du auf einen schlag so viele fürsten
so blutig trafst? Shakespeare 3, 362 (Hamlet 5, 2);

auch:

schau den menschen, o du schnöde,
frech und stoltze, böse welt
Bäumker kathol. kirchenlied 1, 499;

stolze hölle! wo ist dein sieg?
Matthisson schr. 1, 19.


c) hierher auch: dasz seine freunde, die stoltzen spötter, sich müssen für jhm demütigen theatrum diabolorum (1569) 43b; von dem verachten frommen Aschenpössel und seinen stoltzen spötischen brüdern Rollenhagen froschmeuseler B 1a. —

ein bube auffm ros (id est tyrannus),
ein bubin auffm schlos;
ein laus ym grind
sind drey stoltze ding
Luther sprichw. 476;

vgl. DWB da hielte ich mich wie das alte sprichwort lautet:

ein schneider auf eim rosz,
ein hur aufm schlosz,
ein laus auf dem grind
seynd drey stoltzer hofgesind Simpl. 3, 65 Kurz.


d) als. adjectiv. bestimmung einer schelte, in der bedeutung 'hochfahrend, eitel, groszthuerisch, anmaszend'

[Bd. 19, Sp. 238]


u. s. w.: si dico: ego sum doctior, tum sum ein stoltzer tropff Luther 34, 2, 162 Weim.; ein stoltzer narr un pazzo superbo, un superbaccio, arrogantaccio Kramer dict. 2 (1702), 983a;

und wölcher sündtlichs rms begert,
der ist ains stoltzen narren wert
Schwarzenberg teutsch Cicero 159;

du bist ein alter grober hund!
ein aufgeblaszner, stolzer kund!
Dähnhardt griech. dramen 2, 209, vgl. kunde 3 b (th. 5 sp. 2621);

der pfaffen (seht nur zu) ihr huren und auch kinder,
die sie zur welt gebracht, das seyn die stoltzten rinder Reinicke Fuchs (1650) 262, vgl. rind 6 (th. 8 sp. 962).

ein stoltzer esel stulte arrogans Apinus gloss. 206; etliche meyneten, wo es hertzog George wüste, das er (Myritianus) ein solcher stoltzer esel were, er würde yhm die collegiatur widder nemen Luther 26, 552 Weim.; bistu ein stoltzer frecher esel, so far hin 27, 283 Weim. (28, 531 Weim.); die hoffertigen stoltzen esel 34, 2, 342 Weim.; ein armer redet weiszlich, der wird doch weder gehöret noch angesehen; ein stoltzer esel wird herfür gezogen, geehret, gehöret, und gelobet, weil er gelt hat Moscherosch gesichte 2, 252. — von der frau: ein stoltzes aas Stranitzky ollapatrida 337 Wiener neudr.; ist eine dienstmagd, die durch heirathen oder anderem glük zu ehren kommt, dasz sie selbsten frau wird und dienstboten halten kan, so ist kein stoltzer thier auf erden, als eben sie Reinicke Fuchs (1650) 163; und fürwahr, es ist kein stöltzer thier auf der welt, als ein weib, welche auch mit ihrem hochmuth die sünde in die welt eingeführet, denn sie wolte gott gleich seyn J. B. Carpzov leichpredigten (1698) 98; oft will sie erbar thun, und erwirbt sich den namen eines stoltzen thieres, welches sich selbst nicht kennet vernünft. tadlerinnen 2, 20;

kein stöltzer thier lebt hie auf erden
denn wenn ein magd ein fraw thut werden
Eyering 3, 140.

allgemeiner: wenn ich erwäg, wie ein schwach und geringe ankunft des aller stoltzesten thyers, des menschen, ist, so beschämme ich mich Eppendorff Plinius 7, 11. — das mochte myr eyn stolczer vogel seyn, qui plus habet toto mammone Luther 29, 406 Weim.
4) der besondere bedeutungsinhalt unseres wortes spiegelt sich in beigeordneten begriffen von oft tautologischem werte: sie ist stolz und edel Schiller don Carlos 2, 15 (als scenar. bemerkung 2, 8). — dagegen: wiewol das war ist, das kain volk auf erdtrich ist stoltzer und hoffertiger (als das englische) Fortunatus (1509) 102 neudr.; die selbigen hoffertigen stoltzen rültze Luther 23, 687 Weim. (29, 498 Weim.); ein sehr reicher, aber stoltzer, hoffertiger mensch Frey gartengesellschaft 39, 28 (Sleidanus reden 73 Böhmer); den sohn dieses stolzen und hoffärtigen mannes nun als knecht im hause zu haben ..., war für ihn ein köstlicher gedanke M. Meyr erzählungen aus dem Ries 1, 65. — Arsace aber war ein schön, lang, gerad weib, darzu hochmütig und stoltz, und das darumb, dann sie war eines grossen königes schwester buch der liebe 207c (Ayrer processus juris 230). edler: ein stolzes, hochfahrendes, leidenschaftliches mädchen O. Jahn Mozart 1, 371 (vgl. Schweinichen denkwürdigkeiten 461). — schön leut, die sich selbs kennen, werden stolz und übermütig S. Franck sprüchwörter (1545) 1, 100b (Hedio chronicon G 6a; Hertzog schildwache G; Xylander Polybius 52; ein stoltz vbermütigs weib Lindener katzipori 75; ein stoltze, vbermütige gebieterin Stumpf Schwytzerchron. 9a;

prechtig, stoltz und ubermütig
H. Sachs 21, 220 Keller-Götze;

man hat jmer gesagt von dem stoltzen Moab, das er seer stoltz sey, hoffertig, hohmütig, trotzig und vbermütig Jerem. 48, 29.
a) in älterer sprache stolz und geil (übermüthig, üppig, muthwillig th. 4, 1, 2 sp. 2583 unter 2): sonst wenn wir den begirden den zaum z lang lassen, das geile stoltze fleisch nicht hinder sich reissen, ... so thts kein gt Heyden Plinius 210; eine solche rache, welche durch veränderung das gar zu geile und stoltze glück castriret und demütiget Butschky Pathmos 24;

sie sind wol hie stoltz, bösz und geil
Scheit frölich heimfart D 3a;

[Bd. 19, Sp. 239]


vgl.

des wart si stolz unde geil Flore 506.


b) stolz und eitel u. ä. zusammenstellungen: stolz, eitel, wankelmüthig Musäus volksmärchen 1, 5 Hempel; er, als ein stolzer und eitler mann, hatte gehofft, dasz in diesem sohne der glanz seiner familie sich neu beleben sollte Tieck 19, 4; die tapferen, aber eitlen und stolzen Franzosen Scherer litteraturgesch. 79. — hütet euch ... vor der eitlen kleiderpracht, die euch stolz und aufgeblasen macht Miller predigten für das landvolk 1, 29; aufgeblasener und stolzer als ein heidengott Fr. L. Schröder dram. werke 1, 13.
c) im unbeugsamen, widerstrebenden element (ein wesentliches in der physiologie unseres wortes): so stoltz und hart, das sye nit künnen die liebe ertzeigen Luther 10, 3, 218 Weim.; in seiner eltern hause ... sind alle stolz und hart Fontane I 5, 56;

je meh gelehrter, je verkehrter
und hingegen: je ungelehrter,
je unverschampter, stöltzer, herter
Fischart die gelehrten 337 Kurz.

neben kraus (widerstrebend, unwirsch th. 5 sp. 2091 unter 6 a): die hoffart musz ich (Luther) haben und von der hoffart soll niemands mich bringen und kond ich alhier nur kraus und stoltz gnung sein, es were guth, den ich stehe nit auf mihr, sondern auf einem, der heisset Christus, auf den bin ich gedauft Luther 33, 529 Weim.neben störrig, trotzig u. ä.: die düringische baurn hab ich selbst erfaren, das, yhe mehr man sie vermanet und leret, yhe storriger, stoltzer, toller sie wurden 18, 391 Weim. (vgl. Fischart ehzuchtbüchl. 238 Hauffen); jhn für ainen trutzigen, stoltzen, unbestendigen schifer ausgeben Nas antipap. eins und hundert 2, E 8b; (er war) dem anschein nach verdrieszlich, unfreundlich, trotzig und stolz für leute, die ihn nicht sehr genau kannten Zimmermann über die einsamkeit 1, 259;

stolz und trotzig gegen alles, doch vom schönen unterjocht
Platen 1, 123;

deum, qui juvat den nidrigen und zubricht, was gros und stoltz ist Luther 34, 1, 566 Weim.; steiff, stoltz und hönisch Mathesius Sarepta 10b; von natur gewaltthätig, unbiegsam und stolz, ist ihm abhängigkeit unerträglich Göthe 40, 39 Weim.; vgl. DWB den stolzesten und unbeugsamsten wählen Häusser deutsche gesch. 2, 653. — seyd ihr dann nun so stoltz und ungedultig, o Lucidor, dasz ihr nicht warten könt Schupp schr. 309. — stolz und kühl vgl. Lessing 10, 243; stolz oder menschenscheu Knigge umgang mit menschen 1, 31; harthörig, hartherzig, kurzsichtig, stolz und eigensinnig volk Bettine dies buch gehört dem könig 1, 20.
d) sonst: ich aber bin freisinnig und stolz Pückler briefwechsel 1, 103. — der gottlose ist so stoltz und zornig, das er nach niemand fraget, in allen seinen tücken helt er gott fur nichts ps. 10, 4, (wo Kautzsch einfach übersetzt der gottlose wähnt in seinem hochmut, ...); der stoltz und vermessen ist, heiszt ein loser mensch, der im zorn stoltz beweiset spr. Salom. 21, 24; stolz und böse vgl. Boltz Terenz 114b; stoltz und fräfen Zürcher bibel (2. Esr. 9); frech und stoltz Luther 18, 88 Weim. (15. 705 Weim.); und hie sihestu gottes gericht und werck, wie er zornig ist uber die sichern frey frechen stoltzen geister 23, 518 (H. Sachs 1, 209 Keller); frecher und stölzer tischreden 2, 132;

denck, ob dein weisz (einen grusz nicht zu erwiedern) schon bewrisch sey,
so bisz doch stoltz und frech darbey,
halsstarrig, trutzig, freuel gng,
dasz alle menschen auff dich lg
Scheit Grobianus 1164 neudr.;

geytzig und stoltz Güttel evangel. warheyt (1523) A 2a; stolz, gierig, wild, diss ist alles, was man von ihm sagen kann Abbt verm. w. 6, 1, 131; dumm und stolz maler Müller 1, 25.
5) von thieren, welche sich durch edle haltung und stattlichen gang auszeichnen.
a) allen voran das adlige rosz: ein stoltzes pferd Kramer dict. 2 (1702), 983a (fastnachtspiele 440, 23 Keller);

[Bd. 19, Sp. 240]


kein stoltzer thier auff erden ist, dann ein pferd Friedr. Wilhelm sprichwörterreg. (1577) c N 58; die pferde sind stolz und wild und voll feuer Gleim briefwechsel 1, 359; das edle stolze pferd maler Müller 1, 24; niederd. een stolt peerd Richey idiot. Hamburg. 292; (im vergleich de is so stolt as'n soldatenperd Kern-Willms Ostfriesland 74); (die streu,) die seinen stolzen rossen untergeworfen wird H. v. Kleist 2, 188 E. Schmidt;

ich hab geschlagen mein rothrosz todt!
und's war so stolz und treu! o!
Herder 5, 173;

gestern noch auf stolzen rossen,
heute durch die brust geschossen,
morgen in das kühle grab!
Hauff kriegs- und volkslieder (1824) 84 (vgl.
Hoffmann-Prahl volkst. lieder4 189);

dem rosse
Wodans gleich, dem stolzen läufer
Weber Dreizehnlinden 37;

die reiter machen viel vergnügen,
wenn sie ihr stolzes ross bestiegen
W. Busch kritik des herzens 10;

ein stolzer stier: e šdlzer šdēr Hertel salz. ma. 45 (thür. ma. 136) vgl. die ganze heerde brüllt ihm froh entgegen, da er (der bulle) stolz zur weide kehrt maler Müller 1, 131; auch: eine schöne alp mit stolzen kühen der arme mann im Tockenburg 2, 110;

man sieht das stoltze opfervieh
sich allgemach zum altar dringen
Hagedorn vers. einiger gedichte 24, 51 neudr.;

wie stoltz böck in der herd wüten Fischart thierbilder 427, 120 Hauffen;

indem er also iszt, hört er der schafe schellen,
die von der weyde nun sich wider heimgesellen,
sicht wie die stoltze gaisz will für dem wider gehn
Opitz teutsche poemata 31 neudr.


b) unter den wilden thieren der stolze löwe (Eppendorf Plinius 8, 50); voran gingen die heldenthiere, zuerst der stolze löwe maler Müller 1, 20 (s. auch 1, 75.). — unter den einheimischen der stolze hirsch: ains mals kam ain stolczer hirsz über ainen silbern claren lutern brunnen Steinhöwel Äsop 150; (zum leithund:) wolan, wolan, traut guter gesellman, hinan, hinan gen holtz, da schleucht heut manch edler hirsch stoltz Sebiz feldbau (1579) 565;

stolze sechzehnender decket
deiner dickung grüne nacht Mildheim. liederbuch 20

'sag mir das hübsch und fein:
welches mag das stölzste, das höchste und das edelste thier seyn?'
'das will ich dir sagen:
der edle hirsch ist das stölzste, das eichhorn das höchste'
Grässe jägerbrevier 12;

stolz wird in der weidmannsprache im besondern der hirsch genannt, welcher 'gänzlich verenket und geschlagen hat; denn da geht er hoch und auf den zehen' Heppe (1763) 287b; Behlen 5, 716.
c) unter den vögeln besonders der vogel der Juno (s. oben 2 a) der stolze pfau Spee trutznachtigal 106; Ramler fabellese 1, 4; zugleich der fast sprichwörtliche vertreter des thierreiches in der sphäre von oben stolz 2: ein stolzer pfâwe Walther 38, 1; der pfaw hat die schönsten federn ... darum ist er auch so stoltz und hochmütig Sebiz feldbau 114; so reizend verbreitet der stolze pfau die pracht der augenvollen federn nicht Heinse 3, 346.

die Venus ist die zier der freundlichen jungfrawen,
damit sie prangen thun auf art der stoltzen pfawen,
damit sie unser hertz und sinnen nehmen ein
Opitz teutsche poemata 73 neudr.;

wo die stolzen pfauen rüsten
hell den tausendaugenkranz trösteinsamkeit 17;

stolz wie ein pfau! furchtsam wie ein hase! Gottl. Stephanie d. j. lustspiele 190; niederd.: he geit so stolt as'n pau Kern - Willms Ostfriesland 74; vgl. die zusammensetzung pfauenstoltz adj. superbo come il pavone, gonfio, enfiato Kramer dict. 2 (1702), 983b (pfau bedeutet stoltz Gargantua 189 neudr.). —hahn: wann er den kopf aufrichtet ... also stoltz wie ein calecutischer haan Maynhinckler sack (1612) B 3a; dem stoltzen, neydischen, untrewen hanen Paracelsus opera 2, 610;

[Bd. 19, Sp. 241]


der stoltze hahn hat kaum des nachts zweymahl gekräht
Hoffmannswaldau gedichte 4, 3;

ihrer hühner waren drei
und ein stolzer hahn dabei
W. Busch Max u. Moritz 2.

unter dem wilden gevögel steht voran der stolze adler:

's war ein ton, wie wenn, vom schusse
schmerzlich in der luft getroffen,
laut der stolze adler kreischet
Müllner dramat. w. 2, 12 (schuld 1, 2);

wie ein stolzer adler
schwingt sich auf das lied deutsches soldatenlied.


6) von einzelheiten des körperlichen eindrucks von mensch und thier (häufig im hinabsinken zum bloszen poetischen füllsel).
a) in haltung und ausdruck des kopfes: (ein mann,) dessen stolze, kühne, düstre gesichtsbildung jeden andern zurückgestoszen hätte Klinger werke 3, 118; o weh! kein so finsteres stolzes gesicht! Schiller 2, 110 (die räuber 3, 1); ein stolzes schönes frauengesicht W. H. Riehl nov. 2, 42; das stolze gesicht unter dem abgetragenen lodenhute Löns dahinten in der haide 26;

wie schlugest du den wasserdrachen
die stolzen häupter schnell entzwey
Drollinger gedichte 38;

im staube liegt dein stolzes haupt
Hoffmann v. Fallersleben ges. schr. 1, 53.

stolze augen (occhi altieri Kramer dict. 2 [1702], 983a): herr, mein hertz ist nicht hoffertig, und meine augen sind nicht stoltz, und wandele nicht in groszen dingen, die mir zu hoch sind psalm 131, 1; (er) machte so stolze augen Arnim 1, 159;

die stoltzen augen prangen
wie Venus schöner stern den blauen himmel ziert
Rachel sat. ged. 26 neudr.;

und siehst den henkern meiner ruh
mit kaltgesinntem scherz und stolzen augen zu
Neukirch ged. (1744) 16;

wenn du einmal an ehren steigst
und deinen freunden und verwandten
ein fremd und stoltzes auge zeigst,
so geh in dich
Lichtwer Äsop. fabeln (1748) 22.

auch: einem einen stolzen blick zuwerfen (E. Th. A. Hoffmann 11, 73); Emilie mit einem stolzen, begehrlichen blick Schnitzler Anatol 108. — ein periode schlieszt sich, wie der andre, wenn er seine meinung gesagt hat; das stolze ohr wird durch einerlei cadencen gequält Herder 1, 195; die den Griechen mit zarter kunst nachgebildeten rhythmustänze ... sind für ein stolzeres ohr berechnet J. H. Voss zeitm. der deutschen spr. 180. — stolzer mund: ein stolzer knabenmund Löns dahinten in der haide 15; stolzes gebisz (vgl. maler Müller 1, 23); cum autem ille arbor superbiae eradicatur, nihil valere coram deo, szo wyrt der stolczen zungen wol geweret werden Luther 29, 406 Weim.; vgl.

dazu yhr zung stoltz offenbar
spricht 'trotz, wer wils uns weeren?' ders. bei
Ph. Wackernagel kirchenl. 3, 6.

die gerade (gebogene) stolze nase: es war eine etwas grosze, korpulente, mächtige dame mit einer stolzen adlernase und hochgewölbten schwarzen augenbraunen, so recht zum erschrecken schön Eichendorff 3, 80; zugleich 'stolz in die höhe gehoben', so in der entwicklung zur schelte:

denn got braucht noch sein alte gnaden,
der wird umb seines namens willen
all lestrer und stoltz nasen stillen
Fischart s. Dominici leben 131 Kurz.

von Chloris stolzen haaren (singen) A. G. Kästner verm. schr. 1, 174. — besonders wichtig im kreise der gebärden der stolze nacken: (der löwe) wirft über sich den stolzen nacken maler Müller 1, 20;

dennoch beuget, o Gleim, dir
ihren stolzeren nacken nicht
Deutschlands muse!
Klopstock oden (1889) 1, 103, 32;

beugst dem kreuz den stolzen nacken,
beugst den kopf dem christenwasser
Weber Dreizehnlinden 109.

vuch der stolze hals (bei mensch und thier), gern verwendet in dem bilde vom stürzenden fall menschlicher

[Bd. 19, Sp. 242]


grösze: was kost es doch, ehe man den stoltzen hals bricht Luther 20, 308 Weim. — durch eine stolze kopfbewegung seinen willen zu erkennen (geben) A. v. Droste-Hülshoff 2, 294.
b) in der sphäre des übrigen körpers gerät unser wort mehr und mehr in gefahr, bloszes poetisches flickwort zu werden; doch noch: er hatte breite schultern und eine stolze brust Zahn Albin Indergand 11. —

der mit gelübden scherzt, zum zeitvertreib entehrt,
und falscher, als das glück im spiele,
gefallner unschuld kalt den stolzen rücken kehrt
Gotter 1, 253;

und mancher prüft den stolzen arm,
wie er ihn recht mit macht will schwingen,
den gegner in den staub zu ringen
Rückert werke 3, 23;

diese tausende, die in wägen, auf rossen und noch stolzeren füszen da an ihm vorüberschwirrten Gutzkow werke 4, 121;

der stoltze fs komme nicht bis z mir
Melissus psalmen 135 neudr.;

vielleicht ach! beugt, von dir (dem strumpfband) umschlungen,
dem gotte sich ihr stolzes knie!
Gotter 1, 179;

vom stolzen huf des pferdes maler Müller 1, 365.
c) besonderen inhalt hat noch ein stoltzer gang Alberus X 1a (maler Müller 1, 18); schon mehre mal hatte er den stolzen sichern gang des neben ihm gleichgültig wandelnden mädchens bemerken müssen Gutzkow ritter vom geist 1, 46; auch:

der paur rein trit ein stoltzen schrit,
ist kleidt dem burger gleiche
Forster liedlein 9 (3, 2) neudr.;

und ging zur thür hinaus mit stolzen siegerschritten
Zach. Werner ged. 40.

stolzer tritt:

ein dichter der so manches litt,
fährt her, begafft von leuten,
steigt aus und kommt mit stolzem tritt
Göthe 4, 165 Weim.;

schlaffe, tücksche züge künden,
was verbarg der stolze tritt
A. v. Droste-Hülshoff 2, 204

stolzer ritt (auf dem pferde):

er hat manchen stolzen ritt gethan
Erlach volkslieder der Deutschen 1, 97 (
Wickram 1, 158).

stolzer flug: der sonnenadler, der ... im stolzen himmelsfluge die augen immer zur sonne dreht maler Müller 1, 25;

nie stürze von des traumes stolzem fluge
ein trauriges erwachen dich herab
Schiller 6, 20.

allgemein: stolze geberden (portamenti altieri Kramer dict. 2, 983a): der seinen nehesten heimlich verleumbdet, den vertilge ich, ich mag des nicht, der stoltz geberde und hohen mut hat ps. 101, 5; stolze haltung Bettine dies buch gehört dem könig 1, 142; die stolze haltung, das glänzende auftreten sind im gefolge der freiheit und kühnheit charakteristische attribute echten adels O. Jahn Mozart 4, 135; auch in stolzer, schöner grazie Schiller 5, 2, 268 (don Carlos 2, 15). — mit einem pedantischen stolzen wesen Petrasch lustsp. 1, 165; in ein förmliches stolzes wesen (fallen) Göthe 22, 250 Weim.; durch stolzes zänkisches wesen (einen aufbringen) Hauff 1, 6.
d) die einzelnen begriffe stattlicher menschenschöne werden noch einmal zusammengefaszt zu einer gesamtheit: dein stoltzer leib Simplic. 4, 727; göttin Venus hat mich so sehr gegen euch verwundt, dasz ich auch keine ruhe habe, ehe dasz ich ewren stoltzen leibs theilhaftig werde schauspiele engl. comöd. 23, 12 Creizenach; besonders der volksthümlich-dichterischen sprache eigen in immer neuer verwendung in liebeslust und -leid:

ich bin ein ledig junges wîp
und tragen einen stolzen lîp
Mone schausp. des ma. 1, 79, 57:

mein tochter mit irem stoltzen leib
Hans Sachs 7, 149 Keller;

die fraw den held gar schon umbschlosz,
vil haisser zäher sy uff in gosz,
sy truckt in lieplich an irn stoltzen leibe
Hätzlerin liederbuch 3;

[Bd. 19, Sp. 243]



dein stoltzen leib
du mir verschreibst
und schleus mir auf dein hertze! bergreihen 60 neudr.;

jetz rewet mich mein stoltzer leib,
das ich bin worden ewer weib
Fischart ritter von Stauffenberg 1716;

gebt mir urlaub fraue zart
von eurem stoltzem leibe
Prätorius Blockesberges verrichtung (1668) 21;

weiter gesteigert durch entsprechende adject. wie jung, gerade u. a.: ehe du dein jungen stoltzen leib verlierest buch der liebe 80c;

(du) zeigst vor manchem schönen weib
dein jungen, graden, stoltzen leib
Scheit Grobianus 1047 neudr.

zur schilderung des begriffes der vergänglichkeit:

dyn stoltzer lyb wirdt z eschen;
dich thn dan die wurm zerneschen der ewigen wiszheit betbüchlin (1518) 99b;

seltener dafür und prosaisch empfunden:

wievil sehlen hat deine wöhr
ausz den stoltzen cörpern getriben,
das das feld von der feinden hör
einer schedelstat gleich gebliben?
Weckherlin gedichte 1, 129, 70.

in neuerer sprache: die schlanke, stolze, schneeweisze gestalt des mädchens Keller 5, 36; auch: es war ein jüngling in der schönsten blüthe — ein stolzer wuchs, eine gewölbte brust, funkelnde augen Chr. L. Heyne in den erzähl. des 18. jhs. 32 lit. denkm.; sogar aus der pflanzensphäre geschöpft: das stolze gewächs ihres (des weibes) schlanken leibes Heinse 4, 231.
e) mehr innerlich gewandt (und zugleich als übergang zu der verwendung unter 8): wenn einer zu grund gehen sol, wird sein hertz zuvor stoltz, und ehe man zu ehren kompt, mus man zuvor leiden spr. Salom. 18, 12; da ward das reich Nebucadnezar mechtig, und sein hertz stoltz (Vulg.: et cor eius elevatum est) Judith 1, 7; (es) schwoll ihr das stolze herz über diese schändung der theuren (heimath) Mommsen röm. geschichte 2, 37;

und du willst im miszgeschick
noch dein stolzes herz nicht fassen
Tieck 1, 313;

ein stoltz hertz ist dem herrn ein grewel, und wird nicht ungestraft bleiben, wenn sie sich gleich alle an einander hengen spr. Salom. 16, 5; fahre hin, du stolzes herz! maler Müller 1, 136; das stolze herz, das nichts im sinne habe, als die ehre Ranke w. 8, 79; ein stolzes herz (versöhnen) A. v. Droste-Hülshoff 2, 239;

(wenn Amor,) über alles siegend,
jedes stolze herz bezwingt
Overbeck verm. gedichte (1794) 57;

diesz stolze herz
ist nicht zu brechen
Schiller 12, 440 (Maria Stuart 1, 8);

wähnst du dies stolze herz so leicht besiegt,
von glanz und übermuth in keckem bunde?
A. v. Droste-Hülshoff 2, 206.

selten dafür:

schmerzlich sah er (der Bayern herzog) Deutschlands gold auf des kaisers stirne gleiszen:
und die stolze seele wünscht es einmal an sich zu reiszen
Schönaich Heinrich der vogler (1757) 3.


