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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
stolkern bis stollenangabe (Bd. 19, Sp. 198 bis 210)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) stolkern, verb., in niederdeutschen gegenden nebenform von unten stolpern, so in Südhannover, vgl. auch Danneil 213a und in besonderer bedeutungsentwicklung mnd. stolkeren arrogare: voc. Engelhus. bei Schiller-Lübben 4, 411b. eine andere möglichkeit der herleitung oben unter stolken verb.
 
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stolkreuz, n., kreuz als heilige verzierung auf der stole angebracht. zeitschr. für kirchenschmuck 24 (1868), 58.
 
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stollbaum, m., s. unten stollenbaum.
 
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stollbeule, f., s. unten stollenbeule.
 
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stollboszen, verb. , ein in seiner herleitung nicht sehr durchsichtiges wort.
1) trans. wohl eigentl. 'mit der kugel werfen (im kegelspiel)' zu stollen, m. (unter 1 d) und boszen, verb. (th. 2 sp. 269 unter 3) auch ein entsprechendes stollbosse, fem. 'kegelkugel' mag vorausgesetzt werden (vgl. noch kugel th. 5 sp. 2536 unter 2 d) in der überlieferung der wörterbücher neben der zurücktretenden eigentlichen bedeutung übertragen '(eines) hin- und hertreiben' (Frisch 2, 339a) und besonders bildlich 'verfolgen, quälen, peinigen', stolbossen, sülchen und betrüeben afflictare Frisius 60b; zerbrächen, zerstossen, stollbossen quassare 1104a; vgl. DWB wol geschlagen und dülpet mit feusten, und mit füessen gestollbosset concisus pugnis et calcibus 177a; stollbossen jactare, quassare Maaler 389d (quassare Dentzler 277a) und so noch 'hin und wider stoszen, zu grober harter arbeit einen miszbrauchen': ein armes waislein gottlos herum stolpossen (baslerisch) schweiz. idiot. 4, 1729a. — etliche wilde gesellen (haben 1524) ein anschlag gemacht, den doctor (Vadian) in der herberig (zu Zug) zuo überfallen, ir suwwerch mit im zuo tryben und in dem schimpf im die oren abhowen und in stollbossen genuog quelle im schweiz. idiot. a. o.subst.: bewegung, unrw, das hin und wider werffen und stollbossen jactatus Frisius 640a. — einer anderen erklärung des schwierigen wortes diene noch der hinweis auf stollen 4 c 'knochen, knöchel', also eigentlich 'mit den knöcheln der faust stösze versetzen, austeilen' (vgl.arschbossen 'einem mit dem knie stösze in den hinteren versetzen' schweiz. idiot. 4, 1729); doch für die erste erklärung spricht das folgende.
2) intrans. 'von einem ort zum andern verstoszen wandern müssen, hin und herschlenkern, umherstolpern' schweizer. idiot. 4, 1729; dann auch 'müssig herumstreichen, unnötig umhergehen' ebenda. eine bedeutungsentwicklung. welche von einer streckform von stolpen, stolpern offensichtlich beeinfluszt ist, vgl. stŏlpôsseren 'stolpern' schweiz. idiotic. a. o.; stŏlpôssi der stolperer ebenda. verborgen gewisz auch im folgenden:

sust gê wir stopôʒen (? stolpôʒen)
in diser vinster strôʒen von den sieben graden 231 (
Lexer mhd. wb. 2, 1212).


3) ein begrifflich hierher rückbares storbôssen 'herumbalgen' (schweiz. idiot a. o.) weist nachdrücklich auf den wechsel von r und l (vgl. oben unter stolken) und damit auf einen möglichen zusammenhang mit der wurzel stor (s. unten stören verb.).
 
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stöllchen, n., deminut. zu stollen, m., in eigentlicher bedeutung unter 1: stöllchen piediccino, puntellino, balaustrino Kramer dict. 2 (1702), 982c. — entsprechend stollen, m. 5: kein stöllichen oder gesetzlein reden, darinn nicht aufs wenigste ein gut biblisch wort mit eingefürt sey Mathesius werke 3, 323.
 
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stolle, f. , nebenform zum folgenden masc. stollen vielleicht zunächst im bäckereigewerbe, etwa in anlehnung an die begrifflich entsprechende semmel (th. 10, 1 sp. 559).

[Bd. 19, Sp. 199]



1) semmel von länglich dicker, im durchschnitt ein wenig kantiger gestalt (Jacobsson 4, 303a), auch an den enden zugespitzt; anlasz zur übertragung gab die ähnlichkeit mit stollen, m. 1: stolle, eine art gebackenes panis similagineus Steinbach 2, 720; neben ndd. stulle (s. unten) ein groszes weiszbrod mit butter und gewürzen, welches zur festzeit, auch als geschenkgabe gebacken wird Dähnert 465a; deshalb auch butterstolle (th. 2 sp. 586) vgl. Krünitz encycl. 174, 462, besonders in Sachsen die christstolle (th. 2 sp. 626) vgl. Frisch 2, 339b und über die ähnlichkeit mit einem wickelkinde K. Bornhak fest- und denktage Naumburgs 4 (als kirchliche abgabe sollen die Naumburger bäcker liefern: in vigilia nativitatis Christi duos panes triticeos longos, qui stollen dicuntur, factos ex dimidio scephile tritici urk. v. j. 1329; vgl. Lepsius kl. schr. 1, 253) und weitberühmt die Dresdener stolle: das schimlig gelt, so das gt alt müterlin so lang z stollen hatt gehabt ligen, ms einmal an die sun und under die welt kummen Wickram 3, 294; er beneidete oder segnete vielmehr den zeuchmacher, den stiefelwichser, den holzhacker, der abends seinen krug bier, seine andacht, seine stollen und seine trompetenden kinder hatte Jean Paul 7-10, 308; und gings denn nun vorerst an den kaffee. da gabs stollen, bebe, sternkuchen O. Ludwig 2, 524; die stolle, eine gans von Steinegg (vom schwager), eine hirschsulz vom forstmeister Orelli C. F. Meyer briefe 2, 151 (daneben das masc. s. unten);

hui, du calvinisch ottrgezücht,
hast gwisz wider was angericht,
wie zu Prag zu der stollen zeit,
da auch in dreck fiel meine freud,
als du die bilder thest abreiszn
Opel-Cohn dreiszigjähr. krieg 113;

ich bekam sie (die soldaten) beim letzten heiligen christ,
statt der nüsse und stollen
Körner 1, 213.

