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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
stöhr bis stolenband (Bd. 19, Sp. 191 bis 196)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) stöhrsubst.und stöhrenverb. s. unten stör subst. und stören verb.
 
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stoiker, m. , entsprechend lat. stoicus, griech. στωικός. ein anhänger der stoischen philosophie, welche Zenon von Kition um 308 zu Athen in einer säulenhalle, der ποικίλη στοά begründete (auch einfach ἡ ποικίλη 'die buntfarbige', weil sie mit dem wandgemälde des Polygnotos von der marathonischen schlacht geschmückt war).
1) die stoa verlangte von ihren anhängern einen unerschütterlichen gleichmuth in allen lebenslagen, der aber in

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der wirklichkeit alle schattierungen vom sittlichen heldenthum bis hinab zum langweiligen rigorismus annehmen konnte; so denn stoicismus, m., weltanschauung des jüngers der stoa (besonders in ihrem einflusz auf die lebensführung): Manuel ist zitternd zum tode gegangen; Bailly hingegen mit einer entschlossenheit, die durch die äuszerung des ungekünsteltsten gefühls höher als stoicismus steht Forster schr. 9, 130; nichts verdienstliches mehr an diesem stoicismus 3, 88; (die quelle,) aus welcher bruder Anton einen stoicismus schöpfte, ... Pfeffel pros. versuche 5, 25; eine gehörige dose stoicismus Seume 2, 95: und steht noch mit stoizismus zu erwarten, was die leute dazu sagen Pückler briefwechsel 6, 121;

mit stoicismus
sich selbst verleugnend und froh, dasz er
das leben hat in Rauschenwasser (ein vergnügungsort in der nähe von Göttingen, jetzt bekannt als Marienspring)
Lichtenberg nachlasz 118;

poesie und milde zugleich mit einem welttrotzenden stoizismus Jean Paul Siebenkäs 1, 72; seinem früherhin streng bewahrten stoizismus völlig untreu (werden) Gaudy 14, 65; der trotzige stoicismus, welchen ich gegen das jungfräuliche selbstgenügen aufwandte, warf mich um so schneller in eine einsame und gefährliche stellung, als ich in meiner einfalt augenblicklich selber daran glaubte und mit heftigem ernste verfuhr Keller 1, 296; eingeschüchtert zogen sie sich zurück, fanden sich mit slavischem stoicismus in die thatsache, dasz von diesem herrn eine besserung ihrer lage nicht zu erlangen sei Polenz Grabenhäger 2, 157.
2) die schüler und nachfolger der stoa aber οἱ ἐκ τῆς στοᾶς φιλόσοφοι, kurz οἱ Στωικοί, die stoiker: die ungebrochene kraft dieses naturvolkes (der Germanen) erschien dem stoiker als ein ideal der sittenstrenge Scherer litteraturgesch. 4. dann überhaupt ein mensch, der im gleichmuth unerschütterlich seinen weg durch das wirrsal des lebens nimmt (auch ohne bewuszte anlehnung an das besondere system der stoa): gott hat nimahls durch den gottesdienst die leute zu leibeigenen oder stoikern machen wollen, eben, als wann einer kein gutt kleid tragen, und auch in den himmel kommen könte Butschky Pathmos (1677) 253. auch einen stoiker aus einem machen ihn zu solchem gleichmuth erziehen, vgl. Lessing 7, 20; denn mit eben dem rechte, da hr. Klotz jetzt aus seinen gedichten der länge nach, ein stoiker, ein weiser, ein held, ein patriot, ein verächter des lebens u. s. w. wird ... Herder 3, 442; es ist schrecklich, aber wahr, dasz auch das einzige gefühl, welches mich zum stoiker ... umzuschaffen pflegte, (jetzt erkaltet) Forster schr. 7, 196; der alte mann, der gut erzogen war, und nun am rande des grabes in die schrecklichste armuth versinkt, halb blind, mit allen bequemlichkeiten des lebens vertraut, und nun plötzlich von allem entblöszt, der gern ein stoiker sein möchte, wenn er nur könnte, der sein elend so innig fühlt und sich doch, so sehr er hülfe wünscht, davon zu sprechen schämt Tieck 7, 186; der gefühlvollste stoiker — der aus empfindlichkeit gegen freyheit sich unnöthige ketten anlegt, und die liebsten pflichten schlechter beobachtet wie die überflüssigen Caroline 1, 102; gegen den stoiker vermag aber der teufel oder die verneinende kritik nichts Schücking an die Droste-Hülshoff 17; dasz, nachdem die kasse des jungen stoikers gesprengt war, erst die überflüssigen bücher zum antiquar wanderten Gaudy 14, 81; als stoiker hingegen richtete er allerhand spaszhafte händel an und brachte die leute in harnisch, um in dem entstandenen lärm dann einen kalten gleichmut zu behaupten und sich nichts anfechten zu lassen Keller 1, 315;