7) übertragen:
a) stolzer baum, der stattlich und prächtig emporragt (Storm 1, 193):

so wern die demütige rohr,
am end ihr heupt heben empor,
den stoltzen baum do sehen liegn,
der sich vorm wind nicht wollen biegn
Eyering proverb. copia 3, 32;

(bildlich):

das denken sucht sich nach auszen raum,
im fühlen sind wir daheim;
und all unsres wissens stolzer baum
hat im herzen den fruchtbaren keim
Grillparzer 2, 35;

stolze stämme (im walde) W. H. Riehl nov. 1, 340; die wälder seitab sind stolz, hohen, üppigen wuchses 1, 190; der Hasbruch ist ein so stolzer, wunderprächtiger eichenwald, wie wohl kaum das nördliche Deutschland einen zweiten besitzt Allmers marschenbuch 1, 140;

[Bd. 19, Sp. 244]


die stolzesten der wipfel rauschten,
und leise bäche murmelten
Gerstenberg gedichte eines skalden 361;

auch: tannen, die ihre stoltzen häupter bis zu den wolcken heben discourse der mahlern 2, 3;

da sie (die äste) ietzt in stoltzer breite, ründ und höhe herrlich prangen
und als grosse gartenlauben, nett geflochten, wunderschön,
besser, als die hängegärten Babels, in den lüfften stehn
Brockes 4, 136.

stolze staude, vgl. (?)

mit stauden stoltz gekrönet
die krufften (klüfte; s. th. 5 sp. 2430) geben klang
Spee trutznachtigal 2.

warum, geliebtes veilchen, blühst
du so entfernt im thal?
versteckst dich unter blättern, fliehst
der stolzern blumen zahl? (
Chr. F. Weisze) lieder für kinder (1767) 5;

du prangst am stolzen rosenstamme,
verpflanzt aus andern welten
Lenau 3 Recl.

stolze ähren; stolze üppige saat vgl. (adverb.) wie stolz und üppig die saat unter dem schatten dieses waldes von breiten obstbäumen aufstrebt! Solger Erwin 1, 1;

und wenn man nun den halm empor geschossen sieht,
wenn ihn die ähre krönt, und wenn sie bitter blüht,
so steht er stoltz und steiff, und wird sich nicht bewegen,
es thät es denn der wind, und ein geschwinder regen
Henrici ernst-scherzhafte und sat. ged. 3, 447;

auf feldern, wo noch stolz die vollen ähren stehn
Rabener werke 6, 201.

stolze frucht u. ä.:

wenn berg und thal mit stoltzen früchten pranget
Neukirch anfangsgründe 123;

um Balsorens stirne
blühn, lieblich düftend, stolze, volle rosen
Eschenburg beispielsammlung 1, 110;

der wald verliert das stolze laub
Kretschmann sämtl. w. 2, 210

unter den pflanzennamen gehört hierher stoltzer Heinrich (bonus Henricus sein latein. name Hohberg georgica 3, 463a) der gemeine gänsefusz, schmierige mangold, chenopodium bonus Henricus; gut Heynrich, stoltz Heynrich, kühwurtz atriplex canina vel faetida Alberus (1540) CC 4a; guter vel stoltzer Heinrich, schmerbel crisola Tabernaemontanus bei Diefenbach 158b; zum latein. tota bona (franz. toute bonne, unser allgut s. th. 1 sp. 235) 590b; die möglichkeit einer beziehung zum koboldnamen Heinrich, besonders in der koseform Heinz ist möglich (s. th. 4, 2 sp. 887, wo eine liste entsprechender verwendungen gegeben wird) dän. stolt Hendrik: nimb des krauts stoltzer Heinrich genant ... ein hand voll M. Böhme rossartzney (1618) 47. die redensart de štôlzen Heinerech špillen vornehm tun, Luxemb. ma. 426b, empfing von unserem ausdruck wohl nur eine mehr zufällige anregung (auch zufällig nur der anklang an Heinrich den Stolzen von Bayern). vgl. noch unten (8) e β.
b) stolzer bau Kramer dict. 2, 983a; (in) stolzen gebüwen Zwingli deutsche schr. 1, 98 'prächtig ausgeführt' besonders aber auch 'machtvoll in die höhe ragend', so stolze burg (Ramler lyr. ged. 221); in alten zeiten stand da, wo jetzt der see ist, eine stolze burg brüder Grimm deutsche sagen 1, 103;

ich biete fehde dir, du stolze burg
Grabbe w. 1, 38;

ein stolzeres palais (Arndt w. 2, 5); dieses stolze schlosz Hebbel I 6, 7 vgl. von solchen vertheidigungsmitteln (wassergräben) sind gewöhnlich diejenigen schlösser umgeben, die auf flächen liegen, also das vertheidigungsmittel des wassers haben, aber dafür desjenigen entbehren, das ihre stolzen schwestern auf hohen bergen und schroffen felsen besitzen Stifter 5, 1, 345;

er baut ein stolzes schlosz, das andre nun bewohnen
J. E. Schlegel w. 4, 159;

komm herab, du schöne holde,
und verlasz dein stolzes schlosz!
Schiller 11, 378;

selbst Burnecks alte stolze veste soll
jetzt einen andern fremden herrn erkennen
A. v. Droste-Hülshoff 2, 256 (Walther 6).

namentlich: die stolze Wartburg (Pückler briefwechsel 2, 308); das stolze Ehrenbreitstein blickte goldroth durch den feinen, blauen nebelhauch herab Moltke ges. schr.

[Bd. 19, Sp. 245]


6, 154. — von den stolzen tempeln (erzählen) W. Raabe hungerpastor 3, 199; ndd. ene stolte kerke Schambach 212a;

die herrlichen palläst und stolzen mausoleen, ...
sind alle von verstand und fleisz gezeuget
Triller poet. betracht. (1750) 1, 138;

vgl.

ich sehe wieder stolz gen himmel ragen
den frommen dom
Heine 1, 57.

auch:

dort niden in jenem holze
leit sich ein mülen stolz
Uhland volkslieder 76 (goldmühle);

krieg, feur und zeit verlacht
der stoltzen häuser pracht
Abraham a S. Clara etwas für alle 2, 76;

die stolze villa Gutzkow zauberer von Rom 3, 320. — eine stolze stadt (una città superba Kramer dict. [1702] 2, 983b) gewisz auch hier mit rücksicht auf ihre wehrhaftigkeit, neben aller pracht und wohlhabenheit: sie verdilgetin vil lande unde menche stolcze stad Wig. Gerstenberg chron. 64; diese stolze stadt (Venedig) stund damals auf dem höchsten gipfel des wohlstandes Haller Usong 45;

da, wo die Pleisse sich mit krummen fluthen schlingt, ...
liegt eine stolze stadt
Zachariä poet. schr. 1, 7;

des stolzen Ilions Bürger 151b Bohtz; das stolze Rom erschreckte uns nicht mit seiner herrlichkeit Hölderlin 2, 85 Litzmann; dem ohngeachtet verdient das geringfügige Nördlingen vor dem mit graben und bollwerken umschanzten stolzen Ulm (in einem stücke) den vorzug Schubart briefe 1, 100;

als, rings umpflanzt mit wolkenhohen thürmen,
das stolze Wien mir aus den augen kam
Blumauer ged. (1782) 139 (
Lessing 8, 35).

auch: die stolze lage Genuas Gutzkow werke 11, 128. — theile heben sich hervor: stolze thürme, die hoch ragen (Pfeffel poet. versuche 1, 48); da winken mir die stolzen thürme der fürstlichen residenz Kotzebue dram. w. 2, 192 (kind der liebe 3, 1); bald darauf gelangt man an einen oben flachen hügel, auf welchem einst Pergamons stolze zinnen sich erhoben haben sollen Moltke ges. schr. 4, 92;

seht! wie die Türken schon betrauren
den fall der vor so stolzen mauren
von König gedichte (1745) 102;

von der paläste stolzen mauern
J. G. Jacobi 1, 10.

auch:

wer schätzt der stolzen thore zier?
wer kann der dächer pracht, der flügel grösze nennen?
Gottsched gedichte (1751) 1, 40;

weh euch, ihr stolzen hallen! nie töne süszer klang
durch eure räume wieder
Uhland ged. 1, 308.


c) von der natürlichen landschaft u. s. w.: die stolzen berge Lohenstein Ibrahim sultan (1680) 46; das stolze gebirge Hölderlin 1, 61 Litzmann;

lasz mich von deinen stolzen höhn
mein wohnhaus, gottes welt besehn! Mildheim. liederbuch 12;

stoltze klippen Sigm. von Birken fortsetz. der Pegnitzschäferei (1645) 24;

gar sittiglich thut schmelzen
der schnee, wan er crystallenrein
fleust ab von stoltzen felsen
Spee güldenes tugendbuch 26;

wieder glänzt ihr, stolze firnen,
jeden abend, jeden morgen
frische rosen um die stirnen
Herwegh gedichte eines lebendigen 2, 44;

stolz sind die fluren Paphos
Mastalier ged. (1774) 12.

land und volk: das stolze Frankreich erobern Nicolai Seb. Nothanker 1, 31; das stolze Britannien Schubart leben und gesinnungen 2, 31; vgl. die vermittlung zum vorigen von Britanniens stolzem eiland Klopstock oden (1889) 1, 11;

allein es regten sich im stolzen occidente
drey starke machten fast zugleich
Gottsched gedichte (1751) 1, 7.

stolze wellen (vgl. Rachel satyr. ged. 20 neudr.): bis hie her soltu komen und nicht weiter, hie sollen sich legen deine stoltzen wellen Hiob 38, 11;

[Bd. 19, Sp. 246]


es schwellet sich das meer mit stolzen wellen auf
Neukirch anfangsgründe (1724) 123;

die stolzen wellen
legen sich mit ihrer wuth
Gottsched gedichte (1751) 1, 219

(bildlich) eile dich uns einzuschiffen auf diesem stolzen strom Schleiermacher I 5, 614; es wird mir gar schauerlich zu mute dabei, dasz du dich dem stolzen herrischen element (dem meere) vermähltest E. Th. A. Hoffmann 2, 52 (doge und dogaresse);

das stoltze wasser nauff gehemmet
an himmel in die höhe hoch,
scheint wie es sich erfrewe noch,
dasz es die welt hab vberschwemmet
D. v. d. Werder buszpsalmen (1632) B 4b;

(es wird) Bosphorus den rücken
vor dem geschwollnen arm der stoltzen Donau bücken
Pietsch ges. schr. (1740) 6;

bescheiden rieselt so durch blumenpfade
der kleine bach, von stolzen flüssen fern
Gotter gedichte 1, 4;

(bildlich) (der reiche fürst) lässt die quellen seines landes in stolzen bögen gen himmel springen Schiller 3, 390 (kabale und liebe 2, 1);

drum sog der wind, der uns vergeblich pfiff,
als wie zur rache, böse nebel auf
vom grund des meers; die fielen auf das land,
und machten jeden winzgen bach so stolz,
dasz er des bettes dämme niederrisz Shakespeare 1, 200 (sommernachtstraum 2, 1).

stolze eisbahn, schön, auszerordentlich glatt und fest vgl. und up der Elve was so stolten slichtenbane ok nie gedacht gelik wo se dussen winter was Lappenberg Hamb. chron. 182 (z. j. 1541). — dasz meine leidenschaft in so stolzen flammen aufsprüht Bettine die Günderode 1, 75. — (allitterierend):

eia starck und freche wällen,
eia starck und stoltze windt,
ihr mich nimmer sollet fellen
Spee trutznachtigal 105;

des höchsten machtstimme, ... wenn ich sie zum ersten mal durch die stolzen wolken rollen höre der arme mann im Tockenburg 2, 260; das stolze weltall hatte seine grosze brust schmerzlich ausgedehnt Jean Paul Titan 1, 13; wenn die mücke in ihren stralen sich sonnt; kann sie das strafen, die stolze majestätische sonne Schiller 3, 368 (kabale und liebe 1, 3).
d) in der sphäre menschlichen gebrauchs, zum ausdruck des ausgezeichneten in seiner art, in leistung und wirkung: eine stolze waffe (Ratzel völkerkunde 2, 159);

(die helden,) die vor das vaterland ihr leben aufgesetzet,
und in der feinde blut das stoltze schwerdt genetzet
Andr. Gryphius w. 22 Palm;

er (der könig) trägt ein stolzes heldenschwert,
und eisen steht, wie gold, im werth
Hebbel I 3, 349 (steinwurf 1);

auch:

gebt gott allein die ehre
und schwingt nicht stolzen brand
Rückert werke 1, 161;

von geistiger waffe:

was ist der stolzen feder frucht?
was wirkt des dichters wirbelsucht?
zum mindsten, glaub ich, Odysseen!
Eschenburg beispielsamml. 1, 48.

die stolze rüstung Bürger 163b Bohtz (daneben überm stolzen rüstgezeug 173); seine stoltze schupen sind, wie feste schilde, fest und enge in einander Hiob 41, 6; vgl.

(den leib,) den vor kurzer zeit
mit stolzem licht der panzer hielt umfangen
A. v. Droste-Hülshoff 2, 196.

dein stolzer wagen Ramler lyr. ged. (1772) 126 (Bürger 165 Bohtz) ndd. en stolte brûdwâgen Schambach 212a;

und stolzen siegeswagen
stürzt ich mich brausend nach
Mörike 1, 137.

vgl.:

ich sehe karossen stolz und reich moderne dichtercharaktere (1885) 8.

auch:

nimm hin die stolzen zügel, nimm
die peitsch und fahr
Bürger 161a Bohtz;

mit stolzer flotte Ramler lyr. ged. (1772) 115; die stolze Brittenflotte Rückert werke 1, 83; das stolze geusengeschwader Raabe I 5, 514;

[Bd. 19, Sp. 247]


die stolze flottenrüstung seiner maste
erschreckt den alten Belt in seinem meerpallaste
Schiller 15, 1, 10;

besonders stolzes segel u. s. w.:

doch seh ich schon das schiff mit stoltzen segeln gehn
Neukirch anfangsgründe (1724) 123;

ein weibchen, die der turteltaube
an sanftheit und an treue gleicht;
die, anspruchslos, in schlichter alltagshaube
die niedern seegel gern vor stolzen flaggen streicht
Gotter 1, 254;

wie nunmehr mancher meint, dass kunst den adel lähmt,
und bücher übel stehen, bey stoltzen rittersfahnen
Treuer deutscher Dädalus (1675) 1, 44;

stolzes zeichen,
das voran im streite weht!
Arndt w. 4, 15;

bunte fahnen,
die stolzen zeichen der erlauchten ahnen
Geibel 1, 10;

von einem theatervorhang:

diesz gefühl, wann ich der symphonie
begeisterndem signal sonst froh entgegen lauschte,
und, mit dem letzten ton, der stolze vorhang rauschte
Gotter 1, 268.

von kleiderpracht ein stolzes kleid prächtig in material und farbe, von vornehmem schnitt (un vestito superbo Kramer dict. 2, 983b; vgl. Vilmar hess. id. 402, Crecelius oberhess. wb. 812; götting.-grubenh. en stolt klêd Schambach 212a); stolcz kleydunge apparatus Diefenbach gloss. 42a; auch Serv. Asinius Göschenus als prätor auf seinem stuhle, die toga in stolze falten werfend Heine 3, 66; die andern kleider sind auch schön, und seide ist immer ein stolzes tragen Stifter 3, 290;

so ziehen wir jungfrauen,
geschmücket wie die pfauen,
durchs land mit stolzem putz,
den männern nur zum trutz
Brentano 2, 405;

niederd. van stolten bedden Lappenberg geschichtsquellen des erzstiftes und der stadt Bremen 71; die stolzen federhüte Jean Paul flegeljahre 1, 149; ein stolzer hut Kluge studentensprache 128a; thierzähne als eine stolze gesichtszierde der naturvölker Ratzel völkerkunde 2, 239;

fahr, hin, du stoltz geschmeidt, dasz du mich wilt braviren
Zinkgref auserles. ged. 21 neudr.

die männer aber trugen stolze orden
an jener stelle, wo das herz soll schlagen;
wie sind sie überglücklich doch geworden,
dasz sie so kleine kreuzlein dürfen tragen!
Jul. Mosen (1863) 1, 55;

seine stolze habe Platen 1, 6; norddeutsch bei einem geschäft einen stolzen thaler geld verdienen, d. h. tüchtig verdienen Adelung, wie sonst einen schönen thaler; mit spöttischem beisinn:

vom bapst der wolff hatt römsch gewalt,
die manchen stoltzen heller galt,
das man dem wolff vergeben solt,
und absolviern von pein und scholt
Alberus fabeln 52 (11) neudr.

— diese stolze erfindung (die orgel) Schubart ästhetik der tonkunst 277; (zugleich personific.:) es ist nicht stoltzers, dann ein volle tasch S. Franck sprüchw. (1541) 127b (Bebel sprüchw. [1548] 173b).
e) in hauswirthschaftlicher sprache:
α) stolz von der butter, 'wenn sie des winters aus der kälte gebracht wird und sich nicht recht auf das brod schmieren lässt' Bock Pruss. 67, Frischbier 2, 375a (Heynatz antibarbarus 2, 453) also 'spröde, widerstrebend' (s. oben unter 2); doch möglich, dasz sich hinter der (dann überhaupt den ausgangspunkt gebenden) ndd. form stolt nur das part. pass. von stollen verb. (sp. 210, dort unter 3) verbirgt.
β) stolze wurst (götting. grubenh. stolte wost) besonders von gutgestopfter mettwurst, der königin unter den würsten; eine grosze blutwurst heiszt stolzer Heinrich, niederd. stolten Hinerk (auch gastronom. benennung für einen mit füllung zugerichteten gänsehals) Schiller zum meklenb. thier- und kräuterb. 2, 32a; zu dem ausdruck stolzer Heinrich vgl. oben unter a.
f) in technischer sprache:
α) aus der ursprünglichen sphäre des wortes unter 1 geschöpft), in der bedeutung von 'steil' (eigentlich 'zu sehr emporgerichtet'); die treppe ist sehr stolz als handwerksausdruck

[Bd. 19, Sp. 248]


Helfft landbaukunst 349; stolz auch von einem augenfällig zu steilen spitzbogen Schoenermark-Stüber hochbaulex. 802.
β) als malerausdruck stolze farben, die besonders frisch, glänzend, lebhaft in die augen fallen (sonst auch hohe farben s. th. 4, 2 sp. 1599 unter III, 1 l β); der pinsel eines gemäldes ist stolz, wenn die farben tokiert aufgetragen und die tinten nicht verrieben sind Jacobsson 4, 305a (heute pastös); die manier des Michael Angelo ist stolz und erschrecklich ebenda; eine stolze zeichnung flieszend entworfen (ebenda); substant. ein gemälde hat niemals das stolze des originals ebenda (frz. entsprechend fierté).
8) abstract:
a) anknüpfung an oben 6 bildet stolzer mut (animo altiero, fastoso e pieno di fumo e di puzza Kramer dict. 2, 983a): wie er (Paulus) den stoltzen mut gehabt hat omnes perdendi Luther 29, 48 Weim.; wie lange wiltu solchs reden? und die rede deines mundes so einen stoltzen mut haben? Hiob 8, 2; hoffertige augen und stoltzer mut spr. Salomon. 21, 4; stoltzer mut kompt für den fall 16, 18 (28, 681 Weim.);

dann eigen sinn, und stoltzer mut,
thun selten oder nimmer gut
Alberus fabeln 24 neudr.;

Johannes aber, ... do er sahe den rust der feind, ist jm angst worden, hatt er sich geförcht, gelage jhm sein stoltzer mt Steinhöwel de claris mulieribus 314;

gar hesslich wil ich dir verkeren
dein angsicht, welchs schawt gott den herren,
und brechen deinen stoltzen mut
Krüger aktion von dem anfang und ende der welt B 5b;

hie (im tode) ist der stoltze muth geendet
und in ein tunckel grab verwendet Königsberger dichterkreis 46 neudr.

auch: den stoltzen mut schärfen ihn anfachen, anfeuern, stärken Rachel satyr. ged. 33 neudr.; (vereinzelnd:) 'übermüthiger einfall, plan, gedanke' in der wendung gar manchen stoltzen muth (haben) Reinicke Fuchs (1650) 185. — in dem sinne von stolzmütig (s. unten) aus (mit) stolzem mut:

doch vil sagen ausz stoltzem muth:
Hans Sachs 18, 35 Keller-Götze;

als wol der babst aus stoltzem muth
mit seinen jesuiten tut
Ringwaldt evangelia C 2b;

lasz andre sich mit stoltzem muth
erfreuen über groszes gut
P. Gerhardt bei
Fischer-Tümpel 3, 387a;

der feind schlug alles aus, des Persen trotze macht
hat, was Gurgistan bat, mit stoltzem muth verlacht
A. Gryphius trauersp. 165 Palm.

ersetzt durch den einfachen genitiv:

auf gros reichtm trtzende stoltzes mts
Melissus psalmen 187, 7 neudr.

auf eine besondere art wieder aufgelöst:

voran dem zug sprengt Alhards stolzer muth
A. v. Droste-Hülshoff 2, 212.


α) noch deutlicher als seelische gesammtanlage (und so stärker zu b sich stellend) stoltz gemüt, undultig, unhandsam asper animus Maaler 389d; (du mögest) dein stoltzes heldisch gemüt brauchen und üben Hutten 1, 449; (des Coriolanus eigenschaft,) das er unbehüter wort und eyns stoltzen gemüts was Carbach Livius 33b; da nun aber jede verpflichtung sein stolzes, herrschsüchtiges gemüt wie eine last drückte E. Th. A. Hoffmann 2, 18 (doge und dogaresse); er hatte noch nicht alles gesagt, was ihm sein stolzes gemüth (eingab) Dahlmann franz. revolution 74.
β) in tautologischer steigerung dein stoltzer hochmuth volksbuch vom dr. Faust 19 neudr. (Arnim 21, 178). auch ir stoltze hoffart Hans Sachs 1, 219 Keller; stoltzer übermht nachtbüchlein (1559) 221. — andrerseits auch (als oxymoron) stolze demuth Schubart gedichte (1825), 1 v (vorbericht); und wenn der mensch nach der höchsten persönlichsten ehre der arbeit ringt, so sagt er in stolzer demuth, er arbeite zur ehre gottes W. H. Riehl deutsche arbeit 17.
b) ähnlich dem vorigen stolzer sinn: weder die sinne noch der wille mit kainer kraft zu frey noch zu stoltz wäre Tauler sermones 27a; hüttet euch fur trotzigem

[Bd. 19, Sp. 249]


stoltzem synn Eberlin von Günzburg 3, 203 neudr.: (sprichwörtlich) kein klein veracht aus stoltzem sinn Eyering 1, 669;

dess wirdt er sich mit stoltzem sin
berühmen sehr an allem ort
Spreng Ilias 97b;

die letzte regung des stolzen makedonischen nationalsinns Mommsen röm. gesch. 2, 42; neben hochmut: in hochmut und stoltzem sinn Jesaja 9, 9. — in dem widerspruch der an sich unverächtlichen stolzen gesinnung, die ihrer natur nach auf würde anspruch macht O. Jahn Mozart 4, 223; der harte psalm (der 68.) voll stolzer kriegsgesinnung Herder 12, 67. — er vergasz in diesem stolzen gefühle die beweggründe seiner verbindung mit dem teufel Klinger werke 3, 144; (ich) rief mir mit einem stolzen gefühl jeden ausdruck des wohlwollens oder der freundlichkeit ... in die seele zurück Fouqué ge fühle, bilder 1, 272; von einem seltsamen, freudigen, ja stolzen gefühle durchdrungen Steffens was ich erlebte 1, 97; (es) beschlich mich ein stolzes gefühl Keller 2, 49; in diesen worten Ottos spricht sich das stolze gefühl dieses gegensatzes ... aus Nitzsch deutsche studien 32; auch: niemand kann mit so stolzem selbstgefühl seinen heimatsboden besitzen als der marschbewohner, der ihn zum teil geschaffen und mühevoll errungen hat Allmers marschenbuch 1, 10. — (der siebzigjährige ortsvorsteher,) der als erfahrener leitbock den zug mit gleich stolzem bewusztsein anführte, wie er seinen sitz in der gerichtsstube einnahm A. v. Droste-Hülshoff 2, 263; lasse dir an dem stolzen bewusztsein genügen, dasz du ein wunder — hättest vollbringen können Schnitzler Anatol 37. — (das buch) heget aber keineswegs die stolze gedanken, durch seine lehre ... alte gute weydmänner eines besseren zu unterrichten Heppe lehrprinz (1751) 13. — trieb, alles zu verzerren und zu miszbrauchen durch seine stolze vernunft Klinger werke 3, 146. — sein stolzer geist zürnte der schwäche seines herzens 3, 14; schon siegte der bürgermeister in stolzem geiste 69.
α) ein stolzes, aber ungereimtes vorurtheil Herder 15, 311; (wir müssen) unsre stolzen vorurtheile verläugnen 13, 228;

sölte man den ietzigen pfaffen das alles nachlan,
das sie erdenkend us iren stolzen eintönigen grinden,
sie wurdend uns die hut über die oren ab schinden
Nik. Manuel vom papst und seiner priesterschaft 1318;

(nachdem) durch stoltzen wahn im wissen
das arme christenthumb in stücken ist gespliessen
Opitz 4, 347;

die ihr euch weise meister
im stolzen wahn genannt
Schenkendorf ged. (1815) 11.

eine seiner stolzen grillen Klinger werke 3, 33;

er vermied die stolzen grillen,
die so manchem Ikarus
seinen kopf mit winde füllen
Neukirch ged. (1744) 20.

ich habe wüstlinge gekannt, ... die lange mit der stolzesten überzeugung ihr verächtliches leben führten Tieck 4, 65.

ich fühle
mit demutsvoller dankbarkeit die gnade,
die eure königliche majestät
durch diese stolze meinung auf mich häufen
Schiller 5, 2, 303 (don Carlos 3, 10), nicht nur wie sonst hohe meinung, sondern 'meinung, welche einen andern stolz macht, auf welche man stolz sein könnte';

so auch (jene krone,) die seit tausend jahren mit den stolzesten und schmachvollsten erinnerungen des deutschen volkes verwachsen war Treitschke deutsche gesch. 1, 235. — seine stolze träumerei von der spartanischen abkunft Immermann werke 1, 119;

die träumten keinen stolzern traum
als schwerdterklirren und lanzenschieszen
Arndt werke 5, 347;

den abfall von der jugend stolzem traum
Geibel 6, 56;

vgl. die stoltzen getraum spilen in der betriegenlich nacht mit den menschen Albrecht von Eybe spiegel der sitten 25b.

