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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
striezen bis strimpfel (Bd. 19, Sp. 1613 bis 1616)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) striezen, vb., nur umgangssprachlich und in den maa. gebräuchlich. 'stehlen, entwenden, sich aneignen'; besonders von geringfügigen, weniger wertvollen dingen (z. b. obst oder sonst bei mundraub); vgl. st(r)ibitzen teil 10, 2, 2, sp. 2671. ostmd. allgemein, nd. nur vereinzelt, hauptsächlich in den an das md. grenzenden gebieten gebräuchlich: Elberf. ma. 158a; Damköhler Nordharz 181a; Brendicke Berlin 179b; Teuchert neumärk. 222; Frischbier pr. 2, 382a; Mensing schlesw.-holst. 4, 895. obd. in diesem sinne nur im alem. bezeugt: Staub-Tobler 11, 2468. vereinzelt westmd. und elsäss., jedoch nur mit kurzem stammvokal: sdrizen, -ö-, -e- Christa Trier 202; Follmann Lothr. 507a; stritzen, strutzen Martin-Lienhart 2, 636b. vgl. auch strittn stehlen Schacherl Böhmerwald 38. — literarisch nur vereinzelt: aber in des nachbars garten äpfel strippen, pflaumen stritzen galt ... als verdienstliche that hessische qu. v. 1881 bei Sanders erg.-wb. 535c (vgl. 2strippen 2, sp. 1621). auch von nicht materiellen dingen: ein bekannter regierungsschulrath, der bei der neuen ordnung der dinge sich ebenfalls gern seinen antheil striezen möchte d. ewige lampe (1848) 4, 5.

[Bd. 19, Sp. 1614]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) striezen, vb., jem. quälen, reizen, peinigen, hart zusetzen oder auf irgendeine art übel mitspielen (z. b. mit worten oder auch im kartenspiel). vgl. triezen 2 teil 11, 1, 2, sp. 492. nur mundartl., vorwiegend ostmd. bezeugt; doch vgl. Meisinger Rappenau 187a; Elberf. ma. 158a. hierher dann wohl auch: sich striezen sich langweilen Müller-Fraureuth obersächs. 2, 577.
 
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striff, subst., terminus des bergbaus, s. o. 3streif, sp. 1247.
 
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striffel, m., f., n., kleiner streifen; mhd. striffel 'stragulum' Scherz-Oberlin 2, 1584 aus einer (elsäss.) quelle der zeit um 1400; vgl. dazu: stragula strifille vel uehemantil (13. jh., codex Oenipontanus) ahd. gll. 3, 663. 42 und die unter streiflein sp. 1289 angeführten belege für striffel 'streifenartiger webfehler' aus nordalem. (schwäb.-bad.) quellen des 15. jhs. mhd. vereinzelt als scheltwort:

bose striffel und bose nachberynne
also nennent sij yre nachberynne,
umb das sij gerne ubel sprichet pilgerf. d. träum. mönchs 10 572 B.

vgl. a. a. o. den hinweis auf die bildliche darstellung vor v. 10 379 (die leckerîe personifiziert als altes weib mit der nebenschrift leckerige ein bose stryffel). die vokalquantität bleibt in allen diesen fällen unsicher; in neuerer zeit ist das wort jedoch mundartlich als striffel zuverlässig bezeugt; mit wechselnder bedeutung: striffel, striffl streifen (feld. tuch) Reiser sagen, gebräuche, sprichw. d. Allgäus 2, 739; striffel, m., strich, streifen Martin-Lienhart elsäss. 2, 628a; strüffl, sonst striffl streifen Tschinkel Gottschee 118; striffl, n., strich, streifen, strichlein Neubauer Egerland 100; ströffel, striffel, strüffel streifen, länglich geformtes stück Frischbier pr. 2, 382a; striffel, f., gefaltete krause an kinderkleidern Kehrein Nassau 396; striffel der streifen, namentlich der jabot an den hemden Coblenzer ma. in: rhein. antiquar. III 14 (1869), 750; vgl. schdrīfel, n., halskrause Heinzerling-Reuter Siegerland 248. gelegentlich dringt eine mundartliche bildung in die schriftsprache: an einem pergamenstriffel hänget das wohlerhaltene siegel des grafen von Nassau Varnhagen Waldeck. landesgesch., urkundenb. 155.
 
