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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
stolken bis stolleisen (Bd. 19, Sp. 197 bis 200)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) stolken, verb.? (von Lexer mhd. wb. 2, 1209 als adv. gefaszt: 'heimlich, verstohlener weise') bei der Augsburgischen lohnschreiberin Clara Hätzlerin:

durch ain gantz schwartze wolcken
daucht mich, ich säch ain sternen hell,
vor (? nach) dem der tag chomt stolcken 1, 23, 22.

wohl zu stehlen verb. und ganz in dem sinne von verstohlen (th. 12, 1 sp. 1704 unter C 3); nicht zu trennen ist davon mhd. stolkenære 'der leisetreter, der sich nirgend hervorwagen darf; der social unterdrückte':

her (gott) ginck as her eyn knegt were
und eyn armer stolkenere
Haupts zeitschr. 17, 25.

doch man ist mehr versucht, an ein verbum zu denken: stolken? 'heimlich (wie ein dieb) gehen' vgl. entsprechende bildungen wie schwanken (th. 9 sp. 2250), schwulken 'wallen, wogen' (sp. 2751), wanken, verb. (th. 13, 1 sp. 1819) u. a. noch wahrscheinlicher aber steht das l für r, wie tölpel für

[Bd. 19, Sp. 198]


törpel, dörpel; in lehnwörtern maulbeere aus lat. morum, pflaume aus prunum (mhd. pflûme noch neben prûme, prûne), pilgrim aus lat. peregrinus u. s. w. unser wort wäre dann gleich unten storken, verb., und mhd. stolkenære also gleich unten storker, storger 'umherziehender bettler'. — s. auch die folgenden.
 
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stolker, m., 'langer steifer unbehülflicher mensch', besonders von angehörigen des weiblichen geschlechtes Schambach 212a vgl. das folgende.
 
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stolkerig, stolkrig, adj., entsprechend dem folgenden wie unten stolprig Danneil 213a; steif in den gliedern und unbehülflich (s. oben stolker, m.) Schambach 212a.
 
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stolkern, verb., in niederdeutschen gegenden nebenform von unten stolpern, so in Südhannover, vgl. auch Danneil 213a und in besonderer bedeutungsentwicklung mnd. stolkeren arrogare: voc. Engelhus. bei Schiller-Lübben 4, 411b. eine andere möglichkeit der herleitung oben unter stolken verb.
 
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stolkreuz, n., kreuz als heilige verzierung auf der stole angebracht. zeitschr. für kirchenschmuck 24 (1868), 58.
 
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stollbaum, m., s. unten stollenbaum.
 
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stollbeule, f., s. unten stollenbeule.
 
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stollboszen, verb. , ein in seiner herleitung nicht sehr durchsichtiges wort.
1) trans. wohl eigentl. 'mit der kugel werfen (im kegelspiel)' zu stollen, m. (unter 1 d) und boszen, verb. (th. 2 sp. 269 unter 3) auch ein entsprechendes stollbosse, fem. 'kegelkugel' mag vorausgesetzt werden (vgl. noch kugel th. 5 sp. 2536 unter 2 d) in der überlieferung der wörterbücher neben der zurücktretenden eigentlichen bedeutung übertragen '(eines) hin- und hertreiben' (Frisch 2, 339a) und besonders bildlich 'verfolgen, quälen, peinigen', stolbossen, sülchen und betrüeben afflictare Frisius 60b; zerbrächen, zerstossen, stollbossen quassare 1104a; vgl. DWB wol geschlagen und dülpet mit feusten, und mit füessen gestollbosset concisus pugnis et calcibus 177a; stollbossen jactare, quassare Maaler 389d (quassare Dentzler 277a) und so noch 'hin und wider stoszen, zu grober harter arbeit einen miszbrauchen': ein armes waislein gottlos herum stolpossen (baslerisch) schweiz. idiot. 4, 1729a. — etliche wilde gesellen (haben 1524) ein anschlag gemacht, den doctor (Vadian) in der herberig (zu Zug) zuo überfallen, ir suwwerch mit im zuo tryben und in dem schimpf im die oren abhowen und in stollbossen genuog quelle im schweiz. idiot. a. o.subst.: bewegung, unrw, das hin und wider werffen und stollbossen jactatus Frisius 640a. — einer anderen erklärung des schwierigen wortes diene noch der hinweis auf stollen 4 c 'knochen, knöchel', also eigentlich 'mit den knöcheln der faust stösze versetzen, austeilen' (vgl.arschbossen 'einem mit dem knie stösze in den hinteren versetzen' schweiz. idiot. 4, 1729); doch für die erste erklärung spricht das folgende.
2) intrans. 'von einem ort zum andern verstoszen wandern müssen, hin und herschlenkern, umherstolpern' schweizer. idiot. 4, 1729; dann auch 'müssig herumstreichen, unnötig umhergehen' ebenda. eine bedeutungsentwicklung. welche von einer streckform von stolpen, stolpern offensichtlich beeinfluszt ist, vgl. stŏlpôsseren 'stolpern' schweiz. idiotic. a. o.; stŏlpôssi der stolperer ebenda. verborgen gewisz auch im folgenden:

