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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
ansteifen bis ansterblich (Bd. 1, Sp. 482 bis 484)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) ansteifen, rigidum reddere, firmare: die gewaschenen halsbinden ansteifen; sich ansteifen, inniti: sich hartnäckig gegen eine sache ansteifen; sich mit den füszen ansteifen, anstemmen.
 
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ansteigen, ascendere: den berg ansteigen; er kommt auf der treppe eben angestiegen; das gebirge steigt sanft an, erhebt sich mälich; der berg, fels steigt hoch an;

schrof ansteigend starren ihm
die felsen, die unwirtlichen entgegen.
Schiller;

der sand steigt merklich an; sein capital ist allmälich angestiegen; zu so einem ansteigenden vermögen gelanget. Leipz. avant. 1, 110.
 
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anstellen, apponere, instituere, nnl. aanstellen, eigentlich anstehen machen, wie stellen stehen machen, und entgegengesetzt dem abstellen. sinnlich aber verwenden wir lieber das einfache wort: den tisch an die wand, den topf an das feuer stellen, als anstellen, doch heiszt es dinte, essig, bier, gebranntes wasser anstellen, wie ansetzen, in ruhe stellen, an die sonne stellen, damit sie gähren. einen diener, beamten, verwalter anstellen, franz. placer, ihm eine stelle, ein amt geben. arbeiter, leute, treiber, gräber, schnitter, drescher anstellen, zur verrichtung bestimmter geschäfte bestellen, instruere und auch subornare: es sind noch drei neue bahnwärter angestellt worden; die rede gieng, dasz er einer damen ein kind angestellt hätte. Zinkgr. 2, 130; sie hat mich angestellt dich also zu betrügen. Gellert 3, 398.
Was bedeutet aber den teufel anstellen bei Fischart? ja in summa gar den teufel angestelt, mit solcher zucht man fasznacht helt. Garg. 51a; die leut machen heut die kleider stäts weiter dann die glider, da billicher wer, die glider weren gröszer dann die kleider, zudem wie sie den teufel heut anstellen. Garg. 120a; auf mein elende seel, ich hab gesehen, das ich den teufel anstelt mit arguieren und disputieren. 154b; aber ich getröst mich meiner creuzstangen, mit deren will ich den teufel anstellen. 251b. offenbar, ein seltsames werk, einen teufelsstreich verrichten, vielleicht mit dem nebengedanken, den teufel als diener, gehülfen zu bestellen? vgl. mhd. wunder stellen (gramm. 4, 603).
Weit häufiger erscheint bei anstellen ein sächlicher acc. im sinne von anstiften, wo die mhd. sprache entweder bloszes stellen oder antragen verwandte. es anstellen, es klug, fein, schlau, listig anstellen, in gutem, zumal aber übeln verstande. die weisthümer gewähren anstellen für die frage stellen, fragen, z. b. zum ersten ist von dem zentgraven angestalt, wie man das gericht hegen soll? 3, 386. ich hab es also fein angestellet. Garg. 136a;

die sach ist itzund angestellt (vorgestellt). fastn. sp. 159, 15;

wer zu ehren was stellt an,
mag ersparen was er kan,
nur dasz er an ehren nicht
etwas spart und abebricht.
Logau 3, 5, 19;

wer lust hat seine sachen so anzustellen, dasz er gerne von der mühseligen welt will. pers. rosenth. 2, 38; wie willst dus

[Bd. 1, Sp. 483]


anstellen? Göthe 11, 14; wenn ich nur was anstellen könnte, was sie recht verdrösse. 11, 96; das war ein angestellter handel; in anordnungen von mancherlei festen: kaum vergieng ein tag, dasz nicht etwas neues und unerwartetes angestellt worden wäre. 17, 330; heut ist eine fahrt nach Ebeleben angestellt. Göthe an fr. von Stein 2, 36. ein fest, einen ball, tanz, eine gesellschaft, versamlung anstellen:

und hab das bei jungen und alten
im besten wöllen nit verhalten,
weil der nasendanz ist angstelt,
ob ewer einer daran wölt,
der mach sich auf bis morgen fru.
H. Sachs 1, 530c,

und hier könnte ein wirkliches anstellen der paare und reihen gemeint sein;

nicht, wann aufs fünfte jahr, das spiel wird angestalt.
Opitz 1, 235;

schauspiel, ball und mummereien
stellt er ihrentwegen an.
Gotter 1, 48;

ein angestellter possen.
Günther 624;