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striffelkräutig, n., rumex crispus L., eine art ampfer; rumex acutus, lapathum acutum, mengelwurtz, grindwurtz Corvinus fons lat. (1646) 9 s. v. acetosa. vgl. DWB ströpfelkraut, teil 10, 4, sp. 74 und kräutich, kräuticht teil 5, sp. 2120.
 
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striffeln, vb., abstreifen; vorwiegend mundartl. nebenform zu 2streifeln: striffeln z. b. haferkörner Knothe Nordböhmen 521; striffeln waldbeeren mit einem kammartigen gerät abstreifen Blumer Nordwestböhmen 88b; den hafer striffeln Müller-Fraureuth 2, 574; schtriffeln (neben schtraifeln) streifend abreiszen Liesenberg Stieger ma. 100; striffeln für streifen, z. b. die hemdärmel aufstriffeln bei der arbeit Albrecht Leipzig 219 (vgl. teil 1, sp. 733); ähnlich bei Jecht Mansfeld 109b; Crecelius oberhess. wb. 819; Pasch Altenburg. bauerndeutsch 101: da die jünger Christi an einem sabatt durch das getreyde gingen, da striffelten sie äher ab und assen die Luther 10, 3, 343 W.; nachdeme auch etliche weiber und derselben kinder läb, pross (knospen) und dergleichen zu striflen gehen (1782) österr. weist. 5, 545; ein nd. strippeln dringt auch in die schriftsprache: und nun adieu, nun bin ich wirklich so leer wie ein ausgestrippelter darm (15. 2. 1838) A. v. Droste-Hülshoff br. 1, 288 Schulte-K.; das ist nur so ein geringes auseinanderstrippeln der schlinggewächse, welche den baum meines rechten schaffens, der oper, umranken und aussaugen P. Cornelius literar. w. (1904) 2, 638. vgl. 2strippen.
 
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striffeln, vb., nebenform zu 1streifeln 'mit streifen versehen'; strifflen Martin-Lienhart elsäss. 2, 628a; nur im partiz. pass.: wanns wohl abgehet, so will ich dir meinen gestriffelten rock, den ich erst vor 2 jahren hab machen lassen, zum brautstück schencken, darmit du

[Bd. 19, Sp. 1615]


bey der hochzeit wie einer vom adel auffziehen und prangen kanst Grimmelshausen vogelnest 7 Scholte.
 
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striff(en), pl., terminus des bergbaus, s. o. 3streif, sp. 1247.
 
