Wörterbuchnetz
Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
anstecken bis anstemmen (Bd. 1, Sp. 478 bis 484)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) anstecken , unterscheidet sich der form nach von anstechen, wie das starke stechen stach, ahd. stëchan stah, mhd. stëchen stach vom schwachen stecken steckte, ahd. stecchan

[Bd. 1, Sp. 479]


stahta, mhd. stecken stacte, vergleichbar dem rëchen rah und recken racte. da aber schon stechen stach transitive bedeutung haben kann, in stecken steckte diese transition erhöht wird, von stechen pungere stecken figere nur in bestimmten anwendungen abweicht, so müssen auch anstechen und anstecken verwandten, oft überschwankenden sinn gewähren, nicht anders als abstechen und abstecken.
1) anstecken, affigere: eine blume, einen strausz anstecken, vorstecken; den ring an (den finger) stecken; ein band an (den arm) stecken, mit nadeln anheften; das rad an (die achse) stecken; den degen an (die seite) stecken; den braten an (den spiesz) stecken: wie man die ferklin ansteckt. Garg. 205b; nur ein haufen paternoster angesteckt. 246a. Göthe sagt auch den wein, das fasz anstecken, wofür wir vorhin anstechen gebraucht sahen: wir sendeten unsere leeren gefäsze zu dem schenken, der uns ersuchen liesz geduld zu haben, bis die vierte ohm angesteckt sei. 43, 269.
2) anstecken, accendere, wofür mhd. wiederum anstëchen:

als man daʒ vûr darane stach (: geschach).
Herbort 15812,

und noch heute mancher orten: das feuer anstechen, es ist schon angestochen. doch auch myst. 148, 7: unde lieʒ Rôme an vier enden anstecken zu burnende, in einem nicht rein mhd. denkmal, die stelle lehrt zugleich, dasz anstecken eigentlich nicht das unmittelbare anzünden, anbrennen des feuers, sondern das anlegen, anschüren, stochern des holzes bezeichnet, allmälich aber drückt es geradezu das zünden und entbrennen aus. nnl. unterscheidet sich aansteken und ontsteken fast wie bei uns anzünden und entzünden, doch ist auch aanstoken zu erwägen. ein guter funke von gott angesteckt. Luther 3, 10 und br. 3, 71; wenn ir die stad eingenomen habt, so steckt sie an mit fewr. Jos. 8, 8; und eileten und steckten sie mit fewr an. 8, 19; da steckten die knechte Absalom das stück mit fewr an. 2 Sam. 14, 30; so wil ich ein fewer unter iren thoren anstecken. Jer. 17, 27; ich wil die hewser der götter mit fewr anstecken. 43, 12; und ich wil die mauren zu Damasco mit fewr anstecken, das es die palast Benhadad verzeren sol. 49, 27; wie jener toringisch jungherr die scheur von wegen der groszen meus ansteckt. Fischart Garg. 185a; den meidlin die agen schütteln, die rocken anstecken. 226b; wa ichs nicht ansteckte und verbrennte. 236a; wer der heren von Elben welde anstigket. weisth. 3, 321;

wird nun ein grüner wald hier oben angesteckt.
Opitz 1, 42;

komt baut mir tempel auf, steckt saftgen weirauch an.
Lohenst. Cleop. 31, 1062;

mit einem kleinen fünklein kan man ein groszes feuer anstecken. pers. baumg. 1, 6;

wann zeitlich auch die rosenstund
den tag uns an kombt stecken.
Spee;

ein reich von soldaten wollt er gründen,
die welt anstecken und entzünden.
Schiller;

der donner hat uns sehr erschreckt,
der blitz die scheunen angesteckt.

