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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
anstapfen bis anstechen (Bd. 1, Sp. 476 bis 477)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) anstapfen, ingredi, anschreiten. s. DWB stapfen. nnl. aanstappen.
 
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anstärken, amylo paulisper firmare: die wäsche nur anstärken.
 
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anstarren, rigentibus oculis intueri, ahd. anastarên, mhd. anestaren. Alex. 361, nnl. aanstaren:

ich starrte jedes ding als fremde wunder an.
Haller;

und starret sie aus groszen augen an.
Wieland;

also starrt ihn das wartende volk an.
Klopst. Mess. 6, 426;

er starrt den leichnam an.
Gotter 2, 10;

bewegungslos starr ich das wunder an.
Schiller.

s. anstieren, ansturen.
 
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anstatt, praep. und conj. pro, loco, eigentlich in loco, in locum, franz. au lieu, engl. instead.
1) umschreibung der praeposition, mit dem von statt abhängenden genitiv. bei Luther erscheinen an und statt gewöhnlich durch diesen gen. von einander getrennt: nam den wider und opfert in zum brandopfer an seines sons stat. 1 Mos. 22, 13; darumb lasz deinen knecht hie bleiben an des sons stat. 44, 33; und woneten an ir stat. 5 Mos. 2, 12. doch treten sie auch zusammen und der gen. folgt nach: so sol deine sele an stat seiner sele sein. 1 kön. 20, 39; an stat deiner veter wirst du kinder kriegen. ps. 45, 17; hat dich zum priester gesetzt an stat des priesters Jehojada. Jer. 29, 26; der so an stat des leien stehet. 1 Cor. 14, 16. als Salomonius ihm an statt der ganzen römischen bürgerschaft die füsz küssete. Zinkgr. apophth. 1, 14; an statt des aufgeputzten elephanten. Rabener 5, 73; an stat der handreichung und rettung. Garg. 252a; aber die klöster braucht man an statt der bei den heiden geheiligten felsen, darüber sich die leut aus verzweifelung stürzen möchten. 273a; zieht frisch hembder an, das ist an statt vil badens. 287a;

anstatt der jugend milch ein lebhaft männlich braun.
Hagedorn 2, 82;

sauget meine milch anstatt der galle. Schiller; wo man die übersetzung dem original identisch machen möchte, so dasz eins nicht anstatt des andern, sondern an der stelle des andern gelten solle. Göthe 6, 239. die letzte, nicht eben glücklich gewählte phrase will ausdrücken, dasz die übersetzung keinen vollen ersatz, nur annäherung gewähre, nicht gleich dem original, pour l'original, sondern au lieu de l'original sei. anstatt ist uns etwas abstracter als an der stelle, ursprünglich aber dasselbe. Den gen. kann übrigens auch ein possessivum vertreten: welcher an seine statt priester wird. 2 Mos. 29, 30; ward könig an seine stat. 1 Mos. 36, 22; an seine stat. 2 chron. 1, 8; zu einem mönch an mein statt machen. Fischart Garg. 251b; in den übrigen provinzen regierten herzoge an seine statt. Hahn 1, 72; mhd.

sante, als si in bat
sîn selbes tohter an ir stat. Iw. 5776;

der sante mich her an ir stat. 6047;

gebietet ir an mîne stat. MS. 1, 69a.

wir unterscheiden heute den acc. vom dat. und sagen: er trat an seine statt, an des vaters statt, aber er herschte an seiner statt, du fühlst dich glücklich an meiner statt. an dessen statt oder an seine statt, ejus loco, au lieu de cela, de lui.
2) in conjunctioneller verbindung mit da, dasz oder folgendem infinitiv, franz. au lieu que, au lieu de, lat. tantum abest ut.

anstat, dasz wir sie itzund könten küssen,
so sehn wir hier mit seufzenden verlangen.
Fleming 102 (1685, 105);

die bürger freuen sich anstat da andre trauren,
dasz sie ein solcher prinz in sein gebiete bracht.

anstatt dessen (dasz) nun Hunnus mit ihr mitleiden haben sollte, rief er. Lohenst. Arm. 1, 152; er darf überall vorwärts dringen, anstatt dasz dem bürger nichts besser ansteht, als das reine stille gefühl der grenzlinie, die ihm gezogen ist. Göthe 19, 152; deswegen wir auch heute an dem heitersten tage das meer dunkelblau fanden, anstatt dasz es bei Neapel immer heiterer glänzt. 28, 91. sie freuen sich, anstatt zu trauern; sie schweigen, anstatt sich zu beklagen; gemählde, wie sie Homer selbst würde ausgeführt haben, wenn er anstatt