doch butterstolle (panis illitus butyro Frisch 2, 339b) auch dasselbe wie oben butterbrot (th. 2 sp. 584), mit butter bestrichene scheibe (roggen)brot, was nur brotstolle (th. 2 sp. 406), ein länglich gebackenes brot bei Stieler 2134 verständlich machen kann; die ebenfalls zunächst norddeutsche semmelstulle, mit butter bestrichene semmel (th. 10, 1 sp. 567) hat aber wieder die brotstulle zur voraussetzung und ist nicht tautologisch. s. im übrigen dazu unter stulle, f.
a) nicht hierher gehört nierenstollen bei Amaranthes 462 (auch 1333), nur verderbt aus bairisch nierstall (th. 7 sp. 835).
b) in anlehnung an unsern gebrauch dagegen stolle das losgestochene torfstück, torfplagge: bis die letzte stolle auf den boden geschichtet ist Heer könig der Bernina 203.
c) lang gestreckte, steilabfallende kuppe eines berges: bringt mir zwei eimer voll wasser oben auf die stolle von Willberg (nahe von Wehren bei Höxter a. W.), dann sollt ihr gute belohnung haben brüder Grimm sagen 1, 207, und so Stolle in Südhannover geradezu bergname, bei Lüthorst im Solling und sonst (neben stollen, s. unten). vgl. Schambach 212a.
2) stolle eine halbmondförmige eiserne scheibe mit holzgriff, welche zum weiten und weichmachen der felle dient, so im gebrauch der weiszgerber und handschuhmacher Jacobsson 4, 303a.
3) landschaftlich im vereinzelten gebrauch:
a) an stelle von stollen, m., fulcrum: die stolle fulcrum Stieler 2134; bettstolle lecti fulcrum Steinbach 2, 720; die stolle eines tisches Gottsched deutsche sprachkunst 129; oben hat die säule ein loch und ist gekerbt, wie eine stoll am himmelbette Fleming teutscher jäger 348;

jedwede stolle in dem stuhl zu Rom
bleib staubestrümmer, wie sie's einmal ist
Daniel Jenisch wünsche an das neunzehnte jahrhundert 524.


b) an stelle von stollen, m. 2: die stolle fodina, cuniculus Stieler 2175; mit innerer freudigkeit zeigte er (der bergmann) mir jene stolle, wo der herzog von Cambridge, als er die grube befahren, mit seinem ganzen gefolge gespeist hat Heine 3, 30 (doch gleich daneben: und mit feuer erzählte er: wie viele festlichkeiten damals stattgefunden, wie der ganze stollen mit lichtern, blumen und laubwerk verziert gewesen 31).

[Bd. 19, Sp. 200]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) stolleisen, n., wie stolle, fem. 2 als gerät des weiszgerbers Campe vgl. dazu unten stollpfahl, m. und stollpfuhl, m.
 
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stolle, stollen, m. , fulcrumcuniculus. form und verwandtschaft:
a) ahd. stollo, mhd. mndd. stolle. gebildet zu stellen verb. (dort die weitere etymologische verwandtschaft), wie scholle (th. 9 sp. 1453) zur wurzel skel-(findere, s. DWB schellen verb. th. 8 sp. 2496 unter 4 und 5), und beide mit dem durch assimilation verdunkelten suffix -ln- gebildet (also *stulno, *scolna); vgl. noch das verhältnis von knollen (th. 5 sp. 1464) zu knellen, knorre (sp. 1487) zu knarren oder knerren und aus der gleichen handwerklichen sphäre die docke (verschiedenartige fachfüllung am gestühl, geländer u. s. w. s. th. 2 sp. 1211 unte. 3, und erst später aus der oft säulchenartigen auflösung solchen gefachs zum begriff 'zapfenartiges holz, kleine säule' u. s. w. entwickelt, wohl zu decken verb. als 'das eingedeckte oder verdeckende'). zur indogermanischen verwandtschaft unseres wortes gehört skrt. sthṇā 'säule' aus *sthūlnā (vgl. griech. στήλη). — eine andre begrifflich einleuchtende ableitung giebt Edw. Schröder (Haupts zs. 42, 61): ahd. stollo aus vorgerm. *stud-lón, also zu got. stautan, ahd. stōʒan, unten stoszen verb. und so etymologisch nahe gerückt dem sinnverwandten stütze, fem.sprachlich völlig einwandfrei (angesichts anord. stuðill 'stütze' und styðja 'stützen') entwickelt Ed. Sievers ahd. stollo aus vorgerm. *studh-lón, urgerm. *stuð-ló (neben einer þl-bildung, so erhalten in as. stuthli) indogerm. forsch. 4, 338 f. so wird denn für die erklärung unseres wortes ein zusammenschieszen sehr verschiedener bildungsansätze anzunehmen sein.
b) in der form stoll (wohl in anlehnung an stall 2 f th. 10, 1 sp. 596) schon 1440 bei Diefenbach gloss. 548a, bei Alberus Cc 4a (fulcimen), Schöpper syn. e 8c (columna), Schottel 277. — der plural selten mit umlaut, so bei Mathesius, Abraham a S. Clara und so noch zwölf stöllen allgem. deutsche bibliothek 53-86, 761 anhang; als 'in den gemeinen sprecharten der bergleute' bei Adelung. bedeutung:
1) stütz- und tragpfosten verschiedener hausgeräte: stolle fulcrum Diefenbach nov. gloss. 184b (v. 1420); stollen haben haver piedi ò sostegni Kramer dict. 2 (1702), 982b; auch ebenda auf stollen stehen; stollen an etwas machen wie unten stollen verb.
a) stollen am spanbett sponda Diefenbach gloss. 548a (um 1515); stollen am beth pedes lecti Dentzler 277a; da stnd das ledlin mit den kleinaten under dem bett bey ainem stollen Fortunatus (1509) 31 neudr. (auf s. 32 in meiner schlaffkamer hinder aym betschranckstollen); er hat z machen geben bettlädlin oder tischlin mit eichenen stollen, auff welchen jr sommers zeit an der sonnen trincket (lectulos in sole ilignis pedibus faciundos dedit) Boltz Terenz 99a; oben hat die seule ein loch, und ist gekerbt wie ein stolle am himmelbette Aitinger jagd- und weidbüchlein 195; eine dreischläfrige bettsponde zurichten von starken föhrnen stollen Musäus volksmärchen 1, 127; auszerhalb der breter, stollen und franzenvorhänge des ehebettes Jean Paul 43, 144;

daʒ bette dâ sî ûfe saʒ,
wol erziuget was daʒ:
die stollen grôʒ silberîn,
von guotem gwürhte der schîn Erec 8956;

daʒ bette von dem wunder (Lît marveile).
vier schîben liefen drunder,
von rubbîn lieht sinewel,
daʒ der wint wart nie sô snel:
dâ wârn die stollen ûf geklobn (d. h. mit besonders ausgeladenem
fusz) Parzival 566, 19;

lasz einen krancken mann in seid und sammet liegen,
häng allen schmuck umb ihn, dasz sich die stollen biegen,
er bleibt doch siech und schwach
Opitz gedichte 3, 286;

ein mensch, der in der schwärmerey
des liebeswahnsinns einen stollen
an seinem bett umarmt, und heilig glaubt, er sey
an seiner göttin liebevollen
milchweiszen busen, wie die schöne Galathee
an Acis hals, in wonne hingequollen
Wieland 21, 189.