Phyllis, ja in jenen zeiten
wären deinen treflichkeiten
gleichfalls opfer angestellt.
Haged. 3, 79;

gesetzt, es würde eine allgemeine versamlung angestellt. Wieland 1, 150; vernünftige gespräche anstellen; eine reise anstellen. pers. rosenth. 7, 20;

indessen sei bedacht dein reisen anzustellen,
dasz eh man noch den merz in unsern briefen schreibt,
du deine gegenwart mir mögest zugesellen.
Canitz 214;

eine jagd anstellen. Klinger 1, 23; einen spaziergang anstellen. Göthe 25, 102; der sich sehr tapfer hielt und ungern den rückzug anstellte. Tieck 13, 106; die seewinde stellen periodische bewegungen an. Kant 8, 226; freischwebende kugeln stellen eine bewegung um den mittelpunct an. 8, 233. ein heiliges, gott wolgefälliges leben anzustellen (vitam instituere). Simplic. 1, 33; vermittelst (welcher lehren) du dein leben anstellen sollest. 1, 44;

hilf, höchster, dasz doch jedermann
sein leben so anstelle,
dasz er nach seinem tode kann
befreit sein von der hölle. kirchenlied;

dieser suchte sein leben also anzustellen, dasz jedermann darob ein wolgefallen haben könte. pers. baumg. 1, 18; die worte des Sadi sind rathschläge und sprichwörter, und sollen dir zu passe kommen, wann du dein leben darnach anstellest. 2, 21; dasz er mit weisheit begabet gewesen und hat sein leben nicht darnach angestellet. pers. rosenth. 8, 152; wann er also sein leben anstellte und führte. Zinkgr. 4, 20;

stellt da sein leben an,
da seiner unschuld selbst der himmel zeugen kan.
Opitz 1, 158;

wer solches wird gelehret,
der spiegelt sich an dem. was jene zeit gethan,
und stellet so hernach auch seine besser an. 1, 13;

wenn das bewohnte rund, wenn alle königreiche,
so dieser boden hält, beisammen sein zugleiche,
und einen solchen dienst dir werden stellen an,
der nur das werthe volk, das du liebst, leisten kan.
Fleming 24;

weil es vor rathsam angesehen wurde, dasz das schreiben ihrer majestät in öffentlicher audienz übergeben würde, ist der Michaelis tag dazu angestellet (anberaumt) worden. pers. reiseb. 1, 11; jammer anstellen und wieder jämmerlich leiden. Simpl. 1, 59. mhd. blosz jâmer stellen. troj. kr. 24167. In bösem sinn: du hast was schönes angestellt (angestiftet); ein groszes unglück ist angestellt worden;

und dennoch stelltet ihr, mit allem guten willen
mehr unheil an, als zwanzig Ginesillen.
Wieland 9, 231.

Wie anstehen und anstand nehmen aufenthalt und aufschub ausdrücken können, kommt auch anstellen für differre und procrastinare vor: wie wir e. w. am jüngsten geschrieben, dasz sie sich etlicher articul verglichen, etliche aber angestellt haben. Kress bei Melanchth. 2, 290;

Trajanus da der kaiser frum
von Rom fürt volks ain grosze summ,
des sun ertödt mit seinem pferd
der witwe sun, die rechts begert.
drüm solcher zug ward angestellt,
bisz das der kaiser urtail felt.
Schwarzenberg 117, 2;

