Wörterbuchnetz
Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
spülgelte bis spülichthafen (Bd. 17, Sp. 226 bis 228)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) spülgelte, f. gelte zum spülen: spülgelt, situla elutoria, vas elutorium, vas lotorium, aquarium. Maaler 382d; spül- oder aufwaschgelte, pollubrum, trua. Stieler 742; waschzuber, trua, alias spülgelte. 2637; spühlgelte Frisch 2, 311c; eine stinkende spielgelte. mägdelob 70;

ein spulgelt zimpt auch wol fur war (in die küchengeräte). fastn. sp. 1216.


 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
spulgen, verb. gewohnheit haben, pflegen; ein im späteren ahd. und im mhd. sehr häufig gebrauchtes wort, das nur dem oberdeutschen angehört und erkennbare etymologische bezüge nicht hat (die in Pauls grundrisz 12, s. 390 vorgetragene vermutung, dasz spulgan aus uspulgjan hervorgegangen sei und zu german. plegan gehöre, entbehrt allzu sehr der sicherheit). im 15. jahrh. wird es seltener, im 16. verschwindet es aus der schriftsprache. solere spulgen Dief. 540c; mit dem gen.: des sie spulgent, daʒ begagenet in. menniscen îlent sie triegen, betrogen werdent sie. Notker ps. 72, 18; der dises lûtirtranches spulgit, der wirt vil gesunt. Pfeiffer arzneib. 1, 26;

so darf ein man wol guotes
der edelen herzen muotes
wil pflegen unde spulgen. Engelhard 277;

solhs ruomes spulgent si hie.
Lamprecht v. Regensburg Franz. 453;

mit folgendem infinitiv:

nehein frum man spulget den anderen hônen. genesis in den fundgr. 2, 29, 18;

gewöhnlich durch zu vermittelt: man spulget grôssen herren brôt ze bachenn in zwîvaltigem fiure. Wackernagel pred. 44, 114; donoch fr er gen Spire in die stat, do vor alter die romeschen kunege spulgetent ire begrebde zu habende. d. städtechron. 8, 56, 6; als nu ein iglich persone in der stadt Mencze gesessen, und die dar in kommen und ziehen werden und die nicht sin von den alten, eins iglichen jars auch zu gewonlichen schaczungen spulgen zu geben von iglichem hundert einen gulden an golde. 17, 86, 16; daselbs sollent liegen balken und holzer, da man off spulget zu sitzen. weisth. 2, 175 (Hundsrück, von 1442); das osterlamp, daʒ dye juden spulckten zu essen an dem 14. tage desz ersten monets. spiegel menschl. behaltnusse (1492) 87a; in der form spolgen: solich some (summe) spolgen die rechmeister in ir inname zu schriben. d. städtechron. 17, 301, 10; umgelautet als spülgen: als ein jude sich spülget zu bewaren gen dem andern. Frankfurter quelle von 1402 bei Dief.-Wülcker 861; als man spülget ze thuon. Keisersberg irr. schaf G 5a; deszhalb, so spülget man die seel z teilen in das ober teil das auch genant würt dʒ gemüt oder der geist, und das under teil dʒ genannt würt die sinnlicheit. D 4b; als auch dieselben mönschen nit spülgend z verwilligen, sunder miszfalt inen. B 2a.
auch in den oberdeutschen mundarten ist das wort vergessen (Kehrein 386. Schöpf 695); nur im hennebergschen hat es sich mit bedeutungswandel erhalten: sich spulgen, sich pflegen, gütlich thun. Schm. 22, 667.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
spülgieszer, m. leichtes schöpfgefäsz mit stiel, um eine schiffswand nach der reinigung mit ausgeschöpftem wasser abzuspülen.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
spülgosse, f. gosse in der küche, über welcher man etwas abspült. Campe.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
spulgung, f. gewohnheit: der nüw gebruch, soll ich [sagen] spulgung. Geszler formulare und tütsch rethorica (1511) 1a.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
spulhaus, n. haus über einer spule des hallischen salzwerks (vgl. DWB spule 10, sp. 221): wie ... das wasser in vier dazu gemachten