'bester,
sey mann! du wüthest.todesfurcht verwirrt
dich!'
'o der stoiker! der prahlhans!'
Grabbe 3, 324.

stoiker verdeutscht als ganglehrer Zesen moralia Horatiana (1656) 56; vgl. zeitschr. f. deutsche wortf. 14, 80a.
 
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stoisch, adj. zum vorigen: stoische, manicheische rede Aurifaber in Luthers tischreden (1566) 152a randbemerkung; alte stoische weltweisen, seyn der meinung

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gewesen, das glückseligkeit ... darinnen bestehe, das man der natur ... gemäsz lebe Butschky Pathmos (1677) 410; ein satz des römischen rechts aus der stoischen philosophie Savigny beruf unserer zeit für gesetzgebung 84; meine philosophie besteht in einer selbst erfundenen, selbst durchlebten ... vereinigung zweier anderer, der epikuräischen mit der stoischen Holtei erz. schr. 7, 219; hierher die stoischen selbstbetrachtungen (des Marc Aurel) Fr. Schlegel w. 1, 97, des kleinen, pseudo-aristotelischen, gewisz stoischen buches vom kosmos ist hier ... nicht erwähnung geschehen A. v. Humboldt kosmos 3, 16 — die stoische grösze der seele des Tacitus J. v. Müller w. 8, 412; der schlusz ist stoisch, ein verzicht auf glück und wunsch Fr. Vischer ästhetik 1, 394.
a) um deswillen muszte der stoische weise alle dergleichen triebe, die ein gefühl groszer sinnlicher lust enthalten, ausrotten, weil man mit ihnen zugleich gründe groszer unzufriedenheit und des miszvergnügens pflanzt, die nach dem abwechselnden spiel des weltlaufs den ganzen werth der ersteren aufheben können Kant 1, 53; aber dieses, däucht uns, wird niemand so roh oder so stoisch seyn zu läugnen, dasz sie glücklich waren Wieland Agathon 1, 220; aber hingehen und ihn (den streich) holen? ... nein, so stoisch bin ich nicht Lavater verm. schr. 2, 8; einer von den Indianern betrug sich bei dieser gelegenheit vor allen seinen übrigen landsleuten besonders stoisch Forster schr. 2, 142; (zeit bekommen,) stoischer und närrischer zu werden Jean Paul 7, 43; wer wäre stoisch genug, den von allen seiten (beim weihnachtsfest) auf ihn eindringenden versuchungen zu widerstehen! Hebbel I 11, 306.
b) ein stoischer mensch und wendenschimpff (d. h. spaszverderber) quelle von 1543 bei Diefenbach-Wülcker 866; ich fühle seine (des Achilleus) thränen und sein edles herz: ich würde ihn nicht verehren, wenn er ein stoischer held wäre Herder 3, 39; auch:

ihr stoisch auge nimmt in thaten,
die stolzem heldenmuth gerathen,
nur glückliche verbrechen wahr
J. E. Schlegel w. 4, 185;

unter den thieren rückt mit seinen eigenschaften in die sphäre unseres wortes der gleichmüthige esel, vgl.:

ein alter esel, der vorbei
mit leerem sacke zog, plump, stoisch, krumm und mager
und kurz, dafür bekannt, dasz er ein esel sei
J. J. Engel 11, 66;

herr langohr pries mit viel bescheidenheit
sein stoisches gemüth
Pfeffel poet. versuche 6, 191.

