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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
ansprecherei bis anspruchfrei (Bd. 1, Sp. 470 bis 472)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) ansprecherei, f., besprechung, segen: keine segen- und ansprecherei soll eine christliche hausmutter weder an menschen noch viehe gedulden. Hohberg 1, 187b.
 
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ansprechung, f. affabilitas: freuntlichkeit in ansprechung jederman. Frank weltb. 104a, noch mit dem acc. des verbums.
 
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anspreizen, anniti, fulcire, anstemmen: sich mit den füszen an die wand anspreizen; die äste anspreizen, an die wand festigen.
 
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ansprengen , aspergere, concitato equo aggredi.
1) wasser ansprengen; das tuch ansprengen, befeuchten; mit weihwasser ansprengen, besprengen; nur einen tropfen ansprengen; siebenmal mit öl und mit blute ansprengen. Lohenst. Arm. 2, 203.
2) das pulver hat die mauer schon angesprengt, ein stück davon gerissen.
3) die rosse ansprengen, wider einen springen machen: da springen die Portugaleser ie z nacht aus auf das land, ansprengen etlich dörfer und fischer daselbs, füren hinweg. Frank weltb. 213a; häufig im buch von Aimon: lasset uns sie ansprengen; unterwies sie, wie sie ire feind ansprengen sölten; wir verziehen zu lang Rulanden anzusprengen; er wirt euch on alle forcht ansprengen; ich will, sprach er, understen, den keiser in seinem gezelt anzusprengen; die herren gewunnen all ire schwerter und sprengten die keiserischen an; es seind ihren zehenmal mehr als wir, wollen wir sie ansprengen? Garg. 254a; hält (zu pferde) in einem hölzlin, da der jude durchziehen musz und sprengt den juden an. Schweinichen 1, 270; bis ich auf dem Wassigin in dem Holderloch von einer partei angesprenget (ward). Philand. 2, 930;

dasz, wenn er angesprengt je werden solt des orts,
dasz er erwehren sich dann könte solches mords.
Werders Ariost 5, 44;

darumb zu wissen, was es sei,
sprengt er stracks an sein pferd. 11, 78;

die liebe hat mich ehe bemeistert, als angesprengt, welcher man nicht wie der schleichenden widerstehen kann. Lohenst. Arm. 2, 145;

da sprengt aus dem wald ein unwillkommner dritter
mit rennenden zügeln ihn an.
Wieland 4, 88;

sprengt endlich selbst den prinzen an. 18, 252;

sie sprengten ihn mit ihren speeren an. 18, 285;

sah ritter und vasallen ansprengen durch das korn.

kam angesprengt, ansprengend.
4) im 16. 17 jh. oft abstract für aggredi, compellere: sonderlich ist Augspurg allein angesprengt worden vor den andern antwort zu geben, weil sie doch hie wären. Melanchth. 2, 407; und sprenget den mit worten an. H. Sachs; do ward er (Papirius) einsmals von seiner mter angesprengt, was heimlichs in dem rath wer gehandelt worden. Frank chron. 70b; wenn ich dann oft angesprenget war, wer ich wäre? gab ich bescheid. Schweinichen 1, 264; umb bezahlung angesprengt. Frankf. ref. 2, 35, 11; mich sprengen freche zungen an. Opitz ps. 35;

eisen schützet zwar den mann,
wann gewalt ihn sprenget an.
Logau 3, 8, 90;

ich werd gar sehr verfolget und bedrenget,
an meinem ansehn, ampt und ehr
gewaltig angesprenget.
Ringwald 102b;

frefle zeugen sprengten mich an, mich unbewust zeiend. Meliss. ps. O 5b; dieser gute herr ward von einer unbescheidenen frawen oft angesprengt. Zinkgr. 2, 60. heute hört diese anwendung auf, so vortheilhaft sie ein stärkeres ansprengen von dem gelinderen angehen unterscheiden läszt.
 
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ansprengung, f. aggressio, assultus: die ansprengung des unglücks. Opitz Arg. 2, 218.
 
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anspring, m. crusta lactea, milchschorf, eine kinderkrankheit. Agricola spr. nc 593. sonst auch ansprung.
 
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anspringen, assilire, ahd. ana springan, an einen, an etwas springen: ein wolf, ein hund sprang an; das hündlein springt wedelnd an meine beine an; das pferd kommt angesprungen; die kinder kamen alle angesprungen. der geworfne stein sprang ans fenster an. wer springt an? wer thut den ersten sprung? auf der reitbahn, anspringen, schnellauf anheben; anspringen lassen, das pferd in schnellauf setzen. milchschorf ist angesprungen, springt die haut an. das glas ist angesprungen, hat einen sprung, risz. ungewöhnlicher:

[Bd. 1, Sp. 471]


ich sprang hügel, auen, felsen an. Fr. Müller 1, 18; sei ein umgekehrter fuchs, der saure trauben, blosz weil er sie nicht mehr anspringen kann, für süsz ausgibt. J. Paul Hesp. 3, 125.
 