[Bd. 19, Sp. 250]



β) stolze hoffnung u. s. w.: in seiner stolzen hofnung betrogen Lessing 8, 56; von dieser stolzen hoffnung so tief herabgesunken Klinger werke 3, 5; die insurgenten ... beklagten den verlust ihrer stolzen hoffnungen Mommsen röm. gesch. 2, 304;

mit empfindlichkeit sieht sie (die ehrgeizige königin)
in ihrer stolzen hoffnung sich getäuscht,
und von des thrones antheil ausgeschlossen
Schiller 5, 2, 358 (don Carlos 4, 12).

feuriger stolzer wunsch (Bürger 183 Bohtz); der wunsch, gutes zu thun, ist ein kühner, stolzer wunsch Göthe IV 4, 45 Weim. — stolze zuversicht E. M. Arndt schriften für und an seine lieben Deutschen 2, 461; mit stolzer zuversicht (eintreten, handeln u. s. w.) W. H. Riehl nov. 1, 336;

ich ging, mit stolzem geistsvertrauen,
auf dem jahrmarkt mich umzuschauen
Göthe 2, 268 Weim.

ich vor meine person konnte natürlicher weise nicht die geringste begierde haben, ihm diese stolze zufriedenheit mit sich selbst zu rauben Liscow sat. und ernsth. schr. 21 (vorr.); aus der gerundeten sphäre ihrer stolzen genugsamkeit fürstin Galizin an Göthe (Göthejahrb. 3, 283); mit stolzer bescheidenheit Justi Winckelmann 2, 1, 48; in stolzer schmollender zurückhaltung Moltke ges. schr. 1, 112; im stolzen behagen über ihre schimmernde pracht Seidel vorstadtgesch. 135;

und jezt da ihn die heilige natur
dir gab, dir in der wiege schon ihn schenkte,
trittst du, ein frevler an dem eignen blut,
mit stolzer willkühr ihr geschenk mit füszen
Schiller 14, 29 (braut von Messina 1, 4).

vor stolzer scham (erröthen) Stägemann kriegsgesänge (1813) 12; sich über den stolzen kaltsinn beklagen (Lessing 2, 51 freigeist 1, 1);

von stoltzem eigensinn, dem alles weichen soll
Canitz gedichte (1727) 25;

das erste, worauf erweckte seelen gemeiniglich fallen, ist stolzes verachten ... anderer Lavater verm. schr. 2, 90; mit stolzer verachtung Forster schr. 1, 73; stolze gleichgültigkeit F. M. Böhme gesch. des tanzes 146.
γ) eine stolze freude (Ebner-Eschenbach 4, 69): erheitre bey hartem schicksal deine seele, und im glück bezähme ihre stoltze freude Ramler einl. in die schönen wissenschaften 3, 55; mit stolzer freude Schiller don Carlos 2, 15; Brentano 5, 26;

auch hab ich noch so manche felder,
da man sich reichlich nehren kann,
so manche schattenreiche wälder,
da ich beliebter schäfermann
die herde kann mit stoltzen freuden,
und mit vergnügter anmuht weiden
Neumark fortgepfl. musik.-poet. lustwäldchen 1, 337;

wie viele lassen sich
durch rauschendes vergnügen,
durch stolzer freude lärm
um stille lust betrügen
Uz 2, 29.

im stolzen jubel maler Müller 1, 24. — wilch eyn seliger stoltzer trotz das ist, so man gewis ist, das man umb gottis willen leydet? Luther 15, 71 Weim.; mit stoltzem pochen und trotzen 30, 2, 25 Weim.; (die heiden) in ihrer stoltzen wuht Weckherlin ged. 1, 342; ein mehr stoltzer schmertz 2, 166; seine stoltze zärtlichkeit Cramer nordischer aufseher 53; in stolzem grimme maler Müller 1, 205; einen wegen seiner stolzen grobheit hassen (Jean Paul Hesperus 2, 54).
δ) strebende, stolze kraft des geistes Klinger werke 3, 4;

die stoltze gluth der jungen brust
Lichtwer Äsopische fabeln (1748) 58.


c) stolze ruhe bei Luther: das mein volck in heusern des frides wonen wird, in sichern wonungen und in stoltzer ruge Jesaja 32, 18; und danach schlagwortartig, vgl. Teller in den beiträgen zur deutschen sprachkunde (1796) 2, 221 zu Witzel annotationes in sacras litteras 96a: wer hat sein tage gehört, das Deutsche 'stolze ruge' sprechen? ... sonst hiesz es 'in reicher ruge' (Teller erläutert unsern wortbegriff als 'ehrenvolle ruhe'; vgl. noch Luthers erwägungen zu Sacharja 1, 15: das wörtlin 'stoltz', auf ebreisch 'saanannim', kan ich

[Bd. 19, Sp. 251]


auf deutsch nicht gnugsam geben. denn es heist 'sicher, gewis, frey, on sorge und furcht sein', als wenn die grossen herren sich so gar hoch auf yhr gut und gewalt verlassen Luther 23, 517 Weim.): wann die völcker wohnen können in den heusern des friedes, in sicheren wohnungen, und in stoltzer ruh Reinicke Fuchs (1650) 174 (politischer maulaffe, kupferblatt); wir leben in stolzer ruhe nous vivons en profonde paix Schwan dict. 2, 724a;

ach hilff, dasz ich in stoltzer ruh
jetzt frölich mög in Sion weiden
Joh. Rist bei
Fischer-Tümpel 2, 210;

wie glücklich, rief Apoll, ist dieses volk zu nennen,
dasz so beglückt und frei in stolzer ruhe lebt!
Triller wurmsaamen 2, 4;

er (der adler) kämpft mit macht und dringt
mit ihr (der natter) hoch in die luft, zerreiszt sie mit den klauen
und schleudert sie herab und fliegt in stolzer ruh
wie sonst der sonne zu
E. v. Kleist 1, 96 Sauer;

ich hörte dort (im grünen) in stolzer ruh
der büsche hellen kehlen zu 1, 39;

alle wollen lieber in diesen güldenen ketten verschmachten, als bey mittelmäszigem glücke, stoltzer ruh und edler freyheit genüszen Lohenstein Arminius 1, 142a; fern sey es also von uns, die stolze ruhe und den süszen schlummer, worin unser vaterland liegt, nur einen augenblick zu unterbrechen! Wieland 1, 129; auch:

eh geh die stoltze ruh
der sichren länder ein!
A. Gryphius 32 Palm;

gestärkt in reiner freuden fülle,
kostet sie der götter stolze ruh!
Hölderlin dicht. 1, 105;

seitdem auch: stoltzer friede tuta et tranquilla pax Corvinus fons latinit. (1641) 920; in stoltzem frieden (leben) volksbuch vom geh. Siegfried 93 neudr.;

begraben liegt, doch lebt nunmehr in stoltzem friede,
der deiner wütterey, o schnöde welt, ist müde
Logau sinnged. 92;

schöne oder stolze sicherheit über das schon erreichte Fr. Schlegel werke 5, 153;

dann hier (im himmel) ist die feste burg aller stoltzen sicherheit
Logau sinnged. 265;

inmitten tiefer und stolzer waldeinsamkeit A. v. Droste-Hülshoff 2, 262;

was ist ein name, wo der herr allein
in stolzer einsamkeit spricht zu den wüstenein
Freiligrath 5, 11.

das stoltze glück Simon Dach 711 Österley; Pfeffel poet. vers. 1, 159; der Welfen stolzes glück Weichmann poesie der Niedersachsen 1, 33;

und so berauscht (ist Cyprian)
vom stolzen glücke des alleinbesitzens
Schnitzler der grüne kakadu 18.

diese stoltze ehre gebührete ... Bodmer crit. poet. schr. 1, 32; die ehre des bürgers gegen den kavalier, ist die stolzeste in der welt Iffland theatr. w. 1, 179 (verbrechen aus ehrsucht 3, 5). hierher auch stolzer sieg, glänzender sieg: erzähle es unter deinen stolzesten siegen, dasz du das herz eines weibes brachst! Schiller 3, 307 (Fiesko 4, 10);

dein tod eröfnet mir den weg zu stolzen siegen
Gottsched deutsche schaubühne 1, 21.

stolzes schicksal: geschichtschreiber und dichter möchten uns gern überreden, dasz ein so stolzes loos dem menschen fallen könne Göthe 22, 89 Weim. — stolzes leben, prächtige, auch üppige, übermüthige lebensführung: denn umb seines stoltzen und bübischen lebens willen ... ist er des regiments entsetzet Binhardus thür. chron. (1613) 16;

solde ich also ein stulczes leben
umb mîner swester klaffen begeben? Alsfelder passionsspiel 60 (als worte der Maria Magdalena).

stolze sitte von vornehmer, edler art:

sie zeigt so stolze sitten,
des wundert er sich sehr
Mörike 1, 36;

vgl.

sus quam er dar mit stolzen siten
in den rinc hêrlîch mit wâpenkleit geriten Lohengrin 2074.

[Bd. 19, Sp. 252]


entsprechend stolzer brauch:

sie führen einen stoltzen brauch
Spreng Ilias (1610) 14b;

das röslein hat gar stolzen brauch
und strebet immer nach oben
Göthe 1, 173 Weim.

es giebt stolze tugenden, die mehr erschrecken als frölich machen Cramer nord. aufseher 1, 47; die stolze freiheit Arndt 4, 7; die stolze pflicht 6;

(könig Johann:) und wenn wir dieses weigern, was erfolgt?
(Chatillon:) der stolze zwang (the proud control) des wilden blutgen kriegs,
zu dringen auf diesz abgedrungne recht Shakespeare 5, 8 (könig Johann 1, 1);

die stolze trägheit, mit worten alles abzuthun Herder 22, 11.
d) die stoltz armut Gargantua 20 neudr., dazu oben unter 1 c der stoltze bettler zu vergleichen.

's war eine thränenschwere zeit
voll bittrer lust und stolzem leid
A. v. Droste-Hülshoff 2, 120;

sein stolzer hunger wächst, je mehr dasz du ihm gibst
Göthe 9, 16 Weim.;

bey ihrem gutsthun siehts so wie beym stolzen geiz aus Hippel lebensläufe 1, 102;

gleich fern von dürftigkeit und stolzem überflusz
Wieland 9, 97;

nicht ein traurig büszen,
stumpfes harren, stolz verdienen
halt euch in der wildnisz fest
Göthe 3, 14 Weim.;

stolze prunksucht türmte dich einst, o grabmal
Platen 1, 170 (die pyramide des Cestius).


e) eine stolze zeit, die sich durch die ereignisse weit über den sonstigen gang der zeiten hinaushebt: vermächtnisz einer stolzen zeit Körner 1, 109 (Hempel); in jener stolzen zeit (meines lebens, wo ich politik trieb) W. Raabe I 6, 154; auch:

hohe blume, also hier
soll deine stolze blüthenzeit verrinnen
A. v. Droste-Hülshoff 2, 229.


α) stolzer tag, augenblick u. ä.: ich freue mich, in diesen stolzen weltgeschichtlichen tagen ihnen die hand zu drücken A. Ruge briefw. 2, 9; es war ein trauriger, aber ein stolzer tag Ebner-Eschenbach 4, 368; und wenn sie (die groszen meister) auch selten zur kirche gingen, so bekundeten sie doch gerade in den stolzesten augenblicken ihres schaffens jene tiefste demuth stillen gebetes W. H. Riehl deutsche arbeit 167.
β) im volksthümlichen festkalender der stolze montag pfingstmontag: der stolz mäntag mon. boic. 20, 498; vgl. Schmeller2 2, 755; auch in Feldkirch. urk. (statth. archiv Innsbruck) Grotefend 1, 183a, wie der hohe mittwoch der mittwoch nach Pfingsten (s. th. 4, 2 sp. 1603 hoch III 2 d). doch vgl. der geile montag der montag vor aschermittwoch (s. th. 4, 1, 2 sp. 2583 geil 1 c β und die zusammenstellung stolz und geil oben unter 4 a).
f) stolzes wort zu umschreiben mit 'hochfahrend, übermüthig, trotzig' u. s. w.: denn die geyster, die so mit stoltzen worten pochen und poltern, die thuns nicht, sondern die heymlich schleychen und den schaden thun, ehe man sie höret Luther 15, 215 Weim.; denn sie reden stoltze wort (ὑπέρογκα), da nichts hinder ist 2. Petr. 2, 18 (vgl. Judasbr. 16); das wolt er (der knecht) nicht thun, und fluchet dem herren vbel und gab im stoltze wort Pauli schimpf und ernst 45a; (er) begeret mit viel stoltzen worten von dem könige, ... sich und sein königreich dem soldan zinszbar machen buch der liebe 319b;

er (Christus) schlicht uns nach an alle ort,
und gitt uns vil der stoltzen wort
Mone schausp. des mittelalters 2, 242;

der fängt ein schäferlied mit stolzen worten an
Neukirch ged. (1744) 158;

ganz andern inhalt hat das stolze heldenwort voll selbstgefühl vgl. Scherer litteraturgesch. 56, und zur begrifflichen sphäre:

solang im Sunde
rothe wikingswimpel fliegen,
ist kein schrei so stolz und trotzig
einer männerbrust entstiegen
Weber Dreizehnlinden 34.

[Bd. 19, Sp. 253]


in der zusammenstellung mit entsprechenden adj.: ein fräfen, stoltz und widerspennig wort protervum dictum Maaler 389d; stoltze und aufgeblaaszne wort ebenda; auch hoher und stoltzer wort brauchen ampullari Brack (1487) bei Diefenbach gloss. 637b; grosze, hoche und stoltze wort treyben und auszstossen ampullari Maaler 389d; uff sölche stoltze unbescheidne wort (antworten) Tschudi chron. helvet. 1, 88. — im edlen sinne 'groszes, bedeutendes, gedankentiefes wort': szo ist das wort (das evangelium) szo stolcz und wyl nichts leyden Luther 34, 1, 543 Weim.; nie war ein gröszeres stolzeres wort über mich ausgesprochen worden Göthe 19, 84 Weim.; (der heiland hat) durch seine guten, starken und stolzen worte eine mächtige fülle von gedanken und leben in die menschheit geworfen Frenssen Jörn Uhl 368;

denn er war unser! mag das stolze wort
den lauten schmerz gewaltig übertönen!
Göthe 16, 166 Weim. (epilog zu Schillers glocke);

was redet ihr so viel von höhen! höhn!
laszt weg aus eurem munde das stolze wort
Herder 12, 199.


α) welche ein stoltze antwort gibt der eselskopff Luther 16, 151 Weim.; eine freche und stoltze antwort 24, 137 Weim. (Archenholz England und Italien 1, 28); sprichwörtlich uff stoltze wort gehört eine stoltze antwort Fried. Wilhelm sprichw. reg. ee 2;

dich hilfft dein stoltze antwort nit
Hans Sachs 2, 7 Keller

die stolze warnung Mommsen röm. gesch. 2, 176; stolzer befehl vgl. Brentano Godwi 1, 23.
β) der stolze name gewöhnlich in edlem sinne: der stolze name einer ontologie, welche sich anmaszt, von dingen überhaupt synthetische erkenntnisse a priori in einer systematischen doctrin zu geben, ... musz dem bescheidenen einer bloszen analytik des reinen verstandes platz machen Kant 3, 207 (kritik der reinen vernunft); im fünften jahr seiner herrschaft, im jahr 1804, legte er (Napoleon) sich den stolzen namen kaiser von Frankreich und könig von Italien bei Arndt schriften für und an seine lieben Deutschen 1, 235;

daher verwarf Pythagoras
den stolzen namen eines weisen
Gottsched gedichte (1751) 1, 268;

nicht an wenig stolze namen
ist die liederkunst gebannt;
ausgestreuet ist der samen
über alles deutsche land
Uhland gedichte 1, 32.

ein stolzer beyname Adelung magazin für die deutsche sprache 2, 4, 46. — der stolze titel der 'arbeiter' ward in den tagen socialer bewegung ausgemünzt W. H. Riehl deutsche arbeit 312.
γ) eine stolze rede (Mozart bei O. Jahn 3, 137) u. s. w.: da Hannibal dise stoltze red ... hort und vernam Carbach Livius 192b: bey dem gegentheil einer stoltzen rede Chr. Weise polit. redner (1677) 728; stoltze und prachtige red superbiloquentia Maaler 389d; in einer stolzen wohlgesetzten rede maler Müller 1, 256; auch: ein stoltzes reden un parlare superbo Kramer dict. 2, 983a. — spöttisch:

allhier sind die grammatici
streitbare ziegenböcke;
die dünken sich kein schlechtes vieh
das zeigt ihr stolz geblöcke
Hagedorn 3, 50.

ein stoltzer spruch (Galat. 6, 13) Luther 34, 1, 7 Weim.; auch etwan triben sie umb byschoff und pfarrer, statt und herren mit iren stoltzen bullen und unmässigem predigen vor dem einfeltigen volck Eberlin von Günzburg 1, 14 neudr.; euer gestreng hat ein stoltzes fedbrieflein von N. erhalten Harsdörffer teutscher secretarius 1, C c 5b; die stolze inschrift Herm. Grimm Michelangelo 1, 6. — für das stolze, schöne evangelium (gewinnen) Frenssen Jörn Uhl 367. — stolzes lied (Ramler lyr. ged. 130; Börne 5, 78):

es klang von meiner leyer zwar
manch stolzes lied
Göthe IV 1, 45 Weim.;

[Bd. 19, Sp. 254]


meine etwas zu stolze ode Klopstock an Hagedorn (briefe 22 Lappenberg); hier (in der musik) findet man keine prächtigen und stoltzen verse Ramler einleitung (1758) 1, 233; das stolze lob der weisheit Pfeffel poet. versuche 1, 63. — vgl. noch zu schwülstige, zu stolze wörterpracht v. König gedichte (1745) 91.
g) stolzer ton u. s. w.: mit stolzem ton halbverdaute dinge (sagen) Gerstenberg Hamb. n. zeitg. 182 lit. denkm.; mit einem stolzen, rauhen tone (antworten) Tieck 17, 7; der geistige inhalt und der stolze ton (der streitschriften Glucks) O. Jahn Mozart 2, 253; mit stolzer betonung; mit stolzem nachdruck aussprechen 'ich bin ein Deutscher' Bennigsen die nationalliberale partei 77. — statt jeder antwort ein stolzes lächeln: dabey spatzierte er immer mit stolzem lächeln die stube auf und ab der arme mann im Tockenburg 2, 163; in der mutter züge kam ein heimliches, stolzes lächeln A. v. Droste-Hülshoff 2, 271;

und ein kühn, und stolzes lächeln treibt den frechen hohn zurück
Schönaich Heinrich der Vogler (1757) 15.

wenn man den frieden durch geld von ihnen erkauft hatte, hörten sie (die Deutschen) mit stolzem lachen, dasz der kaiser als neuen ehrentitel den namen ihres volkes angenommen Freytag bilder 1, 104.
h) stolze musik u. s. w.: sie (Mozarts musik) ist so erhaben und doch so herablassend, so stolz und doch jedem zugänglich, so tiefsinnig und verständlich zugleich Börne 1, 156;

folg ihr, wie in des stolzen rythmus
tanz sie mit leichtigkeit schwebt!
Klopstock oden 1, 197;

die jubelnden, doch königlich stolzen accorde und rhythmen einer sarabande W. H. Riehl nov. 1, 143; stolze triumphierende liedweise.
i) stolze wissenschaft u. s. w. (dazu oben der stolze gelehrte unter 1 e): wahn und selbstbetrug herrschen hier wie überall, vom felsenfesten schwärmer an bis zur stolzen schulphilosophie Zimmermann über die einsamkeit 1, 14; stolze gelehrsamkeit; eine stolze wissenschaft der nationalökonomie W. H. Riehl deutsche arbeit 131; die vielen stolzen werke des geistes 93; stolzes buch. — stolze kunst C. Knittel poet. sinnenfrüchte (1677) 137;

was sind die stolzen künste,
die man von Memphis holt? gefärbte wasserdünste,
die im beschaun vergehn, wie Iris bunter kreis?
Wieland moral. briefe 10, 157.


9) in verbindung mit einer präposition:
a) wider einen sich vor ihm brüsten, ihm gegenüber den kopf höher tragen: und der jünger wird stoltz sein wider den alten, und ein loser man wider den ehrlichen Jesaja 3, 5, vgl. Nehem. 9, 10; auch: dasz sie immer trotziger und stolzer wider die obrigkeit ... wurden Arnold kirchen- und ketzerhistorie 281a. —gegen: stoltz gegen den minderen oder schlächteren arrogans minoribus Maaler 389d;

nach diesem sieg war gar hochmütig
Alexander, stoltz und ungütig
gen seinen Macedoniern
Hans Sachs 8, 392 Keller.

vor: laszt mich immer einen augenblick stolz vor euch seyn Klinger neues theater 1, 48; aber alle groszen genien waren in ihrer arbeit stolz vor menschen und desto demüthiger vor gott W. H. Riehl deutsche arbeit 167. — selten und nur landschaftlich stolz auf jemanden ihm gegenüber Sallmann esthländische mundart 85, wie mit stolzem blick auf ihn herabsehend. die gewöhnliche bedeutung von stolz auf einen s. unter c β.
b) weiter bestimmend: stoltz von gmüht seyn die klein von leib Guarinonius grewel der verwüstung 72; stoltz von worten contumeliosus Maaler 389d, gebraucht stolze worte;

ist sie (die frau) von hohen (!) stamm und adel,
so thut sie was sie will,
sie leidet kein verweisz noch tadel,
und du must schweigen still,
ist frech und stoltz von hertz und sinnen,
zu wider ist dir jhr beginnen
G. Voigtländer oden und lieder (1642) 20;

viel töchter bringen geld und gut,
sind zart am leib und stoltz am muth
P. Gerhardt bei
Fischer-Tümpel 3, 377b.

[Bd. 19, Sp. 255]


stolz seyn im sinn arrogantiae opinione laborare Dentzler 277a (mhd. auch dafür der einfache genitiv:

sô was er selbe ein stolzer man des muotes Lohengrin 2073):

der ist gar stoltz in seinem sinn
Dedekind christl. ritter (1590) G 2b;

sondern hub sein haupt hoch empor,
und gieng fein auffgericht herein,
war stoltz in den geberden sein
Sandrub hist. und poet. kurzweil 58 neudr.;

das bild des manns in nackter jugendkraft,
so stolz in ruhe und bewegt so edel,
wohl ists ein anblick, der bewundrung schafft
W. Busch kritik des herzens 53.

mehr rein local, so im sprichwort: besser stolz am irdenen topfe als demüthig am goldenen tisch Simrock 10410; denen in ihrem gehege stolzen personen Hippel über die ehe 23.
c) der grund wird angegeben: stoltz vom sig subnixus victoria Maaler 389d; durch reichtum stolz (werden); aus anmaszung stolz. in gröszerer anschaulichkeit (doch nun ungewöhnlich):

gold ist jhr gott, geld ist jhr liecht,
sind stoltz bey groszem gute
P. Gerhardt bei
Fischer-Tümpel 3, 364a;

(d. h. mit stolzem protzigen behagen bei den aufgestapelten schätzen sitzen). — mit der präposit. in: erheb dich nicht deiner kleider, und sey nicht stoltz (ne ... extollaris Vulg.) in deinen ehren Jes. Sirach 11, 4;

sie soll zu trawrig nicht, zu lustig noch zu geil,
nicht stoltz in kleidern seyn
G. Voigtländer oden und lieder (1642) 73;


α) mit einem, wie das gewöhnlichere stolz auf eines im folgenden: o wie würd der flegelbeschiltete Marcolfus so stoltz mit seim Rustinco Rustibaldo werden? Gargantua (1) 30 neudr.; des edlen herrn Sidney Arcadia macht die Engellender fast stoltz mit jhrer sprach Opitz teutsche poemata 5 A 1a; rauft sich die welt noch um meine tochter, so hab ich ursach, mit ihr stolz zu seyn Hafner ges. lustspiele 1, 184;

es rühmt sich unsre zeit nichts mehr von Wittekinden,
dieweil wir ihn in dir annoch gedoppelt finden,
und bildet sich mit ihm das altertum was ein,
so haben wir wohl recht, gar stolz mit dir zu seyn
v. König ged. 33 (heldenlob Friedrich Augusts 1719).

dann auch 'spröde mit ihm thun, sich gerne damit nöthigen lassen':

ich, leb ich, werd allhie wol nicht der letzte seyn,
du weist, ich bin nicht stoltz mit meinem fiddelbogen
Simon Dach 775 Österley;

vgl.

wie stoltz die jungfern doch mit buhlern immer seyn!
kümmt einer etwa für, so kümmt ein andrer drein
Logau 343, 88.