bei Jean Paul vom winter als von der zeit des entsagenden gleichmuths, der mit ernst ertragenen beschränkung, zugleich stärker hineingerückt in den kreis des menschlichen mikrokosmus: der stoische winter nimmt wie der physische die pest hinweg, eh die wärmeren monate kommen, die neues leben reichen 7-10, 427 (vielleicht auch im spiel mit dem winter des lebens, aus dem sich der stoische gleichmuth des alters erst einen neuen frühling, mehr von der phantasie verklärt, mit entsagung gewinnen musz) — um den stoischen laib schwarzen brotes und den philosophischen wasserkrug (tanzen) Raabe I 6, 138 und (bildlich) im übergang zum folgenden: wie besagtes quecksilber so kalt und doch nicht zu festem stoischen eis zu bringen (ist) Jean Paul flegeljahre 2, 38
c) von eigenschaften: denn sonst wäre Mine schon mein — ihrer stoischen tugend unerachtet Hippel lebensläufe 2, 340; Bernstorfs tugend war strenge und auf unveränderliche grundsätze gebaut, aber nicht in den stoischen ernst gehüllt, der alles vergnügen wegscheucht, sondern sie vertrug sich mit den freuden des gesellschaftlichen lebens Sturz schr. 2, 133; mit welchem stoischen ernst nahm ich mir vor, mäsziger zu sein, aber ... E. Th. A. Hoffmann 10, 195. — deine stoische gelassenheit bey allen unglücksfällen Rabener w. 4, 31; das menschliche herz mag noch so gut mit stoischer verachtung der eitlen güter der welt bewehrt seyn, einige tausend gulden machen doch immer ein objectum majoris momenti Ayrenhoff 3, 125; jene stoische unempfindlichkeit, wovon die sittenprediger fabeln, ist dem schaffenden, der doch für andere schafft, unmöglich Treitschke

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deutsche geschichte 3, 686; seine stoische entbehrungskraft reichte kaum für die ersten vierundzwanzig stunden Holtei erz. schr. 35, 18. — wir finden hülfsquellen in uns selbst, an die wir niemals dachten, und stoischen muth, wenn der gesichtskreis unsers ganzen lebens sich trübt Zimmermann über die einsamkeit 3, 152; die gefängniszwärter selbst waren über seinen stoischen muth betroffen G. Kerner in J. Kerners bilderbuch 87. besonders aber: noch hatte die angestammte einfache sitte .. vorgehalten, der luxus war unbekannt geblieben, der stoische gleichmuth, die armuth war geboten und ehrenvoll Ritter erdkunde 13, 495; (der fürst, der) mit stoischem gleichmuth den schmerz verbisz E. Th. A. Hoffmann 10, 23; ein Scävola an stoischem gleichmuth 6, 61; Georg wuszte nicht, ob er über die thorheit des schreibers lachen oder es als hohen stoischen gleichmuth bewundern sollte, dasz er, kaum dem tode entgangen, sein zerrissenes mäntelein bedauern konnte Hauff 1, 273; verblaszter: Theobald zog ... in stoischem gleichmuthe dem orte entgegen, wo die gefährtin seiner erdenlaufbahn auf ihn wartete Holtei erz. schr. 28, 164. — herr Vincenzio blieb in stoischer ertragung seines miszgeschickes weit hinter dem vater zurück Gaudy 14, 98: vgl.Anton hatte durch sein stoisches verhalten beim untersuchen der wunde ... den förster für sich gewonnen Holtei erz. schr. 12, 148.
d) vereinzelt, doch erwähnenswerth:

er faszt sich und versetzt mit stoischer geberde:
Ramler fabellese 1, 7;

(schrecken) durch stoische spitzfindigkeiten zu bezwingen suchen Abbt verm. werke 6, 2, 62. in bildlicher einkleidung den stoischen damm ihrer empfindungen (aufreiszen) Herder 15, 232.
e) in der zusammensetzung stoischklug, adj., bei Platen (vgl. zs. f. deutsche wortf. 9, 155):

er neidet nicht den stoischklugen schwarm.