[Bd. 1, Sp. 477]


mit worten (zu mahlen) mit dem pinsel gemahlt hätte. Lessing 8, 5;

scheint stolz auf seine schmach, anstatt beschämt zu zein.
Wieland;


Wie die neuere sprache manchen andern partikeln ein an vorschiebt oder abnimmt (anher her, anwo wo, ansonst sonst); hat sie gemeint der bei anstatt wesentlichen praep. entrathen zu können und ein bloszes statt eingeführt, das, weil es keinen dat. an sich selbst deutlich verkündet, dem lat. loco nicht verglichen werden kann. s. DWB statt.
 
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anstäuben, leviter pulvere aspergere, leicht bestäuben: die flügel des schmetterlings sind unten mit gold angestäubt; man thut nur einige schritte, so sind die schuhe schon angestäubt. s. anstieben.
 
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anstauchen, leviter obstruere, inhibere: ein wasser durch rasen und schlamm anstauchen; der flusz wird durch diesen engpasz angestaucht und gehemmt. Schubert reise ins morgenl. 1, 90; den arm leicht anstauchen, luxare. s. das folgende.
 
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anstauen, in gleichem sinn, wie man stauen für stauchen sagt. nnl. aber ist aanstouwen antreiben.
 
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anstaunen, cum stupore, cum admiratione intueri:

dasz ringsher die völker den kommenden all anstaunten.
Voss Od. 2, 13;

was augen hat, läuft scharenweis herbei,
den prächtgen kirchgang anzustaunen.
Wieland;

sprich, was staunst du lächelnd an?
Gotter 3, 471;

oft noch steh ich an des Ätna rande,
staune seine wolkenseulen an.
Seume (1835) s. 624;

misfiel es nun dem jungen autor keineswegs, als ein literarisches meteor angestaunt zu werden. Göthe 26, 236. vgl. franz. étonner für estonner.
 
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anstaunenswürdig, admirabilis:

anstaunenswürdig mitten im tempelhain
stand der ambrosische lebensweinbaum.
Voss.


 
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anstaunung, f. stupor: anstaunung, maulaufsperre, fröhnung und räucherei. Klopst. 12, 85.
 
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anstechen , incitare, stimulare, infigere, carpere, nnl. aansteken, s. das einfache stechen figere, pungere.
1) das pferd mit dem sporn, den ochsen mit dem stachel anstechen, antreiben: da sasz er auf ein ungesattelts, ein gesattelts, mit sporen, ohn sporen, auf ein licht ros, ein harttraber, ein hochheber, ein hochstampfer, ein sanftzeltner, ein jungfrawdiener, ein rennros, da stach ers an, da must es traben. Garg. 176a; stach damit sein pferd an, wischt hinüber, wie ein tartarpferd übers mr. 233b; stach er das pferd noch an. 251b;

wie wann im wettelaufen
sich einer ganz bemüht vor dem gemeinen haufen
zu treffen auf den zweck, sticht seinen klepper an,
der siegeshofnung voll.
Opitz 3, 194;

er säumte nicht, den rappen anzustechen, und zack zack! war er zum thor hinaus. Musaeus. bei dem häufigen gebrauch dieses worts heiszt nun aber angestochen kommen so viel als angeritten kommen und überhaupt in verächtlichem sinn herankommen, sich nähern, mit etwas auftreten, beispiele schon oben unter angestochen, hier noch andere: wann eines von uns angestochen käme und sagte, ich bin der geiz. Simpl. 1, 565; du bettelhund, wer warest du, als du in deinem lausichten mäntelchen angestochen kamest? Weise erzn. 11; kommt einer mit etwas angestochen, als etwa vom wetter ... so ward ihm schlechtweg widersprochen. Wieland 21, 12; verzeihen sie, dasz ich schon wieder mit einem wisch angestochen komme. Wieland bei Merck 2, 86; das blättchen schosz mir gleich, da sie angestochen kam. C. F. Weisze; damit darfst du mir nicht angestochen kommen; da kommen schon wieder ein paar angestochen. Fr. Müller 3, 244.
2) das fasz, den wein anstechen, dolium aperire:

so wil ich in den keller gan
und anstechen den besten wein,
darbei da wöll wir frölich sein.
H. Sachs II. 4, 1a;

schmeckt dir der wein nicht, so stich ein ander fasz an. Wickram rollw. 55b; und stachen das best vasz weins an, aszen und trunken mit einander. sch. und ernst cap. 153;

[Bd. 1, Sp. 478]


wirt hast nit ein volles vasz?
dasselb anstechen lasz,
wir wollen zechen bei der glut,
darzu sind kitten und kästen gut. Garg. 97a.