ein licht, die pfeife anstecken; einem das haus überm kopf anstecken; das haus anstecken, unter dem volk, sein wasser wider ein haus abschlagen.
3) anstecken, inficere, wahrscheinlich übertragung des vorigen, da das contagium die entzündung verbreitet: mit einem heilsamen gift angesteckt und entzündet. Opitz 1, 7a;

die faule luft heckt pestilenzen
und steckt die länder an.
Gryphius 1, 18;

ein wallendes, ein angestecktes blut.
Hagedorn 2, 106;

dem jüngling aber, welcher frühe
durchs beispiel angesteckt den rechten pfad verlor.
Gotter 1, 380;

der enthusiasmus, womit einer den andern ansteckte. Wieland 2, 96; diese art von leuten war so geschäftig, dasz es ihnen gelang den gröszten theil des volks mit ihrer thorheit anzustecken. 2, 101; ihre einbildungskraft ist angesteckt, ihre stille bescheidenheit athmet eine liebevolle begierde (Ophelia). Göthe 19, 78; ich steckte mit dieser liebhaberei die übrigen besten gefährten an. 20, 212; wenn ich mich durch seinen schmerz anstecken lasse. Kant 5, 295; die schädlichen wirkungen der angesteckten luft. 8, 328. man unterscheidet zwischen ansteckenden und nicht ansteckenden krankheiten, streitet, ob die cholera anstecke oder nicht; ein räudiges schaf

[Bd. 1, Sp. 480]


steckt die ganze herde an; ein aberglaube hat oft ganze länder angesteckt; gähnen steckt an.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
ansteckung, f. contagium: wen die ansteckung der welt ergrif. Gotter 3, 70; ein untrügliches mittel wider selbstbetrug und ansteckung mit fremder thorheit. Wieland 6, xvii.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
anstehen , nnl. aanstaan, in verschiednen bedeutungen, die alle sich auf ein nahes stehen oder liegen zurückleiten.
1) adstare, prope stare: rücke den tisch, dasz er anstehe; der stul steht nicht recht an; das bette steht an (der wand); der schrank steht an, stöszt an die mauer.
2) assistere: antreten, sich anstellen: er steht schon an (zum tanz); ich stehe mit an (der reihe); du wolltest nicht mit anstehen; er empfieng (reichliche gabe) nicht nur von uns gerührten fremden, sondern auch von den anstehenden sonst pfennigkargen Römern. Göthe 29, 307. man könnte auch sagen: der jäger steht an (auf das wild, zum schusz), doch heiszt es: ist auf anstand. ins reich, amt anstehen, es antreten: da Daniel das gesicht sahe und Darius ins reich, Jhesus ins bischofampt anstnd. Frank chron. 77a; witzbold kinder, die frü anstehen in der witz. Agricola spr. 146a.
3) sistere cursum: der wagen steht an, steht still, fährt nicht weiter; das pferd steht an; die ochsen stehn an (dem berge), ziehen nicht fort. praet. ist oder hat angestanden.
4) bergmännisch, adesse, prostare, vgl. DWB anfliegen, DWB anschieszen: wenn du mich an die stelle bringst, wo er (der stein) ansteht. Göthe 21, 47; ein dichter kalkstein, der in groszen, obgleich unendlich zerklüfteten massen anstand. 27, 23; auch anstehend als gänge fand ich horn- oder feuersteine. 28, 154; wenn granit hier wirklich in seiner urlage anstehend gefunden würde. 44, 57; in einem gewissen granit, der an mehreren orten zwischen dem anderen ansteht. 51, 12; dieses gestein, da wo es von altersher der luft und witterung ausgesetzt, frei ansteht. 51, 17; eine quarzmasse, manchmal trummweise mit anstehenden amethystkrystallen. 51, 25.
5) sedere: das kleid steht mir an, steht passend an dem leibe, liegt, sitzt an, schlieszt, schmiegt sich an: das tuch steht dir gar nicht an; die gelbe farbe hat dir nie angestanden; und werden mir meine kleider scheuszlich anstehen. Hiob 9, 31; was ihm für kleider wol anstehn. Garg. 72b. auch blosz stehen: das kleid steht mir gut, steht mir nicht.
6) aus dieser sinnlichen bedeutung entfaltet sich die weit häufigere decere, convenire: das steht mir an, ziemt mir, schickt sich für mich: es stehet einem narren nicht wol an von hohen dingen reden, viel weniger einem fürsten, das er leugt. spr. Sal. 17, 7; dem narren stehet nicht wol an gute tage haben, viel weniger eim knecht zu herschen uber fürsten. 19, 10; und die (glieder des leibs) die uns übel anstehen, die schmücket man am meisten. 1 Cor. 12, 23; denn die uns wol anstehen, die bedürfens nicht. 12, 24; es stehet den weibern übel an, unter der gemeine reden. 14, 35; ja so stehets gott an zu gedenken. Luther 8, 181b; stücklein, die ihm wol anstunden. Garg. 53a; die schlittenglocken möchten seinem kammelthier wol anstehn. 149b; wie schön ihnen der schwatz anstehet. 191b; ich hab wol bei fünfhundert sehen henken, aber keinen nie, dem es so wol angestanden, und stünd es mir so wol an, ich hieng all mein lebenlang dran. 252b;