 
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stoissen, m., mundartlich bei Rosegger 'ein seiner zweige beraubter baumstumpf', wohl zu unten stotzen, m.: der stoissen, das ist nämlich ein dürrer, entästeter fichtenstamm, der hinter dem Steinhämel mitten auf der wiese steht und wie eine art sonnenuhr seinen schatten auf die weiszen steine legt, die ringsum uhrziffern bedeuten III 1, 333.
 
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stok s. oben stock.
 
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stöker, m., als bezeichnung der makrelenart scomber trachurus (Oken 6, 190) oder caranx trachurus L. s. oben stocker 4 (sp. 85).
 
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stökern, stokern, verb, reinniederdeutsche form von oben stöckern (sp. 86) an stelle von hd. stochern (sp. 7): hier subst.: im spanischen erbfolgekriege, wo das eindringen fremder heere stets ähnliche erscheinungen wie das stökern in einem ameisenhaufen hervorgerufen hat Bismarck gedanken 2, 72.
 
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stolbruder, m., zum folgenden? als bezeichnung für einen kirchendiener (diacon?) stolbrueder custodes templi voc. von 1608 bei Schmeller 22, 752. stollbruder custos templi Dentzler (1716) 277a. vil begeynen und stolbruder S. Franck chronic. 283a. doch vgl unten stuhlbruder, m.: die sogenannten stol- oder stuhlbruder Schmidt geschichte der Deutschen 2, 185, während an zusammenhang mit oben stallbruder (th. 10, 2 sp. 609) nicht gedacht werden darf.
 
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stole (stola),f. , priesterliches gewandstück in der altgläubigen kirche, lat. stola 'langes talarförmiges kleid' aus griech. στολή 'rüstung, waffenrock' zu στέλλειν verb. 'herrichten, ausrüsten'. mhd. schon mit vocaldehnung: stôle und seitdem beibehalten; als ausnahmen: er selbsten (der pfarrer) aber war mit dem chorrock bewaffnet, samt den stollen (bei der teufelaustreibung) Simplic. 194 neudr. (der plural mit rücksicht auf die beiden stolenhälften?); dieser (seelsorger) ..., nachdem er die ursach seiner beruffung verstanden, wirft alsobald seinen stollen, chorhembd und andern ornat geschwind an Thomasius ernsthafte gedancken 2, 337;

der pfaff sein stoll und segen nam
Hans Sachs 9, 291 Keller.

das masc. geschlecht des wortes bei Thomasius wohl in anlehnung an masc. wie kragen, umhang u. ä. vgl. noch

[Bd. 19, Sp. 195]


elsäss.: wenn der pfarrer mess lest, het er den stolen an Martin-Lienhart 2, 592a.
1) ursprünglich ein langes (aus der römischen senatorentracht herübergenommenes) leinen- oder wollengewand, welches mit zwei von den schultern bis zu den füszen (parallel) herablaufenden kostbaren borden besetzt war; die immer zunehmende schmuckhafte ausgestaltung des priesterlichen unterkleides (der hemdartigen 'alba') schränkte aber unser gewandstück in seinem umfange immer mehr ein, so dasz zuletzt nur die beiden borten als zwei oft reich verzierte gewandstreifen übrig blieben,

die priestr gebuten den megden daʒ,
daʒ sî dâ von (von seide, gold, haaren, baumwolle und flachs) solden wirken,
gezierde zuo der gotes kirchen
câsuln, stôlen unde alben,
mit golde gezierei allenthalben
bruder Philipp Marienl. 704.

