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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
anspruch bis ansprung (Bd. 1, Sp. 471 bis 472)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) anspruch, m. nach einzelnen bedeutungen des ansprechens. am seltensten für anrede, allocutio, was ansprache heiszt, doch braucht es Gryphius im sinne von zuspruch:

des priesters segen und anspruch. 167;

kein trost mochte mich erquicken,
aller anspruch ward zur pein. 2, 130.

auch weidmännisch ist anspruch, nicht ansprache, vom ansprechen der thiere üblich. Gewöhnlich aber bedeutet es die mit oder ohne grund erhobene behauptung, prétention, eines rechts oder vorzugs, lat. vindiciae:

also Ruggiero auch hoch auf von zorne fährt,
als er das erste wort von diesem anspruch hört.
Werders Ariost 25, 131;

ihr gebt euch für des czaren Iwans sohn.
nicht wahrlich euer anstand widerspricht
... diesem stolzen anspruch.
Schiller 662;

regiert in frieden,
jedwedem anspruch auf dies reich entsag ich;

nichts leidet weniger übertreibung und lauten anspruch, als die tugend. Klinger 5, 228; allen anspruch auf erfindung hatte er aufgegeben und hielt sich an seine umrisse. Göthe 17, 216; unsere ansprüche sind erloschen. Gotter 3, 69; das schlechthin gute enthält nicht blosz anspruch, sondern auch gebot des beifalls für jedermann in sich. Kant 7, 179. Man sagt nun: anspruch haben auf, an, früher zu etwas; anspruch erheben an oder auf etwas; anspruch machen an etwas; etwas in anspruch nehmen, es vindicieren, fordern. einen in anspruch nehmen um oder wegen etwas, ihn belangen, zur rede stellen. hat aber Demetrius, und die mit im sind vom handwerk, zu jemand einen anspruch. apost. gesch. 19, 38;

mein ihr verpflichtet leben
hat nichts, zu dem sie nicht schon anspruch haben kann.
Gryphius 2, 387;

der dazu den gröszten anspruch hat.
Lichtwer fab. 2, 24;

hat seine schwester nicht gleiche ansprüche? Gotter 3, 7. wie kann man einen anspruch an schönheit machen, ohne einen feinen fusz zu haben? Wieland 1, 99; unter allen diesen schäferinnen hatte keine mehr anspruch an den preis der schönheit zu machen als Fyllis. 10, 62; nun denke dir einen bürger, der an jene vorzüge nur einigen anspruch zu machen gedächte? Göthe 19, 152; sobald der mensch an manigfaltige thätigkeit oder manigfaltigen genusz anspruch macht. 20, 249; dasz der, welcher an das einträgliche schafneramt anspruch machen wollte, ein handwerk ausüben muste. 21, 21. dieses stück ist ohne zweifel das beste was Regnard gemacht hat, aber Riviere du Freny, der bald darauf gleichfalls einen spieler auf die bühne brachte, nahm ihn wegen der erfindung in anspruch. Lessing 7, 64; einige kunstrichter, die mehr den buchstaben als den geist anzufechten verstehen, hatten diesen ausdruck in anspruch genommen. Bürger 133b;

als die leute von dem gotteshaus
Einsiedeln uns die alp in anspruch nehmen.
Schiller 529;

als bei so mancherlei baulichkeiten der zimmermann oft von uns in anspruch genommen ward. Göthe 21, 22; Fichte hatte über gott und göttliche dinge auf eine weise sich zu äuszern gewagt, welche den hergebrachten ausdrücken über solche geheimnisse zu widersprechen schien, er ward in anspruch genommen, seine vertheidigung besserte die sache nicht. 31, 151; die philosophische facultät kann alle lehren in anspruch nehmen, um ihre wahrheit der prüfung zu unterwerfen. Kant

[Bd. 1, Sp. 472]


1, 224. zahlt der schuldner nicht, so nimmt der gläubiger den bürgen in anspruch; wird einem eine sache entfremdet, so nimmt er sie als sein eigenthum in anspruch; einen viel in anspruch nehmen, durch besuche und bitten belästigen. ansprüche machen, von sich eingenommen, eingebildet (prétentieux) sein.
 
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anspruchbrief, m. liebellus. vocab. inc. teut.
 
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anspruchfrei, ab actione tutus.
 
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ansprüchig, litigiosus, gerichtlich angesprochen: so das verkauft gut ansprüchig würde gemacht. Frankf. ref. 2, 10, 3.
 
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anspruchlos, modestus, ohne pretentionen: so anspruchlos als schön. Göthe 13, 231. Gotter 1, 254 schreibt anspruchslos.
 
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anspruchlosigkeit, f. modestia, simplicitas morum.
 
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anspruchsreich, ansprüche zu machen befähigt: vor vielen die älter, gebildeter, glänzender und anspruchsreicher waren als sie. Göthe 17, 325. gebildet wie mhd. muotes rîche.
 
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anspruchvoll, arrogans: wir wiesen den anspruchvollen mann zuletzt ganz ab.
 
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ansprudeln, ebullire versus aliquem: ein rauschendes bächlein sprudelte uns an.
 
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ansprühen, emicare, gleichsam admicare: das feuer, die kohle sprüht an. Göthe setzt es transitiv für anfachen:

auf dem und jenem kopfe glüht
ein flämmchen das ich angesprüht. 41, 47.


 
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ansprung, m. assultus: mit des rehes ansprung. Klopst. 2, 33; weidmännisch, des jägers ansprung auf den balzenden auerhahn; dem ansprung (fiero assalto) des unseligen bösen glücks widerstehn. Bocc. 197.

als er hierauf
schier wie ein gott den vierten ansprung that.
Bürger.

dann, wie anspring, mentagra, crusta lactea, ein ausschlag der säuglinge, der an den ohren beginnend oft den ganzen leib überzieht. der ansprung, der erste sprung und beginn: die tugend leidet keinen grenzstein und das ziel der vorwelt soll sein der ansprung der nachkommen. Lohenst. Arm. 1, 375; weil nun der erste ansprung entweder der irrweg oder die rechte bahn des ganzen lebens ist. 1, 1261; der fall des Servilius an der feindlichen grenze und am ansprunge des krie ges. 2, 377.