Vielleicht ist hiernach auch ein abstractes anstechen auszulegen, das milder scheint, als das hernachfolgende anstechen: ich wils nur itzt kürzlich anstechen (attingere) und zeigen, was von der ganzen Heinzen schrift in den andern sacramenten zu halten sei. Luther 2, 159b; ich wil dismal dise sachen allein angestochen und entworfen haben, damit ichs nicht vergesse. 6, 544b; meinen gnädigen herrn dorft ich nicht anstechen. Luthers br. 4, 523.
3) anstechen, reizen, pungere, lacessere, in verschiednem sinn, meist ungünstig und feindlich: das hat David wol verstanden und alhie der eins angestochen. Luther 1, 473a; nach dem der jude, so mich bewegt hat, nehest mal von den jüden zu schreiben, auch dis stück anstach (urgierte), es konte nicht beweiset werden. 8, 119b; es sind auch wol etliche, die da meinen, das es wider die Phariseer von Christo ironice oder spöttisch geredt sei, das also Christus etwas herbe und hönisch ansteche ire phariseische heuchelei. J. Jonas bei Luther 6, 408b; er hat uns durch seine stichlichte rede angestochen. Witzenb. 3, 202;

Lindus ward in einem glach oft mit worten angestochen,
gleichwol aber hat er sich noch mit wort noch that gerochen.
Logau 1, 10, 9;

ei ich wils ihm ein noch reiben, dieses ding musz sein gerochen!
einer hat mich, spricht Peninna, spöttisch unlängst angestochen. 2, 1, 41;

Quadruncus sticht gemein gelehrte männer an,
aus diesem hör ich wol, dasz er gewis nichts kan. 2, 5, 1;

den kein wehklagen,
kein schel gesicht
noch neid ansticht.
Gryphius 2, 152;

wenn uns der strom der angst bis in den abgrund reiszet,
wenn uns der feind ansticht. 2, 157;

dasz auch die alten heiden (womit er den geschichtschreiber Strabo höflich ansticht) sogar davon gefabulieret. Simplic. 1, 10; als mich aber auch diejenigen, die sich um das frauenzimmer umthun konten, meiner holzböckischen art und ungeschicklichkeit halber anstachen. 1, 292; die schädlichkeit des weiblichen geschlechts anstechen. Lohenst. Arm. 2, 735; dasz der komödienschreiber Phrynichus ihn in einem seiner stücke angestochen (auf ihn gestichelt) habe. Lessing 6, 303; Aristophanes hat mit dieser komischen benennung die flötenspieler anstechen wollen. 8, 72;

geschwind, herr pfarrer, dann!
sticht sie das mädchen an?
Göthe 13, 15,

sticht es ihnen in die augen?; ich bemerkte, dasz sie mit weniger offenheit als sonst, mit einiger verlegenheit mit mir redete. das fiel mir auf. ist sie auch wie alle das volk? dachte ich, und war angestochen (piquiert) und wollte gehen. 16, 104; dieses war eine von den übeln eigenheiten des so treflich begabten mannes (Basedows), dasz er gern zu necken und die unbefangensten tückisch anzustechen beliebte. 26, 278; ich kann seine blicke, seine augen nicht vergessen! es hat dich angestochen, mich auch. Klingers th. 3, 164; angestochen sein, einen leichten rausch haben; schon oft hat mich herr Gawein angestochen. Tieck 5, 587; ich wäre gar toll geworden und stäche boshaft das widernatürliche verhältnis ihres amtmanns und seines actuarius an. J. Paul teufelsp. 1, 137.
4) noch anderes sinnliches anstechen: einen bissen, das fleisch an die gabel anstechen; die butter, eine tonne butter (wie vorhin das weinfasz) anstechen; eine tonne heringe, einen haufen heu anstechen; ein halstuch anstechen, bestechen, säumen; der apfel ist vom wurm angestochen; die rose welkt, sie ist angestochen. mhd. sagte man auch den ring, daʒ vingerlîn an stëchen, statt des heutigen stecken:

ein vingerlîn kleine
mit einem guoten steine
zôchs ab der hant, daʒʒ nieman sach,
hern Mauritien sie eʒ stach
an sîner vinger einen. Maur. 605.