in älterer zeit von gröszerer länge und deshalb 'in forma crucis auf der brust gekreuzt und von dem gürtel (cingulum) festgehalten, später immer mehr verkürzt und seit dem 17. jahrh. sehr unschön an ihren enden schaufelförmig erweitert. das cultische hauptstück der priesterlichen gewandung und durch diese seine bedeutung von der in seiner form sonst ähnlichen handfahne (th. 4, 2, sp. 386, manipulus) völlig unterschieden; sie ist gleichbedeutend mit dem 'orarium', vgl. deinde circumdat collum suum stola, quae et orarium dicitur Honorius August. gemma animae 1, 204; sie wird dem celebrierenden priester dargereicht, der sie gleichsam wie einen 'torques' um den hals legt und dazu betet: redde mihi domine stolam immortalitalis, quam perdidi in praevaricatione primi parentis, et quamvis indignus accedo ad tuum sacrum mysterium, merear tamen gaudium sempiternum bei Bock liturg. gewänder 2, 63 (vgl. dazu unten den beleg aus dem cod. Teplensis) diu stôle ist lanc unde breit, diu umbe sînen hals gêt; diu bezeichent noch sante Peters joch, dô er dar în geweten was, dô er sanc unde las speculum ecclesiae 151; anders: die stol bedüt den strick, den sy jm (dem herrn Jesu) an seinen halsz gelegt haben Keisersberg schiff der penitenz 90b.
2) stol richtig als superhumerale Alberus (1540) Cc 4a, dagegen ungenau und sogar falsch stole phanola Diefenbach glossar. 224c, manipula 347a (vgl. dazu oben) als stola transversa (über die linke schulter gehängt und auf der rechten hüfte übereinandergelegt) in der tracht des diacons. der priester und der diaconus ... legten an ein stol über die lincken siten Tschudi chronic. helveticum 2, 93; der priester ... trg die stol under der cappen (der 'cappa choralis', gewöhnlich 'pluviale', dem regenmantel) der heiligen leben (das summerteil) 24a; wan der priester antzeugt ein korrock, legt ein stol umb den halsz Luther 10, 3, 369 Weim.; nam ein rottes windelbandt umb den hals, wie ein stol Hennenberger preusz. landtaffel 483; bei den cartheusern sieht man ... vierzig bis funfzig mönche; gleiche stolen, gleiche verrichtung, gleiche bekleidung Göthe 45, 278 Weim.; eine stola von goldbrokat umgiebt schultern und brust Gaudy 5, 70

ich kam von einem prälaten
dem die herrlichsten stolen
über die schulter hingen
worauf unverhohlen
wunderthaten
der heiligen auf und nieder gingen
Göthe 4, 25 Weim.;

die weiszen schleier flattern
die schwarzen stolen wehn,
die kerzenflämmchen knattern,
wie sie im sprung sich drehn
Uhland gedichte 1 316.

im spaszhaften übergang in die hauswirtschaft: die stol hab ich gegunnen Johannes Giggis Gäggis; der hat vil kleiner kinden, z einem wiegenband Nik. Manuel 235 (testament der messe).
3) allgemeiner in der vorstellung vom costüm der gerechtfertigten seelen: und noch disen dingen ich sach ain michele geselschaft, di nymant mochte gezelen von allen leuten vnd geslechten vnd volken vnd zungen, stent vor dem tron vnd in der bescheud dez lames, gevasset mit weissen stolen als gut bezeugte variante zum codex Teplensis 3, 78 (der cod. selbst hat gewanden); vgl. auch: ich

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besorg, es werd uns christen ditz begegnen, das den juden in zerstörung jrer höch und zier begegnet ist. als die selbigen sahen und horten vil seltzamer wunderzaichen am himel, wie vormals gemeldet ist, reitter im lufft mit gulden stolen und spieszen mit ainander scharmützlen J. Grünbeck von der veränderung der stände der christenhait (1522) B 2b. deshalb als theil des totengewandes: er nam an seinem todtbet ein stole an den hals, damit er dester mehr authoritet hett Franck chronic 132a und das geistliche sprichwort: selig sind, die ihr stöl wäschen in dem blt desz lambs paradoxa (1558) 183b; vgl. si woshen ire stole mit des lampes plǒte Diemer 336, 24. — bei der stabung des eides (um seine gewichtigkeit zu mehren) auch dem schwörenden geistlichen umgelegt: her Syfrit ... quam an offen gerihte ... und swur da einen gestabiten eyit mit siner stolen Baur hess. urk. 3, 99 (v. j. 1334), vgl. DWB sobald sie die stola oder das meszgewand ausgezogen haben, ziehen sie auch alles, was geistlich ist, aus Nicolai reise 5, 27.
4) als symbol geistlicher wehrhaftigkeit (d. h. die im kirchenbann beschlossene richterliche gewalt) dem schwerte als dem symbol des ritterthums entgegengestellt:

diu swert diu leiten si dernider
und griffen zuo der stôle wider;
si bienen die si wolten,
und niht den si solten
Walther 9, 31;

vgl. DWB um sich einiger maszen zu helfen, brauchten sie damals noch nicht das schwerd ..., sondern die stole ..., das ist, ihre geistliche gerichtsbarkeit, und hauptsächlich die excommunication Schmidt geschichte der Deutschen 2, 175;

ob aber ein des tievels kint
durch die stôle niene tuo,
dâ hœret danne gewalt zuo
Hartmann Gregorius 3635.