[Bd. 19, Sp. 201]


hierher noch die verblümte rede die hose an den stollen hängen (d. h. an den bettpfosten) vom manne 'sich zum liebeswerk bereit machen':

wo man hat dbrch an dstollen ghenckt,
da bin ich all min tag gern gsin schweiz. schausp. 3, 191, 1316,

d. h. im bett des mannes (vgl. die entsprechende wendung mit beziehung auf ein mädchen gebraucht, welches nicht ins kloster will,

ich merk, in welchen orden es denkt:
da man brch zun houpten henkt
Nik. Manuel Barbali 1048).

auch die pfosten an der wiege (auch hier über die wangenbretter deutlich hinaufgeführt, so dasz sie auch umgestürzt darauf stehen kann):

auch geschach alda zu hant,
daʒ die wagen wart umb gewant.
do slang und hunt dorumb rungen,
do wart die wage umb getrungen.
sie bleyb ston auff den stollen
Keller altdeutsche gedichte 55, 9.

als bankstollen (th. 1 sp. 1113) und hier oft zugleich unter dem sitz einen truhenartigen kasten in seinen verzapfungen tragend, wie bei der truhe selbst; vgl.

weistu, wâ dîniu kleider sint?
'sie ligent in dem vaʒʒe;
grif in die kistun bî dem stollen hin ze tal'
v. d. Hagen minnesänger 2, 77b.

an der futterlade:

dein schenckel wern auch nicht zu lanck
zu stollen in eine halmbanck
Ayrer 4, 2708 Keller.

am stuhl u. s. w.: und dirre stul dô her (Petrus) zu Rôme ûf gesetzit wart, der ist dâ noch, ... und sîne hindersten stollen sint drîer fuʒe lanc und sîn vordersten sint zweier fuʒe deutsche mystiker 1, 94, 35; auff sesseln und stlen sitzen, die krumme fsz und stollen haben Xylander Plutarch (1580) 410b; des groszfürsten stuhl war, hinten an der wand mit drey stuffen von der erden erhaben, so mit vier silbern und vergüldeten, drey zoll dicken stollen oder seulen umbgeben Olearius reisebeschr. 18; gedrehete stollen, woraus die von stroh oder bintzen geflochtene stüle bestehen balaustri di sedia Kramer dict. 2 (1702), 982c; sitzend auf einem goldnen throne, ... vor sich an den säulen oder stollen des throns zwei prächtige säbel in perlenbesetzten scheiden Ranke w. 3, 305;

(von einem sessel so schön gearbeitet,) daʒ er was gevieret
und alsô gezieret,
daʒ man ie ûf dem stollen stân
sach ein houbet wol getân
Heinzel. von Konstanz 817;

vom sessel zuckt er im ein stoln,
das er fiel in dem augenblick
Hans Sachs 1, 440 Keller;

und mit einem kranz von blumen,
belladonna, hundsviolen,
frauenschuh und eisenhute,
kränzet er des stuhles stollen
Brentano 3, 118.

am tisch: ein alt eychen tischlein uff stolen Frankfurter quelle von 1631 bei Diefenbach-Wülcker 866; sogar:

Salomon: vier zeit halten iren lauf.
Markolf: vier stollen halten das scheiszhaus auf fastnachtspiele 2, 527.

vgl. auch unten stollengehäus, n.
b) mehr als selbständiges geräth, etwa wie schrage(n) (th. 9 sp. 1620): sobald das sälchen quästionis geräumt ist, soll der zimmermann die breter und stollen darinne hobeln (um bücher darauf aufzustapeln) Göthe IV 16, 38 Weim.; die zimmerleute, die mit stollen, latten und brettern angezogen kamen, um das dramatische gerüst aufzuschlagen 30, 96;

zwuo satzten schiere
für den wirt die stollen Parzival 233, 7

vgl. viere die tafeln legten
ûf helfenbein wîʒ als ein snê,
stollen die dâ kômen ê 30.

wohl geradezu wie schragen 5 (sp. 1622) in der bedeutung stollentisch u. s. w.: wie der heyland Jesus in den schönen tempel zu Jerusalem getretten, und daselbst die juden

[Bd. 19, Sp. 202]


sehen kauffen und verkauffen, da hat ihn der ernstliche eyffer dergestalten bewegt, dasz er mit vergstaltem angesicht und zornigen augen, all dero tisch, stühl, stöllen und krammerladen umbgestossen Abraham a S. Clara Judas 1, 307.
c) in abgeschwächter, ja sich verflüchtigender bedeutung stolle, zierath an gängen und geländern fulcra ad ornatum Frisch 2, 339b; stollen, die kurzen dicken säulen an geländern der treppe u. s. w. Adelung, also ganz wie docke 3 i (th. 2 sp. 1212); reyhe von solchen stollen ordine, fila, filara, corsa di balaustri; balaustrata Kramer dict. 2 (1702), 982c; mit solchen stollen zieren ornare, profilare di balaustrata (ebenda), vgl. dazu die einleitung und

diu krône was gezieret mit vünf stollen wünneclîch,
also schône gezieret mit edelm gesteine rîch ...
in dem êrsten stollen lac ein kôrallelîn,
in dem andern stollen ein edeler smâract fîn,
ob den zweien stollen ein liehter karfunkelstein Rosengarten D 224.


d) merkwürdig ist stollen als einzelne säule (vgl.stoll columna Schöpper syn. e 8c) und der verdacht liegt nahe, dasz hier stollen auch grammatisch für unten storren, m. (truncus) stehe, vgl. wie mancher truncus und stollen ist zu nicht worden, alles zerstäubt und davon geflogen Dannhawer catechismusmilch 1, 180, so ganz in der sphäre von 1stock, m. 4 stollen als säulenartiger sockel (?) eines standbildes: (der götze Reto hat) auf einem stollen gestanden Grote gesch. von Northeim 7; auch fuszbalken des kreuzes: ir (der heiden) panier, die sipera und labara haben stollen und strich des creutzs Franck chronica (1531) 133a; doch vgl. unten stollkreuz, stollenkreuz und oben stall 2 f (th. 10, 2 sp. 596). — stollen auch (?) 'kegel' (im spiel) s. oben stollboszen verb.
2) begriffliche sonderentwicklungen:
a) noch immer im bereich der holztechnik stollen nur der (oft unförmige) klotzartige fusz eines geräthes, nachdem besonders mit rücksicht auf schräge leibungen z. b. der truhen ein pfostenartiges hinaufführen der stollen durch die wandecken als unthunlich aufgegeben werden muszte; er erscheint nun dem gerät nur lose untergelegt, um etwa den schädigenden einflusz der bodenfeuchtigkeit fernzuhalten, so der stollen am schrank (s. seine besondere entwicklung unten am stollenschrank), an der truhe, dem koffer (Jacobsson 4, 303a), auch an der totenlade:

(ein sarg,) verquollen
durch langes alter, rötlich angestrichen,
mit schwarzem kreuz und runden, schwarzen stollen
Platen 2, 123.

doch auch an schweren tischen (und stühlen), besonders des 17. jahrhs. (auf dem lande aber noch länger), wo bein und fusz (stollen) zwei völlig getrennte elemente geworden sind (im gegensatz zum älteren stollen unter 1).
b) der absatz am schuh (zugleich im übergang zum folgenden, s. besonders c β) elsäss. ich bin am stollen hängen gebliwen Martin-Lienhart 2, 592a;

Hansel, mein bub,
mach mir e paar schuh,
mach mir e paar stollen dran,
dass ich recht bolleren kann! kinderlied ebenda.

als eine naheliegende erweiterung des vorigen auch 'vom schnee, eis, auch feuchter ackererde gebildeter ansatz unter dem schuh' elsäss. der schnee ist weich, jetzt gibts stollen an d holzschueh Martin-Lienhart 2, 592b; ich habe grossi stollen bikummen, wo-n-ich durch der schnee gegangen bin ebenda; ich chann fast nit gehn, ich hab stollen unger den schuehen ebenda.
c) in der metalltechnik:
α) älter als das vorige und im selbständigen ausgang von dem gebrauch unter 1, stollen kurze starke füsze an einem kochtopf (dann auch an entsprechenden irdenen gefäszen) s. auch unten stollhafen: hafe mit stollen chytropus, olla pedata Orsaeus (1623) 82; 4 crein (ein?) häfen, ainer an ainen stollen Zingerle mittelalterl. invent. 369a (deutlich angelehnt an die vorstellung unter 1 b);

benantlich dem der siget ob,
ein tigel werden solt mit lob,
auff dreyen stollen unversehrt
Spreng Ilias 331b.