der degen stand mir gleich der leichten feder an.
Gryphius 1, 194;

ob Chloris, ob Dian nackt einzuziehen pflegt,
stehts dennoch der nicht an, die nichts als knochen trägt. 2, 288;

scherzen steht der jugend an,
aber nicht dem alten mann. pers. rosenth. 6, 5;

du denkest stets an sie und auf alles was ihr wol oder übel anstehet. pers. baumg. 3, 2; solchem buben, wie du bist, stehet nicht an einem alten mann in die rede zu fallen. Simpl. 1, 30; dann es stehet ihnen oft an, wie dem zaunstecken menschliche kleider. 2, 707; wie schlecht hätte ihm das angestanden; den göttern kaum anstehende und gezimliche noch werthe reden und arten. Weckherl. vorr. zu den weltl. ged.;

parteilichkeit steht göttern übel an.
Wieland 10, 157;

du solltest
mit ihm nicht zürnen, ihn zu leiten stünde
dir besser an.
Göthe 9, 168;

sei kerkermeister, sei der marterknecht,
wie wol, wie eigen steht dir beides an. 9, 239;

anstatt, dasz dem bürger nichts besser ansteht, als das reine stille gefühl der grenzlinie die ihm gezogen ist. 19, 152; und

[Bd. 1, Sp. 481]


das docieren stund ihm gar gravitätisch an. 56, 232; ihnen steht es an, so zart zu denken. Schiller 339;

dann ist es zeit und steht dir fürstlich an,
dich mit der liebe myrten zu bekrönen. 453;

wie schön musz einer so kräftigen gestalt die liebe anstehen? J. Paul Tit. 1, 27; ein reicheres puppenkabinet, als der armut dieses erdgeschosses anzustehen schien. paling. 2, 37.
7) weil was einem ansteht, ihm auch wünschenswerth erscheinen musz, so entspringt die bedeutung von zusagen, annehmlich, begehrenswerth sein, gefallen, franz. convenir: zwei verse haben mir beinahe die seele geraubet, so wol stunden sie mir an. pers. baumg. 9, 7; dem schulmeister stund mein anschlägischer kopf vor allen andern sehr wol an. Felsenb. 2, 321;

wie? hebt der städter an, kannst du auf diesen höhen,
in diesem öden wald dich so zufrieden sehen?
stehn, statt der wildnis, dir nicht städt und menschen an?
Hagedorn 1, 26;

für dich, für dich sind meine töne,
stehn sie dir an, so küsse mich.
Lessing 1, 57;

und sonst hätte ich nichts, was dir anstünde? 1, 150; was steht dir von meinen sachen an? 1, 535; wenn ich ihr anstehe und ich stehe ihr an. 2, 412. verkäufer rufen: steht ihnen nichts an, mein herr? steht ihnen vielleicht noch was an? das hat mir lange schon angestanden. verächtlich, das stände mir an! hier steht mirs nicht an.
8) aus der dritten sinnlichen flieszt die abgezogne bedeutung des zweifelns, wartens und aufhaltens: ich stehe noch an, das steht noch an, musz vorläufig anstehen;