β) stolz auf eines (dabei doch deutlich die vorstellung von einem, der mit einem gefühl von stolz auf einen gegenstand blickt, von ihm für seinen stolz nahrung zieht): wider die nassweisen, die aufsetzig auf yeden hafen ein deck ... finden, und auf alle ding stolz ein oben drauf haben S. Franck sprüchw. (1545) 1, 11b; sie (die schloszfrau) ist ... stolz auf wappen, goldkette, goldbrocat des hauses Freytag 17, 2. — der junker, der auf eine kette von wildschützen stolz ist Lichtenberg verm. schr. 3, 26;

ihr (der seifenblase) ist ein junges herrchen gleich,
stolz auf sein kleid, vom golde reich (
Chr. F. Weisze) lieder für kinder (1767) 15;

(vergleichend:) er ist stolz wie ein junger rathsherr auf seine kartenperrücke Wander 4, 878; das land, wo das mädchen, das das beste garn gesponnen hat, auf ihr werk so stolz ist als Voltaire auf sein marquisat Möser 1, 213; der Engländer ist auf seine faustfechter ... eben so stolz, als es eine alte jungfer auf ihre keuschheit ist Zimmermann von dem nationalstolze (1758) 22. — Sie können glauben, dasz man in Deutschland stoltz auf Ihren namen ist Lichtenberg briefe 2, 64 (Laroche fräulein von Sternheim 1, 32); ('Christen',) ein titel auf

[Bd. 19, Sp. 256]


den sie stolz sind Ritter erdkunde 1, 177; stolz auf den spitznamen Fontane I 4, 258;

ferner blick auf dein geschlechte
diesz verdient mit allem rechte,
dasz ein edler zweig dabey
stolz auf seinen stammbaum sey
Gottsched gedichte (1751) 1, 108;

stolz auf unsre vorzüge Klopstock briefe 11; (ein director,) der auf die sitten seiner truppe stolz ist Göthe 21, 65 Weim.; stolz auf selbständigkeit Wilh. Schlegel im Athenäum 1, 2, 16; sein bester trost war daher, stolz auf seine unabhängigkeit und einstweilige unbescholtenheit zu sein, und in diesem stolze liesz er die tage trotzig verstreichen und wandte die augen von der zukunft ab Keller 4, 93;

stolz auf sein glück und seine sicherheit
Mastalier gedichte 4, 6;

auf sein herz stolz seyn Adelung lehrgang der deutschen sprache 2, 63;

und wenn ich unklug muth und freiheit sang
und redlichkeit und freiheit sonder zwang,
stolz auf sich selbst und herzliches behagen,
erwarb ich mir der menschen schöne gunst
Göthe 2, 145 Weim.;

sey stolz auf den gedanken Klinger werke 3, 282; stolz auf die aufklärung und die herrschaft der vernunft Meinecke generalfeldm. v. Boyen 1, 13; (die bemerkung,) dasz gelehrte oft weniger stolz sind auf ihr wissen, als ungelehrte auf ihre unwissenheit Ebner - Eschenbach 4, 160;

der beste springer dieser knaben,
auf seine künste stolz und kühn
Ramler fabellese 1, 63;

gebt mir her die harf aus zedernholz,
die, auf neugeweihte saiten stolz,
gern am Karmel und am Sion tönet
Kretschmann werke 2, 71;

ich bin nicht stolz auf heldenthaten
und auf gelehrsamkeit
Lenz ged. 187 Weinhold;

weh dem, der nicht stolz auf die seinigen seyn darf! maler Müller 1, 356; ich (bin) stolz auf meinen urgroszvater L. Schücking an A. v. Droste-Hülshoff 24. — stolz auf das vaterland A. v. Humboldt kosmos 1, 40; stolz auf seine patriotische aufopferung Mommsen röm. geschichte 2, 68; stolz auf ihre heimische weise Freytag 17, 122;

stolz auf des vaterlandes ehre,
heischet sie (die muse des patrioten) kränze für ihre schwestern
Ramler lyr. ged. (1722) 163;

darum bleibt sie (die vom dichter verherrlichte jungfrau) auf einmal entzückt, tiefsinnig und lächelnd,
unter der versammlung ihrer gespielinnen stehn;
auf die unsterblichkeit stolz, wenn ihre schönheit dahin ist,
hat sie doch den nachruhm, ihre gespielinnen nichts
Klopstock oden 1, 37;

stolz auf unsterblichkeit erhöhn sich edle seelen
Croneck schr. 2, 6;

ein einziges ist noch zurücke,
und drauf ist jeder lord so stolz:
das ist eine ungeheure brücke
von holz
Göthe 17, 38 Weim. (triumph der empfindsamkeit 4).

als beispiel einer gedanklichen ellipse:

wir sterben
von wonne trunken: Friederich
bleibt hinter uns; ihr stolzen enkel sollt ihn erben
Ramler lyr. ged. (1772) 101 (d. h. der auf ihn stolzen).


αα) in relativer anknüpfung: eine herablassung, worauf das publicum stolz seyn musz Gerstenberg Hamb. n. zeitg. 167 lit. denkm.; was wollen denn die meisten dieser axiome bedeuten, worauf die geometrie so stolz ist? Göthe II 11, 80 Weim.; das ist's allein, worauf ich stolz bin der arme mann im Tockenburg 1, 5; elende prahlerey! werden sich die menschen das nehmen lassen, worauf sie nie stolzer sind, als wenn sie es miszbrauchen? Klinger werke 3, 33; was der grosze haufe an einem gemälde ... bewundert, das ist es wahrlich nicht, worauf die künstler stolz sein dürfen Forster schr. 3, 29; Adamberger, Teuber, lauter Teutsche, worauf

[Bd. 19, Sp. 257]


Teutschland stolz seyn darf Mozart bei O. Jahn 4, 151. — die umstände ... machen sie (die arbeit) mir zu einem vergnügen, auf welches ich stolz zu seyn ursache habe Lessing 8, 5.
ββ) stolz darauf, etwas zu thun (etwas zu besitzen u. s. w.): die Socratische weisheit war stolz darauf, den reichthum entbehren zu können Wieland 1, 90 (Agathon 2, 1); sie können nicht glauben, madame, wie stolz ich darauf bin, feinde zu haben Deinhardstein dram. w. 5, 197; ich lobe jeden Rigenser, der stolz darauf ist, so zu heiszen Holtei erz. schr. 1, 110; da es eine auszeichnung war, diesen schwierigen erdwinkel aufzunehmen, so war ich stolz darauf, es recht schön und ansehnlich zu thun Stifter 5, 1, 101; insofern euer excellenz überhaupt diese arbeit einer solchen auszeichnung würdig erachten, würde ich stolz darauf sein, sie der beurtheilung des erlauchtesten kenners zu unterbreiten Moltke ges. schr. 1, 186. — sey stoltz darauf, schwester, dasz ich dir ein stück der zeit schencke, die ich so nothwendig brauche Göthe IV 1, 19 Weim.
γγ) mit auslassung des hinweisenden und vorbereitenden darauf, mit causalem infinitiv: der cardinal war stolz, sein siegel mit den siegeln der übrigen cardinäle zu vergleichen Göthe 44, 11 Weim.; zwei geister, welche neben einander zu sehen das jahrhundert stolz war Brentano 9, 452; man war stolz, einen punct gefunden zu haben, wo nur die neueren canonische muster aufwiesen Justi Winckelmann 1, 268; der tapfere Gepidenkönig Ardarich war stolz, einer seiner (des Attila) getreusten zu sein Freytag bilder 1, 141; wir waren stolz, keinen der schulmänner bei uns zu haben, welche die grosze kolonne begleiteten Keller 1, 135;

das rosz,
das, einen solchen held zu tragen, stolz,
nicht müde von dem langen fluge war
Lessing 8, 36;

sie folgt ihrem gebieter nach,
stolz, dem trägeren erben
nachzulassen, was sie erkämpft
Herder 27, 35;

und ist sie stolzer, mensch zu sein,
mit menschen menschlich sich zu freun,
als über sie zu ragen
Schiller 6, 8.

mit folgendem dasz:

der jüngling werde stolz, dasz ihn
ein herz, wie meines, wählt
Miller gedichte (1783 154;

vergisz da deines freundes nicht,
der sich mit wonne stets und stets
mit stolz erinnern wird, dasz er
als arzt dir zweymal hat gedient, ...
der aber noch weit stolzer ist,
dasz du sein freund bist, so wie er
Sigm. Barisani in Mozarts stammbuch (
O. Jahn 3, 243).


γ) weniger anschaulich: wegen etwas stoltz seyn, andar superbo, tumido di qualche cosa Kramer dict. 2, 983a; dafür auch der blosze genitiv: jeder des lernens froh, keiner stolz des lehrens und berichtigens Voss antisymbolik 2, 2, wie schon mhd.:

(Ênîte) was sîner manheit
beide stolz unde gemeit Erec 2851;

dô wart der küniginne
diu kristenfrouwe für ir teil.
des wart sî stolz unde geil Flore 506.


10) in verbalen wendungen.
a) einen stolz machen, durch handlungen oder worte in ihm das gefühl des stolzes rege machen: stoltz machen animos tollere, efferre animos Maaler 389d (vgl. Rist friedewünschendes Teutschland 17; Wieland Agathon 1, 10; Leipz. aventurieur 1, 75); gute werck blehen auf und machen stoltz Luther 23, 508 Weim.; zu dem allem reicht es (das lange, vergebliche belagern einer festung) auch dem kriegsherrn zu gespött, macht jhn und sein kriegsvolck kleinmütig, und dargegen den feind behertzigt und stoltz Fronsperger kriegsbuch 1, 57; reichthum und schönheit machet stoltz richezza e bellezza generano alterezza Kramer dict. 2, 983b; so wird uns dieses glücke nicht stolz machen Mayr päckchen satiren (1769) 9; der glückliche fortgang meiner eroberungen machte mich stolz, und wer stolz ist, ist kühn Göthe 37, 23 Weim.;

[Bd. 19, Sp. 258]


sie danken mir wohl gar öfters so in ihrem herzen für meine belehrungen? sie werden mich noch ganz stolz machen! Mozart bei O. Jahn 3, 174;

Quintilius! dein kaiser macht mich stolz (durch die geschenke)
Kleist 2, 379 Schmidt (Hermannsschlacht 3, 5).

sich stolz machen, sich stolz zurückhalten, sich aus stolz versagen (doch zweifelhaft:) stehe nicht auf deinem eigen kopf, in deinem ampt, und mache dich nicht stoltz, wenn man dein darf Jes. Sirach 10, 29, wo freilich die Vulg. (et noli cunctari in tempore angustiae) für diese bedeutung eintritt (die Sept. hat καὶ μὴ δοξάζου) vgl. auch sonst bei Luther: ihr machet meinen glauben nur stöltzer und prechtiger 33, 667 Weim.
b) stolz werden (Göthe 23, 4 Weim.): ich werd stoltz ampullor, efferor, extollor, tumesco, sumo ferociam Alberus (1540) JJ 3b (Frisius 30a); wenn nu das hertz solchs fulet, ists nit muglich, das es nicht solt stoltz und mutig werden Luther 17, 1, 436 Weim.; wir (Artaxerxes) befinden, das viel sind, welche der fürsten gnade misbrauchen, und von den ehren, so jnen widerferet, stoltz und böse werden (abusi sunt in superbiam Vulg.) Esther 6, 2; wann man einem bawren liebkost, so wird er stoltz Lehmann florilegium polit. 1, 22; das gibt einen dicken grossen schweren regen, darmit wirdt dann der Nilus stoltz, vermeynt kein wasser zu seyn, sonder geuszt sich vber gewönliche gestaden aus und bedeckt das land Egypten wie ein meer buch der liebe 190; lasz ihn nicht stoltz werden Kramer dict. 2, 983b; wenn man die kinder unter einem jahre lässet in spiegel schauen, so werden sie stoltz Schmidt rockenphilosophie 1, 44 (Wuttke volksaberglaube3 392); (ein reicher hirte) hob an, stolz zu werden brüder Grimm sagen 1, 77;

ihr jungfern, hört mir zu; doch fasset die geberden
und meint durch meinen ruhm nicht stöltzer wo zu werden!
Logau 281, 58 (
Luther 5, 115b);

das er (der leib) nicht zu wilde und böse noch das fleisch zu stolz werde 24, 112 Weim.; darumb (weil ihm niemand widerstehen konnte) ward er (der teufel) auch seer stoltz und mutig 32, 40 Weim.; da er (Alexander) nu die königreiche innen hatte, ward er stoltz, und fiel in kranckheit 1. Maccab. 1, 5 (Daniel 5, 20); aber unser veter wurden stoltz und halsstarrig, das sie deinen geboten nicht gehorchten Nehem. 9, 16; das nicht jre feinde stoltz würden, und möchten sagen, unser macht ist hoch, und der herr hat nicht solchs alles gethan 5. Moses 32, 27. — stolz sein: ich bin stoltz, ich brang tollo animum, efferor, effero me, effero animo, ampullor, vendito me, ostento, superbio Alberus (1540) JJ 2a (Rückert werke 3, 5; supercilium attollere, die augen aufsperren, sich viel düncken lassen, stoltz seyn Corvinus fons latinit. [1641] 192); sey nicht stoltz (μὴ ὑψηλοφρόνει), sondern fürchte dich Römer 11, 20 (Thurneysser magna alchymia J 3 vorw.); wer gewalt und unrecht thut, mus zu letzt zum bettler werden, und wer stoltz ist, kompt zu letzt von haus und hofe Jes. Sirach 21, 5; und wer stoltz ist, den kan er demütigen Daniel 4, 34; den reichen von dieser welt, gebeut, das sie nicht stoltz seien (μὴ ὑψηλοφρονεῖν), auch nicht hoffen auf den ungewissen reichthum, sondern auf den lebendigen gott 1. Timoth. 6, 17; ist er (der spieler eines stückes) stolz, so musz er den ruhmräthigen machen Ramler einleitg. in die schön. wissensch. 2, 256; wie stoltz war ich dann, wann mich der vater lobte, dasz ich so gut gehütet habe! der arme mann im Tockenburg 1, 29; diese (ist) nicht so stolz, als sie in betracht ihres ansehens sein könnte O. Ludwig 2, 42; in der frage: ist sie sehr stolz? ... das fräulein mein ich G. Hauptmann einsame menschen 30 (1);

dasz sie darbey so stoltz noch sind,
rühmen, sie seyn gottes kind
Prätorius saturnalia (1633) 311;

weigert man sich (dem flüchtig liebenden gehör zu geben), so giebt man stich,
und rechnet es vor ein unhöffligkeit,
ja dasz man sey sehr stoltz dabey,
er schmehlt und hengt die lippen lange zeit
Gabr. Voigtländer oden und lieder (1642) 29, 6;

sie sind sehr reich! und sind sehr stolz!
wir sind nicht reich! und sind nicht stolz!
das hebt uns über sie!
Klopstock oden 1, 185;

[Bd. 19, Sp. 259]



wir sind nicht stolz, wie grosze leut Mildheim. liederbuch 24;

ja, Phillis, dasz du schöner bist,
gesteh ich dir gar gerne zu:
doch ist sie nicht so schön, so ist
sie nicht so stolz, als du (
Chr. Fel. Weisse) lieder für kinder 6 (schönheit und stolz);

der mensch soll nicht stolz sein
K. Elmar unter der erde (1856) 2, 14.

er (der munsterschreiber) muss nit stoltz ... sein Reuter von Speir kriegsordnung 5; der fürste der welt mag wohl stoltz sein, ... schadt uns der böswicht doch nicht Nigrinus von Zäuberern 123; du kannst dir gratulieren und stolz sein Fontane I 4, 38. — Ptolemeus, der son Abobi, der war seer reich, und der hohepriester Simon hatte jm eine tochter gegeben. darumb war er stoltz, und trachtet darnach, das er herr im lande würde 1. Maccab. 16, 13; aber sie waren stoltz, und gehorchten deinen geboten nicht, und sundigeten an deinen rechten, ... und wurden halstarrig, und gehorchten nicht Nehemia 9, 29 (vgl. Hesekiel 16, 50); sie (die Germanen) waren stolz; wer den anspruch erhob zu führen, ordnete sich schwer unter Freytag bilder 1, 52;

da gieng ein esel und war stoltz
Er. Alberus fabeln 106 (22) neudr.

(sie) hetten kain sorg, dasz inen etwas beschechen möcht und waren gar stoltz deutsche städtechron. 5, 429; dieser herr war sehr stolz Göthe 43, 106 Weim.
α) noch zu erwähnen: in sich stolz sein heimlichen, innerlichen stolz hegen: (ich) bin derselben ursach nach, so du anzügest etwas in mir stoltz, das din gesellen und du ... ab mir underrichtung anzenemen sich gesten Riederer spiegel der waren rethoric t 2a. — unter einander stolz sein und sich deshalb nicht vertragen können: warumb solten sie so demütig sein und des Carlstads, Zwingels odder Ecolampads text an nemen, so doch Carlstad, Zwingel und Ecolampad selbs so stoltz unternander sind, das keiner des andern text an nympt? Luther 26, 434 Weim. — einem stolz sein (für das gebräuchliche gegen, wider einen stolz sein vgl. oben 9 a):

da man hieng die dieb ans holtz,
war das recht niemanden stoltz:
nun man rauber henckt in gold,
ist dem armen recht nicht hold
Logau 78, 97.

noch weiter bestimmt: sie (die kinder der welt) machen war diese prophecey derer, die da sagen: 'weiche von uns, wir wollen deinen weg nicht, und mit aufgerichtem halse sind wir stoltz' Luther tischreden 474 (wohl in anlehnung an Jesaja 3, 16: darumb das die töchter Zion stoltz sind, und gehen mit aufgerichtem halse, mit geschminckten angesichten, tretten einher und schwentzen, und haben köstliche schuch an jren füssen).
β) (nicht) so stolz sein, dasz ...: der glaub ist so stoltz, das er bitt und gleubt, er werd erhort Luther 14, 282 Weim.; (nachdem Hamann) von jederman, als der nehest nach dem könige, geehret ward, ist er so stoltz worden (qui in tantum arrogantiae tumorem sublatus Vulg.), das er sich unterstanden hat, uns umb unser königreich und leben zu bringen stücke in Esther 6, 8; nicht als wäre ich so stoltz, dasz ich in dem papiere dergleichen versprechen künte Weise polit. redner (1677) 217; in Franckreich und Englandt seindt die mylords undt ducs so übermäszig stoltz, dasz sie meinen, sie seyen über alles Elisabeth Charlotte 4, 111; Eticho war so reich und stolz, dasz er einen güldenen wagen im schilde führte brüder Grimm sagen 2, 130;

sei deswegen nicht so stolz, dasz kein menschenkind zu finden,
welches dich im Bacchuskampf hätte mögen überwinden
Grob dichter. versuchg. (1678) 14;

wer ist so stolz in diesem land,
dasz er sein trauern tiefer meine
als jenes leid, das ich beweine?
Brenano 2, 79.

auch: ein könig hatte eine tochter, die war über alle maszen schön, aber dabei stolz und übermütig, dasz ihr kein freier gut genug war brüder Grimm kinder- und hausmärchen 52.

[Bd. 19, Sp. 260]



γ) zu stolz, etwas zu thun (es aus innerm stolz unterlassen): wenn man bedencket, dasz sie (die engel) selbst nicht zu stoltz gewesen sind, würcklich irdische leiber an sich zu nehmen Bodmer von dem wunderbaren (1740) 34; einen nichtswürdigen und schlechten mann aber, dem ich sie noch am liebsten gönnen würde, zu nehmen, dazu ist sie selbst zu stolz Lessing 2, 11 (Misogyn 1, 3); doch ich bin zu stolz, mich unglücklich zu denken an Elise Reimarus (18, 284); (eine gewisse afterphilosophie,) die viel zu stolz war, den gemeinen menschenverstand auf das anzuwenden, was in die sinne fiel Lavater physiognom. fragm. 1, 34; für unbescheidne klagen zu stolz, sich in geduld zu fassen Gotter 1, 168; die weiseren aber, die zu stolz sind, sich mit ihnen in verbindungen oder zu ähnlichen kunstgriffen herab zu lassen Lenz vertheidigung des herrn W. (1776) 19; ich bin zu stolz, mir etwas schenken zu lassen, was ich noch selbst zu erwerben weis Schiller 3, 130 (Fiesko 4, 14); er wäre trotz seiner armut viel zu stolz gewesen, dergleichen (geschenke) anzunehmen W. H. Riehl novellen 4, 139 (Freytag bilder 1, 206; verlor. handschr. 1, 14);

ich kenn ihn lang, er ist so leicht zu kennen,
und ist zu stolz, sich zu verbergen
Göthe 10, 190 Weim. (Tasso 3, 4);

dem groszen kaufmann gleich,
der, ungerührt von des Rialto gold,
und königen zum schimpfe, seine perle
dem reichen meere wiedergab, zu stolz,
sie unter ihrem werthe loszuschlagen
Schiller 5, 2, 236 (don Carlos 2, 8).

mit folgenden um: er war zu stolz, um sich des hungers durch betteln oder schmeicheln zu erwehren Bahrdt gesch. seines lebens 1, 13; ich bin zu stolz, um ein amt zu betteln — noch viel mehr aber, um einen andern für mich betteln zu lassen Schiller 14, 199 (parasit 1, 2); dasz der Spanier zu stolz sei, um von dem feinde seines herrn eine gabe anzunehmen Gaudy 13, 108; weil ihre seele zu stolz war, um äuszerlich zu zeigen, was sie duldete um ihr volk Raabe I 5, 614. — nebeneinander geordnet: wir sollen zu stolz sein, uns zu hoch halten für die sünde! Treitschke histor. pol. aufs. 1, 15.
δ) stolz genug, (um) etwas (nicht) zu thun: Smith war stolz genug, ihn beym abschiede zu erinnern, sein bestes zu thun Archenholz England und Italien 1, 1, 29; ob ich gleich nicht stolz genug war, das andenken ihres mannes so schnell auslöschen zu wollen Göthe 24, 34 Weim.; wer wäre stolz genug, in einer so verwickelten sache (im streit um die Newtonsche optik) sich zum richter aufzuwerfen? II 5, 1 Weim.; kann der idealist stolz genug sein, um consequent zu bleiben, ... Forster schr. 8, 50; oder bist du vielleicht ... dreist und stolz genug, zu meinen, dasz ... E. Th. A. Hoffmann werke 10, 50.
c) stolz thun mit stolzer gebärde und haltung einhergehen, mit stolzem gefühl etwas behandeln u. s. w.: und mein herr reitzte mich noch dazu, nur ein wenig stolz zu thun der arme mann im Tockenburg 1, 93;

es kunt (kommt vgl. th. 5 sp. 1629) da har eyns burgers wib,
vil stöltzer dann eyn gräfin dt,
wo yetz gelt ist, do ist hochmt
Brant narrenschiff 82 Zarncke.

gewöhnlich mit weiterm hinweis (entsprechend oben 9 c β) böse darüber, dasz ein reicher auf sein vermögen stolz thut Kästner verm. schr. 1, 248; die neuen erfindungen, worauf sie stolz thun Nicolai Seb. Nothanker 1, 124; (die meinung,) dasz nur ein republikaner auf ein vaterland stolz thun könne Abbt 6, 2, 11; gewisz, meine schwester hat ursache, auf diese eroberung stolz zu thun Schubarts leben in seinen briefen 1, 9 Strausz; dabei kamen ihr alle männer gar dummlich vor, weil sie ... auf andere hohe dinge stolz thaten, an die sie nicht glaubte Eichendorff 2, 44;

ein jüngling that auf seine schönheit stolz
Ramler abellese 1, 84

nur dasz der reiche mann
noch oft zu stolz auf güter thut
Gökingk 3, 94.