β) auf dem vorigen beruht wieder stollen am hufeisen der pferde: stolle tres partes acuminatae in soleis ferreis

[Bd. 19, Sp. 203]


equorum Frisch 2, 339b (stolle am hufeisen Kramer dict. 2, 982c), damit sie mit ihren füszen besseren halt auf dem boden finden: wann junge rosse hinten mit dem stollen auf den schwellen aufstehen, davon krimpffen sie (die adern) auch zusammen M. Böhme roszartzney (1618) 41; vorher musz man aber dem pferde die eisen vornen eines fingers hoch und keine stollen daran machen lassen Pinter pferdeschatz (1688) 428; wann ein pferd mit den stollen auf einer schwellen stehen musz 395; wann die pferde scharff beschlagen seyn, sonderlich wann sie im frost mit langen spitzigen stollen (vornehmlich der innere) versehen werden 400; vgl.wanns eysisch und schlipffrig ist, (soll man) die stollen an den hufeysen (der pferde) etwas spitzen ... lassen Hohberg 1, 140; die stollen (an den hufeisen der pferde) ... sollten höchstens zur winterszeit geduldet werden allgem. deutsche bibl. 4, 2, 313; jetzt hege nun das mädchen keinen andern gedanken, als die leidige reitkünstlerei, spreche nur von striegeln, vom kropfe, von piephacken, spath und stollen Arnim 15, 277; das herabsteigen bis Altenstein ... war etwas schwierig, da mein pferd nur glatte eisen ohne stollen hatte Pückler briefw. 2, 358.
γ) ähnlich (und auf grund des vorigen) werden stollen auch an wagenrädern angebracht, damit sie bei glatteis besser haften v. Alten handb. 1, 137.
δ) stollen der absatz bei der angel eines messers Adelung, an einer gabel Krünitz 174, 471.
ε) stollen auch am abzug des mehrladegewehres, gewöhnlich abzugstollen.
3) in der bergwerksprache 'wagerecht verlaufende grube': ein stolle, gang unter der erden cuniculus Orsaeus (1623) 182; stollen fodina, mine, cuniculus Schottel; ein stolle, der am äuszersten fusz des bergs angesetzt ist cuniculus, cujus ostium in pede montis videri potest Frisch 2, 339a (vgl. auch tagstollen, th. 11 sp. 85, eigentlich: der zu tage tritt und der zuführung durch einen senkrechten schacht nicht bedarf, dann auch zur ableitung von tagwässern bestimmt); doch schon die steinzeitlichen (nach feuerstein suchenden) bergwerksbetriebe (z. b. von Spiennes in Belgien) beschränken sich nicht auf die einfache anlage des tagstollens, sondern senken bereits den schacht (th. 8 sp. 1963 unter 1) durch unergiebige schichte bis in die an gutem material reiche tiefe, welche dann durch schurfstollen (s. th. 9 sp. 2044), überhaupt grubenstollen (s. oben) abgebaut wurde; doch stollen von gröszerer länge kannte auch eine spätere zeit noch nicht; der suchstollen (s. unten) fand also vollends keine verwendung, sondern an seiner stelle wurden die senkrechten gruben in geringer entfernung von einander abgeteuft. erst dem jüngeren groszbetrieb gehört der wasserstollen (s. unten) und der wetterstollen (s. unten) an.
a) die bedeutungsentwicklung unseres wortes nimmt ihren ausgang von dem unter 1 behandelten gebrauch und gründet sich auf die verwendung des stützenden, tragenden stollen zur absteifung der grubendecke. um ihren einsturz zu verhindern (deshalb die stete forderung nahen waldreichthums für den erfolgreichen groszbetrieb eines bergwerks in den zeiten noch ungenügender verkehrsmittel). — nach vollzogener bedeutungserweiterung (deren vorgang in den belegen nicht mehr wiederscheint) entspricht unser wort begrifflich lat. cuniculus (incile), und aquaeductus (als aituht in Munichaituht in einer steirischen urk. von 1202, als aghetucht im Goslarer urkundenb. 2, 218 z. j. 1271; vgl. dazu Zycha im reallexic. für germ. altertumskunde 1, 252a) und spiegelt durch seine selbständige stellung die bedeutung des germanischen bergbaus wieder.für das alter der bedeutungsentwicklung ist hervorzuheben, dasz sie als vollzogen bei der übernahme des (aus dem gleichen kreise der holztechnik stammenden) schachtes (niederd. für hochd. schaft s. th. 8 sp. 2049 unter 4 a, so als xafetus für scafetus in einer Trienter quelle bei Zycha a. a. o.) vorauszusetzen ist. schwed. stoll als bergmannsausdruck entlehnt aus dem deutschen Falk-Torp 1173.
b) den stollen fassen, auszimmern Hertwig neues bergbuch 386a; ihn durch zimmerung gegen einsturz schützen Jacobsson 4, 304a; daneben den stollen (mit holz) verzimmern, einfacher und weniger kostspielig (vgl. oben) als stollen ausmauern (als notbehelf in holzarmen gegenden

[Bd. 19, Sp. 204]