fürst Antonin steht an den schlusz zu unterschreiben.
Gryphius 1, 390;

ei es wird bald friede sein, freue dich du deutscher man,
misvertraun und eigennutz, ein paar wörtlein, stehn nur an.
Logau 1, 8, 59;

wenn die hülf lenger solt anstehen.
Soltau 467;

als ohne welche gewisheit man in vielen orten heftig anstehen, ja gar hocken bleiben (musz). Philand. 1, 597; indessen stand es doch eine geraume zeit an, bis die eifersucht sich sichtbare ausbrüche erlauben durfte. Wieland 2, 99; es wird nicht lange mehr anstehen, so wird eine neue vermeinte Danae sich eben so betrogen finden. 3, 46;

der helden zahl? hier steht er wieder an,
der kühne vorsatz bleibt in neuen zweifeln schweben. 9, 6.

das praet. kann sowol mit haben als sein gebildet werden: ich habe oder bin lange angestanden.
9) zumal gangbar ist etwas anstehen lassen, morari, sein lassen, unterlassen, aufschieben: und werdet meinen bund lassen anstehen. 3 Mos. 26, 15; wer aber leszt anstehen das passah zu halten. 4 Mos. 9, 13; da nu Saul angesagt war, das David entrunnen war, liesz er sein ausziehen anstehen. 1 Sam. 23, 13; sol ich gen Ramoth ziehen zu streiten oder sol ichs lassen anstehen? 1 kön. 22, 6; gefelt dirs aber nicht mit mir gen Babel zu ziehen, so lasz anstehen. Jer. 40, 4; ob er von namen oder schein etwas lerete und den grund im herzen und die that der warheit liesze anstehen. Luther 3, 53; o wer dem menschen raten künde, das er beide predigen und schreiben liesze anstehen. 3, 53; wolan, so lasz man das schwert anstehen und seien freie brüder. 3, 149; was er (sabbath) aber bedeutet, wil ich lassen anstehen. 4, 15b; aber gleichwol wil ich darumb michs nicht lassen uberwinden, noch die liebe anstehen lassen, obs wol wehe thut und verdrieszlich ist. 6, 52a; und sollen die hohen unverstendlichen gedanken anstehen lassen. 6, 77a; aber ein christ leszt solchs alles anstehen. 6, 233b; denn wo kein ander leben sein solt, was wolt jemand predigen oder zur predigt gehen? eben so mehr liesz er gottes wort gar anstehen. 6, 245a; diser stett und land von wegen das si nit z dem heiligen land gehören umb weiter beschreibung lasz ich ansteen. Frank weltb. 169a;

gerechtigkeit hat es lassen anstan. fastn. sp. 524, 3;

ich aber sage, wers auch wol kan, solls lassen anstahn. Garg. 209a; im anfange liesz mein vater die sache noch so anstehen. Göthe 24, 240; und dahin sie am ersten denken sollten, das haben sie anstehen lassen bis auf das letzte. Tieck 15, 307.
10) aus der ersten sinnlichen bedeutung ergibt sich die den beiden vorigen fast entgegengesetzte des antretens und beginnens, dann auch des eintretens und bevorstehens: in derselben zit seidt (sagte) man, es wurde ein schulmeister von Einsidlen kummen, da macht ich mir ein sitz in eim winkel nit

[Bd. 1, Sp. 482]


wit von des schulmeister stul und gedacht, in dem winkel wilt studieren oder sterben, als der nun kam und anstund (sein amt antrat), sprach er, das ist ein hüpsche schul, aber mich bedunkt, es sigind ungeschickte knaben. Th. Plater s. 35. 36; das kam mir bei dem patre Myconio wol, der als er anstund, las er uns den Terentium. ebendaselbst.