ähnlich vereinzelt sich stolz halten: es entstehen miszhelligkeiten über andern dingen, dasz sich etwan die fr. capellanin so stoltz und stöltzer hält als die fr. pfarrin der wohlgeplagte priester (1695) 164;

[Bd. 19, Sp. 261]


er hielt sich stoltz und vbermütig
Spreng Ilias (1610) 17b.

mehr innerlich als sie (die Germanen) mit den Galliern und Römern zusammentrafen, fühlten sie stolz, dasz sie die stärkern und bessern männer waren Freytag bilder 1, 58 und besonders sich stolz fühlen: er fühlte sich so stolz auf seine vaterschaft, ... dasz er alles einging Göthe 23, 97 Weim.; das deutsche Straszburg fühlte sich stolz, dem neuen kaiserreiche als ausfallpforte gegen sein altes vaterland zu dienen Treitschke deutsche geschichte 1, 226; (Gabriel) fühlte sich stolz, weil der professor ihm sagte: ... Freytag verlor. handschr. 1, 212; unendlich stolz fühlten sie sich auf ihre Kläre Polenz Grabenhäger 1, 20. auch: darum musz ich euch noch danken, dasz ihr euch nicht zu stolz dünkt, mir dann und wann eine stunde zu schenken Tieck 3, 60;

wer hesslich ist und acht sich stoltz,
der ist nit wyt vom löffelholtz
Murner narrenbeschwörung 8, 33;

säh ich glück auf meinem (lebens-) wege,
würd ich stolz mich blähn (
Chr. F. Weisse) lieder für kinder 41;

(heil! dem jüngling,) der sich im glück nie stolz erhebt Mildheim. liederb. 74;

er gilt für stolz bis zum hochfahrenden Fontane I 5, 64.
α) stolz reden u. ä.: es ist stolcz geredt (das 'gehet hin in alle welt') Luther 34, 1, 424 Weim.; der herr wolte ausrotten alle heuchley, und die zunge, die da stoltz redet psalm 12, 4; ein armer redet mit flehen, ein reicher antwortet stoltz spr. Salom. 18, 23; sehr stoltz und vermessen reden Kramer dict. 2, 983b; 'o, die ist sehr schön, meine mama!' sagte sie stolz Storm 1, 245 (O. Ludwig 2, 364);

die zungen auch, die stoltz plaudren unt klefzen
Melissus psalmen 45;

die gute göttin bestraft die nymphe, die stolz
des jünglings leiden verhöhnt
Ramler lyr. ged. 19;

denn stolz prahlt er, er würde gewinnen Bürger 202 Bohtz.auch: (du) solt mit deinem maul nicht so stoltz reden, zur zeit jrer angst Obadja 12; sie reden mit jrem munde stoltz psalm 17, 10. — stolz klingt etwas (Kästner verm. schr. 2, 183; Aug. W. Schlegel im Athenäum 1, 7);

wagt euch nicht mit uns zu gleichen,
die ihr stolz euch künstler nennt!
Ulr. Hegner ges. schr. 150 (
Klinger werke 3, 59);

urtheilen wir nicht allzu stolz von uns, so werden wir wohl einsehen, ... Kästner verm. schr. 1, 55; wie stolz konnte mein herz jede anklage meiner fürstlichen geburt widerlegen! Schiller 3, 404 (kab. und liebe 2, 3); den heldenjüngling an ihrer spitze, forderten sie (die heere Alexanders) stolz eine welt zum kampfe heraus Droysen Alexander d. gr. 91. — stolz hoffen:

erst lasz mich zu mir selber kommen. — zittern
nicht alle schrecken dieses glücks noch in mir?
hab ich so stolz gehofft?
Schiller 5, 2, 211 (don Carlos 2, 4);

(nachdem) allen gemütern eingeprägt war, an diesem kleinod unsrer sprache stolzer festzuhalten Jac. Grimm vorrede zum wb. vi.
β) stolz blicken u. s. w.: was nimpt dein hertz fur? was sihestu so stoltz? Hiob 15, 12; vgl. die seele, die so stolz aus diesen augen blitzt W. H. Riehl nov. 1, 137;

wir sehen mächtig stoltz, wenn unsre taffel pralen
mit silbern tischgeschir und güldenen pokalen
Rachel sat. ged. 61 neudr.;

eine art, die hoch die augen trägt,
und stolz die augenlieder hebt
Herder 12, 189;

er (der strausz) freuet sich sehr, dasz er im laufe stolz auf des pferdes und auf des nashorns rücken sieht maler Müller 1, 25; er blickte stolz und ruhig auf das volk herab Steffens was ich erlebte 1, 167 (Gerstenberg Ugolino [4] 255; Müllner dram. w. 2, 82 die schuld 3, 1); (die) so stolz und schnöde auf uns sahen Alexis Roland von Berlin 1, 18; aber sie sah ihn jetzt wieder so fremd und so stolz an Keller 6, 38; (ich) fürchtete mich bald vor deinem blick, bald sah ich dir stolz ins auge W. H. Riehl nov. 1, 137. — stolz aussehen: (der) ziegenbock,

[Bd. 19, Sp. 262]


der jeden morgen sein wägelchen mit milch in die stadt zieht? sieht er nicht so stolz aus, als ob er selber gemolken wäre? W. Busch Eduards traum 44 (Chr. Weise zeitvertr. 2, 9).
γ) stolz handeln: denn sie (Babel) hat stoltz gehandelt wider den herrn, den heiligen in Israel Jeremia 50, 29; Vult behandelte ... das anerbieten und das männchen etwas zu stolz Jean Paul 26, 154 (flegeljahre 1).
δ) stolz einhergehen (caminare superbamente, con superbia, fasto Kramer dict. 2, 983b) und ähnliche wendungen: nicht so stoltz daher gehen Micha 2, 3; lassend üch nit für louffen ob einer in glichsznerer demütigheit ... stoltz inhar tretten wurd Zwingli von freiheit der speisen 36 neudr. (Arndt 1, 56); Reinhard schreitet stolz daher Grob dichter. versuchg. 67 (2, 51); stolz und herrlich trat er daher Schiller 3, 11 (Fiesko 1, 1); da gingst du stolz und königlich einher maler Müller 1, 172 (Lichtenberg verm. schr. 1, 300);

vil gandt gar stoltz jn schuben har
und werfent den kopf har und dar
Brant narrenschiff 9;

auff deinem eigen kopff nit steh,
in deinem ampt nicht stoltz reingeh
Hans Sachs 19, 41 Keller-Götze;

stoltz hereintreten entrare pomposamente, con sossiego e con passo grave Kramer dict. 2 (1702), 1136b. — er geht so stolz, als wollte er mit der nase den mond aufspieszen Wander 4, 878; (da) faszte ihn (den sich sträubenden wohlthäter) einer hinten am rockkragen und zog dran, bis die ohren oben verschwanden, und ein anderer faszte ihn hinten am hosenbund und zog dran, bis die waden unten zum vorschein kamen, und so führten sie ihn rings in der stube herum und lieszen ihn 'stolz gehen', wie sie es nannten W. Busch Eduards traum 48;

und das reh des gebirges
stolz an ihrem gestade geht
Hölderlin dicht. 1, 43.

schreiten:

stahlumglänzt, in lorbeerdiademen,
schreitet stolz der fried an freien strömen
Stägemann kriegsgesänge (1813) 80;

eilen: stolz eilt der strom vorüber (vgl. maler Müller 1, 186);

verzieht, und eilet nicht so stolz,
nicht so verächtlich einem mann vorüber,
den ihr auf ewig euch verbunden habt
Lessing 3, 58 (Nathan 2, 5);

wenn der adler wolken theilet,
von höhen stolz zu tiefen eilet
Schiller 1, 29;

schweben:

o dann laszt mich stolzer durch den himmel schweben 4, 7.

fliehen u. ä.:

umsonst legt er, als gott, den himmel ihr zu füszen:
stolz fliehet sie (Europa) vor seinen küssen
Lessing 1, 5;

das heer es kommt gezogen,
das uns den frieden gab.
wer mit der ehrenbinde
bewegt sich stolz voraus?
Göthe 3, 42 Weim.;

stolzer ist nie ein sohn von Frankreich vor seinem gefolge hergeritten Gotthelf ges. schr. (1856) 7, 8;

als sieger in Frankreich
sind wir gezogen stolz und kühn
Rückert werke 1, 52;

immer stolzer und unbändger
rast dein wild gedankenwetter
Strachwitz ged. 15.

in see gehen u. s. w.:

mancher ging stolz hinaus in die see
und kam verarmt zurück, o weh
Wander 4, 878;

nun ruderten sie und landeten stolz
Göthe 2, 144.

in der ruhe stolz dastehen u. s. w.: stolz und vorlaut standst du da, als hättest du den horizont von Genua verpachtet Schiller 3, 96 (Fiesko 3, 5); stolz stand er da, trotz seiner hohen jahre ein kräftiger mann Freytag 11, 7; roggenähre steht so stolz da Bücher arbeit und rhythmus4 302;

[Bd. 19, Sp. 263]


stolz stehest du (Deutschland) da unter den nationen um dich her!
wie der Brocken stolz, wenn der morgenröthe licht
seine scheitel röthet, noch finster unter ihm
liegen die thale, und nur dämmern die gipfel um ihn her!
Stolberg 1, 94;

und jedesmal, wenn sie so stolz
vor meinen augen standen, kams mir vor,
als dürfte nur ein könig seinen arm
um diesen nacken schlagen!
Grabbe 1, 342;

in der bergwerksprache: der stempel (eine kurze holzstütze im anfall eines schachtes) steht stolz er steht senkrecht auf der sohle auf Veith 462. auch:

sie opferten mit schreyen dem Bacchus und Vulkan,
und saszen hoch und stolz, gleich unterirdschen göttern,
bey einer fluth von bier
Zachariä poet. schr. 1, 16.

emporragen: stolz ragt die kirche, der turm; stolz strebt der berg empor u. ä. (eine alte edeltanne wird angeredet:) hattest lange gekränkelt und ragst jetzt so stolz in fülle der gesundheit Ebner-Eschenbach 4, 71 (vgl. Hippel lebensläufe 2, 175).
ε) sich stoltz kleiden vestirsi superbamente Kramer dict. 2, 983b;

die pfauenfeder trägst du stolz zur schau
Schiller 14, 308 (Tell 2, 1);

und dabei warf er (der hahn) den silberhals so stolz, als ob er den hühnern zeigen wollte, dasz seine flucht ... eine blosze laune gewesen sei Fontane I 5, 125; er trug den kopf wie immer hoch und stolz Ebner-Eschenbach 4, 55;

durch gröszrer ketten gold, den raub von unsern leichen,
hebt sich der Parther hals weit stolzer, als zuvor
Hagedorn poet. w. 3, 9;

vgl.

und durch ihn hebt Würtemberg
in ihrer schwestern versammlung
ihr riesenhaupt stolz zum Olympos!
Schubart ged. (1825) 2, 28;

nach Mainz, welches man gar das goldene hiesz, und wo sichs folglich wohl noch viel stolzer und üppiger leben muszte W. H. Riehl nov. 4, 47;

nicht weil gewerbfleisz oder verkehr dir blüht,
den andre städte missen, indes du stolz
freiheit genieszest, ruhm genieszest
unter der milden gesetze weisheit
Platen 1, 168 (Florenz).

auch von fertigkeiten: der professor geigte stolz seine polonaise Arnim 15, 81; stolz ein gedicht vortragen;

ein kutscher, mit besetztem rock
und grämlicher geberde,
sasz majestätisch auf dem bock,
und lenkte stolz die pferde
Hölty gedichte 22.


ζ) in verbindungen: sölches (die worte Joh. 6, 40) ist stoltz und starck gnung geredet wider alle gute werck Luther 33, 108 Weim.; sage ihm, dasz mein herz stolz und stark genug fühlt Schröder dramat. w. 2, 20. — steif und stolz: verstummen müssen falsche meuler, die da reden wider den gerechten, steif, stoltz und hönisch psalm 31, 19. — stolz und standhaft vor sich selbst bestehen Göthe 22, 196 Weim.
11) substantivisch.
a) ein stolzer huomo superbo Kramer dict. 2, 983a voll herrschsucht, hochmut, anmaszung und prunkendem gebahren: ein stoltzer wuchert im sinn, wie ein armer jud Lehmann florileg. politicum 1, 34; (die bemerkung,) dasz ein stoltzer zum symbolo geführet das eintzige wort: omnia Chr. Weise politischer redner 577; ein stoltzer were gern allein herr Petri 2, 228;

ein stolzer, der arm,
dasz 's gott erbarm
Wander 4, 878;

ihr stolzen, deren kalte brust
nicht brüderliche nachsicht nähret
Eschenburg beispielsamml. 3, 451.


α) in Luthers bibelsprache als bezeichnung des gegentheiles vom gottesfürchtigen, demütigen; so die stolzen besonders gern als übersetzung für hebr. (z. b. ps. 54, 5; 86, 14; 119, 21; 51; 69; 78 u. s. w.) und von hebr. (so Hiob 12, 5: ein verachtet liechtlin fur den gedancken der stoltzen): der stoltzen spott, und der hoffertigen verachtung psalm 123, 4; gott, es setzen sich die stoltzen

[Bd. 19, Sp. 264]


wider mich, und der hauffe der tyrannen stehet mir nach meiner seele, und haben dich nicht fur augen 86, 14; die gottlosen und lesterer und stolzen Jes. Sirach 23, 8; las mich nicht von den stoltzen untertretten werden, und die hand der gottlosen stürtze mich nicht psalm 36, 12; vertritt du deinen knecht, und tröste jn, das mir die stoltzen nicht gewalt thun 119, 122; und nach psalm 19, 14:

bhüt mich, dein knecht, abend und morgen
vor den stoltzen, dasz sie teglich
nit also herrschen uber mich
Hans Sachs 18, 92 Keller-Götze;

die stoltzen müssen beraubet werden und entschlaffen, und alle krieger müssen die hand lassen sincken psalm 76, 6; vgl.

wie er den kriegern stewret,
und bricht der stoltzen muht
G. Weissel bei
Fischer-Tümpel 3 5,

und die sonne gieng auf, und ward helle, und die elenden gewonnen, und brachten umb die stoltzen stücke in Esther 7, 8 (Sept. τοὺς ἐνδόξους Vulg. 11, 11: lux et sol ortus est, et humiles exaltati sunt et devoraverunt inclytos); und nach Jesaja 13, 11: hohe und stolcze wil er demutigen 34, 1, 316 Weim.; und also wirt er die stoltzen lieblich und demütig machen Amadis 1, 36; gott ... die stoltzen erniedrigen und die demütigen erheben kan engl. comedien und tragedien F 5a;

ihm sei die ehre, dank ihm und lobgesang, ...
dem allbarmherzigen! er stürzet
stolze vom thron, und erhöht die demuth
Stolberg 2, 291;

da sol der stoltze (Vulg. superbus) störtzen und fallen, das jn niemand aufrichte Jeremia 50, 32; unter den stoltzen ist jmer hadder, aber weisheit macht vernünftige leute spr. Salom. 13, 10;

wer sich demüthiget vor gott,
der mensch gewisz auch gaben hat.
nichts eitelers als eigne ehr;
der stolze ist gewisz auch leer
J. V. Andreä bei
Herder 16, 242;

der stolzen hochmuth ist ein wind,
der bald verschwindt
Wille sittenlehre 18;

o ihr stolzen auf der erden,
was war alles euer pracht?
Neukirch ged. 53;

(der herr) führet sie (seine schäflein) ein in seine weyde, das sollen alle stoltzen und fetten erfahren Jac. Böhme schr. 5, 205, in anlehnung an ein stoltzer erweckt zanck, wer aber auf den herrn sich verlesst, wird fett spr. Salom. 28, 25.
β) zur physiognomischen bestimmung: den zornigen, den wollüstigen, den stolzen, den unzufriedenen, den boshaften, den wohlthätigen, den mitleidigen zu entdecken, wird einem guten beobachter nicht schwer Sturz schr. 2, 299; so wie das wasser feuer löscht, so überwältiget die bescheidenheit den stolzen Hippel lebensläufe 1, 297;

der ist ein stolzer, der in sich
bescheidenheit nicht sucht, und sucht er sie, nicht findet!
stolz macht uns klein und lächerlich,
und grosz ist, wer ihn überwindet!
Gleim 5, 323;

der stolze (findet) das ihm verächtliche ... zuerst und am liebsten Herder 22, 86; vgl. ein stolzer trotzet auf seine vorzüge, und verachtet diejenigen, welche sie nicht haben Stosch versuch (1777) 1, 178; unter allen stolzen halte ich den nationalstolzen, so wie den geburts- und adelstolzen für den gröszesten narren Herder 17, 211; so leicht nun weise und prediger diesen zweifel zu heben wissen, so erbittert er gleichwohl ... das herz des stolzen, und schlägt den sanftern nieder Klinger werke 3, 6 (vgl. 3, 121); der geist des guten und wahren pflegt auch nicht bey den stolzen und hoffärtigen ... zu wohnen K. L. v. Haller restauration der staatswissenschaft 1 lix: wie die demühtigsten oft die stolzesten sind Caroline 1, 161;

deins glücks dich vbernim nit hoch
eim stoltzen seind all mensch feindt;
halts mittl in all dingen doch
Theob. Hock schönes blumenfeld 20 neudr.,

ein eingebildeter stoltzer der jeden verachtet Lichtenberg nachlasz 81.

[Bd. 19, Sp. 265]



γ) vom aristokratischen element, in anlehnung an den biblischen gebrauch (oben unter α s. besonders ps. 19, 14; 76, 6; Jesaj. 13, 11): wolte gott, es nehmen solches zu hertzen die groszpralenden und stoltzen in ihren palatiis Dannhawer catechismusmilch 6, 674;

der fürstliche stolze verbeiszet
die grimmige wuth
Göthe 3, 5 Weim.;

(das) wesen der königswürde, welche die schwachen gegen den druck des stolzen schützt Niebuhr röm. gesch. 1, 239; ähnlich von den geschlechtern im gegensatz zu den zünften: und wirds um kein haar besser als bei den stolzen, wenn die gewerke dran kommen Alexis Roland von Berlin 1, 370; die adligen freier der Penelope:

erdulde
schweigend dein trauriges loos, und schmiege dich unter die stolzen
Voss Odyssee (244) 310 Bernays;

den stolzen machen in der studentensprache 1848 (zfdw. 12, 290).
δ) von anmaszenden, übermütigen, hochfahrenden menschen überhaupt (auf dem untergrund gegnerischer, feindlicher gesinnung), wieder in anlehnung an den biblischen gebrauch unter α; vgl.:

ach komme doch, und schwäche
der stolzen übermuth!
Neukirch ged. 48.

wie du bist, ein armer wandersmann, will ich mich zu dir bekennen und in meiner heimat allen diesen stolzen und spöttern zum trotze dein weib sein Keller 5, 57;

kan mich der fürst erretten
aus dieser stoltzen schimpf?
Lohenstein Sophonisbe 24 (gemeint sind die Römer);

gefallen, ja gefallen ist
vor uns der klugen Römer list:
triumph! zerdonnert ist die macht
der stolzen, und ihr ruhm wird nacht!
Kretschmann 1, 41 (vgl.
Rückert werke 1, 19);

und eh die sonne sank ins thal,
beschien sie noch der stolzen fall (auf dem schlachtfeld)
Stolberg 1, 99;

auch Regulus, den groszen, göttergleichen,
verläszt das glück, es nahet Nemesis,
und schleppt in feindesbanden nach — den stolzen
Collin Regulus (1802) 13.


ε) in deutlicher anlehnung an hagestolz (caelebs, th. 4, 2 sp. 154):

der stolze, der vor unsern ohren
die liebe tausendmal verschworen,
verseufzt itzt seinen tag betrübt;
haszt, die ihn suchen aufzuwecken;
flieht einsam in die finstern hecken.
o may! wo ist sein stolz? er liebt!
Gellert 4, 180,

wie denn der begriff der zurückhaltenden sprödigkeit auch aus der entsprechenden verwendung unseres wortes in weiblicher sphäre geschöpft werden konnte (s. oben 2 b): ich weisz eine stolze, ... welche die veilchen zertrat, die sie suchen sollte, und dabei in die nesseln fiel Freytag 8, 9;

wie? du glaubetest dich, du scheue stolze, den pfeilen
meines (des Amors) bogens entrückt? wolltest entfliehen der macht,
der die götter gehorchen und alle sterbliche dienen
Herder 27, 320.

so ist aufzufassen:

doch in eines stolzen banden sich zu wissen, ist so hart,
dasz ich oft ergrimmt und trotzig in die falsche kette bisz
Platen 1, 143.


b) Stolzer als nomen propr. s. u.
c) neutral: nicht viel stolzes davonbringen, keinen glänzenden, bedeutenden erfolg haben, so dasz man mit stolz davon reden und aufhebens davon machen könnte: (die gelehrten wollen) bedencken, dasz ich nit mit jhnen, als den grössern, sonders mit meins gleichen (den kindern) disz nussenspil treibe. bringen sie nit vil stoltzes darvon (von der beschäftigung mit meiner Terenzübersetzung), so werden sie doch auffs wenigest ettwann mit dem psitticust ein χαῖρε darvon bringen (so werden sie doch wie der papagei ein wenig plappern können) Boltz Terenz (1567) 3b (und so schon ähnlich in der ausgabe von 1539 auf bl. 3a). — deutlich mit personalem inhalt: nach dem er ein lange predigt von den juden gethan, und angezeigt, wie sie gott enterbet, verstossen, verblendet

[Bd. 19, Sp. 266]


und verstocket habe, unterrichtet er jetzund die heyden, so etwas stoltzers aus der juden unfall worden Gretter erklärung der ep. Pauli an die Römer (1566) 696; es ist nichts stolzeres unter der sonne, denn eine volle tasche und eine kutte quelle bei Wander 4, 879; es ist nichts stolzeres als ein bauer auf seiner misten; weisz er den pflug zu regieren, so meinet er, er wisse mehr dann Salomo mit all seiner weisheit Opel bei Wander a. o.abstract: Bürger vereinigte ... das bescheidene, deutsche, bäuerliche und idyllische, und das stolze, klassische, ritterliche und romantische Gervinus gesch. der deutschen dichtung 5, 36.
 
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stolz, m. , späte bildung zum vorigen an stelle von mhd. stolzheit. vgl. auch den schweizer. versuch stölze, fem., unten.
1) zur allgemeinen begriffsbestimmung: der hochmuth ist vom stolz als ehrliebe, das ist sorgfalt, seiner menschen würde im vergleich mit andern nichts zu vergeben, unterschieden Kant 5, 304; der stolz ist eigentlich ein gröszeres bewusztseyn seines eigenen werthes 7, 431; stolz hat auch einen guten verstand und bedeutet das gefühl von unserm eigenen werthe Mendelssohn ges. schr. 4, 1, 115; er ist eher kalt als einladend; aber darum ist gefühl eigener würde nicht stolz bei dem mann, der sich auf der einmal erstiegenen höhe fest hält Sturz schr. 1, 69; der stolz ist zweyerley, innerlich und äuszerlich; leibes- und seelenstolz! so kann man stolz seyn auf seine nase, augen, ohren ...; allein auch auf die seele! dieser innerliche stolz, wenn er übel angebracht ist, heiszt aufgeblasenheit Hippel lebensläufe 3, 2, 565; der stoltz des menschen ist ein seltsames ding, es läszt sich nicht sogleich unterdrücken, und guckt, wenn man das loch a zugestopft hat, ehe man sichs versieht, zu einem andern loch b wieder heraus, und hält man da zu, so steht er hinter dem loch c u. s. w. Lichtenberg aphor. 1, 79, 119 (vgl. verm. schr. 1, 166); der gröszte reiz zum stolz liegt für einen braven mann in den demüthigungen, die ihm grosze herren widerfahren lassen U. Hegner ges. schr. 278; der stolz, das vorgefühl der höchsten seligkeit Fr. v. Gentz schr. 1, 90; die unterdrückung des stolzes ist allerdings lobenswerth ... der stolz, den man wirklich nicht aufgeben soll, bleibt jedem rechtlich gesinnten dennoch. diesen sollte man aber nicht stolz, sondern richtig abgewägtes selbstgefühl nennen W. v. Humboldt briefe an eine freundin 410 (5. mai 1832); man vermeidet die abwege, wohin der stolz führt, am leichtesten und sichersten, wenn man sich in allem thun recht natürlich gehen lässt, jede äuszerung des stolzes streng wegweist ebenda.verglichen mit muth: (diese festigkeit) ist meine seeligkeit, die mir ... oft einen muth giebt, der nahe an stolz zu gränzen scheint Lavater verm. schr. 2, 4; sich mit freiheit spiegelnd: die dunkle lockenlast aber war heut mit besonderem schwunge nach dem nacken zurückgeworfen, während die hierdurch zu tage tretenden lichten felder der schläfengegend dem kopfe einen ausdruck von freiheit, wo nicht von stolz verliehen Keller 3, 172. — wahre bescheidenheit ihnen für stolz und affektirte grösze (anrechnen) allgem. deutsche bibliothek 2, 1, 76 vgl. DWB warum sollte das schon stolz seyn, ... wenn ich mich fürchte, meine tugenden möchten mich stolz machen? Gellert 9, 123; stolz ist das gefühl seines bestimmten werths und durchaus lobenswürdig. wo man ihn tadelt, liegt der fehler in dem irrthum des gefühls. wenn alle nur vernünftig stolz wären, es würde in der welt nicht so niederträchtig hergehen; ... nur weggeworfene und niederträchtige können sich über den stolz anderer beschweren Seume 4, 89;

stolz und liebe heiszt das lichtgespann,
worauf geister durch den himmel fliegen —
hoffe! dulde! liebe! sei ein mann!
das geschmeisz lasz in dem staube kriechen
E. M. Arndt gedichte 312.

doch der stolz bestehet in der wirklichen erhebung über andere, welche man gegen sich selber gering schätzet Stosch versuch (1777) 1, 177; was für ein stolz, was für eine verachtung aller andern blickt nicht dem Adrast aus jeder miene? Lessing 2, 67 (freigeist 2, 1); deshalb merkliche