4, 303b): ein im spitzbogen gemauerter stollen Hartmann-Abele volksschauspiele 127.
α) einen stollen treiben cuniculos agere Corvinus fons latinit. 188a; wie ein schacht von tag nieder perpendiculariter, also wird ein stolln unten am gebürge horizontaliter ins gebürge, wie ein gang getrieben, dadurch man wetter einbringen, wasser benehmen und vorliegende gänge überfahren kan, und das heiszt man: einen stolln treiben Hertwig bergbuch 37b; daneben allgemeiner: stollen treiben, oder stollweise fahren, ist, in dem stolln fortgehen 386a; würde aber ein stolle in ein zeche oder masz getrieben, und treffe ertzt, hette doch der tieffe nicht, die ein erbstolle haben soll; dasselbig erzt sll der zech, und nicht den stollnern zustehen Lori baierisches bergrecht 177 (1521); die frembden bergkleut ... trieben stöllen Mathesius Sarepta 3b (vorr.); darunter (ist) ein stollen getrieben und undergraben worden Kirchhof militaris disciplina (1602) 178; dasz er (der schacht) den rechten stollen, der dahin getrieben wird, erlange Agricola-Bech bergwerckbuch 2; weil ein landläufer eine wünschelruthe schlagen liesz, trieb man in diesen berg ... einen stollen nach einer goldader Nicolai reise durch Deutschland 1, 44; gutachten über herantreibung des Meiszner stollens in die Freiberger erzrevier A. v. Humboldt kosmos 1, 417. auch: dazumal ist auch des stollen halben zu Lutzen Mansfeld geschlossen worden, das derselbige in alle wege fortgetrieben, und Hans Langen darauff fleiszig achtung zu haben, befohlen werden solte C. Spangenberg mansfeld. chronica (1572) 408b; vgl. daneben den stollen aufnehmen, ihn weitertreiben Jacobsson 7, 459b. — hierher noch: die neger graben dort lange und tiefe stollen in die erde zur auffindung des goldes Ritter erdkunde 1, 457; einen neuen stollen anlegen (Justi Winckelmann 2, 1, 372); einen stollen in den berg schlagen Fontane I 6, 147; (bergleute,) welche, im schoosze der erde, zwei stollen ... gegen einander führen Schopenhauer w. 3, 204. — vereinzelt einen (tieferen) stollen einbringen Frisch 2, 339a; auch haben wir die herren umb das bergkwerck zum Czogmantel also entschaiden: wer den stollen einpringet an dem alten berge, der sol sein stollenrecht behalten, und die herren alle vier sol ein yeczlicher sein bergkrecht daran haben lehnsurkunden und besitzurkunden Schlesiens 2, 491. — zuletzt: schwehrlich wird man irgendwo über das geognostische verhalten dieser formation (der steinkohlenablagerung) deutlichere aufschlüsse erhalten als hier, wo das gebirg durch stollen von mehreren hundert klaftern aufgeschlossen ist K. v. Sternberg ausgew. w. 6.
β) sonst noch: den stolln abwägen, seine tiefe feststellen Jacobsson 7, 459b. — den stolln lösen, licht- und luftschächte nach dem stollen hinuntertreiben ebenda; auch: dem stolln ein lichtloch vorschlagen, bei schneller erweiterung des stollens (von dem lichtloch aus wird der stollen dann gleichfalls in angriff genommen) 4, 303b. — stolln zuführen heist, wenn er weiter oder höher gemachet wird Hertwig neues bergbuch 386a, vgl. Jacobsson 4, 305a. — den stolln offenhalten 7, 459b im gegensatz zu der stolle ist angefüllt worden cuniculi parietes collapsi sunt Frisch 2, 339a, vgl. auch: (bericht,) dasz die stollen zwar sämmtlich verbrochen seyen, dasz man aber vom tage aus in den berg hineingehe Göthe IV 39, 41 Weim. — den stollen auflassen deserere fodinam Stieler 2176. — zuletzt: den stolln aufheben, einen schon aufgegebenen stollen wieder säubern und in benutzung nehmen Jacobsson 7, 459b.
γ) bergrechtlich: der stollen wird enterbt 'wenn ein neuer stollen sieben lachter tiefer eingetrieben wird, so hat der obere sein recht verloren' Jacobsson 7, 459b; 4, 304a; der tiefere stollen besitzt nun als erbstollen (s. th. 3 sp. 741) das stollenrecht (s. unten). — (den) stollen verstuffen, ein stufenartiges merkmal dem stollen einhauen, zur abgrenzung der arbeitsstrecken verschiedener stöllner Jacobsson 4, 304b; vgl. auch erbstufe, dieses grenzzeichen selbst (th. 3 sp. 741). — zuletzt den stollen belegen (einer belegschaft von arbeitern überweisen Jacobsson 7, 459b).
c) verschiedenes: der stollen hat wände, die sohle als untere bodenfläche (s. unten stollensohle) und die firste als decke: wenige tage nach gemachtem durchschlage

[Bd. 19, Sp. 205]


beleuchtete der steiger die firste des tiefen stollens und entzündete die brennbaren wetter, die sich unterdes gesammelt hatten A. v. Humboldt gasarten 185 (s. auch unten stollenfirste, f.); noch neher, als zween stollen neben einander Paracelsus opera 1, 649; die schottischen kohlengruben und stollen unter der see Lichtenberg verm. schr. 5, 537; die Basinskische grube, nur ein stollen mit zwei schachten auf kupferglasur Ritter erdkunde 2, 1085; (deutlich als tagstollen): zu den oberen stollen und knappenhäusern (des salzbergwerks) hinaufwandern H. v. Barth Kalkalpen (1874) 321;

noch wie man kommen soll, wohin es schwer geschienen,
durch gläser in den mond, ins feuer durch die minen,
durchs tauchen in die see, durch thürm in freye luft,
durch stollen in den berg, durch schlächt in eine gruft
Heräus ged. (1721) 243;

item sie besuchten die müntzbräger ..., fuhren ein in die gäng, schecht, stollen, und geschick, sahen schürffen, weschen, rösten Gargantua 294 (27) neudr.; er fuhr mit seinen begleitern in den stollen (zu Freiberg) Ranke w. 4, 99;

ein pilger wollt ausspüren
der erd metallengeist;
da hiesz man ihn spazieren,
ins bergwerk man ihn weist, ...
er glaubts und fuhr in stollen
Brückmann beschreibung aller gebirge (
Arnim 13, 234);

(kürzer: in den stollen zum C. A. schacht nach dem Herm. in die höhle Göthe III 1, 18 Weim.); auch: da nun ferner seit so vielen jahren berg um berg bestiegen, fels um fels beklettert und beklopft, auch nicht versäumt wurde, stollen und schächte zu befahren (für das studium einer naturerscheinung) I, 36, 7 Weim.; stundenlang unter der erde, wie in den finstern stollen eines bergwerks herumgehen Becker weltgeschichte 1, 97; ein ehernes los ist dem bergmann zugefallen, ernst schreiten die hageren, blassen gesellen in den stollen einher Rosegger schr. 6, 284;

wer gold gott nicht zu dienst und ihm zum brauche nützet,
hat das, was hat, wer gold im stollen noch besitzet
Logau 306 (71);

sie nötigen ihre gefangnen
zu mühseliger arbeit beym feuer oder in stollen
Bodmer Noah 78 (3, 240);

durch der stollen weite länge,
durch das labyrinth der gänge
wandern wir den sichern weg
Körner 2, 10;

und so man auf dem stollen kein ertz findt, senck man ein andern schacht S. Münster cosmographie 532;

ihr künstler! bildet euch nicht ein,
ihr wüstet alles auszuzieren.
des stollens gang und sein gestein
weisz schönre farben aufzuführen
Zäunemännin poetische rosen 580.


d) in gruppenstellung mit entsprechenden begriffen, so neben gang (th. 4, 1, 1 sp. 1228 unter II 3 b) und gegensätzlich zum schacht (th. 8 sp. 1963 unter 1):

sucht auch sein gut nicht mit eim liecht
im bergwerck, da man gar nichts sicht,
da sich die stollen, gäng und schacht
verlieren plötzlich vber nacht
Fischart lob des landlustes 45 Kurz;

sie führten mich in jhre genge,
in die tieff, in die quehr und lenge,
durch die stollen, zu dem anbruch,
das ich zurisz hosen und schuch
Rollenhagen froschmeuseler L 8b;

der nöthige compasz, der tieffe, breite, länge
des schachts gewisz erforscht, und auch das masz der gänge
und stollen sagen kan
Opitz w. 1, 135;

so auch: schachte und stollen Mommsen röm. geschichte 1, 217;

darauf (auf Sanct Annenberg) eins abends ich spacieret,
das perckwerck creutzweisz durchrefiret,
beschawet die stollen, schech und gruben,
wie von steygern, knappen und buben
so mechtig arbeyt würd verbracht,
beyde tag und die gantzen nacht
mit graben, zimmern, pültzen und pawen
Hans Sachs 3, 480 Keller;