sust gê wir stopôʒen (? stolpôʒen)
in diser vinster strôʒen von den sieben graden 231 (
Lexer mhd. wb. 2, 1212).


3) ein begrifflich hierher rückbares storbôssen 'herumbalgen' (schweiz. idiot a. o.) weist nachdrücklich auf den wechsel von r und l (vgl. oben unter stolken) und damit auf einen möglichen zusammenhang mit der wurzel stor (s. unten stören verb.).
 
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stöllchen, n., deminut. zu stollen, m., in eigentlicher bedeutung unter 1: stöllchen piediccino, puntellino, balaustrino Kramer dict. 2 (1702), 982c. — entsprechend stollen, m. 5: kein stöllichen oder gesetzlein reden, darinn nicht aufs wenigste ein gut biblisch wort mit eingefürt sey Mathesius werke 3, 323.
 
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stolle, f. , nebenform zum folgenden masc. stollen vielleicht zunächst im bäckereigewerbe, etwa in anlehnung an die begrifflich entsprechende semmel (th. 10, 1 sp. 559).

[Bd. 19, Sp. 199]



1) semmel von länglich dicker, im durchschnitt ein wenig kantiger gestalt (Jacobsson 4, 303a), auch an den enden zugespitzt; anlasz zur übertragung gab die ähnlichkeit mit stollen, m. 1: stolle, eine art gebackenes panis similagineus Steinbach 2, 720; neben ndd. stulle (s. unten) ein groszes weiszbrod mit butter und gewürzen, welches zur festzeit, auch als geschenkgabe gebacken wird Dähnert 465a; deshalb auch butterstolle (th. 2 sp. 586) vgl. Krünitz encycl. 174, 462, besonders in Sachsen die christstolle (th. 2 sp. 626) vgl. Frisch 2, 339b und über die ähnlichkeit mit einem wickelkinde K. Bornhak fest- und denktage Naumburgs 4 (als kirchliche abgabe sollen die Naumburger bäcker liefern: in vigilia nativitatis Christi duos panes triticeos longos, qui stollen dicuntur, factos ex dimidio scephile tritici urk. v. j. 1329; vgl. Lepsius kl. schr. 1, 253) und weitberühmt die Dresdener stolle: das schimlig gelt, so das gt alt müterlin so lang z stollen hatt gehabt ligen, ms einmal an die sun und under die welt kummen Wickram 3, 294; er beneidete oder segnete vielmehr den zeuchmacher, den stiefelwichser, den holzhacker, der abends seinen krug bier, seine andacht, seine stollen und seine trompetenden kinder hatte Jean Paul 7-10, 308; und gings denn nun vorerst an den kaffee. da gabs stollen, bebe, sternkuchen O. Ludwig 2, 524; die stolle, eine gans von Steinegg (vom schwager), eine hirschsulz vom forstmeister Orelli C. F. Meyer briefe 2, 151 (daneben das masc. s. unten);

hui, du calvinisch ottrgezücht,
hast gwisz wider was angericht,
wie zu Prag zu der stollen zeit,
da auch in dreck fiel meine freud,
als du die bilder thest abreiszn
Opel-Cohn dreiszigjähr. krieg 113;

ich bekam sie (die soldaten) beim letzten heiligen christ,
statt der nüsse und stollen
Körner 1, 213.