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strikt, adj. und adv. , 'genau, unbedingt, streng'; lat. strictē (zu stringere); im dt. zunächst (dem lat. entsprechend) vorwiegend adverbiell gebraucht in der zweisilbigen lat. form, die sich gelegentlich noch in neuerer sprache zeigt; die schreibung des gutturals wechselt zwischen c und k, vereinzelt erscheint ck. ungebräuchlich ist strictens M. v. Ebner-Eschenbach ges. schr. 4 (1893) 26, wohl nach strengstens, genauestens gebildet. mundartl. nur bezeugt als stricto bei Kleemann nordthür. id. 22c und als strickde in Elberf. ma. 158a. für das ndl. schon im 15. jh. literarisch nachweisbar, s. Verwijs-Verdam 7, 2325; lex.: strickt Kilian (1605) 537b; strikt Kramer hoch-nd. (1719) 1, 377c. auf hd. sprachgebiet lexikalisch zufrühest in fremdwörterbüchern: Wächtler manual (1703) 300; Campe wb. d. fremden ausdrücke (1801) 2, 624a.
frühestes hd. lit. zeugnis in der 1. hälfte des 17. jhs.: alss sie widerumb inss landt kommen, hat der fürst Racoczi stricte begeret G. Kraus siebenbürg. chron. 1, 341. doch erst im 18. jh. stärker belegt, so im preusz. exerzier-reglement von 1714 und auch sonst in der heeressprache des 18. jhs., s. F. Stuhlmann spr. d. heeres (1939) 54.
1) von der ausführung eines befehls; adverbiell 'der vorschrift genau entsprechend, streng anweisungsgemäsz': die ihnen vorgelesenen bullen stricte zu observiren H. Süde d. gelehrte criticus (1704) 2, 195; welcher auch seiner generalsordre in allem stricte nachlebte Rost d. liebe ohne bestand (1724) 115; dem befehlen und ordren seines obristen ... musz er stricte nachgehen Fleming d. vollk. soldat (1726) 154a; befehle, liebe frau, dringende, strictens zu befolgende befehle M. v. Ebner-Eschenbach ges. schr. 4 (1893) 26; je strikter sie selbst imstande wären, unerwarteten, ja überraschenden befehlen zu folgen, desto strikter würde einmal ihre gefolgschaft die eigenen befehle befolgen A. Seghers d. toten bleiben jung (1950) 452. attributiv, von der unbedingtheit des gehorsams, 'streng, vorbehaltlos, bedingungslos': unter der strikten obedienz der Jesuiten blieb diese erdkugel unversehrt Nicolai reise d. Deutschl. u. d. Schweiz (1783) 144; er (Unrat) wollte sie stark: eine einfluszreiche kirche, einen handfesten säbel, strikten gehorsam und starre sitten H. Mann professor Unrat in: ausgew. w. 1 (1951) 438; die esoterische schule religiöser lebenserneuerung, des schweigenden gehorsams und der strikten unterwerfung Th. Mann Faustus (1948) 149. vom befehl selbst; 'streng, unbedingt zu befolgen': der generalmajor ... replicirte, dasz er stricte ordre vom könige hätte, die cavallerie abmarchiren zu laszen (1716) Berliner geschr. zeitungen 505 Friedländer; wir haben strikten enthaltungsbefehl M. v. Ebner-Eschenbach ges. schr. 3 (1893) 383; das strikte verbot, sich der menge vor der grotte beizugesellen Werfel Bernadette (1948) 187. entsprechend adv. bei zeitwörtern des befehlens (s. oben G. Kraus siebenbürg. chron. 1, 341): da sie mir denn ... stricte die zucht ankündigten, nemlich dasz ich mich der brüderlichen verbindungsstunden enthalten solle Thierbach diarium Herrnhuth. (1748) 1, 367.
2) in allgemeiner verwendung. attributiv; 'absolut, rein, streng, unbedingt', von der vollkommenheit eines ideals oder eines idealen strebens: die stricte wahrheit, so wie sie von dem höchsten wesen erkant wird, liegt wie in einer atmosphäre für uns Lichtenberg br. (1901) 1, 285; ohne diesen echten, stricten und heiligen naturalismus ist das wort religion, menschenreligion ein luftgewebe Herder 20, 160 S.; er (Paul Heyse) steckt ... ganz in strikter Goethetuerei, ohne das, was seither geschah in der welt, bemerken zu wollen (1854) G. Keller br. u. tageb. 2, 349 Ermat. bei ausdrücken für logische