in drang die anstehende not (nec. instans),
wolt er des hungers sich erwehren.
B. Waldis Esop 1, 57;

magstu diese anstehende (nächste) woch. Spee g. tugendb. 1 und oft. schon ahd. anastantan insistere. Graff 6, 599. vgl. DWB abstehen, abtreten.
11) aus der fünften sinnlichen auch die des anliegens, am herzen liegens: er schree mit heller stimm im tempel, wenn ihm stnd hart an das heil der menschen. Keisersb. post. 2, 84. so sagen wir, es steht mir nicht an, ist mir nicht gelegen, was sich dem begrif des ziemens nähert.
12) endlich zustehn und zu stehn kommen: ist unser handel nicht, stehet uns auch nicht an, solche zusage zu ändern. Luthers br. 5, 62, d. i. steht uns nicht zu, steht nicht bei uns; die herrliche gelegenheiten, die mir hiebevor zu beförderung meiner wolfart angestanden. Simpl. 1, 374;

kein hasen, rephn vahet man,
es stat ein pfunt den jäger an.
Brant narrensch. 210,

es kommt ihn ein pfund zu stehn. vgl. lat. constare und unser kosten.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
ansteifen, rigidum reddere, firmare: die gewaschenen halsbinden ansteifen; sich ansteifen, inniti: sich hartnäckig gegen eine sache ansteifen; sich mit den füszen ansteifen, anstemmen.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
ansteigen, ascendere: den berg ansteigen; er kommt auf der treppe eben angestiegen; das gebirge steigt sanft an, erhebt sich mälich; der berg, fels steigt hoch an;

schrof ansteigend starren ihm
die felsen, die unwirtlichen entgegen.
Schiller;

der sand steigt merklich an; sein capital ist allmälich angestiegen; zu so einem ansteigenden vermögen gelanget. Leipz. avant. 1, 110.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
anstellen, apponere, instituere, nnl. aanstellen, eigentlich anstehen machen, wie stellen stehen machen, und entgegengesetzt dem abstellen. sinnlich aber verwenden wir lieber das einfache wort: den tisch an die wand, den topf an das feuer stellen, als anstellen, doch heiszt es dinte, essig, bier, gebranntes wasser anstellen, wie ansetzen, in ruhe stellen, an die sonne stellen, damit sie gähren. einen diener, beamten, verwalter anstellen, franz. placer, ihm eine stelle, ein amt geben. arbeiter, leute, treiber, gräber, schnitter, drescher anstellen, zur verrichtung bestimmter geschäfte bestellen, instruere und auch subornare: es sind noch drei neue bahnwärter angestellt worden; die rede gieng, dasz er einer damen ein kind angestellt hätte. Zinkgr. 2, 130; sie hat mich angestellt dich also zu betrügen. Gellert 3, 398.
Was bedeutet aber den teufel anstellen bei Fischart? ja in summa gar den teufel angestelt, mit solcher zucht man fasznacht helt. Garg. 51a; die leut machen heut die kleider stäts weiter dann die glider, da billicher wer, die glider weren gröszer dann die kleider, zudem wie sie den teufel heut anstellen. Garg. 120a; auf mein elende seel, ich hab gesehen, das ich den teufel anstelt mit arguieren und disputieren. 154b; aber ich getröst mich meiner creuzstangen, mit deren will ich den teufel anstellen. 251b. offenbar, ein seltsames werk, einen teufelsstreich verrichten, vielleicht mit dem nebengedanken, den teufel als diener, gehülfen zu bestellen? vgl. mhd. wunder stellen (gramm. 4, 603).
Weit häufiger erscheint bei anstellen ein sächlicher acc. im sinne von anstiften, wo die mhd. sprache entweder bloszes stellen oder antragen verwandte. es anstellen, es klug, fein, schlau, listig anstellen, in gutem, zumal aber übeln verstande. die weisthümer gewähren anstellen für die frage stellen, fragen, z. b. zum ersten ist von dem zentgraven angestalt, wie man das gericht hegen soll? 3, 386. ich hab es also fein angestellet. Garg. 136a;

die sach ist itzund angestellt (vorgestellt). fastn. sp. 159, 15;

wer zu ehren was stellt an,
mag ersparen was er kan,
nur dasz er an ehren nicht
etwas spart und abebricht.
Logau 3, 5, 19;

wer lust hat seine sachen so anzustellen, dasz er gerne von der mühseligen welt will. pers. rosenth. 2, 38; wie willst dus