doch butterstolle (panis illitus butyro Frisch 2, 339b) auch dasselbe wie oben butterbrot (th. 2 sp. 584), mit butter bestrichene scheibe (roggen)brot, was nur brotstolle (th. 2 sp. 406), ein länglich gebackenes brot bei Stieler 2134 verständlich machen kann; die ebenfalls zunächst norddeutsche semmelstulle, mit butter bestrichene semmel (th. 10, 1 sp. 567) hat aber wieder die brotstulle zur voraussetzung und ist nicht tautologisch. s. im übrigen dazu unter stulle, f.
a) nicht hierher gehört nierenstollen bei Amaranthes 462 (auch 1333), nur verderbt aus bairisch nierstall (th. 7 sp. 835).
b) in anlehnung an unsern gebrauch dagegen stolle das losgestochene torfstück, torfplagge: bis die letzte stolle auf den boden geschichtet ist Heer könig der Bernina 203.
c) lang gestreckte, steilabfallende kuppe eines berges: bringt mir zwei eimer voll wasser oben auf die stolle von Willberg (nahe von Wehren bei Höxter a. W.), dann sollt ihr gute belohnung haben brüder Grimm sagen 1, 207, und so Stolle in Südhannover geradezu bergname, bei Lüthorst im Solling und sonst (neben stollen, s. unten). vgl. Schambach 212a.
2) stolle eine halbmondförmige eiserne scheibe mit holzgriff, welche zum weiten und weichmachen der felle dient, so im gebrauch der weiszgerber und handschuhmacher Jacobsson 4, 303a.
3) landschaftlich im vereinzelten gebrauch:
a) an stelle von stollen, m., fulcrum: die stolle fulcrum Stieler 2134; bettstolle lecti fulcrum Steinbach 2, 720; die stolle eines tisches Gottsched deutsche sprachkunst 129; oben hat die säule ein loch und ist gekerbt, wie eine stoll am himmelbette Fleming teutscher jäger 348;

jedwede stolle in dem stuhl zu Rom
bleib staubestrümmer, wie sie's einmal ist
Daniel Jenisch wünsche an das neunzehnte jahrhundert 524.


b) an stelle von stollen, m. 2: die stolle fodina, cuniculus Stieler 2175; mit innerer freudigkeit zeigte er (der bergmann) mir jene stolle, wo der herzog von Cambridge, als er die grube befahren, mit seinem ganzen gefolge gespeist hat Heine 3, 30 (doch gleich daneben: und mit feuer erzählte er: wie viele festlichkeiten damals stattgefunden, wie der ganze stollen mit lichtern, blumen und laubwerk verziert gewesen 31).

[Bd. 19, Sp. 200]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) stolleisen, n., wie stolle, fem. 2 als gerät des weiszgerbers Campe vgl. dazu unten stollpfahl, m. und stollpfuhl, m.

 

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11) rebe
 ... ranken anderer pflanzen: es war ein tann erwachsen hoch, dabei ein körbs sich auch auf
 ... bekleidt also den ganzen baum, das man die tann kundt sehen kaum, mit vielen reben umbefangen,
 
12) riesenheer
 ... im schlaf streckt schwarz und wüst der weite tann, ein riesenheer in zaubermacht für tausend
 
13) rötlich
 ... horch, von den dünen, horch, aus dem tann wogen die kühnen Sachsen heran:
 
14) schlagen
 ... Steinbach 2, 427 ; da eilten in die von Tann .. nach; da slugen sich die unsern mit in.
 
15) schneiten
 ... auch klein hacken oder hauen, graszach oder dächsen schnaiten, tann - oder fichtenäste zur streu klein hacken Schm. 2
 
16) schurke
 ... : schurke, heiszt nach Meiszners zeugnüsz in Silesia loquente, tann - äpfel, tann - zapfen, squamata nucamenta
 ... Meiszners zeugnüsz in Silesia loquente, tann - äpfel, tann - zapfen, squamata nucamenta abietum Frisch
 
17) spulen
 ... von einem gleichmäszigen schnurrenden tone der vögel: eine gesellschaft wandernder tann - , kohl - , hauben - und blaumeisen, denen
 ... denen sich ein halbes dutzend goldhähnchen angeschlossen, streicht durch den tann, ... häkelt sich kollernd, spulend, »zit - zit« rufend an
 
18) stöhnen
 ... ; und fuhr im winter der sturm rasend durch den tann und stöhnten unter seinem drucke die föhren, so war es
 
19) strobel
 ... 1014 c ; die zirbelnusz, auch wohl jeder tann - und fichtenzapfen Adelung 4 (1780)
 
20) strolchen
 ... ich ( der weihnachtsmann ) so strolcht' durch den dichten tann, da riefs mich mit heller stimme an
 
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