[Bd. 19, Sp. 267]


eitelkeit des stolzes Jean Paul flegeljahre 2, 2; daher ist unser hasz des stolzes kein neid gegen vorzüge ebenda.
2) das persönliche gefühl als (hervorstechende) eigenschaft des charakters: ein getränke (der reichthum), das sie (die priester) berauschte, und wodurch mit der macht der stolz und die herrschsucht in ihrem herzen überhand nahm Albr. v. Haller Alfred (1773) 80; so allgemein ist der stolz Mayr päckchen satyren 98; eine leichtgläubigkeit, die desto sträflicher wird, je mehr stolz sie voraussetzt Lessing 2, 23 (Misogyn 2, 2); der stolz richtet den körper auf Schiller 1, 170; es (nämlich einen brief beantworten) nicht thun nenne ich nicht stolz, sondern unart Pückler briefwechsel 1, 280; du wusztest die freier zurückzuweisen, ohne sie zu beleidigen, ja selbst ohne in den ruf des stolzes, der koketterie zu gerathen Bauernfeld ges. schr. 2, 130;

bürdet mir stolz nicht auf, wenn ich von entweihungen rede
Klopstock oden 2, 118;

stolz! und nichts als stolz! der topf
von eisen will mit einer silbern zange
gern aus der gluth gehoben seyn, um selbst
ein topf von silber sich zu dünken
Lessing 3, 15 (Nathan 1, 2);

lasz, wenn winde dir heucheln, dich nicht vom stolze besiegen,
lasz, wenn sturm dich ergreift, nimmer dir rauben den muth
Herder 26, 56;

der stolz verjagt die triebe
der wollust und der liebe
Göthe 4, 156 Weim.;

adelstolz sitzt auf hölzernem pferde,
bauerstolz wälzt sich auf der erde,
bürgerstolz geht auf hohen hacken,
geldstolz steht auf gelben schlacken,
dichterstolz fliegt in den himmel hinein:
wo mag der stolzeste stolz wohl sein?
W. Müller gedichte (1868) 2, 161.


a) weil du denn wider mich tobest, und dein stoltz erauf fur meine ohren komen ist, wil ich dir einen ring an die nasen legen, und ein gebisz in dein maul, und wil dich des wegs wider heimfüren, des du komen bist Jesaja 37, 29; diese und häufig ähnliche stellen hat man seinem stolz zugeschrieben Herder 15, 44; jezt sagt mir mein stolz, was ich habe, ist mir gegeben, diese situation zu tragen, mich selbst zu tragen Caroline 1, 36; ihr beklagt euch so viel übern adel und über seinen stolz Lenz ges. schr. 1, 17 (hofmeister 2, 1); gattin zu werden ohne wirkliche, unwiderstehliche zuneigung, schien mir ein frevel an mir selbst, an meinem stolze Holtei erz. schr. 7, 81; der Germane übt unrecht im zorn wegen kränkungen, die sein stolz übermäszig empfindet Freytag 17, 179; seinen stolz auf die probe (stellen) Herm. Grimm Michelangelo 1, 18;

stolz, mein stolz, wohin gekommen!
Chamisso 3, 27;

und so beruhet unser stolz meistens auf unsrer unwissenheit! Lessing 1, 163 (die maus).
b) der stolz eines: der stoltz der weiber ist allweg gröszer denn der stoltz der männer G. Mayr sprüchwörter D 3a; von dem stoltze ihrer mutter, der sich auf verachtung anderer gründete, hatten sie gar nichts Nicolai Seb. Nothanker 1, 178; der stolz des bauern (des bürgers u. s. w.); (klagen) von der willkür höherer behörden und dem stolze des adels Steffens was ich erlebte 1, 114;

den trotz des bürgers würden Sie (Carlos) nicht dulden,
ich (Posa) nicht den stolz des fürsten
Schiller don Carlos 1, 9;

der stolz der ungläubigen musz beschämt werden, wenn die natur ... auf der seite der offenbarung ist Cramer nord. aufseher 1, 69; den stolz solcher stümper nicht leiden (können) Gottsched versuch einer crit. dichtkunst (1751) 4;

ich singe, wie sein muth so manchen feind bekämpft,
und wie sein siegesschwerd des stutzers stolz gedämpft
Zachariä poet. schr. 1, 4;

der stolz des bettlers (s. DWB stolz, adj., 1 c);

freund, des gelehrten stolz war immer lächerlich.
er sieht von seiner höh, und alles unter sich
Giseke poet. w. (1767) 58;

den stolz der Engländer (rechtfertigen) Archenholz England und Italien 1, 1, 27. — entsprechend stolz, adj. 5

[Bd. 19, Sp. 268]


(sp. 239) auch von thieren stolz des pferdes (Breitinger crit. dichtk. 1, 404) u. s. w. — das stolze segel (s. oben sp. 247) spiegelt sich verblassend:

wie sich der segel stolz
zusammenzieht, und alle wellen
endlich im hafen daniederbrausen!
Herder 27, 96.


c) auch das besondere ausdrucksmittel angeschlossen durch den genitiv: der stolz des ganges, der haltung; der gebärde stolz, der adel in den zügen H. Meyer gesch. der bildenden künste 1, 284; den stolz seines bösen blickes haben Schnitzler Anatol 150. innerlich: (wenn) mylord in geschäfften seyn wird, die dem stolz seines geistes angemessen sind Laroche fräulein von Sternheim 2, 33; im stolze der leidenschaft maler Müller 1, 4; der mensch, der den stolz seiner vernunft nicht bricht O. Ludwig 2, 403; nachdem es (das menschliche herz) einmal den stolz der unbefangenen und rücksichtslosen untersuchung gekostet hat, ... Lotze mikrokosmus 1, vi;

wie dem stolze deines herzens
du die gröszten opfer brachtest!
Heine 2, 23 Elster.

— es ist der stolz der armuth, der ihn fortriss Gutzkow ritter vom geist 1, 62 (W. H. Riehl deutsche arbeit 194, etwas andres aber ist der bettelstolz, der mehr wegwerfenden sinn hat, trotz Jean Paul 12, 17, s. th. 1 sp. 1732); (der Grieche) immer noch ein feinfühlender mann, der sich den stolz höherer bildung gegen die barbaren bewahrte Freytag bilder 1, 105; wer den muth und stolz entsagungsvoller arbeit nicht kennt, der taugt nicht zum arbeiter, und woher soll ein socialist diesen muth und stolz nehmen. sagt ihm doch sein dogma, dasz dieser muth nur feigheit und dieser stolz nur dummheit sey! W. H. Riehl deutsche arbeit 273; lange bekämpfte Gabriel ihren stolz der selbstbedienung vergeblich; es war als stecke der geist einer ganzen englischen commune in der frau: sein eigener herr sein heiszt sein eigener knecht sein Kürnberger novellen 3, 9; auch:

in zwei worte (ist) alles
gepreszt, was des verdienstes stolz dem stolze
des glücks entgegensetzen kann
Schiller 5, 2, 218 (don Carlos 2, 5).

sogar: wenn ich mir itzt das goldne gepränge, die trophäen, den stolz meiner kriegerischen tage zurück erkaufen könnte Gerstenberg Ugolino (4) 247 nat. lit.
d) in der bildlichkeit, so der ethischen landschaft: stoltz und hoffart ist der brunnquell aller laster Hohberg georgica 3, 133b; stolz, der zuweilen eine quelle sittlicher empfindungen wurde Freytag bilder 1, 106;

der urquell deiner sünde war der stolz
Raupach dram. w. ernster gattung 2, 41;

ich weisz, dasz ich im moor versinken werde,
wenn nicht der wolf zuvor verschlang den blinden;
auch droht des stolzes klippe mir, die jähe.
herr, gib mir, dasz ich sehe!
A. v. Droste-Hülshoff 3, 25;

als einen in stolz und hochmuth ertrunkenen Leipzig. avanturieur 1, 6;

da noch ich sang des stolzes mutge triebe
und jenen brennenden nach ruhm und liebe
Platen 1, 68;

vgl.

haben deiner treue rosen sich als dorn den stolz erlesen?
sind der liebesgöttin tauben wie der Juno pfau geworden? 1, 142,

und sonst in concreter vorstellung, so im sprichwort: mit armer leute stoltz wischt der teufel seinen arsch Kramer dict. 2 (1702), 983b. sogar: umgürte dich (an die lady) mit dem ganzen stolz deines Englands — ich verwerfe dich — ein teutscher jüngling! Schiller 3, 387 (kab. u. liebe 1, 7).
3) die genauere begriffsbestimmung von stolz wird durch die zusammenstellung mit entsprechenden begriffen erleichtert und befördert:
a) mit solchem moabitischen stoltz und hohmut Luther 30, 2, 31 Weim.; ye grösser narr, ye grösser stoltz und hochmt S. Franck sprüchw. 1, 159b; stoltz und hochmuth kompt vorm fall Lehmann florilegium politicum 1, 57; aber stolz und hochmuth kamen über ihn, in seinem hause muszte alles seiden, silbern und golden sein. brüder

[Bd. 19, Sp. 269]


Grimm deutsche sagen 1, 81; ganz rot vor freude, stolz und hochmut Keller 5, 92;

desgleichen auch der stoltze pfaw:
sein stoltz und hoffart man anschaw!
Spangenberg ganskönig 362;

mit grosser hoffart und stoltz Xylander Polybius (1574) 73. — viel mehr stoltz und vbermut Fronsperger kriegsbuch 1, T 6; jugendlicher leichtsinn, stolz und übermuth Göthe II 6, 158 Weim.; sich durch das glück nicht zu stolz und übermut verleiten (lassen) E. Th. A. Hoffmann 14, 154;

wer sein lust setzt auf stoltz und vbermuht,
und darinnen sucht sein freud und muht, ...
der macht vber jhne ein eygen ruht,
und kompt endtlich umb seel, leib und gut volksbuch vom doctor Faust 21;

wer hat die Römer darumb bracht?
ihr vbermut, stoltz, grosze macht.
woher kommen grosz krieg und streit,
verderbung vieler land und leut?
aus groszem pracht und vbermuth,
dann stoltz, verachtung thun kein gut
Eyering proverb. copia 3, 30;

sein hoffart, stoltz und vbermuth,
soll jhm nicht in die läng thun gut
Spreng Ilias 1, 5b;

stolz, übermut und pracht währt in die länge nicht;
wenns glas am hellsten scheint, fällts auf die erd und bricht
P. Gerhardt gedichte 1, 9 Ebeling;

yhr vermessenheit und stolz Luther 34, 1, 567 Weim.; alle leichtfertigkeyt, überfls und stoltz S. Franck beschreibung der Turckey (1530) D 2a. —pracht und stolz: so leben, als woltestu gerne alles allein zu dir reissen, deinen pracht und stoltz aus zu furen Luther 32, 450 Weim.;

ehr und gut ursacht stoltz und pracht,
der stoltz und pracht hoffertig macht
Kirchhof wendunmuth 2, 19;

doch ire feind zu grunde gahn,
die sich allein verlassen han
auf iren gwalt und grosze macht,
kriegt haben aus stolz, muet und pracht
Hans Sachs 18, 96 Keller-Götze;

nur auf hoffart, auf stoltz und pracht
gibt unser welt am meisten acht.
das gantze väterliche erbgut
an schöne kleider hengen thut,
pranget darin gleich wie ein pfaw.
niemand ist der auf demuth schaw
Olorinus ethographia mundi B 5b;

ohn allen stoltz und pracht
Zinkgref auserles. ged. 10 neudr.;

(er) verwirft mit freuden und verlacht
der welt verkehrten stoltz und pracht
Paul Gerhardt bei
Fischer-Tümpel 3, 370;

stoltz, übermut und pracht währt in die länge nicht 3, 368;

auf stoltz, auf pracht,
drauf hat man acht
Heinichen generalbass X 3.

auch: mit stolz und prangen Dietr. v. d. Werder rasender Roland (1636) 134.
b) stolz, eitelkeit und selbstliebe Klinger werke 3, 58;

wer stoltz und eigenliebe nährt
Günther ged. (1735) 41;

zu strenge tugend heiszt nicht tugend mehr;
stolz, prahlsucht, nennt der kluge weltmann sie
Ayrenhoff werke 2, 317.


c) neben der leidenschaft des zornes, trotzes u. s. w.: wir hören aber ..., das auch jr hohmut, stoltz und zorn grösser ist denn jre macht Jesaja 16, 6 (Petrasch lustspiele 1, 585); als ich aufblickte, fuhr ein strahl von stolz und zorn aus seinen augen Storm 1, 154. — mundus trotz und stoltz, da mit ghets zu scheittern und verleuret got dazu Luther 27, 244 Weim.; (es gab zeiten,) wo er sich so unsinniger dinge vermasz, dann nämlich, wenn der alte stolz und trotz wieder in seinem herzen aufstiegen Aurbacher volksbüchlein 16; in dem unglücklichen weibe kämpften stolz und trotz und nagende pein W. H. Riehl nov. 2, 49; (die) leise zusammengezogenen dunklen brauen gaben dem blassen gesicht (des knaben) ... einen ausdruck von finsterem trotz und stolz Spielhagen werke 1, 6;

trotz, mutwil, frevel, list, untrew
und stoltz ist bey jhnen nicht new
Hollonius somnium vitae humanae 653;

[Bd. 19, Sp. 270]


trotz ist es
und bitterkeit und stolz, was ihre wünsche
so wütend nach der mutter zieht
Schiller 5, 2, 181 (don Carlos 1, 5);

stolz und trotz ist eure tugend,
unsre — tragen und entsagen
Weber Dreizehnlinden 210,

bey ihrem stoltz und halsstarrigkeit Chemnitz schwedischer krieg 2 (1653), 68;

das (nämlich dasz sie einen andern liebt) machet ihr stolz und ihr eigener sinn,
weil ch ihr nicht schön und nicht reich genug bin
Mittler volkslieder 648;

vgl. noch edle empfindungen wechseln (in der arabischen poesie) mit harten gesinnungen, insonderheit des stolzes und der rache (ab) Herder 16, 13; voll tück und stolz Bürger 302 Bohtz;

du folgst nicht königen, die stoltz und wuth erhitzen
Pietsch ges. schr. (1740) 55,

tyrannen raubt sie (die liebe) stolz und wuth,
den helden lust und kraft zum streiten
Hagedorn poet. w. 3, 36;

wohl ach! weiszt du, wie ich zärtlich,
frei von jener stolz und groll,
liebte dich
Herder 25, 151.


d) neben begierden wie eigennutz, neid, geiz u. s. w.: stolz und egoismus Thibaut notwendigkeit eines allgem. bürgerl. rechts 419; eifersucht und stolz Eschenburg beispielsammlung 8, 49; aus mutwillen, stoltz und geitz Amadis 1, 51;

kann doch weder stolz noch geiz
in dein starkes herze dringen
Gottsched gedichte 1, 232 (s. bei
Göthe 16, 195 den aufzug der vier weltalter in den maskenzügen).

vgl. auch: o wie grosz ist der stoltz, so allein aus dem geitz entspringet, dasz sich niemand an dem, so gott der herr reichlich und vberflüssig bescheret hat, will ersättigen lassen Moscherosch gesichte 2, 86. — von dem neide und stolze Schwabe belustigungen 1, 415 (Grob dichter. versuchg. 30).
e) neben torheit, unwissenheit u. s. w.: usz groser dorheit und stoltzs (!) Gebweiler beschirmung des lobs Marie (1523) 9a; manchmal ist es stolz, manchmal dummheit, zuweilen verblendung, was sie abhält, gewisse namen und handlungen anzuführen Th. Abbt 6, 1, 2, denn:

torheit und stolz
wachsen auf einem holz

(die schwalbe,) ein fürbild der leichtfertigkeit und stoltzes Prätorius winterflucht (1678) 232. — mit so viel unwissenheit als stolz auftreten Scheibe crit. musicus c 1;

ihn (den ceremoniell) haben in der neuern zeit,
zum troste hirnbedürftger thoren,
die langeweile, der verdacht,
unwissenheit und stolz gebohren
J. A. Ebert episteln 57;

vgl.

da reiten sie hin! wer hemmt den lauf!
wer reitet denn? stolz und unwissenheit
Göthe 3, 241 Weim.


f) gegensätzlich zur demütigen gesinnung: wo stoltz ist, da ist auch schmach, aber weisheit ist bey den demütigen spr. Salom. 11, 2; allein niederträchtige demuth ist eben so schändlich zu fliehen, als stolz und hochmuth Schiller 1, 21; in unsrem gefühl für das universum mischt sich stolz mit demuth, freudigkeit mit ergebung Strausz schr. 6, 95; fleisz und demuth sind besser als faulheit und stolz Lagarde deutsche schr. 80;

gib seine (Jesu) demut mir zum schutz,
der mich für stoltz behütet
Joh. Heermann bei
Fischer-Tümpel 1, 280;

wo giebt es noch einmal zwei dinge so entgegengesetzt und doch so nahe verwandt ... wie bescheidenheit und stolz? Ebner-Eschenbach 1, 45;

die muse, die ihn führt, hasst stoltz und niedrigkeit
Lichtwer Äsopische fabeln 89.


g) seine innere berechtigung wollen anerkennen zusammenstellungen wie: z solcher gewalt und stoltz (kommen) (vom machtzuwachs einer regierung) Sleidanus reden 93; bei einfachen nationen sind diese töne durch nationalgesänge gegeben, die mit gewissen lieblingsgegenständen des stolzes und väterruhms sich (des herzens bemächtigten)

[Bd. 19, Sp. 271]


Herder 12, 180; stolz und würde Schiller 4, 6; stolz und heroische kraft Fr. v. Schlegel werke 2, 9; habt ihr nicht einen funken stolz und scham in eurem herzen? Novalis schr. 2, 103 Minor; stolz und ehrgefühl (Keller 2, 58): redendes zeugnisz des stolzes und selbstgefühls der arbeiter jeglicher art W. H. Riehl deutsche arbeit 152. — das feine gesichtchen strahlte ganz von stolz und anmuth Storm 1, 65; lust und stolz auf allen gesichtern Keller 6, 80.
4) ein adjectiv hilft zur weiteren charakterisierung:
a) ein edler stolz (une noble fierté Schwan dict. 2, 724a) eine steigerung, welche recht eigentlich dem 18. jahrh. aufgegangen ist: aus einem edlen stolze (herflieszen) Dusch verm. schr. (1758) 97; der edle stolz, womit der verfasser sich über den beyfall der leser erklärt Gerstenberg Hamb. neue zeitung 95 lit. denkm.; bey ausarbeitungen habe vor augen zutrauen auf dich selbst, edlen stoltz und den gedancken, dasz andere nicht besser sind als du, die deine fehler vermeiden und dafür andere begehn, die du vermieden hast Lichtenberg aphor. 2, 120, 174; einen jungen prinzen mit edlem stolze und grundsätzen wafnen Knigge roman meines lebens 1, 75; einen edlen stolz und entschlossne dreistigkeit (behaupten) Bahrdt gesch. seines lebens 1, 13; jener edle stolz des bürgers, der für eine freiheit ficht Dahlmann gesch. der französ. revolution 79. auch: ein edler stolz der gleichheit Bettine dies buch gehört dem könig 1, 132.

den edlen stolz, dasz du dir selbst nicht g'nügest,
verzeih ich dir
Göthe 10, 7 Weim. (Iphigenie);

du, der mein innres kennt, seitdem ich athme,
verlangst, dasz ich den edlen stolz verläugne,
den dieses freie herz von je bekannt?
Schiller 15, 1, 19 (Phädra 1, 1);

wohl mag in königsnähe rühmlich reiten,
wem also edler stolz den busen schwellt
Fouqué altsächs. bildersaal 1, 271;

die dichter (der alten), die sich ihrer schönen macht, unsterblichkeit zu besitzen und andern verleihen zu können, bewuszt waren, feuerten sich mit dem edelsten stolz an Herder 16, 30;

ihr fühlet,
was ihr besitzet. der edelste stolz hebt
über den nachbar, völker! euch auf
Denis lieder Sineds des barden 92.

auch: dürftigkeit spornt zu fleisz und arbeit an, bewahrt vor mancher zerstreuung und flöszt einen nicht unedlen stolz ein Jacob Grimm kl. schr. 1, 5. — hierher noch in einem allgemeineren sinne königlicher stolz (Welcker alte denkm. 1, 291).

hier zum letzten male lodere meiner
seele königlicher stolz, ich will ihn
bald als büszerin im grab versöhnen!
Platen 2, 264 (Abbassiden 4);

auch:

(göttinnen) sind eine gute art von frauen,
ihr hoher stolz sitzt in der miene nur
Wieland 10, 173;

habt ihr nicht höhern stolz, als hier
landammann oder bannerherr zu seyn
und neben diesen hirten zu regieren?
Schiller 14, 309 (Wilh. Tell 2, 1);

mit dem ruhigen stolze eines glücklichen besitzers Immermann 2, 102; gravitätischer stolz (Keller 1, 200); mit würdigem stolz Schleiermacher II 4, 48; in seinen (des erzengels) augbrauen las man einen ungezähmten muth und einen gesezten stoltz, der auf rache laurete Bodmer crit. poet. schr. 1, 36. — mit dem ton des liebenswürdigsten stolzes Mörike 3, 55;

ein holdes mädchen wird mit sprödem stolze
von einem jüngling, den sie liebt, verschmäht Shakespeare 1, 208 (sommernachtstraum 2, 1);

ein löblicher stolz Göthe 25, 60 Weim.; einen erlaubten stolz (einpflanzen) Zimmermann von dem nationalstolze v; mit bescheidnem stolz Fr. v. Schlegel werke 4, 23;

(den spanischen boden,) den ich noch nie mit so gerechtem stolze
mein vaterland genannt, als jetzt
Schiller 5, 2, 166 (don Carlos 1, 4),

heute berechtigter stolz. — die empfindung eines wahren und echten stolzes O. Jahn Mozart 4, 177; die leute unterlassen nichts, mir meinen guten goldnen stolz in die

[Bd. 19, Sp. 272]


schlechte kupfermünze der eitelkeit umzuschlagen Levin Schücking an A. v. Droste-Hülshoff 16.
b) der natürliche stolz u. ä.: wenn uns der natürliche stolz — so nenne ich die erlaubte schäzung unsers eigenthümlichen werths — in keinem verhältnisz des bürgerlichen lebens verlassen soll, ... Schiller 3, 509; der angestammte stolz (wird) sich herrlich zeigen Immermann 2, 25; seinen angeborenen stolz vorkehren Mörike 3, 52;

denn du verlachst, o rath der götter,
den sterblichen stolz aus deinen höhn
Kretschmann werke 1, 123;

der könig, dem es auszer seinem persönlichen stolz an einem gefühl der pflicht und ehre nicht fehlte Herder 23, 44; beleidigter jungfräulicher stolz Holtei erz. schr. 3, 11 (Klopstock oden 1, 36);

jugendlicher stolz,
der eine rolle spielen möchte
Schiller 5, 2, 251 (don Carlos 2, 10);

junger stolz (Schnitzler der grüne kakadu 53).
c) unleidlicher stolz u. dgl.: aber deinen unleidlichen stoltz und unmässige hoffart können wir nicht gedulden Fischart bienenkorb (1588) 3a; ein volkshaufe ist ... im glück von unerträglichem stolz Joh. v. Müller 1, 83; ein ungemessener stolz O. Jahn Mozart 3, 166; einen unbändigen stolz (haben) Heer könig der Bernina 249; der ärgste, der schlimmste stolz; auch entsprechend in der verbindung mit höllisch (th. 4, 2 sp. 1758);

der fünfte denket allezeit, tag und nacht,
auf hohen muht, auf hellischen stoltz und pracht
Neumark fortgepfl. musik. poet. lustw. 1, 158;

ein verfluchter stolz Göthe IV 1, 124 Weim.; der aufgedunsene stolz der Asiaten Wieland Agathon 1, 261; das ausgesprengte gerücht des ausschweifenden stolzes dieser königlichen familie schien andern alle lust zu benehmen, sich ebenfalls gedemütigt zu sehn Novalis schr. 4, 80 Minor (vgl. Lessing 17, 26). farbloser ist der grosze stolz vgl. (sich) den vorwurf eines groszen stolzes zuziehen Kästner briefe (1912) 54.
d) schlagwortartig aber wirkt als gegensatz zu der ganzen eben angeführten gruppe kleiner stolz, der sich bescheiden führt, nicht übermüthig ist, und in einem allgemeineren sinne als der demüthige stolz (vgl. klein th. 5 sp. 1099 unter II 6 c δ, dann auch in dem sinne von 'kleinlich, verächtlich'): wir widerlegen immer die am liebsten, aus denen wir das meiste lernen. aus einem kleinen stolze, meine ich, dasz wir doch etwas besser wissen, als sie Lessing 10, 324; mit einem kleinen stolze (blickte Wilhelm) auf das glück, das ihn geleitet und begleitet hatte Göthe 22, 8 Weim. (s. auch den beleg IV 31, 265 unter 6 e; vgl. DWB du sprichst sehr sicher, ja allzukühn, dafür soll dein stolz so klein wie ein hündchen werden 43, 305 Weim.);

(Sylvia:) er soll sein zärtlich herz mir nur vollkommner zeigen.
(Galathee:) diesz ist ein kleiner stolz.
(Sylvia:) ein kleiner stolz ist gut;
er mehrt des schäfers leid, doch auch des schäfers
glut
Gellert 3, 320;

ich seh an diesem neid, wie mich mein liebster schätzt,
und meinem kleinen stolz wird alle qual ersetzt
Göthe 9, 7 Weim.;

auch: leute von kleinem stolze Bürger briefe 1, 260. — heute mit bescheidnem stolz Weber Dreizehnlinden 14. — dagegen tadelnd: sie hoffen auf mitleid, aber auf ein beneidendes, das wesenloseste geschöpf des kriechenden stolzes Lichtenberg aphor. 3, 215, 16.
e) die göttin (Nemesis), der jeder freche stolz gegen lebendige und todte gräuelt Herder 15, 398;

du auch, o atheist! leg ab den frechen stolz!
Triller poet. betrachtungen 2, 67;

mit dreistem stolz Lessing 8, 33; edler der kühne stolz:

so möcht ich selbst in künstlichen sonetten,
in sprachgewandter masze kühnem stolze,
das beste, was gefühl mir gäbe, reimen
Göthe 2, 255 Weim.;

mit kühnem stolze schweift ihr blick herum
A. v. Droste-Hülshoff 2, 225 (Walther 4);

doch auch: eines dummkühnen stoltzes beschuldigen discourse der mahlern 1, 3. — den anforderungen des alten