(er) gibt nicht auffs bergwerck acht,
da schach und stoll sich offt verlieren uber nacht
Opitz poemata 26 neudr.;

aus den gruben, schechten oder stollen Thurneysser

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magna alchymia 18neben strecke (s. unten): soweit nemlich der stollen, der schacht oder die strecke getrieben Leibniz deutsche schriften 1, 468; vgl.: ('der unterirdische pilger' in des knaben wunderhorn) müszte in schächten, stollen und auf strecken gesungen und empfunden werden. über der erde wirds einem zu dunkel dabei Göthe 40, 349 Weim.; wenn ich in eine grube hineinfuhr und durch stollen und strecken kroch Steffens was ich erlebte 4, 51neben rösche (th. 8 sp. 1163 unter 3): keiser Henrich aber der ander hat groszen fleisz daran gelegt, ... roschen und stoln lassen treiben H. H. Hake bergchronik 7neben weitung (dem ausgehauenen raum, welcher von erz entleert ist, s. unten): in den stollen und weitungen der bergwerke A. v. Humboldt kosmos 4, 243.
e) in anlehnung an das vorige auch sonst, so kriegstechnisch an stelle von mine, f. (th. 6 sp. 2235 unter 1): ihr stollen (oder minen) dasz ihr zur erd macht fallen die bollwerck und die thürn, die mauren ohne streit Treuer deutscher Dädalus 1, 671: wenn das römische lager so stand, wie wir angenommen, so dürfte der stollen ganz nahebei in der nördlichen schlucht durch die steile, aus weichem tuff gebildete felswand getrieben worden sein. vielleicht kam es nur darauf an, nahe unter der burgmauer durchzubrechen Moltke schr. 1, 176; die mineure, die ... im wall einen stollen anlegen sollten v. Alten handbuch 2, 499. auch: die stollen, schächte und gänge der göttin Cloacina (d. h. einer kloakenanlage) Lichtenberg briefe 2, 247. — im tändelnden spiel gräbt das kind dergl. mit dem löffel durch die (breiige) speise auf seinem teller: Anna, welche mir gegenüber sasz, baute ihren hohlweg in die bohnen hinein mit vieler kunst, eine bohne nach der andern herausnehmend, und grub unvermerkt einen unterirdischen stollen Keller 1, 244; das schwesterchen hingegen, welches viel harmloser war, suchte, sobald ihre quellen versiegt waren, durch allerhand künstliche stollen und abzugsgräben die wohlschmeckenden bächlein auf ihre seite zu leiten, und wie sehr sich auch der bruder dem widersetzte und eben so künstliche dämme aufbaute und überall verstopfte, wo sich ein verdächtiges loch zeigen wollte, so wusste sie doch immer wieder eine geheime ader des breies zu eröffnen oder langte kurzweg in offenem friedensbruch mit ihrem löffel und mit lachenden augen in des bruders gefüllte grube 4, 16. — als gelegentliche übertragung auf eine masznahme der chirurgie, doch ohne sich hier durchzusetzen: viel solcher artzte, tyriakmenner und trödeln ..., die den reichen jre blattern auff gestochen, ... und haben jnen einen stoln oder stein in die seiten getrieben Mathesius Syrach 2, 215a.
f) im erweiterten gebrauch (aber mit deutlichem ausgang von der bergtechnischen verwendung) bei einem steinbruch auch das aus einem solchen stollen zu gewinnende gestein: auch sullen sie (die steinbrecher) solichen stollen und fels, so sie geraumt haben, zu grunt heraus prechen und hinab komen, als ferre sie können und mugen vor wasser Tucher baumeisterbuch 81.
g) sprichwörtlich ein versprechen u. ä. in den tiefen stollen verschreiben (schreiben), wie sonst in den ofen oder schornstein (th. 9 sp. 1581), es vorläufig aufgeben, auf das künftige verschieben (ohne an eine erfüllung überhaupt zu denken) ernsthaft: was sich darneben bey seinen letzten zeyten inn weltsachen zugetragen, wöllen wir, wie bergleut, zum tieffen stollen verschreyben Mathesius werke 3, 340, dann wohl in der weiteren entwicklung auch 'es zum verlornen rechnen'. vgl. im übrigen noch geld zu stollen legen (unten 6 a).
h) bildlich, so im bereich des forschenden menschengeistes:

dein niemals satter geist war eiferigst bemüht,
durch die erfahrung selbst in stollen, schacht und gründen,
der würkung ursach auch nachforschend auszufinden
v. König ged. (1745) 249;

im engsten stollen, wie in tiefsten schachten
ein licht zu suchen, das den geist entzünde,
war ein gemeinsam köstliches betrachten
Göthe 4, 15 Weim.;

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und so gab er sich zur ruhe,
wollte nicht mehr weiter fragen,
liesz ergeben sich hinunter
in der weisheit stollen fahren
Brentano 3, 20;

(der mann,) der mit des geistes wünschelruthe, ...
ausbeutet manchen stollen und schacht
Hoffmann v. Fallersleben schriften 6, 172;

in litterarischer sphäre: der humorist hat zwar einen närrischen, widerlichen berghabit zum einfahren in seine stollen Jean Paul 20-23, 354; auch: Musäus war später demüthig genug, in die bleihaltigen stollen der 'allg. deutschen bibl.' seine goldhaltigen zu treiben und ihr rezensionen der romane zu schenken 49-51, 142. mehr grotesk, vielleicht mit besonderer beziehung auf das hier die benützung erschlieszende actenrepertorium: ein registratur ist ein ding, ... wo sie die acten hinterlegen. und acten sind die papiernen dinger, womit man das ganze churfürstenthum Sachsen regiert ... sie haben einen groszen berg davon erbaut, mit stollen, zum durchspazieren — und ein actuar hält das alles in ordnung Bauernfeld ges. schr. 5, 175. — im religiös-mystischem bilde:

schliesz auf den stollen deiner liebe,
den reinsten schacht, in dem wir baun Oberharzer schichtsegen (1899) anhang (geistl. berggesänge 32, 1).

dem ursprungsgebiet sich nähernd: das paternosterwerk, womit er das wasser aus den stollen seines ruhmes treibt, zerreiszt Brentano 5, 438;

ihr könnt verlieren ohne grollen,
denn euer seckel kümmert nie,
und nie versiegen eure stollen,
gut bergwerk ist die simonie
Lenau 528 Barthel;