[Bd. 1, Sp. 483]


anstellen? Göthe 11, 14; wenn ich nur was anstellen könnte, was sie recht verdrösse. 11, 96; das war ein angestellter handel; in anordnungen von mancherlei festen: kaum vergieng ein tag, dasz nicht etwas neues und unerwartetes angestellt worden wäre. 17, 330; heut ist eine fahrt nach Ebeleben angestellt. Göthe an fr. von Stein 2, 36. ein fest, einen ball, tanz, eine gesellschaft, versamlung anstellen:

und hab das bei jungen und alten
im besten wöllen nit verhalten,
weil der nasendanz ist angstelt,
ob ewer einer daran wölt,
der mach sich auf bis morgen fru.
H. Sachs 1, 530c,

und hier könnte ein wirkliches anstellen der paare und reihen gemeint sein;

nicht, wann aufs fünfte jahr, das spiel wird angestalt.
Opitz 1, 235;

schauspiel, ball und mummereien
stellt er ihrentwegen an.
Gotter 1, 48;

ein angestellter possen.
Günther 624;

Phyllis, ja in jenen zeiten
wären deinen treflichkeiten
gleichfalls opfer angestellt.
Haged. 3, 79;

gesetzt, es würde eine allgemeine versamlung angestellt. Wieland 1, 150; vernünftige gespräche anstellen; eine reise anstellen. pers. rosenth. 7, 20;

indessen sei bedacht dein reisen anzustellen,
dasz eh man noch den merz in unsern briefen schreibt,
du deine gegenwart mir mögest zugesellen.
Canitz 214;

eine jagd anstellen. Klinger 1, 23; einen spaziergang anstellen. Göthe 25, 102; der sich sehr tapfer hielt und ungern den rückzug anstellte. Tieck 13, 106; die seewinde stellen periodische bewegungen an. Kant 8, 226; freischwebende kugeln stellen eine bewegung um den mittelpunct an. 8, 233. ein heiliges, gott wolgefälliges leben anzustellen (vitam instituere). Simplic. 1, 33; vermittelst (welcher lehren) du dein leben anstellen sollest. 1, 44;

hilf, höchster, dasz doch jedermann
sein leben so anstelle,
dasz er nach seinem tode kann
befreit sein von der hölle. kirchenlied;

dieser suchte sein leben also anzustellen, dasz jedermann darob ein wolgefallen haben könte. pers. baumg. 1, 18; die worte des Sadi sind rathschläge und sprichwörter, und sollen dir zu passe kommen, wann du dein leben darnach anstellest. 2, 21; dasz er mit weisheit begabet gewesen und hat sein leben nicht darnach angestellet. pers. rosenth. 8, 152; wann er also sein leben anstellte und führte. Zinkgr. 4, 20;

stellt da sein leben an,
da seiner unschuld selbst der himmel zeugen kan.
Opitz 1, 158;

wer solches wird gelehret,
der spiegelt sich an dem. was jene zeit gethan,
und stellet so hernach auch seine besser an. 1, 13;

wenn das bewohnte rund, wenn alle königreiche,
so dieser boden hält, beisammen sein zugleiche,
und einen solchen dienst dir werden stellen an,
der nur das werthe volk, das du liebst, leisten kan.
Fleming 24;

weil es vor rathsam angesehen wurde, dasz das schreiben ihrer majestät in öffentlicher audienz übergeben würde, ist der Michaelis tag dazu angestellet (anberaumt) worden. pers. reiseb. 1, 11; jammer anstellen und wieder jämmerlich leiden. Simpl. 1, 59. mhd. blosz jâmer stellen. troj. kr. 24167. In bösem sinn: du hast was schönes angestellt (angestiftet); ein groszes unglück ist angestellt worden;

und dennoch stelltet ihr, mit allem guten willen
mehr unheil an, als zwanzig Ginesillen.
Wieland 9, 231.