[Bd. 17, Sp. 227]


spulhäusern, aus den deutschen, gutjährischen und meteritzschen, auch hackenbornischen spulen mit haspelen und eimern gewunden, in die über die spulen gemachten tröge oder kähne gegossen, daraus in rennen gezapffet und vermittelst derselben, durch die stadtmauer, in den Saalstrom geflösset wird. Hondorff beschreibung des saltzwercks zu Halle in Sachsen, vermehret durch Dreyhaupt (1749) s. 38.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
spülhonig, m. melicratum, honig welcher beim ausbrechen (favorum exemtio) vorfällt. Nemnich 3, 533.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
spülicht, n. was durch spülen entfernt wird, abwasser von gespültem küchengerät; collectivbildung zum verbum spülen, wie fegicht zu fegen, kehricht zu kehren, ein ahd. *spuolahi voraussetzend, das sich als vielgebrauchtes wort der häuslichen sprache mhd. in verschiedene formen gespalten hat, spuolach, spüelach, spüelecht, spüelet: nidor spulet, spulach Dief. 380b; popisma spulech 447b, spueleich nov. gloss. 298a;

si sluogen im ze spîse dar
daʒ spüelech in der swîne kar. Alexius s. 81, 226 Maszmann;

und gâben im danne dar
schüʒʒelspüelet ûʒme kar. s. 132, 1074;

und in solchen sich bis ins nhd. fortsetzt: spülich et gespülich, colluvies, eluvies, estque omne liquamen, et sorbitio, quibus pecora saginantur et opimantur. Stieler 2108, vgl. auch gespülich oben theil 4, 1, sp. 4171; spülwasser, spülicht, gespülicht spoelwater, spoelsel. Kramer hoch-niederteutsches wörterb. 201c; das spühlig, das spühlwasser, aqua impura ex lavatis vasis. Frisch 2, 311c; das spülig, oder spülicht. Adelung; spüligt, vgl. nachher. neben dem gewöhnlichen neutralen geschlecht begegnet das feminine: mit wüster spület Keisersberg, s. die stelle unten; trag auch eyer usz in der spület, wann dir der pfaff zu nahe daruff sicht. de fide concub. 97, 26 Zarncke; vgl. eluvies, auszspületen, unflat. Dasypodius; häufiger das masculine: der et das spülich proluvies. Steinbach 2, 649;

durch hundert kleine wassertruhen,
die wie verkühlter spüligt stehn,
zu stelzen mit den gummischuhen,
bei gott, heiszt das spazieren gehn?
A. v. Droste-Hülshoff ged. (1873) 153;

und ich, dem selbst der quell der musen jetzt,
der himmelstrank, wie schaler spülicht mundet.
P. Heyse ged. (1889) 1, 97.

ein plural begegnet in der alten sprache, fehlt in der neuern:

daʒ hûsgesind tet im vil schand
von maniger hand, daʒ si ûf in guʒʒen
diu spüelach, diu dâ ûf in fluʒʒen. Alexius s. 143, 215 Maszmann.

bedeutung: spüligt, spieligt, dieses ist zweyerley, das küchenspüligt und branntweinspüligt. das erste ist das unreine wasser von dem abgespülten geschirre, das andere aber besteht in dem, was in der branntweinsblase, nachdem der branntwein völlig herübergelaufen, übrig geblieben, und aus selbiger heraus in das branntweinspüligtfasz geschöpfet wird. Jacobsson 4, 240; nur als fortzuwerfendes spülwasser: item auszen vor der gepretterten kuchen liesz ich eine grosze gruben graben, darein das spülach ausz der küchen lieff und versanck; die grub was mit swarten verdeckt. sust wer das spülach von der kuchen den perck herab kumen und het ein groszen unlust gemacht. Tucher baumeisterb. 303, 9; eine (schwester) sagt, wie sie spület uff sy geschüt hette; die andere sprach, wie sie offt und dick ir halszstreich z gefügt. Keisersberg bilg. 88d; do giengent sie, und schutten in mit wüster spület. 76a; die dorffrauen ... lieszen sich hernach nicht hindern, das gebrauchte geschirr zu reinigen und in der küche alles an seinen ort zu stellen. dann gossen sie das spülicht weg. Keller 8, 295; zubereitet, gekocht oder gewärmt als nahrung besonders für schweine: also begert das pferd gras und futer, das schwein kleigen, spülach und mist. Keisersberg pred. 117a; das spühligt musz denen schweinen etwas warm, doch nicht zu heisz, gegeben werden. öcon. lex. 2339;

es (das schwein) ist leicht zu unterhalten.alles friszt es, früchte, kraut,
eicheln, büchen, spülicht, bohnen, wurzeln, treber, ja was man
in der wirtschaft von dem abfall sonst fast gar nicht brauchen kann.
Brockes 9, 266;

wie auf einem feuerherd
ein topf voll spülig kocht und gährt.
Thümmel 5, 95;

auch für hunde:

die hauskost wurde schmal und schlecht;
bald wars ein abgeschälter knochen,
bald spülicht oder hartes brod.
Pfeffel im musenalm, von 1798 s. 152;

