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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
stolpen bis stolperhaft (Bd. 19, Sp. 217 bis 218)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) stolpen, stölpen, verb., wie unten stolpern, verb., doch ohne den iterativen beisinn: norw. dial. stolpe 'mit steifen schritten gehen, stolpern' (Falk-Torp 1173). die etymologische zusammenstellung mit an. stolpi, schwed.-dän. stolpe 'pfosten' (s. auch oben stolp, m.) führt auf das vergleichsmoment der hölzernen klotzartigen figur (wie sie etwa im kultischen umzug auf ungenügendem mechanismus holpernd und überall anstoszend unter stetem schwanken mitgeführt wurde). dasz die iterative form (unten) unter der reimwirkung von holpern (th. 4, 2 sp. 1760) gegenüber dem grundwort eine gröszere ausbreitung gefunden habe, darf vermuthet werden, wird aber auch durch die besondere natur des vorgangs von vornherein nahegelegt:

was fragten wir denn nach dem tölpen?
schaw! dort thut er gleich einher stölpen
Hans Sachs 9, 24 Keller;

gib acht, dasz du nicht an der wurzel stölpst
L. Eichrodt lyrischer kehraus 1, 44.

anderen sinn hat aber die imperativ. (?) interjection:

der bawer stolpert, als wöll er fallen, sicht sich umb und spricht:
zwoho, zwohe! stolp stölperlein!
da wird ein pfeiffr begraben sein,
wer drüber geht, musz stolpern dran
Hans Sachs 21, 40 Keller-Götze,

wo der sinn viel mehr scheint 'steh (stolpernd, schwankend) still; halt an', von wo aus auf das judendeutsche stolfen verb. (s. oben) sich besonderes licht verbreitet (oder handelt es sich nur um eine lautausmalung des vorganges?) vgl. Agyrtas unter stolperlein 2 und im übrigen auch stölpe, f.
 
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stolpenstiefel, m., an stelle des gewöhnlicheren stulp(en)stiefel (s. unten) Kotzebue dramat. w. 13, 252 (der gimpel auf der messe 1, 5).
 
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stolper, m., wie unten stolperer, stolprer, m. 2, ein stolpernder, unsicherer schritt: beleg bei Agyrtas unter stolperlein 1. — bildlich einen stolper machen einen fehltritt begehen, einen fehler machen Campe.
 
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stolperargument, n., welches stolpert, nicht völlig beweiskräftig ist Schopenhauer br. 237 Grisebach.
 
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stolperbahn, f., auf der man nur stolpernd weiterkommt: gäbe mir nur gott mein hinlängliches, stilles brot in meinem hause, ohne mich auf diesen stolperbahnen und kreuzwegen herumzuschleppen L. Tieck don Quichotte 3, 47 (7, 5) Meyer.
 
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stolperdraht, m., drahthindernisz (dicht über dem erdboden) für den anstürmenden feind v. Alten handbuch 2, 258.
 
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stolperei, f., stolperhaftes gehen, vgl. unten stolpern verb. als subst. infin.: in der nacht war auf dem schlechten wege eine schlimme stolperei; im folgenden bildlich von ungeschicktem benehmen: anstatt, dasz ihr mannsleute euch für euere unablässigen stolpereien und tapsigkeiten kleine enthaltsamkeiten ... auferlegen, und das angerichtete malheur mit witz und grazie wettmachen oder andernfalls mit an die beine geklebten händen abbüszen solltet, so treibt ihr die witz- und taktlosigkeit auf die spitze,

[Bd. 19, Sp. 218]


indem ihr euch noch mit brutaler gewalt belohnt Goltz ein jugendleben 3, 104.
 