[Bd. 19, Sp. 273]


hofes jederzeit trotzigen stolz (entgegensetzen) Eichendorff 2, 443. — niederträchtiger stolz maler Müller 3, 263; der unselige stolz erstickte jeden laut der liebe Hölderlin ges. dicht. 2, 94. — (dieser geist) des übermüthigen stolzes Herder 17, 13; seinen hochfahrenden stolz (bändigen) Freytag 14, 35.
f) leerer stolz (Weichmann poesie der Niedersachsen 1, 62) u. s. w.:

schütze mich vor eitelm stolze, der sich bey dem gut erhebet,
das dem sterblichen besitzer deine milde nur geliehn
Hagedorn poet. w. 1, 4 (vgl.
Schönaich Heinrich der vogler [1757] 5);

mit einer fülle von dürftigem stolze Bodmer crit. poet. schr. (1741) 1, 61; wegen des armseligen stolzes Zimmermann über die einsamkeit 1, 74; mit eben dem tadelhaften stolze, womit der grosze gelehrte den minder belesenen zu verachten pflegt J. J. Engel schr. 1, 27. — seinen schnöden stoltz (aufdecken) discourse der mahlern 2, 127; dieser traurige stolz der eigenliebe Adelung magazin 2, 4, 4; sich durch seinen elenden stolz lächerlich (machen) Risbeck bei O. Jahn Mozart 2, 10. — träger stolz Gottschedin briefe 1, 261;

oft trotzet fauler stolz auf ein erschlichnes amt
Kästner verm. schr. 1, 108;

aus der höflichkeit wird persifflage, ... und aus der persifflage, dummer stolz Lessing 9, 360;

der groszen dummen stolz muszt du gebückt ertragen
Gottsched neuestes aus der anmuthigen gelehrsamkeit 1, 262;

schriftsteller, voll pedantischen stolzes Nicolai Seb. Nothanker 1, 131; seine güte war in schwachheit, seine thätigkeit in alfanzerey, seine grösze in abentheuerlichkeit, und in jenen närrischen stolz ausgeartet, der kaisern, königen, herzogen und fürsten nichts vorauslassen wollte Müller Siegfried von Lindenberg 1, 43; (grundsätze,) die sich nicht auf lächerlichen stolz gründen Seume 2, viii (vorr.).
g) beleidigter stolz u. s. w.: (sie) schreiben mit aller der reizbarkeit des beleidigten stoltzes, die wenigstens witzig ist, wenn ihr gründlichkeit und ernst fehlen musz Lichtenberg aphor. 3, 259, 21 (Göthe 47, 273 Weim.; Pfeffel pros. versuche 7, 51); (leute,) die aus gedemüthigtem stolz oder blinder hitze immer eine meile über oder unter der wahrheit nisten Lichtenberg aphor. 3, 289, 10; ihr gekränkter stolz, ihre zurückgedrängte eigenliebe Klinger werke 8, 104 (Lichtenberg aphor. 3, 292, 32); endlich sagte sie mit einer stimme, in welcher empörter stolz mit gern ertragener demütigung rang: ... Keller 4, 53;

empfindlichkeit — gereizter stolz — nichts weiter!
Schiller 12, 78 (Piccolomini 1, 3);

der verachtende stolz, womit die siegenden deutschen völker auf die unterworfenen Römer herabzusehen pflegten Savigny geschichte des römischen rechts 1, 126; es wechselten beleidigender stolz und knechtische unterwürfigkeit Raumer geschichte der Hohenstaufen 4, 68; (gott) belohnt sie mit berauschendem stolze für ihre mühe mit den wissenschaften Bettine frühlingskranz 77; vor dem anklagenden stolz seines blickes (zurückweichen) Ranke werke 4, 39. — der ehrbegierige stoltz der pferde Breitinger crit. dichtkunst 1, 404; von seiner in ehrfürchtigem stolze aufgelöseten schwester Holtei vierzig jahre 1, 24; Tilly verglich, als er einzog, die zerstörung von Magdeburg in schauderndem stolz mit der von Troja und Jerusalem Hebbel I 9, 116; dem eingebildeten stolz des vornehmen fräuleins die komische seite (abgewinnen) O. Jahn Mozart 1, 372; auch mit neugierigem stolze Arnim 3, 309;

der letzte könig
ward, wie ihr wiszt, durch Fortinbras von Norweg,
den eifersüchtger stolz dazu gespornt,
zum kampf gefodert Shakespeare 3, 145 (Hamlet 1, 1);

ein ungläubiger stolz Steinbach 2, 721; unhöflicher stolz (Gottl. Stephanie d. jüng. lustsp. 191, vgl. Göthe 5, 235 Weim.); weit von dem unfreundlichen stolz entfernt Laroche fräulein von Sternheim 1, 48; mit gnädigem stolz (auf einen herablächeln) E. Th. A. Hoffmann

[Bd. 19, Sp. 274]


6, 133. — das kleine (bei den führern standhaft ausharrende) häuflein sahe sich mit traurigem stolze an Fouqué zauberring 3, 55; in freudigem stolz ... erglühend 1, 200; nicht ohne einen anflug freudigen stolzes (sich umsehen u. s. w.) Fontane I 1, 12; (ich) empfand beinahe eine art glücklichen stolzes, in einer so traurigen lage zu sein Keller 2, 76;

ich sah mit stillem stolz die andern mütter an,
weil sonst kein jüngling war, der that, was du gethan
Cronegk schriften 1, 173.


h) besonders geartet: ein geistlicher stoltz, der ergste stoltz Fr. Wilhelm sprichw. register (1577) y 2; es entstand bei frommgesinnten ... ein geistlicher stolz, der es dem natürlichen an erhebung auch wohl zuvor that Göthe 33, 210 Weim.; keine art von geistlichem stolz Schleiermacher I 5, 110; mit härte, hoffahrt und geistlichem stolz eine hierarchie aufzubauen (suchen) Ritter erdkunde 1, 220; wir glauben, dasz das gute überall in der tiefe liege, selbst beim pharisäer ... in seinem geistlichen stolze Pückler briefwechsel 1, 103; in der tiefe ihres geistlichen stolzes Ranke werke 15, 55. — mit so frommer galle, mit einem so pietistischen stolze Lessing 8, 15: der fromme stolz der mehrsten gestifteten orden J. G. Jacobi 1, 109. — priesterlicher stolz (Wieland Agathon 1, 304); in einer aus dem vorigen abgeleiteten allgemeineren verwendung: Gren in Halle hat, indem er sich unsern unschuldigen optischen beiträgen mit pfäffischem stolz und heftigkeit widersetzte, eine ... tabellarische darstellung mit buchstaben ausgearbeitet Göthe II 2, 266 Weim.in socialer wendung: fürstlicher, adliger, bürgerlicher stolz u. s. w.: den adelichen stolz in einen auf ahnen oder gar in deren verdienste zu setzen, ist ganz kindisch und dumm. denn wer hätte denn keine ahnen? Jean Paul flegeljahre 2, 119; zur besonderen charakterisierung der protzenhaftigkeit dient der bäurische stolz: die kleider solten unsere schanddeckel seyn, so sind sie nun eine materie, damit wir unsern bäurischen stoltz und satanische hoffart unverschämbt treiben Prätorius anthropodemus plutonicus 1, 276. — völkisch und staatlich gewendet: ein undeutscher stolz (Göthe 46, 96 Weim.); mein germanischer stolz Körner 1, 114. — ein ewiges denkmal des römischen stolzes Schmidt gesch. der Deutschen 1, 60; in den texten zu Piranesis kupfern ... spricht der römische stolz Justi Winckelmann 2, 1, 246; jener echt spanische stolz auf den besitz des wohlgeführten schwertes Mommsen röm. gesch. 2, 13. — republikanischer stolz Georg Kerner in Kerners bilderbuch 85; ein höchst demokratischer stolz Freytag bilder 1, 94. — mit patriotischem stolze (hervorheben, sagen) Scherer litteraturgeschichte 118 (kl. schr. 1, 8).
5) in präpositionaler fügung:
a) durch: (einen) durch den stolz schrecken J. J. Schwabe volleingeschancktes tintenfässl (1745) 27; Dagobert, durch den stolz eines herzogs ... beleidigt brüder Grimm deutsche sagen 2, 58. — in dem sinne von unten aus:

(ein freund,) der nicht ein edles blut durch stolz und einfalt schimpft
Gottsched gedichte 1, 390;

Jesus, aller welten erbe,
er verliesz des vaters schoosz,
nicht durch stolz, der gott entehret
Schubart gedichte 2, 274.

mit: (winde, welche) mit stolz ... herfür brausen Butschky Pathmos 105; lieder, die sie (die Israeliten) singen, mit stolz und freude Herder 12, 76; mit stolz auf uns herabsehn Klopstock gelehrtenrepublik 7; als Heyne der aufgebürdeten lächerlichkeit zurücknahme mit stolz weigerte Voss antisymbolik 2, 12; mit stolz (etwas zurückweisen) Arnim 15, 213; wenn er mit vielleicht partheiisch erscheinendem stolze seines erzeugers gedenkt Gaudy 13, 16; als seine majestät der kaiser vor einigen jahren im Elsasz war, erschienen alle jungen leute, die gedient hatten, ... mit der rothen dienstmütze und trugen sie mit stolz Moltke ges. schr. 7, 79 (Gottsched ged. 1, 294); mit stolz (etwas versichern) Fontane romane (1890) 7, 14; (doctoren,) die mit stolz von ihrer fünfzigjährigen erfahrung sprechen, nachdem ihnen jeder einzelne,

[Bd. 19, Sp. 275]


wenn irgend möglich, gestorben ist I 5, 75; (einen namen) mit stolz führen W. H. Riehl deutsche arbeit 264; wie alle reformatorischen köpfe Englands ... fühlte er sich mit stolz als ein Angelsachse Treitschke hist. und pol. aufsätze 1, 7; etwas mit stolz zeigen (O. Peschel völkerkunde 331); eines gegenstandes mit stolz sich rühmen (Scherer litteraturgesch. 117);

o! ihr baut auch oft in wind!
sagt, was eure schlösser sind,
die ihr euch so hoch erbaut
und mit stolz beschaut? (
Chr. Fel. Weisse) lieder für kinder (1767) 1 (das kartenhäuschen);

vom sarg des vaters richtet das volk sich auf,
zu dir sich auf, mit trauer und stolz zugleich
Platen 1, 165 (an könig Ludwig 1825).

stärker hinweisend und erläuternd: die summa aber alles, was Antiochus aus dem tempel geraubet hat, sind achtzehen hundert centner silbers, die nam er mit sich, und zog flugs gen Antiochia, mit einem solchen stoltz und hoffart, das er gedacht, er wolt nu die erden machen, das man darauf schiffte, wie auf dem meer, und das meer, das man darauf wandelet, wie auf der erden 2. Maccab. 5, 21; eine Pulcheria, die ... mit einem stoltze spricht, der ihrer geburt anständig ist Ramler einleit. in die schönen wissenschaften 2, 269; mit dem gewöhnlichen (gewohnten) stolz sagen u. s. w. vgl. Lichtenberg briefe 2, 238; kein wunder, dasz der hofbesitzer mit besonderem stolz auf seinen misthaufen sieht Meyr erzählungen aus dem Ries 1, 71;

denn eher stürzt sich in die höle
der pest ein Curtius hinein,
als länger, mit dem stolz der seele,
was jeder andr' ist, auch zu seyn
Gökingk gedichte 23;

mit dem stolz der unschuld einen anblicken (Müllner dramat. werke 1, 131 schuld 4, 3); (ich) kehrte jedoch mit dem stolze eines verarmten Hidalgo dem hause den rücken und wanderte weiter Keller 3, 54.
aus: (der bericht genes. 11,) dasz Nemroth mit seinem folck usz seinem stoltz vermeint ein semlichen hohen thurn z buwen, uff das, ob schon got der her abermals die welt umb irer sünd willen wolt mit einem wassergusz oder sintflusz verdilcken, dasz er möcht sicher sein, und in die höhe des thurns empfliehen Gebweiler beschirmung des lobs Marie (1523) 8b, vgl. DWB aus lauter stoltz ... einen babylonischen thurn erbauen Dannhawer catechismusmilch 1, 2b; allein aus stoltz, pracht, rachgierigkeit einen ... under sich zwingen Kirchhof militaris disciplina (1602) 4; die reichen aus muth und stoltz, so das geld zu verursachen pflegt, sich miteinander nicht betragen können Harsdörffer frauenzimmergesprechspiele 1, C 7a; alles dieses sage ich ihnen aus wahrer aufrichtigkeit, und nicht im geringsten aus einem kritischen stolze Gellert 4, 176; es geschiehet nicht aus stolz über deine errettung sammlung von schauspielen 1, 11; es musz eine zeit kommen, wo der mensch schon auf der erde die meisten thränen abwischt, und wär es nur aus stolz! Jean Paul Siebenkäs 2, 62; aus stolz einen nicht kennen wollen; auch: die (Shakespeare, Johnson u. s. w.) er (Gottsched) hernach aus stolz auch nicht hat wollen kennen lernen Lessing 8, 43; rohe unwissenheit aus stolz Schopenhauer werke 1, 93;

disz hast leicht bisz her nit gethan,
sonder dich hochmütig gehalten
bey fraw und man, jungen und alten,
und sie gleich ausz eim stoltz veracht
Hans Sachs 14, 136 Keller-Götze;

aus stoltz wird er (Thersites) nit bald hernach
den fürsten mehr zulegen schmach
Spreng Ilias (1610) 18a;

doch was ihr andre lehrt, das thut ihr selber nicht:
ihr seydt auf unser heil meist nur aus stoltz bedacht;
und ihr verdammt euch selbst, weil ihr uns seelig macht
Chr. Warnecke poetischer versuch (1704) 222.

vor: für groszem stoltz zittern, pfausen tremare, buffare, buffare di orgoglio (boria) Kramer dict. 2, 983b; der vor stoltz aufgeblasen ist qui supercilio tumidus est Steinbach 2, 721; vor stolz zerbersten (müssen) Müllner dramat. w. 5, 264; in der redensart: dei' bruader stinkt vor stolz (d. h. er ist übermäszig stolz) Hügel Wiener dialect

[Bd. 19, Sp. 276]


158a. —von: mit einer anwandlung von stolz Schubart leben und gesinnungen 2, 31;

nicht von stolz noch eitelkeit getrieben,
kleidt er den nackten dann
Hölderlin ges. ged. 1, 35.


b) an: (es) hat sich ein ehrlicher man an solchem stolze (dieser gelehrten) nicht zu keren Bellin rechtschreibung (1657) b 2a; die qual erlahme an meinem stolz! Schiller 2, 163 (räuber 4, 5). —in: o wie elend sind wir in diesem stolz, auf den wir so stolz sind Bettine dies buch gehört dem könig 1, 300; empfindungen eines, in seinem stolze gekränkten patrioten Ebner - Eschenbach 4, 89. —bei:

warum soll denn Germania, ...
bey fremder völker stolz, allein verschmähet sinken?
Gottsched neueste gedichte (1750) 14.

wegen: man hatte mich ersuchet, den hrn. prof. Philippi dieses frevels und stolzes wegen zu züchtigen Liscow sat. ernsth. schr. (1739) 26 (vorr.).
c) ohne stolz geht gerne auf geleugneten 'hochmuth': die erzählung des inhalts musz einfältig, deutlich, ohne pracht, ohne stolz seyn Ramler einleit. in die schönen wissenschaften 2, 110; würde ohne stolz Göthe 21, 42 Weim.; ich musz mich schämen vor Luzie, die mich demüthigte ohne stolz Fr. H. Jacobi werke 1, 78; ein redlicher dichter kann viel wagen, denn die kunst, die ohne stolz und frevel, bespricht und bändigt die wilden erdengeister, die aus der tiefe nach uns langen Eichendorff 3, 150;

die noch warmes herzens, ohne falschheit sind,
ohne stolz im purpur
Ramler lyr. gedichte (1772) 154.

dagegen ethisch geläutert: denn ich bin nicht ohne stolz auf selbstgeschaffene selbständigkeit Pückler briefw. 6, 57; nicht ohne einen gewissen stolz (etwas sagen) Fontane I 2, 78.
d) der stolz auf etwas (vgl. oben stolz adj. 9 c β sp. 255) spiegelt leicht ein berechtigtes gefühl und hält sich fern von hochmuth u. dgl.: eifersucht, gefühl der ehre, stolz auf ihr geschlecht und ihren vorzug Herder 5, 130; wie der stolz auf unsre eigne sprache, der oft noch schlummert, einmal heller wacht Jac. Grimm vorr. zum wb. xxviii; jener nicht unedle stolz des Franzosen auf seine europäische bedeutung verlor plötzlich allen halt Dahlmann französ. revolution 6; wenn stolz irgend erlaubt ist, so ist der stolz auf ein gutgeartetes kind der erlaubteste Bauernfeld ges. schr. 2, 139; der stolz auf ritterliche herkunft Freytag 18, 14; der stolz auf die armuth als die gröszte arbeitsmeisterin W. H. Riehl deutsche arbeit 119; der stolz der Latiner auf ihre herrliche ... rebe Mommsen röm. gesch. 1, 174; voll stolz auf die getroffene wahl Ebner-Eschenbach 4, 63; doch auch hier sind die grenzen leicht übersprungen: den stolz auf die geburt kennen wir ungebornen nicht Cramer Neseggab 1, 21;

es ist kein stolz so erdentoll wie der auf deines beutels last:
speis alle bettler heut, und sieh, was für das geld du morgen
hast
W. Müller ged. (1868) 2, 163.

seltener (und verblaszter) dafür über: edler stolz über seinen sohn Gerstenberg Hamb. n. zeitg. 283 lit. denkm.; (der schloszherr) führte sie (die kinder) aller orten herum, hatte seinen stolz über sie Stifter 5, 1, 353; bei allem stolze über seine unentbehrlichkeit W. H. Riehl deutsche arbeit 266; ein gewisser stolz darüber (über die nationale einigkeit der partei) Bennigsen nationalliberale partei 54.
e) gegen: groszen stolz gegen einen (gegenüber einem) zeigen; nach griechischen begriffen war der werth eines mannes, eines soldaten, eines helden auf edlen stolz gegen sich selbst, auf ehrerbietung gegen die, so ruhm verdienten, ... gebauet Herder 3, 168; (bei den Deutschen) ein ungemeines gefühl für billigkeit, stolz gegen gröszere und tiefe verehrung vor altem geschlechtsadel Freytag bilder 1, 95.
6) im gefüge verbaler wendungen:
a) den stolz annehmen (vgl. des Horaz sume superbiam!) u. s. w.: sie hatten schon durch wiederholte siege den stolz angenommen, der wiederum zu siegen führt A. v. Haller Usong (1771) 67; da ist ihnen der muth gewachsen und der stolz gestiegen Sattler 295 (Schmidt

[Bd. 19, Sp. 277]


gesch. der Deutschen 1, 521); kindliche liebe wird meinen stolz erheben Iffland theatr. werke 1, 163; auch: den stolz erwecken (Pfeffel prosaische versuche 5, 53), erregen, lebendig machen u. s. w. das herz des guten jungen mit ungeheurem stolz über seine schlauheit ... erfüllen Raabe I 2, 160. — um seinen stolz zu befriedigen, einem (andern) ... verächtlich begegnen Gottl. Stephanie d. j. lustspiele (1771) 48. —treiben: die da hoffertig sind, ubermut, frevel und stoltz treiben Luther 16, 343 Weim.; nun wil aber der teufel, dasz wir nichts auf gott geben, sondern unserem eigenen lust und wolgefallen nachleben, in trübsalen fluchen, und zur zeit der wolfart vbermut und stoltz treiben sollen Gretter erklärung der ep. Pauli an die Römer (1566) 744;

ist sie gleich schön zarter gestalt,
dasz sie sich tugendlichen halt,
und treib darmit kein stoltz noch pracht
Hans Sachs 21, 264 Keller-Götze (als lehre für eine jungfrau);

sollichen stolz und vbermut
solt jhr mir in die läng nit treiben
Spreng Ilias (1610) 5a;

den frävel und stoltz, so sye mir in meinem aigentumb anlegen Schaidenraisser Odyssea 5b;

oft hab ich gehort, disz thue nit guet,
in meinen jungen tagen,
wan man braucht stolz und vbermueth lieder auf den winterkönig 97.


b) (viel) stolz besitzen (Lichtenberg briefe 1, 123); den stolz und die energie eines Händel besitzen (O. Jahn Mozart 1, 210); hätte Schubart so viel stolz besessen, als er eitelkeit besasz Strausz ges. schr. 1, 7. — alle leute sagen, er (Campe) habe einen stolz, eine prahlsucht, die unleidlich sein sollen Forster schr. 7, 88; er hat solchen stolz als hausbesitzer Seidel Leberecht Hühnchen 42, deshalb als ein lob keinen stolz haben nicht stolz sein: gar keinen stolz hat er, das ist schön Meisl theatr. quodlibet 1, 112 (vgl. Tieck schr. 1, 179). doch der keim zum sittlichen mangel liegt im kerne beschlossen (vgl. zur sache die entsprechende entwicklung von gemein 4 g über 6 zu 8 — th. 4, 1, 2 sp. 3193 ff.): du hast nur zwei gedanken: angst und vorteil, und hast keinen stolz und keine ehre Fontane I 6, 5; deshalb seinen stolz haben als ein inneres aristokratisches gefühl, welches moralisches rückgrat verleiht.
c) den stoltz ablegen metter giù la superbia Kramer dict. 2, 983b;

sie tritt in die zelle von rosenholz,
und nimmt das braunseidene klausnerröckchen,
legt an die demuth, legt ab den stolz
Brentano 2, 139;

(sie haben) iren stoltz und übermt gegen mir etzwas nidergelassen Hutten 1, 448; den stolz fahren lassen arrogantiam remittere Steinbach 2, 721; den stolz meiden superbiam fugere (ebenda); des stolzes sich entkleiden Mildheim. liederbuch 1; man wird sehr klein und verliert allen stolz auf den geist seiner zeit, wenn man unter diesen antiken, wie in einer götterversammlung wandelt Schubart leben 1, 201; seinen stolz überwinden;

held, vor dessen macht erd und himmel zittern
und das wilde meer seinen stoltz legt ein
Zesen vermehrter Helikon 2, 76;

(Christi kreuz wird angeredet:)

ehrgeitzig holtz,
lasz deinen stoltz!
Schmidt gestrieg. rockenphilosophie 1, 140;

eh es mädchen wagen,
und ihrem zwang und stolz entsagen
Lessing 7, 24.


d) seine sonstige schmälerung und bekämpfung in mannigfacher wendung: das ich ewrn stoltz und halsstarrigkeit breche 3. Mos. 26, 19; in widerwertigkeit wird uns der stoltz gebrochen Fr. Wilhelm sprichw. register y 2;

dein feinde, die dir widersprechen;
den kanst ir stoltz und hochmut brechen
Hans Sachs 1, 337 Keller;

nun ist euer stolz gebrochen!
Gottsched gedichte 1, 310;

ich wil dir den stoltz legen retundam tibi tumorem Alberus (1540) JJ 2b (Micrälius altes Pommerland 1, 51); jemandes stolz niederschlagen vgl. Weigand synonymen2 1, 331;

[Bd. 19, Sp. 278]


noch weis ich mittel, die den stolz eines einbildischen starrkopfs so hübsch niederbeugen können — kloster und mauren! Schiller 2, 111 (räuber 3, 1) vgl. Ramler lyr. gedichte 196; miszlich ist für den sieger, den besiegten rivalen zu schonen, denn der stolz desselben ist gebeugt, nicht gebrochen, seinem kühnen muth steht es wohl an, wieder nach freiheit und herrschaft zu streben Freytag bilder 1, 179. — sein stolz war geknickt, sein muth gebrochen Alexis hosen 1, 198;

und wolt ir auch mit kirschenholtz
vertreiben disen poch und stoltz
Hans Sachs 17, 153 Keller-Götze;

gehts wol, treibt man so lang mutwillen,
bis unfall kompt, den stolz zu stillen
Fischart podagr. trostbüchlein 44;

zu lande war die stadt vorlängst schon eingeklemmt
so ihre zufuhr zwar, nicht ihren stoltz gehemmt
Besser schr. 1, 52;

hartnäckig, grimmig war der kampf, bis endlich
Macheth mit unbezwinglich tapferm arm
des Normanns stolz gedämpft
Schiller 13, 10 (Macbeth 1, 3);

schöner Daphnis, deine schwüre
muszten meinen stolz bezwingen
Rückert werke 3, 19;

den stolz des Benvenuto ... demüthigen Göthe 43, 169 Weim.; auch der kaiser wollte von keiner aussöhnung hören, ehe nicht der stolz des herzogs gedemüthigt worden Ranke werke 1, 68; die hochmüthige gönnermiene des czaren beleidigte ihren stolz Treitschke deutsche geschichte 4, 535 (Thümmel reise 8, 121);

dem soll wir lob und ehr drumb sagen,
dasz gott nit thu unsern stoltz plagen
Hans Sachs 18, 443 Keller-Götze;

die verachtung seiner person hatte früh seinen stolz verwundet Schiller 4, 65; ja, ich musz dir sagen, dasz es meinen stolz kränkt, dasz ich so alles von dir fordern soll Schubart briefe 2, 148 (Arnim 7, 9). — (im spiel mit der bedeutung unter 8:) Diogenes gieng in einem schmutzigen aufzug über die prächtigen fuszdecken in den zimmern des Plato. ich trette, sagte er, den stoltz des Plato mit füszen; ja, erwiederte Plato, aber nur durch eine andere art von stoltz Lichtenberg aphor. 2, 26, 113. — hierher noch: ja wahrhaftig, der gedanke ist auch so schmeichelnd erhaben, dasz er selbst den stolz eines weibes betäubt Schiller 2, 111 (räuber 3, 1); den stolz eines schonen vgl. Freytag bilder 1, 123.
e) in einem abhängigen satze wird grund oder absicht weiter erläutert: er habe ... allezeit einen stolz darein gesetzt, sie für die gereinigte lehre gewonnen zu haben Fontane I 6, 404 (Tieck 17, 10; darin Alexis ruhe ist die erste bürgerpflicht 1, 137);

ich suche darin meinen gröszten stolz,
treu meiner freunde immer zu gedenken
Tieck 3, 223;

ich hatte den stolz, den knoten ... künstlich lösen zu wollen Hippel lebensläufe 1, 99; der bearbeitende müszte den stolz haben, mit Cooper zu wetteifern Göthe 41, 2, 296 Weim.; so müszte der höchste stolz des kathederlehrers sein, die begriffe so vieler manifestationen in seinen schülern dergestalt zum leben zu bringen, dasz sie für alles gute, schöne, ... empfänglich würden 48, 180 Weim.; eine andre leidenschaft ... war der stolz, für eine bedeutende einfluszreiche person gehalten zu werden 25, 1, 52 Weim.; sein gröszter stolz sei, diese verrichtung gut auszuführen Tieck 2, 26; ich überlasse das ... den geistigen nihilisten, deren ganzer stolz darin besteht, eine sache mehr abgemacht und aus der welt geschafft zu haben, während der geringste handwerker sich freut, ein sichtbares produkt von seiner hände arbeit in die welt setzen zu können Immermann epigonen 1, 1, 6; Calvin lebte in beschränkten verhältnissen von einem unbegreiflich geringen gehalte, jedoch mit dem stolze, niemals eine unterstützung annehmen zu wollen Ranke werke 8, 127;

bewunderung ist mein beruf;
oder nenn es auch stolz, was erhabnes und göttlichs zu singen
Dusch verm. werke (1754) 6;

du kennst die christen nicht, willst sie nicht kennen.
ihr stolz ist: christen seyn; nicht menschen
Lessing 3, 43 (Nathan 1, 2);

[Bd. 19, Sp. 279]


sich dem groszen könig darzustellen ... war sein stolz Göthe 46, 67 Weim.; auf gothischen grund und boden alle vorzüge fremder nationen zu verpflanzen, sollte unser höchster stolz seyn Lenz ges. schr. 2, 322;

wie du zu lieben und zu trinken,
das soll mein stolz, mein leben sein
Göthe 6, 39 Weim.