[Bd. 1, Sp. 484]


das bleibt noch angestellt, ausgestellt, eingestellt, dahin gestellt, ausgesetzt.
Sich anstellen heiszt eigentlich sich benehmen, se gerere, geht aber leicht über in sich verstellen, simulare: du stellst dich gut an zu dem geschäft; er stellt sich linkisch dabei an; der weidmann stellt sich auf ein wildbret an, lauert darauf; nach disem fürbild solt ihr euch weislich wissen anzustellen. Garg. 22a;

wer bei hofe dienen wil, wil daselbst genad erringen,
wie musz der sich stellen an, recht zu rathen seinen dingen?
Logau 2, 5, 33;

stellet sich an, als wenn er krank wäre. Lokman 6;

die damen stellten sich an, als wäre des fremden gesicht
das neueste was sie sähen.
Wieland 5, 8;

dann ists einerlei wie der freiersmann sich angestellt hat. Göthe 11, 30; wer sich unbequem erweist wird beseitigt, bis er begreift wie man sich anstellt um geduldet zu werden. 23, 151; von Herdern konnte man niemals eine billigung erwarten, man mochte sich anstellen wie man wollte. 25, 305; meine liebe mutter war kränker, so leidlich sie auch sich gegen mich anstellte. J. Paul Tit. 2, 56; mag er sich vornehm angestellt und zurückgezogen haben, so viel er will. Tieck ges. nov. 1, 79. in den meisten fällen kann auch gesagt werden sich stellen.
 
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anstellen, n. appositio, institutio, simulatio: es bewegte solch kläglich anstellen die räuber nicht. pers. rosenth. 2, 15.
 
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ansteller, m. instructor: der ansteller eines balls. auch in übler meinung, der anstifter.
 
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anstellig, habilis, idoneus: ein anstelliger mensch, der sich leicht in alles schickt; ein unanstelliges mädchen, das sich zu nichts schicken will; er ist recht anstellig und behende. Tieck nov. kr. 4, 161; der frau feinere, zärtere, anstelligere hand. J. Paul 37, 20; da fand mein schwager, dasz ich sehr anstellig war und lobte mich. Bettine briefe 1, 6.
 
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anstellung, f. institutio, einrichtung, verrichtung, anstiftung, anstalt: nahmen solche anstellung von mir auch zu sondern gnaden an. Schweinichen 3, 133; wenn ich dann nicht wuste, wo doch solcher groll auf mich herkommen möchte, habe ich auf allen seiten anstellung gethan, wie ich solches erfahren könnte. 3, 162; man sagt, es sei alles nur die anstellung eines bösen geistes. Tieck 10, 8; die vernunft hat den verstand und dessen zweckmäszige anstellung zum gegenstand. Kant 11, 491. häufig für anstellung zum amt, emplacement: zahlreiche anstellungen und beförderungen fanden statt. auch die stelle selbst.
 
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anstemmen, applicare pedes, anniti: er stemmte sich heftig an die wand, an den boden an; er stemmt an gegen alle laster;

anstemmen sich in zuckungen und krämpfen.
Rückert 167.


 
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anstengeln, ad palum alligare: bohnen, erbsen sind angestengelt; die an szepter und thron angestängelten hofleute. J. Paul komet 2, xxxvii.
 
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ansterben, morte, hereditate contingere, nnl. aansterven: das gut stirbt mir an, ist mir angestorben, früher besser mich: erbe, das in (eum) anestirbet. weisth. 1, 749; darum lesen wir, das die könige und herrn viel weiber gehabt haben, das mehrer theil daher, das sie inen angestorben sind. Luther 4, 200a;

werd auch auf seinem grund erworbn
und sei ihm gleich halb angestorbn.
Ringwald laut. warh. 330;

hier ist mein eigner grund, der mir selbst angestorben.
Canitz 118;

o selig, wer wie ihr mit selbstgezognen stieren
den angestorbnen grund von eignen äckern pflügt!
Haller alpen 45;

der tummelplatz des seligen Ziegra musz ihm nicht vergebens nun ganz angestorben sein. Lessing 10, 131. s. anerben, anersterben.
 
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ansterblich, morte obtingens: die wal und ansterblich erb gab disen sibenzehenden keiser Marcum Antonium zgenampt Verum. Frank chron. 138b.