[Bd. 17, Sp. 228]


verächtlich für schlechte suppe oder andere ähnliche flüssigkeit: fort mit spühlig, bring fasanen, forellen! Arnim 2, 322; es ist, als ob man wein, bier, wasser, milch, branntwein, essig, dinte und spülicht zusammengösse, und es eine nationalsuppe nennte, die köche aber essen nicht mit. Cl. Brentano ges. schr. 4, 454; glaubt ihr, es wird uns verdrieszen, wenn sich der gast in den schenken plötzlich in den wirth verwandelt und uns zum dank neuen nectar reicht? ... nur spülicht musz es nicht sein, was ihr uns bietet. Hebbel 9, 234;

schaudernd
trank er diesen trank hinabwärts,
denn er schmeckt ihm stets wie spülicht.
Immermann 12, 61;

in bildern: alle die stücke, die seitdem wie ein nie versiegender spülicht zwischen den coulissen hervorgebrodelt sind. Münchh. 1, 29; ein grimmiger verdrusz ... über den plumpen spasz des daseins, welcher oft spülicht und die blume des weins zusammenmischt. 4, 37; besonders die larmoyante faselhanselei, lauwarmes spülicht der sentimentalität, wird sich bei dieser gelegenheit geltend machen. H. Heine 10, 65.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
spülichtfasz, n. fasz worein spülicht geschüttet wird: (aufwaschwasser) welches man in das in der küche stehende spühligt-fasz oder spühligt-gelte, welche letzte mit zweyen henckeln oder handhaben versehen, zusammen zu gieszen pflegt. öcon. lex. 2338.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
spülichtgelte, f. gelte zur aufnahme des spülichts: spühligtgelte öcon. lex. 2338, s. die stelle unter dem vorigen; das scheurfasz oder die spülichtgelte. Amos Comenius janua 1644 s. 128.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
spülichthafen, m. hafen, topf zur aufnahme des spülichts: wo er etwan z einer elenden herberg kumpt, do man im ettwen ein ermliche suppen darsetzt, die nach dem spülethaffen smackt. Keisersberg bilg. 17d; du sitzest im kor, und hest daʒ oug im bch, und ist daʒ herz dort usz am galgen, und die ander stecket mit den henden im spülethaffen oder in den spenen und ist mit irem hertzen by gott. 188d.

 

Eingabe
Wörterbuchtext:
Stichwort:
 
  

 

Artikel 11 bis 20 von 41 Nächste Treffer Vorherige Treffer
11) rebe
 ... ranken anderer pflanzen: es war ein tann erwachsen hoch, dabei ein körbs sich auch auf
 ... bekleidt also den ganzen baum, das man die tann kundt sehen kaum, mit vielen reben umbefangen,
 
12) riesenheer
 ... im schlaf streckt schwarz und wüst der weite tann, ein riesenheer in zaubermacht für tausend
 
13) rötlich
 ... horch, von den dünen, horch, aus dem tann wogen die kühnen Sachsen heran:
 
14) schlagen
 ... Steinbach 2, 427 ; da eilten in die von Tann .. nach; da slugen sich die unsern mit in.
 
15) schneiten
 ... auch klein hacken oder hauen, graszach oder dächsen schnaiten, tann - oder fichtenäste zur streu klein hacken Schm. 2
 
16) schurke
 ... : schurke, heiszt nach Meiszners zeugnüsz in Silesia loquente, tann - äpfel, tann - zapfen, squamata nucamenta
 ... Meiszners zeugnüsz in Silesia loquente, tann - äpfel, tann - zapfen, squamata nucamenta abietum Frisch
 
17) spulen
 ... von einem gleichmäszigen schnurrenden tone der vögel: eine gesellschaft wandernder tann - , kohl - , hauben - und blaumeisen, denen
 ... denen sich ein halbes dutzend goldhähnchen angeschlossen, streicht durch den tann, ... häkelt sich kollernd, spulend, »zit - zit« rufend an
 
18) stöhnen
 ... ; und fuhr im winter der sturm rasend durch den tann und stöhnten unter seinem drucke die föhren, so war es
 
19) strobel
 ... 1014 c ; die zirbelnusz, auch wohl jeder tann - und fichtenzapfen Adelung 4 (1780)
 
20) strolchen
 ... ich ( der weihnachtsmann ) so strolcht' durch den dichten tann, da riefs mich mit heller stimme an
 
Artikel 11 bis 20 von 41 Nächste Treffer Vorherige Treffer