[Bd. 19, Sp. 1616]


beziehungen und begriffe; 'streng, genau; schlüssig (vom beweis)': die romane des einen (Wieland) sind immer voll striktem zusammenhange, voll psychologischer deduction, die des anderen (Jean Paul) ... mehr kühne skizzen Gervinus gesch. d. dt. dichtung (1853) 5, 203; er ist nach und nach dahin gelangt, in allem und jedem das strickte gegentheil dessen, was die mutter denkt und thut, für das richtige zu halten (1888) v. Normann bei G. Freytag br. an s. gattin (1912) 177; ich will ihnen noch einen strikteren und kürzeren beweis erbringen Lassalle reden u. schr. 1, 445; es müssten strikte, unwiderlegbare beweise einer strafbaren handlung vorliegen Feuchtwanger d. falsche Nero (1947) 80. so auch adverbiell: freilich hält Hume daran fest, dass alle causalen verhältnisse niemals stricte bewiesen werden können Windelband gesch. d. neueren philos. (1899) 1, 341. von der strenge der einhaltung einer norm, satzung: da wir ... erwägen, wie das naturrecht strikter observanz von dem natürlichen rechte ... unterschieden sei Hippel über d. ehe (1792) 96; in der deutschen rhythmik eine strictere observanz einführen Göthe I 33, 267 W. vgl. auch den begriff strikte observanz in der freimaurerei, d. gr. Brockhaus 18 (1934) 266. adverbiell: doch soll er hierbei nicht immer strikte nach dem gesetze verfahren sein (1840) A. v. Droste-Hülshoff br. 1, 420 Schulte-K.; man kennt seine (Leverkühns) art, ein fugenthema schon bei erster beantwortung rhythmisch so zu modifizieren, dasz es trotz strikt bewahrter thematik als wiederholung nicht mehr erkennbar ist Th. Mann Faustus (1948) 599; ein preuszischer general hält sich strikt in seinen grenzen A. Zweig eins. e. königs (1950) 157. 'genau, ausschlieszlich, gerade(zu)': ich ... habe dazu ein stückgen arbeit angefangen, stricte für sie (1773) Göthe IV 2, 128 W.; dasz ich nicht so strict aufs 12te jahrhundert aus bin, werden sie schon merken (1831) Lachmann in: briefw. 2, 563 Leitzm. vom wortsinn 'eigentlich, genau genommen': entgegensetzen ist strikte — vereinigen, indem beides durch ein drittes sich entgegengesetzt, aber dadurch in einem bewusstsein vereinigt wird Novalis schr. 3, 132 Minor.vereinzelt im bereich des konkreten: er legte seine hand leicht auf Wenzlows hand, dessen finger strikt nebeneinander lagen A. Seghers d. toten bleiben jung (1950) 84. — dazu striktheit, f., Kramer hoch-nd. (1719) 1, 377c: (der holzaufkäufer) lobte die strictheit des bürgerlichen gesetzbuches Rosegger schr. (1895) II 11, 79.
 
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strimpen, vb., 'heulen, wehklagen': eiulare strimpen (idem plorare) (md., 15. jh.) Diefenbach gl. 197b.
 
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strimpfel, m., 'stumpf; etwas verstümmeltes, abgehauenes'; nur bei Lohenstein bezeugt; entrundete form des mit l-suffix von strumpf A 'truncus, stumpf, rumpf' (teil 10, 4, sp. 112) abgeleiteten strümpfel, s. strümpflein 1, ebda, sp. 125 und stümpfel, stümpflein 1, ebda, sp. 462 (vgl. auch Lexer 2, 1254): an den strimpfeln der bäume (auf dem schlachtfeld) sahe man unzählich viel hirnschädel stecken Lohenstein Arminius (1689) 2, 1057a. vom (verstümmelten) menschlichen körper, vom rumpf; vgl. DWB strumpf A und A 1 a, teil 10, 4, sp. 112:

denn, da die asche nicht soll neuer saame seyn,
auch nicht mehr drachen-köpf auss ihren (der aufwiegler) strimpfeln blühen,
musz's messer, welches kerbt, von pein und rache glüen
Lohenstein türk. trauersp. 206 lit. ver.