zugleich im spiel mit der bedeutung 'mine' (unter e): die bewegung ist da, und begreiflicher weise die weltlichen und geistlichen politici machen in und unter derselben wenigstens in den dunklen gängen und stollen, welche sie sogleich unter ihr hineingetrieben haben, ihre leisen kreuz- und queerläufe E. M. Arndt für und an seine lieben Deutschen 3, 457. im briefstyl: e. h. werden in dem marckscheidezuge ihres gedächtnisses ganz wohl bemerket haben, dasz ich von dem ersten quartale an, da ich mit dem stollen meiner ergebenheit, in die zeche ihrer angenehmen freundschaft unvermuthet durchschlägig worden, ... Gottsched neuestes aus der anmuthigen gelehrsamkeit 3, 294.
4) übertragungen, welche an den gebrauch unter 1 und 2 anknüpfen.
a) von einer person bei Fischart in einer liste von lastträgern u. dergl.: solche vierschrötige, ja sibenschrötige plotzwedel, balckenhotzler, secktrager, trollen, knollen, stollen und babilonische thurnbawer Gargantua (3) 60 neudr. (wie in Südhannover stoln auch ein groszes pferd bezeichnet; en grôt stoln Schambach 212a) d. i. 'ein stämmiger vierschrötiger mann' vgl. dazu den familienname Stolle und Stoll. elsäss. jetzt noch als schelte für eine dumme person Martin-Lienhart 2, 592b, wozu unten stollen verb. 6 zu vergleichen ist, eigentlich also wohl 'ein unbehilflicher, schwerfälliger mensch (der sich wie auf stollen bewegt.)'
b) das menschliche bein. elsäss. der het e paar festi stollen Martin-Lienhart 2, 592b; die hat awer e paar stollen 'dicke waden' ebenda.
c) vorspringender knöchel (mehr an 2 anknüpfend; vgl. auch DWB rolle th. 8 sp. 1140 unter 6 a; dazu oben die bemerkung unter stollboszen verb. 1): auch verwundert sie, das der wurm im finger lebt bey dem muly, und am stollen todt ist, und jsset, und niemandts kochts jhm Paracelsus chirurg. schr. (1618) 525.
d) wegen seiner ähnlichkeit mit einem stollen 'brodförmig gebackener kuchen' (wie sonst auch, so in Südhannover, klöben, eigentlich ein groszes scheit holz, vgl. dazu auf der anderen seite stollen 'schnitthölzer von quadratischem querschnitt' Menge): stollen semmelbrod Jacobsson 4, 303a; elsäss. stollen backwerk von mürbeteich von zylindrischer form für die kinder als geschenk von ihren taufpaten zu neujahr Martin-Lienhart 2, 592b; doch gewöhnlich im geschlecht angeglichen an semmel und

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so s. oben stolle, f.: mittags kam dein brief und von Odilie noch ein groszer stollen und süsze plätzchen Emma Förster briefe (1845) 190; ihr stollen ist noch nicht angelangt wegen der schneefälle C. F. Meyer briefe 2, 124. ihr stollen, l. freund, schmeckt mir ganz vorzüglich und wird mit jedem tage besser. ich habe diese Leipziger stollen früher nicht nach verdienen gewürdigt ebenda. als scherzhafter elsäss. neujahrswunsch:

gross neujohr,
stollen ans ohr,
bengel an den kopf,
dass s bluet herustropft!
Martin-Lienhart a. o.

vereinzelt auch nur ein achtpfennigbrödchen (ebenda).
e) entsprechend (neben stolle, f., s. oben) als bergname in Südhannover, so der Hühnenstollen, Hühnstollen, der Stollen bei Grosz-Lengden in der nähe von Göttingen.
f) stollen ein haufen karten (im karnüffelspiel) s. unten 6 a.
5) in der kunst der meistersinger zwei gleichgebaute stollen als träger des abgesangs, zuweilen wird noch ein dritter stollen an den schlusz des abgesanges gestellt Jac. Grimm über den altdeutschen meistergesang 46; Wackernagel lit. gesch. 2, 45; Plate in den Straszburger studien 3, 192, wodurch denn das gesetz (th. 4, 1, 2 sp. 4075 unter II 10 b und ursprünglich gewisz das gezimmerte gestell), in barocker übertreibung des aus der handwerkstechnik unter 1 geschöpften bildes, seinen unterbau erhält: ein gesätz bestehet meistentheils aus zweien stollen, die gleiche melodei haben, darauf folgt das abgesang ... zuletzt kommt wieder ein stoll oder theil eines gesätzes, so der vorhergehenden stollen melodei hat Wagenseil civit. Noriberg. 521, vgl. noch: falsche blumen oder coloratur mag man also mercken, wo man einen ton, in reimen, stollen oder abgesange, mit viel andern blumen, coloratur oder leufflin sünge Puschmann meistergesang 16 neudr.; (neben einander geordnet:) nicht alleine den ton, weyse und melodia, sondern auch die ordnunge der gesetze, weise, stollen und reimen haltten Spangenberg musica 33;

die stollen im absingen
mæʒlîch sich binden vîn meisterlieder der Kolmarer handschr. 33, 37;

und

die houbetrîme teilet,
swie ir sie welt behalten,
stân ie die stollen mitten 33, 63;

d. h. den haubtreim (hier aber die ganze strophe, wie sonst bei den meistersingern) zu tragen und zu stützen; ja auch die zierlichen masze der deutschen minnelieder werden (um 1300 in Schlesien) bewundert, und wir können entscheiden, wie einer der edelsten Piasten mit den schwierigkeiten der stollen und abgesänge fertig wurde Freytag 18, 168;

ein gesetz besteht aus zweenen stollen,
die gleiche melodei haben sollen
R. Wagner 7, 181;

aus ähnlicher bildsphäre schöpft die altnord. bezeichnung stuðlar (plur. zu stuðill, die beiden nebenstäbe der ersten alliterationshalbzeile, im gegensatz zum hǫfuðstafr, dem hauptstabe der zweiten halbzeile), ist aber sprachlich mit unserm wort nicht identisch, sondern gehört zu ags. stoðl (?) as. stuthli 'pfosten' (vgl. darüber die einleitung unter a). seit W. Wackernagel gebraucht die germanische verslehre stollen auch im sinne von altisl. stuðlar; vgl. A. Heusler stabreim § 35 (im reallexicon). — den singular stoll braucht Jac. Grimm noch in einem briefe vom 4. mai an Benecke (s. 63), wie älter Gottsched (beyträge zur crit. historie 3, 404).
a) als gelegentliche begriffserweiterung des vorigen:

ihr, meine lippen, sollt nicht mehr erglühen
in liedern, laichen, stollen!
Immermann werke 15, 152.

auf wirklichen älteren gebrauch scheint zu führen die Nürnberg. redensart das war ein stollen! ein schwank, streich, stück Schmeller2 2, 751; no, Lena, wöi g'fällt dir der stoll'n? quelle ebenda. die entwicklung macht deutlich:

[Bd. 19, Sp. 209]


ir herrn, seit still und hort mit fleisz
von uns ein hubsche narrenweis! ...
darumb dorft ir nit furpas fregen,
dan horet zu an spot und lachen,
ob man die stollen zu grob wurd machen fastnachtspiele 224, 11.