Wie anstehen und anstand nehmen aufenthalt und aufschub ausdrücken können, kommt auch anstellen für differre und procrastinare vor: wie wir e. w. am jüngsten geschrieben, dasz sie sich etlicher articul verglichen, etliche aber angestellt haben. Kress bei Melanchth. 2, 290;

Trajanus da der kaiser frum
von Rom fürt volks ain grosze summ,
des sun ertödt mit seinem pferd
der witwe sun, die rechts begert.
drüm solcher zug ward angestellt,
bisz das der kaiser urtail felt.
Schwarzenberg 117, 2;

[Bd. 1, Sp. 484]


das bleibt noch angestellt, ausgestellt, eingestellt, dahin gestellt, ausgesetzt.
Sich anstellen heiszt eigentlich sich benehmen, se gerere, geht aber leicht über in sich verstellen, simulare: du stellst dich gut an zu dem geschäft; er stellt sich linkisch dabei an; der weidmann stellt sich auf ein wildbret an, lauert darauf; nach disem fürbild solt ihr euch weislich wissen anzustellen. Garg. 22a;

wer bei hofe dienen wil, wil daselbst genad erringen,
wie musz der sich stellen an, recht zu rathen seinen dingen?
Logau 2, 5, 33;

stellet sich an, als wenn er krank wäre. Lokman 6;

die damen stellten sich an, als wäre des fremden gesicht
das neueste was sie sähen.
Wieland 5, 8;

dann ists einerlei wie der freiersmann sich angestellt hat. Göthe 11, 30; wer sich unbequem erweist wird beseitigt, bis er begreift wie man sich anstellt um geduldet zu werden. 23, 151; von Herdern konnte man niemals eine billigung erwarten, man mochte sich anstellen wie man wollte. 25, 305; meine liebe mutter war kränker, so leidlich sie auch sich gegen mich anstellte. J. Paul Tit. 2, 56; mag er sich vornehm angestellt und zurückgezogen haben, so viel er will. Tieck ges. nov. 1, 79. in den meisten fällen kann auch gesagt werden sich stellen.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
anstellen, n. appositio, institutio, simulatio: es bewegte solch kläglich anstellen die räuber nicht. pers. rosenth. 2, 15.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
ansteller, m. instructor: der ansteller eines balls. auch in übler meinung, der anstifter.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
anstellig, habilis, idoneus: ein anstelliger mensch, der sich leicht in alles schickt; ein unanstelliges mädchen, das sich zu nichts schicken will; er ist recht anstellig und behende. Tieck nov. kr. 4, 161; der frau feinere, zärtere, anstelligere hand. J. Paul 37, 20; da fand mein schwager, dasz ich sehr anstellig war und lobte mich. Bettine briefe 1, 6.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
anstellung, f. institutio, einrichtung, verrichtung, anstiftung, anstalt: nahmen solche anstellung von mir auch zu sondern gnaden an. Schweinichen 3, 133; wenn ich dann nicht wuste, wo doch solcher groll auf mich herkommen möchte, habe ich auf allen seiten anstellung gethan, wie ich solches erfahren könnte. 3, 162; man sagt, es sei alles nur die anstellung eines bösen geistes. Tieck 10, 8; die vernunft hat den verstand und dessen zweckmäszige anstellung zum gegenstand. Kant 11, 491. häufig für anstellung zum amt, emplacement: zahlreiche anstellungen und beförderungen fanden statt. auch die stelle selbst.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
anstemmen, applicare pedes, anniti: er stemmte sich heftig an die wand, an den boden an; er stemmt an gegen alle laster;

anstemmen sich in zuckungen und krämpfen.
Rückert 167.