und kurzweg der 'geistliche stand':

nû dâr, ir edelen (bauern, ritter und geistliche), werden drîe gesellen!
stôl unde swert, welt ir ein ander helfen wol,
so wirt diu kristenheit von iu genaden vol;
stôl unde swert, der pfluok tuot alleʒ, daʒ er sol,
sit ir mit triu ein ander bî, iuch kan nieman gevellen
v. d. Hagen minnesänger 2, 309a;

der pfaffen ban swert vür die stôlen wetzet
Frauenlob 335, 10;


5) zuletzt die stole suchen in anlehnung an oben 3 'seine gedanken auf das ewige richten' im gebet und sonst:

die kristen ûf sprungen,
daʒ gotes lop si sungen,
die stôle si suohten,
die sêle si beruohten
Stricker Karl 6821

und ganz in mystischer sphäre:

wir kússen di stôle fur gotes munt:
daʒ ist der súene anevank Melker handschr. 31, 80 Leitzmann

(freilich zugleich mit einer anspielung auf die dem beichtenden bei der absolution zum kusz dargereichten enden der wirklichen stole).
 
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stolen, verb., mit der stole schmücken, so die novizen im kloster nach der probezeit: den ersamen unsern dochtern ... so durch die hochwirdigen wolgebornen und edlen frawen abbtissin der stifft z Maszmünster z chorfrowen angenomen sint, sunder Beatrix yetz gestolet ze werden geschickt ist, (wir) zgesagt und versprochen habend ... Riederer spiegel der waren rhetoric (1493) u 5b, und mit umlaut: und wenn Ursel ouch gestölt wird ebenda.
 
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stolenband, n., band, aus welchem die stole besteht: in der capelle zu Fernberg drüben, da knieten sie vor dem traualtar. der caplan legt schon das stolenband um ihre hände Rosegger 14, 78.

 

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11) rebe
 ... ranken anderer pflanzen: es war ein tann erwachsen hoch, dabei ein körbs sich auch auf
 ... bekleidt also den ganzen baum, das man die tann kundt sehen kaum, mit vielen reben umbefangen,
 
12) riesenheer
 ... im schlaf streckt schwarz und wüst der weite tann, ein riesenheer in zaubermacht für tausend
 
13) rötlich
 ... horch, von den dünen, horch, aus dem tann wogen die kühnen Sachsen heran:
 
14) schlagen
 ... Steinbach 2, 427 ; da eilten in die von Tann .. nach; da slugen sich die unsern mit in.
 
15) schneiten
 ... auch klein hacken oder hauen, graszach oder dächsen schnaiten, tann - oder fichtenäste zur streu klein hacken Schm. 2
 
16) schurke
 ... : schurke, heiszt nach Meiszners zeugnüsz in Silesia loquente, tann - äpfel, tann - zapfen, squamata nucamenta
 ... Meiszners zeugnüsz in Silesia loquente, tann - äpfel, tann - zapfen, squamata nucamenta abietum Frisch
 
17) spulen
 ... von einem gleichmäszigen schnurrenden tone der vögel: eine gesellschaft wandernder tann - , kohl - , hauben - und blaumeisen, denen
 ... denen sich ein halbes dutzend goldhähnchen angeschlossen, streicht durch den tann, ... häkelt sich kollernd, spulend, »zit - zit« rufend an
 
18) stöhnen
 ... ; und fuhr im winter der sturm rasend durch den tann und stöhnten unter seinem drucke die föhren, so war es
 
19) strobel
 ... 1014 c ; die zirbelnusz, auch wohl jeder tann - und fichtenzapfen Adelung 4 (1780)
 
20) strolchen
 ... ich ( der weihnachtsmann ) so strolcht' durch den dichten tann, da riefs mich mit heller stimme an
 
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