b) merkwürdig auch von einem 'satz' in prosa: in allen und yeden obverschriben stollen (d. h. eben angeführten stellen aus der heiligen schrift) wirt lawtter befunden, daʒ dich plosser gelawb allain nit slig mach Berthold von Chiemsee tewtsche theologey 28; vgl. ebenda die deutliche zugehörigkeit zu unserm wort: der yetz gemelt stoll zewcht sich aigentlich allain awf die selen im fegfewr 561, vielleicht geradezu 'beweissatz, stützendes zeugnis' und dann selbständig geschöpft aus dem gebrauch unter 1. — hierher noch (im deminut.): wenn zway oder drey stolel aneinander hengen quum dicola tricolaque ponuntur Aventin grammat. bei Schmeller2 2, 751, denn: in lectione periodus, plena sententia, dicitur ein satz, pas, cujus partes sunt commata stolel et cola setzel ebenda.
6) bildliche verwendungen auf zweifelhaftem grunde.
a) geld zu loch und stollen legen, ein capital ansammeln, schätze häufen: wenn disz hett an im eyn wyser bilger, das er do eynen duckaten, do eynen gten alten güldin, do eyn kron z stollen legt, und synen schatʒ also meret, hüt disz, morn ginsʒ, iemermeder z loch und stollen leyt, und in also meret und samlet iemermeder und do mit verbirgt Geiler v. Keisersberg bilgerschaft 1076c. die zusammenstellung mit loch legt nahe, an den erzführenden stollen (unter 3) zu denken. doch vgl. auch die stollen der banktruhe (unter 1 a und dort den weiter erhellenden beleg bei v. d. Hagen minnes.). kaum in frage kommt eine bedeutungsentwicklung wie die von stamm (th. 10, 2 sp. 643 unter II 4 d) oder stock (oben sp. 37 unter 5 f). doch vgl. auch hier westfäl. stollen ein haufen karten (im karnüffelspiel) Woeste 256b; so oppen stollen leggen und da liet en ganssen stollen ebenda.
b) 'geschlechtslinie', wobei zweifelhaft bleibt, ob das bild der im bergwerk sich verzweigenden stollen (unter 3) oder der trag stollen eines geräts (unter 1) dabei zugrunde liegt: und wann also berüerte brüeder und mitverwondten der thailung begern und sich aber derselben güetlich nit vergleichen mügen, so ist von alter der brauch gwest, das der eltist stoll die thailung machen und der jüngst die waal haben soll, und also ainer nach dem andern tirolische weist. 4, 664, 15; desgleichen in varnus soll gleichwol der eltist, wie gemelt, die erste thailung in aines thails güetern machen, und in den andern überigen güetern die andern stollen ainer nach dem andern, damit sie alle und ein ieder, als vil müglich und mit glegenhait beschehen kann, gleiche waal haben mügen 20; (möglich, dasz) unter denselben stollen kain füegliche thailung der güeter beschechen kunte, sonder sich die stollen mit gelt davon entrichten lassen müessten, so soll der eltist die güeter schäzen 24; die essende speis und narung sollen am herbst nach der zal der stollen austailt und iedem ervolgt werden 726, 46.
 
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stollen, verb. , gebildet zum vorigen: ahd. stollôn.
1) einen gegenstand auf stollen bringen, damit er ordentlich steht: stollen (dafür auch bestollen), stollen an etwas machen far' un piè à sotto qualche cosa Kramer dict. 2 (1702), 982b,

dâ zwischen (den thüren) ein altere; ûʒerhalbe kantzel hiengen,
gewelbet, ûf zwû spinnel sûl gestollet jüng. Titurel 376, 3

und früher schon bei Notker im mittelalterlichen bild von der schöpfung: fone êrist stollôtôst du die erda ps. 101, 25, d. h. fest hinstellen, begründen.abstracter 'zum stehen bringen': die benachbarte götzen ... haben einige verwandschaft mit der Asträa. der eine nennet sich Jupiter Stator, oder der stollende Jupiter; nicht aber ... weil er das römische kriegesheer ... in der flucht gestollet und stehend gemacht Lindenborn der die welt beleuchtende Diogenes 1, 574. von hier übernahm es F. L. Jahn (ausdrücklich sich darauf berufend 1, 539): heute müssen wir noch einige straszen überkreuzen, und könnte ich den tag stollen, so sollten sie noch die französische krähe als wachtvogel am thore erblicken werke 1, 478.

[Bd. 19, Sp. 210]



2) die hufeisen stollen, stollen (s. unter 2 c β) daran schmieden Krünitz 174, 471, mit stollen versehen Schmeller2 2, 751; entsprechend vom schnee, wenn er sich unter dem fusz festsetzt, gleichsam stollen bildet, auch reflexiv sich stollen ebenda. vgl. in der zusammensetzung aufstollen vom pferde selbst: das pferd stollt (oder stollnt) auf, ihm bleibt der schnee an den hufeisen haften (ebenda).
3) 'wäsche stärken, steifen': ihre hemdärmel waren weit hinauf gestollet Jucundus 127. vgl. westfäl. de bueter es stollt ist starr. steif geworden Woeste 256a; auch stollen blaud ebenda.
4) entsprechend stollen, m. 3, im bergwerk, in der wendung stollen treiben: stollen verb. cuniculum agere, solum perfodere Stieler 2176 (cavare una mina nuova Kramer dict. 2, 982b).
5) bei den weiszgerbern 'die felle weiten und weichmachen' Adelung, Krünitz 174, 471 s. oben stolle, f. (hier subst.:) behufs des stollens werden die trockenen häute mit wasser angefeuchtet Muspratt chemie 3, 1308. vgl. auch oben stolleisen und unten stollpfahl und stollpfuhl.
6) stollen, unbeholfen, schwerfällig gehen (eigentlich 'wie auf stollen'?) vgl.

was stollt erab dort vun der heeh?
e-n-alter wolf, o je! o je! elsäss. quelle bei
Martin-Lienhart 2, 592b

vgl. dazu oben stollen m. unter 4 a (oder steht es für unten storren?)
7) nicht zu trennen ist vom vorigen (6) elsäss. stollen 'stottern' Martin-Lienhart a. o. schwäb. stollen haesitare 'bedenklichkeiten haben' Schmeller2 2, 751.
8) oberpfälz. (von der saat) 'ansetzen, zunehmen' Schmeller a. o. (eine spiegelung der ausgangsbedeutung von stollen m., von sehr altertümlichem eindruck).
 
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stollenangabe, f., entwurf zu einem neuen stollen im bergwerk Jacobsson 4, 303b, s. oben stollen, m. 3. —

 

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11) rebe
 ... ranken anderer pflanzen: es war ein tann erwachsen hoch, dabei ein körbs sich auch auf
 ... bekleidt also den ganzen baum, das man die tann kundt sehen kaum, mit vielen reben umbefangen,
 
12) riesenheer
 ... im schlaf streckt schwarz und wüst der weite tann, ein riesenheer in zaubermacht für tausend
 
13) rötlich
 ... horch, von den dünen, horch, aus dem tann wogen die kühnen Sachsen heran:
 
14) schlagen
 ... Steinbach 2, 427 ; da eilten in die von Tann .. nach; da slugen sich die unsern mit in.
 
15) schneiten
 ... auch klein hacken oder hauen, graszach oder dächsen schnaiten, tann - oder fichtenäste zur streu klein hacken Schm. 2
 
16) schurke
 ... : schurke, heiszt nach Meiszners zeugnüsz in Silesia loquente, tann - äpfel, tann - zapfen, squamata nucamenta
 ... Meiszners zeugnüsz in Silesia loquente, tann - äpfel, tann - zapfen, squamata nucamenta abietum Frisch
 
17) spulen
 ... von einem gleichmäszigen schnurrenden tone der vögel: eine gesellschaft wandernder tann - , kohl - , hauben - und blaumeisen, denen
 ... denen sich ein halbes dutzend goldhähnchen angeschlossen, streicht durch den tann, ... häkelt sich kollernd, spulend, »zit - zit« rufend an
 
18) stöhnen
 ... ; und fuhr im winter der sturm rasend durch den tann und stöhnten unter seinem drucke die föhren, so war es
 
19) strobel
 ... 1014 c ; die zirbelnusz, auch wohl jeder tann - und fichtenzapfen Adelung 4 (1780)
 
20) strolchen
 ... ich ( der weihnachtsmann ) so strolcht' durch den dichten tann, da riefs mich mit heller stimme an
 
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