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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
anstraucheln bis anstreichfarbe (Bd. 1, Sp. 490 bis 492)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) anstraucheln, pede offendere, nnl. aanstruikelen.
 
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anstrauszen, aggredi, einen strausz wagen, bestehn:

wie von deiner kühnen faust
mancher feind ward angestrauszt.
Fleming 304.


 
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anstreben, anniti, aufstreben, emporstreben, erstreben, nnl. aanstreven: jede insel, jeder stein ist mit üppig anstrebenden waldbäumen geschmückt. Humboldt ans. der nat. 1, 276.

doch prächtig schwillt der baum des lebens
und strebt den hohen wolken an.
Platen 61;

der höher anstrebende geist, das geschick seinen lehrer an zierlichkeit und zartheit zu übertreffen. Göthe.
 
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anstrebung, f. bestrebung, streben: in dieser galerie verschiedener denkarten, anstrebungen. Herder 16, 174.

[Bd. 1, Sp. 491]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) anstrecken, intendere, moliri: das seil anstrecken, anspannen; alle seine kräfte anstrecken. Lohenst. Arm. 1, 41; mit angestreckter kraft. Haller 190;

die köpfe streckten drauf den gröszten eifer an.
Günther 653;

wie haben nicht beinahe alle abendländische christen ihre tapferkeit und andacht gegen sie angestrecket? Mascou 2, 243; ach wie oft, wenn ich die schönheit dieses orts zu beschreiben, kopf und feder angestreckt. Brockes 7, 7; als wenn wir alle seelenkräfte ihn recht zu ehren und zu lieben uns oft bemühen anzustrecken. 6, 665; die kunst des geistes angestreckt. 8, 354. heute veraltet und man sagt entweder daran strecken oder anspannen, anstrengen.
 
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anstreich, m. linimentum, salbe: ein satz oder anstreich (überschrift), nim guten weinessig etc. knete es wol durch einander und streich solchen dem gaul auf die nieren. Pinter pferdschatz s. 415. s. anstrich.
 
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anstreiche, f. cerussa, fucus. s. DWB anstrich.
 
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anstreicheln, molliter palpare. s. DWB streicheln.
 
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anstreichen , illinere, inungere, attingere, nnl. aanstrijken, früher mit dopp. acc., dann mit dat. der person:
1) flüssigkeiten, salbe, öl, fett, essig, wein, wasser anstreichen, mhd.

dâ hieʒ si si strîchen an,
sô entwiche diu suht dan,
und er wær ze hant genesn. Iw. 3445;

daʒ hieʒ si an in strîchen. 3449.

streich ich euch (acc.) die salben an,
so werd ir ein gesunder man. fastn. sp. 505, 3;

der meister gab ir ein etzwasser, das streich sie an und etzt haut und har hinweg. sch. und ernst cap. 177;

das (bergin schmer) stricht ein gsell dem andern an.
Brant narrensch. 206;

ich kan dir den krysam anstreichen. Fischart Garg. 86b; ohnmächtige wurden mit wasser bestrichen: Philis kommt mit dem wasser und labung, man streicht sie (die ohnmächtige) an. Ayrer 419a;

ein plötzliches geschrei bewegt das ganze haus,
man bricht der frau die daumen aus,
man streicht sie kräftig an, kein balsam will sie stärken.
Gellert 1, 84;

dem knechte ward übel. ich strich ihn an, gosz ihm in der angst selzerwasser und wein in den mund und dachte wirklich er stürbe. vgl. auch Gotter 3, 21.
2) farbe anstreichen: das geländer, die treppe, das haus anstreichen lassen. galt zumal vom anstreichen der schminke an die wangen: der wein streicht ein färblin an (gibt rothe backen). Garg. 97a; wie sich die weiber daselbst durchleuchtig anstreichen. 54a; quecksilber hat man lassen drein gehen (zur schminke), darumb den weibern, so sich anstreichen, gerne die zene ausfallen. Mathesius 106b;

den angestrichnen, kranken huren.
Weckh. 534;

gemeiner schönheit stolz, sprach sie, mag sich anstreichen. 737;

ich weisz, wie zu hof die frawen sich anstreichen. 790;

der zümpferlin, dem mit anstreichen,
mit falschen haaren, kraus und lang
die huren von Rom müssen weichen. 804;

ich biege keine knie und rücke keine kappen
für aufgeputzter ehr und angestrichner gunst.
Logau 1, 5, 3;

falschheit streicht sich zierlich an, ist auf mäntel gar beflissen. 2, zugabe, 122;

wem die natur nicht ein ansehen gibt, der kans mit keiner kunst anstreichen. Lehmann 37; die sonne streicht auch irdischen dingen ein licht an. Lohenst. Arm. 1, 620;

starben, .. wans .. mit zu starken farben
ihr stimlein streichen an.
Spee trutzn. 115;

ihm streicht der eitle ruhm der tugend farben an.
Haller;

die fixe luft des zornes strich jetzt die rosen seiner lippen, wie die chemische die botanischen, blau an. J. Paul Tit. 2, 169; wie lampenfeuer aus brantewein allen umstehenden todtenfarbe anstreicht. Nepom. kirche 141; dies ists eben, was ihr einen solchen schein von gründlichkeit anstreicht. Hesp. 2, 161.
3) notare: gelesene stellen anstreichen; mit dem bleistift anstreichen; einem etwas anstreichen, gedenken; ich will dir das lügen anstreichen.

[Bd. 1, Sp. 492]



4) aptare, laevigare, anschmiegen: die haare glatt anstreichen; handschuhe an den arm streichen. mhd.

zwô scharlaches hosen streich er an
mit grôʒem flîʒe an diu bein. Wigal. 107, 24;

seht wie diu frowe sich strîchet an,
si tuotʒ, ich wæn, ûf fremde man.
Liechtenst. 603, 15;

wofür es Lohengr. 22 heiszt:

zwô scharlaches hosen an sîne bein man schuohte;
und die hosen gestrichen an sein bein,
geleich sam sie gefalten sein. fastn. sp. 786, 14,

d. i. zur strafe nicht glatt, sondern in falten angezogen. figürlich, dasz ich sie der unmenschlichen behandlung eines marktschreiers überliesz, der sich bei mir anzustreichen (anzuschmiegen, einzuschmeicheln oder heraus zu streichen?) gewust hatte. Göthe 11, 54.
5) leviter attingere, anstreifen: Philine hatte beim herausgehen aus dem theater ihn mit dem ellenbogen angestrichen und ihm einige worte zugelispelt. Göthe 19, 225. man sagt auch, die geige (mit dem bogen) anstreichen, leicht berühren. weidmännisch, der hirsch hat angestrichen, auf bethautem grase spur hinterlassen, seine füsze an das gras gestrichen.
 
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anstreicherin, f. die schminkende magd. nach Fischart Garg. 281a darf man annehmen, dasz vornehme frauen eine solche für ihren putz hielten.
 
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anstreichfarbe, f. pigmentum, fucus, mhd. geriben varwe, badstuben varwe:

ohn anstreichfarb, ohn fürwitz und ohn kunst.
Weckherlin 661.