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stolperer, stolprer, m. , s. auch oben stolper, m.
1) einer der stolpert: stolperer inciampatore Kramer dict. 2 (1702), 983a; du bist ein stolperer! siehst dich beim gehen nicht vor. übertragen, von einem ungeschickten (malcreato, rustico Kramer a. o.): kommet her, ihr neuern schönen geister, ihr französirenden wizzlinge, ihr prosaischpoetische stolperer, ihr berühmten wochenschriftsteller, ihr gelehrten weisen im akademischen paragraphenstil Herder 1, 373; auf dem gebiete des anstands und der sitte: es ist halt wahr, dasz stultus, stolperer und stoltz wachsen auff einem holtz Abraham a S. Clara Judas 2, 249 (s. dazu die einleit. von stolz, adj.) — auch von einem pferd mit unsicherer gangart: einen stolperer reiten montare, cavalcare un cavallo inciampatore Kramer 2 (1702), 983a; stolperer caespitator Dentzler 103b.
2) stolpernder schritt: wir sind lauter Wiener, — lauter Wiener herzen — und dahin, wo wir jetzt stehn, wären wir a ganz g'wisz ohne ihn 'kommen — ohne stolperer! Anzengruber 10, 209;

in dem stach er sein merrhen an,
das sie ein weng solt fürbas gan.
da thets ein stolprer auf der strasz,
das er verschüttet das harmglasz
Hans Sachs 9, 316 Keller;

indem man also stritt, gabs einen stolperer,
das weibgen dorckelte die strasze hin und her
Joh. Riemer der trunkene träumer (1684) 489.

auch: Lucifer (hat) so gar im himmel einen groben stolperer gethan Abraham a S. Clara etwas für alle 1, 4; 'ah! der gefährliche stolperer! keinen groschen hätt ich mehr gegeben für euer gnaden'. 'ah, auf die füsz bin ich fest, die konserviert man im büreau' Nestroy 5, 218.
 
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stolperfritz, m., schelte wie unten stolperjochen, — matz, — trine: stolperfritze Albrecht Leipz. ma. 218a.
 
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stolpergang, m., stolpernder unsicherer gang: stolpergang camino inciampante, traballante Kramer dict. 2 (1702), 982c. s. auch unter stolperig, adj. 2.
 
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stolperhaft, adj., wie das folgende stolperig Kramer dict. 2 (1702), 982c. auch: ein stolperhaftes betragen, ungeschicklich, gesellschaftlichen anstosz erregend.

 

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11) rebe
 ... ranken anderer pflanzen: es war ein tann erwachsen hoch, dabei ein körbs sich auch auf
 ... bekleidt also den ganzen baum, das man die tann kundt sehen kaum, mit vielen reben umbefangen,
 
12) riesenheer
 ... im schlaf streckt schwarz und wüst der weite tann, ein riesenheer in zaubermacht für tausend
 
13) rötlich
 ... horch, von den dünen, horch, aus dem tann wogen die kühnen Sachsen heran:
 
14) schlagen
 ... Steinbach 2, 427 ; da eilten in die von Tann .. nach; da slugen sich die unsern mit in.
 
15) schneiten
 ... auch klein hacken oder hauen, graszach oder dächsen schnaiten, tann - oder fichtenäste zur streu klein hacken Schm. 2
 
16) schurke
 ... : schurke, heiszt nach Meiszners zeugnüsz in Silesia loquente, tann - äpfel, tann - zapfen, squamata nucamenta
 ... Meiszners zeugnüsz in Silesia loquente, tann - äpfel, tann - zapfen, squamata nucamenta abietum Frisch
 
17) spulen
 ... von einem gleichmäszigen schnurrenden tone der vögel: eine gesellschaft wandernder tann - , kohl - , hauben - und blaumeisen, denen
 ... denen sich ein halbes dutzend goldhähnchen angeschlossen, streicht durch den tann, ... häkelt sich kollernd, spulend, »zit - zit« rufend an
 
18) stöhnen
 ... ; und fuhr im winter der sturm rasend durch den tann und stöhnten unter seinem drucke die föhren, so war es
 
19) strobel
 ... 1014 c ; die zirbelnusz, auch wohl jeder tann - und fichtenzapfen Adelung 4 (1780)
 
20) strolchen
 ... ich ( der weihnachtsmann ) so strolcht' durch den dichten tann, da riefs mich mit heller stimme an
 
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