— der naiv hervorbrechende stolz, einer bevorzugten gesellschaftsschicht anzugehören Meinecke generalfeldm. von Boyen 1, 12; ich hatte solchen stolz, dich zu sehn, dasz ich nicht einmal eifersüchtig wurde Fontane I 5, 154; der stolz, zahllose coupons allmonatlich abschneiden zu können, steht ihnen über aller arbeitsehre W. H. Riehl deutsche arbeit 21;

sie (die pferde) brüsten sich erfreut vor deinem ehrenwagen,
aus stolz, die schönste last der ganzen welt zu tragen
v. König gedichte 29;

ach wenn du dann auch einen beglückteren
als mich geliebt hast, lasz den stolz mir,
einen beglückteren, doch nicht edlern!
Klopstock oden 1, 64;

mit folgendem dasz: der kleine stolz, dasz sie (meine schwiegertochter) ihren freundinnen mit etwas auszerordentlichem (nämlich echtem arabischen kaffee) dienen kann, erhöht den eignen genusz Göthe IV 31, 265 Weim.; da war mein stolz, dasz die kuhwirtschaft in jedem jahr höhern ertrag gab Freytag verlor. handschr. 2, 11; bis jetzt, gott sei dank, ist es mein stolz, dasz noch niemand aus einer verbindung mit mir irgend einen nachtheil gehabt Bismarck gedanken 1, 239. — in parenthese: aber — nenn es nun stolz oder blindheit — ich schreibe nicht blosz, schreibe nicht sowohl für mein zeitalter ... Lavater physiogn. fragmente 1 (vorr.).
f) mit folgeerscheinung: von seiner seite war es stolz, dasz er sich dieses übereinkommen gefallen liesz Langbein schr. 31, 70. — als hinderung: dasz der mann von einer gewissen würde im charakter zu viel stolz hat, sein ganzes wesen ... umzuformen, (ist natürlich) Knigge umgang mit menschen (1796) 4; der stolz hindert mich, etwas zu thun.
7) der stolz als ein beherrschendes gefühl des menschen, mehr und mehr in personificierende sphäre gerückt:
a) aber der lossen evangelischen (also genant) schwirmer gotlossigkeit und stoltz erligt nit Eberlin von Günzburg 3, 164 neudr.; und stillete sich damit etlicher maszen ihr stolz und hochmut Anton Ulrich von Braunschweig Octavia 1, 706;

also will auch ihr stoltz und ihr torrechte raach
dein wort und recht vernichten
Weckherlin ged. 1, 352;

wer weit will, fellt oft aus den wegen,
und wird von seinem stoltz verführt
Opitz teutsche poemata 131 neudr.;

du bist dem glücke fürchterlich,
sein stoltz musz deine grösze scheuen
Hagedorn vers. einig. gedichte 17 (an Peter II von Ruszland);

weh ihm, wann ihn (den fürsten) sein stolz verwöhnet!
A. v. Haller ged. 14;

sein stolz zielt immer gen himmel.
bald schilt er die vorsicht, die ihn im purpur und reichthum
verabsäumt;
bald dünkt er sich selber zu schwach und tadelt die weisheit
der schöpfung
E. v. Kleist 1, 235 Sauer;

es hören meinen stolz Belt, Donau, Wolga, Rhone,
und weichen hinter mich!
Ramler lyr. ged. (1772) 44;

doch wagte mein stolz den ocean
der gottheit zu ergründen
Pfeffel poet. vers. 8, 197;

mein stolz hat ihm das herz gebrochen
Göthe 11, 297 Weim.;

zwar mein stolz
der glaubt es, dasz so tief zu mir herab
sich götter niederlieszen IV 1, 45 Weim.;

(prinzessin:) bis jetzt
war es mein stolz, der meine tugend schützte
Schiller 5, 2, 236 (don Carlos 2, 8);

zu viele könige schon
hab ich zu feinden, die dein stolz verschmähte 13, 351 (Turandot 1, 1);

[Bd. 19, Sp. 280]


mögen tausend herzen brechen,
was kümmert sie's, wenn sich ihr stolz nur weidet 5, 2, 391;

dasz nicht eur stolz sich überhebt
Rückert werke 1, 169;

mein stolz empörte sich Klinger neues theater 1, 136 (Schiller 5, 25) vgl.

wie freudig zög ich nun an dem erboszten Phrat,
wo sich der Parther stolz aufs neu empöret hat
Ayrenhoff werke 1, 66;

den mord allein, die heimlich blutge that,
verbietet mir mein stolz und mein gewissen
Schiller 12, 439 (Maria Stuart 1, 7);

ich musz es in jedem fall ablehnen, einen unschuldsbeweis anzutreten. das duldet mein stolz nicht G. Hauptmann einsame menschen 90 (3); auch:

du bist noch stolz; ich geh.
ich geh — du lachst noch nicht — wenn ich dich wieder seh,
so wisse, dasz ich dich und deinen stolz verhöhne:
geh, such allein dein glück, leb wohl, du spröde schöne!
Cronegk schr. 1, 18;

ihr, die ihr euch auch ohne gott
die welt getrauet zu regieren,
und seine zügel selbst zu führen,
ihr, die ihr euch, doch eurem stoltz zu spott,
weit über seinen thron erhebet
Pyra-Lange Thirsis und Damon (1749) 92.


b) der ersatz des possessivpronomens durch den bestimmten artikel will seine selbständigkeit noch mehr hervorheben; er tritt fast ganz an die stelle der vom stolz geplagten person (wie man denn in den meisten hier aufgeführten fällen an seine stelle wendungen wie der stolze mensch u. s. w. setzen kann): so demüthigend auch das geständnisz für den stolz ... seyn mag, ... Thümmel reise 1, 7;

wenn dort kein säulengang zu stolzen zimmern leitet,
wo gold an wänden strahlt, der fusz auf marmor gleitet,
das üppig weiche bett mit purpurdecken prangt,
und keine zierde fehlt, die feiner stolz verlangt
Uz 2, 9

der stolz begnügte sich, ihm huldreich zuzunicken
Pfeffel poet. versuche 8, 31;

geist, den der stoltz von gott abfällig gemachet hat Bodmer von dem wunderbaren (1740) 75; allein man lebt mitten unter den auszchweifungen des stolzes, der üppigkeit, ... und ist gleichgültig gegen so viele unordnungen Cramer nordischer aufseher 45;

heiliger balsam, der die wunden
des schwingenerzeugenden stolzes heilt
Lenz ged. 229.

(ohne artikel:) auch stolz verachtet die verstellung O. Ludwig 5, 444.
c) wie ein dämonisches wesen nimmt er vom menschen besitz und beeinfluszt sein thun und handeln: ... als auf einmal der stolz in seine seele bliesz: 'ho! ho!' sagte dieser: 'auf eine so auszeichnende art zum edelmann geprägt zu werden!' Klinger werke 3, 76; plötzlich aber überkommt den narren ein stolz Immermann epigonen 3, 8, 5; — nur urtheile mir keiner, in dessen brust gekränckter stolz ... tobt Lichtenberg aphor. 3, 292, 32;

wie kompts dasz jhr nicht zfrieden seydt?
die hoffart, stoltz, ein jeden reit
Gilhusius grammatica 4 (8), 128

da fuhr der stolz ihm in den leib Mildheim. liederbuch 88;

schütze mich vor stolz, der thoren blendet
Seume 5, 14 (vgl.
Arnim 19, 5);

der stolz schwellte nach und nach sein herz so auf, dasz ... Klinger werke 3, 144; eigentlicher (entsprechend schwellen th. 9 sp. 2507 unter 3) vom 'vater Rhein':

sehet euern vater heute,
wie der stolz ihn schwellet
Rückert werke 1 125

zorn und stolz reden aus ihm Petrasch lustspiele 1, 585; ob dich ein gerechter ehrgeiz und stolz nicht höher treiben könte! Caroline 1, 64. — der zorn wünschet dem menschengeschlecht einen einzigen hals, die liebe ein einziges herz ... und der stolz zwei gebogne knie! Jean Paul Siebenkäs 2, 64.
d) als eine allegorische personification (vgl. seine darstellung in vignetten des 18. jahrhunderts z. b. als ein

[Bd. 19, Sp. 281]


blinder jüngling in prächtiger kleidung, den einen fusz auf eine kugel gestellt, und in der hand eine schreibtafel oder einen spiegel haltend):

die blasse schmeicheley, der stolz, der voll vergnügen
im malerischen glas den reiz von seinen zügen
in höherm glanz beschaut, die wilde lüsternheit
und gürtelloser scherz stehn neben ihr (der wollust) gereiht
Wieland I 1, 46;

der stolz im stralenden gewand,
des schwelgers tisch, vom süszen gifte schwer,
lockt mich nicht mehr
Schubart gedichte 1, 83;

in solchem costüm wohl auch der stolz (neben der sorge und dem geiz) als begleiter des ehernen alters in Göthes maskenzügen (16, 195 Weim.). — mannigfach im sprichwort: der stolz geht vor dem fall (vgl. dazu je näher dem untergange, desto mehr scheint das unrecht, der stolz ... zu siegen Herder 19, 105); der stolz ist des untergangs (des falls) vorreiter Wander 4, 876. anders: der stolz reitet zu pferde aus und kommt zu fusz nach haus ebenda; der stolz frühstückt mit dem überflusz, speist zu mittag mit der armuth und iszt zu abend mit der schande Simrock 9923, ähnlich: der stolz iszt zu mittag mit der pracht und zu abend mit der verachtung Frischbier preusz. sprichwörter 3647. — leicht wie im folgenden für der stolze mensch: die juden urtheilen doch Christum, warumb nicht der stoltz den armen Lehmann florileg. politicum 1, 51; der stoltz mag wol in einer schlechten jopen, als einem seydenen kleide sein Friedr. Wilhelm sprichw. register h 2; der stolz breitet sich aus wie ein pfaw oder welscher han Lehmann bei Wander 4, 876; der stolz meint, seine würfel würfen allzeit achtzehn Simrock 9927; der stolz meint, was er denke, das schlage an alle glocken an Wander 4, 876.
8) der den stolz erregende gegenstand (weiter entwickelt aus dem gebrauch unter 5 d und 6 e).
a) eines ist mein stolz; von personen: der bub ist mein stolz, er geräth mir nach Bäuerle kom. theater 1, 19 (vgl. maler Müller 1, 356);

wie konntest du dich aber so vergessen!
du, unser stolz, des meisters freund und liebling!
Zach. Werner söhne des thales (1803) 1, 143;

pfui, schäm dich! —
du warst mein stolz! — Martin Luther (1807) 203.

sonst: nur kurze frist blieb der sorgsamen hausfrau, ihren stolz, die feinste weizenwaare, zum frühstück aus dem backofen zu fördern Holtei erz. schr. 26, 247; tabellen waren mein stolz vierzig jahre 1, 166; denn reinlichkeit ist die zierde der hausfrau; aber ihr stolz ist die klugheit W. Busch Eduards traum 29;

eine kannt ich, sie war wie die lilie schlank, und ihr stolz war
unschuld; herrlicher hat Salomo keine gesehn
Göthe 1, 345 Weim.;

doch eben diesen jammer, meinen stolz,
will ich nicht missen
Fouqué held des nordens 2, 23.

euer gehorsam war eure leidenschaft, euer stolz — meine gnade! Schiller 3, 472 (kabale und liebe 4, 9; lady zur dienerschaft).
b) er ist der stolz jemandes: sohn, der stolz der keuschen mutter vgl. Ramler lyr. gedichte 276; sie zeichnete mit schwarzer kreide so fein, so gefällig für das auge, dasz sie der stolz ihres zeichenlehrers war Hauff 3, 62; auch: er ist nämlich der teure sohn, der stolz meines alters Tieck 19, 17;

du bist derselbe held,
der in der letzten schlacht Artanders stolz gefällt!
Cronegk schr. 1, 175;

der freye ..., anstatt durch statuen und lieder verherrlicht der stolz der seinigen zu seyn, ward ehrlos Niebuhr röm. gesch. 1, 219; (er) war einst der stolz seiner landsleute Justi Winckelmann 2, 1, 84; sie (die groszmutter) hatte den 'stolz der familie' (ihren enkel) gelobt Kürnberger nov. 3, 11;

er lehnte seine feuchten wangen
ans grüne holz,
jüngst eine nymphe, sein verlangen,
der nymphen stolz!
Hölty gedichte 4 (Apoll und Daphne. vgl.
Matthisson schr. 1, 78);

[Bd. 19, Sp. 282]



wir wollen feyren heut den tag,
der uns in Carln
den fürsten! und den vater!
den kenner jeder kunst!
den stolz der Deutschen gab!
Schubart gedichte 2, 18;

der stolz des alterthums, Timanth
Pfeffel poet. vers. 1, 191;

auch:

er, die bewundrung seiner zeitgenossen,
und später nachwelt stolz
Gotter 1, 372;

er ist der stolz seines vaterlandes (il fait la gloire de sa patrie) Chr. Schwan dict. 2, 724a; mein vaterland verlohr den seltnen groszen mann, der ... der stolz Lusatiens ward A. G. Meiszner Alcibiades 1, 3 (widm.); (musiker,) welche der stolz Deutschlands und der neid des auslandes sind Schubart ästhetik der tonkunst 97;

er selber ist dahin, doch lebt sein geist
in einem tapfern heldenpaare fort
glorreicher söhne, dieses landes stolz
Schiller 14, 16 (braut von Messina 1, 1);

der stolz des dorfes; ein hoch auf die frau Knollin ..., die brave mutter, die edle wirthin, den stolz von Alpbach Steub drei sommer in Tirol 1, 117; er nannte mich den stolz des klosters E. Th. A. Hoffmann 2, 28; (ein reitknecht,) der stolz des marstalls Gutzkow werke 1, 27;

ein reicher, fleizsger, ein solider mann,
der stolz von Cyperns kaufmannschaft
Bauernfeld ges. schr. 3, 14;

von tieren: (der vorwurf, dasz ein Römer) einer murene, dem stolz seines fischteiches, bei ihrem tode thränen nachgeweint habe Mommsen röm. gesch. 2, 404; der freundliche hof, der den stolz des gutes Wlastowitz, die elite der negrettiherde, beherbergte Ebner-Eschenbach 4, 9. — in der landschaft: dieser berg ist auch der stolz des dorfes, als hätten sie ihn selber gemacht Stifter 5, 1, 202; ein baum der stolz des waldes:

ihr schaut die eiche dort; sie war der stolz
der wälder rings: ihr seht es an den resten
Freiligrath dicht. 5, 12.

von menschlicher leistung: sein gemälde, der stolz seiner zeit Meiszner skizzen 1, 25;

zum kleinen pult von nussbaumholz,
eines alten schreinermeisters stolz
Mörike 1, 163;

vgl. auch die eigentliche würde der mathematik, dieses stolzes der menschlichen vernunft Kant 3, 323; in der discussion des staatsraths, diesem stolze der französischen administration Savigny beruf unserer zeit für gesetzgebung und recht 59. von tugenden: einst war der kindersegen der stolz des weibes Mommsen röm. gesch. 3, 594; zur zeit, als die keuschheit ihrer töchter noch der stolz der häuptlinge war Ratzel völkerkunde 2, 183.
c) sehr charakteristisch dient diesem gebrauch die präposition bei zum ausdruck einer weiteren richtungsbestimmung: Leibnitz, unser stolz bey den Franzosen Heinse 3, 576; dieser sohn ist ihr stolz bei allen leuten d. h. die leute sind auch innerlich gezwungen, anzuerkennen, dasz man mit recht auf ihn stolz ist.
d) entsprechende begriffe werden ihm nebengeordnet: mich unterhielte da die edelste gesellschaft, der stolz und die ehr eines jeden jahrhunderts S. Gessner schr. 1, 136;

wenn Joseph, Teutschlands stolz und ehre,
nicht ohne marmor göttlich wäre,
würd ers durch eure (der künstler) züge seyn?
Schiller 1, 51;

er, der die ehre und den stolz der neuern kunst, die italienische malerei, so gern meisterte Justi Winckelmann 2, 2, 215; auch ahnenbilder kaufte er (der trödler) gern ... der stolz und die verehrung manches geschlechtes wurden in der Kröppelstrasze auf das schnödeste mit dem gesicht gegen die wand gelehnt W. Raabe hungerpastor 1, 91. — ein glück, das sonst euer stolz und euer triumph war Th. Abbt verm. w. 6, 2, 85;

was mir mein freund geschenkt, war sein,
ist itzt mein stolz, mein schmuck, mein ruhm,
und wird dereinst mein nachruhm seyn
Gerstenberg ged. eines skalden 363 lit. denkm.;

heil uns! du bist geworden
des volkes eigenthum,
bist seine lust und freude
und bleibst sein stolz und ruhm
Hoffmann von Fallersleben schr. 6, 290;

[Bd. 19, Sp. 283]


ja meine krone und mein stolz war dieser Friz, und nun liegt er im dunkeln hause, aus dem noch keiner wiedergekert ist Görres briefe 3, 500; der Gringel selbst oder die ganze reihe häuser, deren stolz und krone er ist O. Ludwig 2, 41. — der grosze hanseatische bund, die zierde und der stolz Deutschlands in dem mittleren zeitalter Schmidt geschichte der Deutschen 3, 113; der letzte demagog ist uns für keinen preis feil, er wird einst der stolz unseres naturalienkabinetts und die zierde unserer stadt Heine 3, 222;

edler schmuck und stolz des frühlings,
strahlenreiche nelcken, schimmert!
Götz verm. ged. 2, 140 (der garten);

o! meine tochter,
o! du, mein stolz, mein kleinod, meine freude!
Wieland 3, 164;

ich hoffe eure augenweide
noch spät und euer stolz zu sein
Mörike 1, 172;

sie war ihres vaters glück und stolz und seine nagende sorge Ebner-Eschenbach 4, 234 (Holtei erz. schr. 5, 10, auch gegensätzlich: denn die junge frau war fast noch mehr sein stolz als sein glück Fontane I 3, 5). — dasz ich dich wieder habe! dich, meine hoffnung, meinen stolz, mein alles! Kotzebue dram. w. 18, 254; in Frankreich ist die armee der liebling der nation, ihr stolz und ihre hoffnung Moltke ges. schr. 7, 123; (sie ist) selbst von denen, die noch ihr letzter trost und stolz sind, verrathen A. v. Droste-Hülshoff an L. Schücking 114 (vgl. der stoltz seines ruhmvollen lebens, die ruhe seiner nächte, und der trost in seinem tod Lichtenberg aphor. 4, 88, 473). — sie ruhte beglückt am herzen des mannes, der ihres lebens stolz und freude war Immermann epigonen 1, 2, 1. —

Carthago hält den Regulus gefangen, ...
der euer stolz und eure liebe war
Collin Regulus 20 (1, 2);

die weingärten, die der stolz und der reichthum der insel sind Chamisso 1, 60. — vereint war es (das heer) einst des czaaren stolz und stütze Babo schauspiele 222; der stolz und die stütze Preuszens, das heer C. O. Hoffmann revolution und contrerevolution (1849) 32. — (ein volk,) dessen stolz und studium zeichendeuterey ... war Niebuhr röm. gesch. 1, 93; Julius Cäsar, der stolz und das muster seiner familie Schmidt gesch. d. Deutschen 1, 61.
e) beliebte weitere bestimmungen in diesem gebrauchskreise: eines ist mein besonderer stolz, mein ganzer stolz; die marine war Dänemarks eigentlicher stolz H. Steffens was ich erlebte 1, 178; so war der letzte und einzige stolz der preuszischen politik, die neutralität Norddeutschlands in frage gestellt Treitschke deutsche gesch. 1, 213;

sein höchster stolz und seine wärmste liebe,
sein tod, sein himmel ist das vaterland
Hölderlin dicht. 1, 113;

nach griechischem vorbild (mit bezug auf die königl. brüder Agamemnon und Menelaos):

wie einst den zwiethronigen stolz der Achäer (Ἀχαιῶν δίθρονον
κράτος), hellenischer jugend
einige feldherrn,
fort mit speer und mit rächendem arme die thurstigen aare
sandten gen Troja
Droysen Aischylos3 9.


f) zum verbalen zusammenschlusz neben dem gewöhnlichen sein bisweilen bilden (etwas bildet den stolz eines u. ä.) und (aus)machen: gedörrte fische und mehlvorräthe aus eigenem landbau machten den stolz der wirthschaft Dahlmann gesch. von Dänemark 2, 114.
 
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stolz-zusammensetzungen, besonders adject., sind zahlreich möglich; sie werden im folgenden nur in einer auswahl dargeboten.
 
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stolzart, f., besondere art des stolzes: giebt es nicht eine gewisse aufgeblasenheit der worte, die man bauernstolz nennen könnte, welcher ... die unerträglichste aller stolzarten ist? Hippel kreuz- und querzüge 1, 355. —
 
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stolzathmend, adj.: vgl. Stolberg 13, 48. —
 
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stolzaufblühend, adj.: der stolzaufblühende jüngling Jean Paul 15-18, 7 Hempel.
 
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stolzaufgerichtet, adj., von der menschlichen gestalt Alexis Roland von Berlin 1, 86. —
 
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stolzaufstrebend,

[Bd. 19, Sp. 284]


adj., von einer burg, einem turm u. s. w. Rosegger III 5, 360.

 

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11) rebe
 ... ranken anderer pflanzen: es war ein tann erwachsen hoch, dabei ein körbs sich auch auf
 ... bekleidt also den ganzen baum, das man die tann kundt sehen kaum, mit vielen reben umbefangen,
 
12) riesenheer
 ... im schlaf streckt schwarz und wüst der weite tann, ein riesenheer in zaubermacht für tausend
 
13) rötlich
 ... horch, von den dünen, horch, aus dem tann wogen die kühnen Sachsen heran:
 
14) schlagen
 ... Steinbach 2, 427 ; da eilten in die von Tann .. nach; da slugen sich die unsern mit in.
 
15) schneiten
 ... auch klein hacken oder hauen, graszach oder dächsen schnaiten, tann - oder fichtenäste zur streu klein hacken Schm. 2
 
16) schurke
 ... : schurke, heiszt nach Meiszners zeugnüsz in Silesia loquente, tann - äpfel, tann - zapfen, squamata nucamenta
 ... Meiszners zeugnüsz in Silesia loquente, tann - äpfel, tann - zapfen, squamata nucamenta abietum Frisch
 
17) spulen
 ... von einem gleichmäszigen schnurrenden tone der vögel: eine gesellschaft wandernder tann - , kohl - , hauben - und blaumeisen, denen
 ... denen sich ein halbes dutzend goldhähnchen angeschlossen, streicht durch den tann, ... häkelt sich kollernd, spulend, »zit - zit« rufend an
 
18) stöhnen
 ... ; und fuhr im winter der sturm rasend durch den tann und stöhnten unter seinem drucke die föhren, so war es
 
19) strobel
 ... 1014 c ; die zirbelnusz, auch wohl jeder tann - und fichtenzapfen Adelung 4 (1780)
 
20) strolchen
 ... ich ( der weihnachtsmann ) so strolcht' durch den dichten tann, da riefs mich mit heller stimme an
 
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