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anspritzen, aspergere, man schreibt auch DWB ansprützen:

ein köstlich wein,
damit solt ihr ochsen und trachen
anspritzen.
Ayrer 245a;

welchen jetzt von der hufe gestampf anspritzten die tropfen.
Voss;

ein brennendes haus mit wasser anspritzen; die wunde anspritzen; der wagen spritzt die kleider an; der koth spritzt den wagen an; plagen sprützen uns, wie spaszhaft gehende wasserkünste an, und feuchten uns ein. J. Paul uns. loge 3, 135; hierauf versetzte er mit einigem vom wein ansprützen vergröszerten feuer. komet 3, 12; wer ihn von den irrthümern seiner jugend reuig erzählen hörte, überredete sich gern, diesem manne gehörten blosz seine tugenden, seine laster wären ihm äuszerlich angesprützt. Dahlm. franz. rev. 187.
 
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anspruch, m. nach einzelnen bedeutungen des ansprechens. am seltensten für anrede, allocutio, was ansprache heiszt, doch braucht es Gryphius im sinne von zuspruch:

des priesters segen und anspruch. 167;

kein trost mochte mich erquicken,
aller anspruch ward zur pein. 2, 130.

auch weidmännisch ist anspruch, nicht ansprache, vom ansprechen der thiere üblich. Gewöhnlich aber bedeutet es die mit oder ohne grund erhobene behauptung, prétention, eines rechts oder vorzugs, lat. vindiciae:

also Ruggiero auch hoch auf von zorne fährt,
als er das erste wort von diesem anspruch hört.
Werders Ariost 25, 131;

ihr gebt euch für des czaren Iwans sohn.
nicht wahrlich euer anstand widerspricht
... diesem stolzen anspruch.
Schiller 662;

regiert in frieden,
jedwedem anspruch auf dies reich entsag ich;

nichts leidet weniger übertreibung und lauten anspruch, als die tugend. Klinger 5, 228; allen anspruch auf erfindung hatte er aufgegeben und hielt sich an seine umrisse. Göthe 17, 216; unsere ansprüche sind erloschen. Gotter 3, 69; das schlechthin gute enthält nicht blosz anspruch, sondern auch gebot des beifalls für jedermann in sich. Kant 7, 179. Man sagt nun: anspruch haben auf, an, früher zu etwas; anspruch erheben an oder auf etwas; anspruch machen an etwas; etwas in anspruch nehmen, es vindicieren, fordern. einen in anspruch nehmen um oder wegen etwas, ihn belangen, zur rede stellen. hat aber Demetrius, und die mit im sind vom handwerk, zu jemand einen anspruch. apost. gesch. 19, 38;

mein ihr verpflichtet leben
hat nichts, zu dem sie nicht schon anspruch haben kann.
Gryphius 2, 387;

der dazu den gröszten anspruch hat.
Lichtwer fab. 2, 24;

hat seine schwester nicht gleiche ansprüche? Gotter 3, 7. wie kann man einen anspruch an schönheit machen, ohne einen feinen fusz zu haben? Wieland 1, 99; unter allen diesen schäferinnen hatte keine mehr anspruch an den preis der schönheit zu machen als Fyllis. 10, 62; nun denke dir einen bürger, der an jene vorzüge nur einigen anspruch zu machen gedächte? Göthe 19, 152; sobald der mensch an manigfaltige thätigkeit oder manigfaltigen genusz anspruch macht. 20, 249; dasz der, welcher an das einträgliche schafneramt anspruch machen wollte, ein handwerk ausüben muste. 21, 21. dieses stück ist ohne zweifel das beste was Regnard gemacht hat, aber Riviere du Freny, der bald darauf gleichfalls einen spieler auf die bühne brachte, nahm ihn wegen der erfindung in anspruch. Lessing 7, 64; einige kunstrichter, die mehr den buchstaben als den geist anzufechten verstehen, hatten diesen ausdruck in anspruch genommen. Bürger 133b;

als die leute von dem gotteshaus
Einsiedeln uns die alp in anspruch nehmen.
Schiller 529;

als bei so mancherlei baulichkeiten der zimmermann oft von uns in anspruch genommen ward. Göthe 21, 22; Fichte hatte über gott und göttliche dinge auf eine weise sich zu äuszern gewagt, welche den hergebrachten ausdrücken über solche geheimnisse zu widersprechen schien, er ward in anspruch genommen, seine vertheidigung besserte die sache nicht. 31, 151; die philosophische facultät kann alle lehren in anspruch nehmen, um ihre wahrheit der prüfung zu unterwerfen. Kant

[Bd. 1, Sp. 472]


1, 224. zahlt der schuldner nicht, so nimmt der gläubiger den bürgen in anspruch; wird einem eine sache entfremdet, so nimmt er sie als sein eigenthum in anspruch; einen viel in anspruch nehmen, durch besuche und bitten belästigen. ansprüche machen, von sich eingenommen, eingebildet (prétentieux) sein.
 
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anspruchbrief, m. liebellus. vocab. inc. teut.
 
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anspruchfrei, ab actione tutus.