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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
anspieszen bis ansprache (Bd. 1, Sp. 465 bis 467)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) anspieszen, infigere hastam, nnl. aanspeten: einen hasen anspieszen, zum braten; käfer anspieszen, mit der nadel feststecken; das fleisch mit der gabel anspieszen. Leibgeber hebt eine tischrede an: unter allen herren Christen und namen, die hier sitzen und anspieszen, wurde wol keiner mit solcher mühe dazu gemacht als ich selber. J. Paul Siebenk. 3, 112.
 
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anspinn, m. verticillus, instrumentum, quod fuso adhibetur ut facilius vertatur, στρόφιγξ, also zum leichten anspinnen, ahd. anaspin, wofür aber die glossen anspin geben (Graff 1, 392. 6, 346), ohne dasz ein gen. anaspinnes erschiene, der alle bedenken lösen würde. Frisch 2, 302b nennt es einen unten an die spindel gesteckten ring, Henisch 27, 59 die kugel, durch welche sich die spindel leichter umdrehen läszt, σφόνδυλος. Comenii orbis picti pars prima cap. 58 hat: spindel, woran der einspann oder wirte umdrehet, fusum in quo verticillus versat. Fischart nennt, wo er von seltsamem backwerk handelt, geröst anspin und würten. Garg. 197b; den anspin und würten treiben. 226b; H. Sachs dagegen bei aufzählung des hausrats I, 440d rocken, spindel und ehnspa, was sich dem verderbten einspann des orbis pictus nähert. auch andere stellen bieten die umlautende form:

[Bd. 1, Sp. 466]


der schönst falk lidrein
ein taub und ein enspin. wachtelmaere 185;

der enspin wedewtet (bedeutet) uns die fron (frauen). Diut. 3, 409;

und welcher dan ein enspen erwiseht,
do dann sein spindel in hat raum. fastn. sp 386, 34;

spindel und enspin (: gewin). 576, 17;

belangt sie zu spinnen an einer stangen,
da zwen enspen an hangen. 749, 17;

darnach hat er weder mlter noch den trok,
enspin, spindel; wa ist noch der garnrok?
Uhland 718;

so sind lüt, die beswern ein brot, und stechen darein driü messer in driü crütz, und ein spindel und einen enspin. Hartliebs buch aller verboten kunst (a. 1455) cap. 50 (anhang zur mythol. s. lx); er solt heimziehen und der wollen, enspin und spindel warten. Frank chron. 160a. Henisch 27, 59. 897, 11 schreibt änspin, enspin, äspin, sic dictum quasi ein spinn, wie vocab. 1618 wirklich ainspe, ainspin setzt. bair. anspe, aspe, espe bei Schmeller 3, 570, der das wort für unklar, vielleicht undeutsch hält und ans it. aspo und häspe erinnert. doch ist der bezug auf spinnen schon nach dem folgenden verbum und dem reim auf -in nicht zu verkennen, enspin bildet keine oblique form, ein nom. espe, aspe war die jüngste, leicht zu erklärende verderbnis. das masc. wird überall festgehalten, eine sphondylische kugelgestalt scheint auch nach den gemachten anspielungen unzweifelhaft. östr. asperl. Höfer 1, 47. vgl. auch andrehe.
 
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anspinnen, filum annectere, stamen ordiri, nnl. aanspinnen: die spule ist schon angesponnen, die raupe spinnt sich an, die spinne spann sich an der mauer an. oft figürlich, eine sache, einen liebeshandel, einen betrug anspinnen;

nun ist die sach gewonnen,
angesponnen
durch unser heuchelei.
Soltau volksl. 506;

seinem feind, eh ers wird innen,
schand und schaden anzuspinnen.
Logau 1, 4, 63;

bald ward ein wapenrecht mit regeln ausersonnen,
das, weil es im gehirn der schwärmer angesponnen. u. s. w.
Canitz 141;

das ganze werk ist vom neide und misgunst angesponnen worden. irrgarten der liebe 259; andre ursachen, warum man einen process anspinnet. J. E. Schlegel 4, 289; seine absicht scheint anfangs nichts weniger gewesen zu sein, als neuerungen in der religion seines landes anzuspinnen. Wieland 6, 274; wie sie meuterei angesponnen. Göthe 24, 235; der graf und die marquise spinnen den unerhörtesten betrug an. 14, 221;

wehe mir doch! dasz nicht der unsterblichen eine mir anspinn
anderen trug. Od. 5, 356.

Noch häufiger sich anspinnen: dasz sich auch ein sprichwort daher angespunnen. Garg. 125b; darauf hätten sich die ursachen also angesponnen, dasz sie giengen, wie i. f. gn. anitzo vernommen hätten. Schweinichen 1, 387; pfaffenhändel, die sich aufs neue wieder anspinnen wollten. 3, 70;

so het sich auch ein streit bei ihnen angesponnen.
Weckherl. 721;

wenn sich da nur nichts anspinnt. Lessing 1, 543; als sich eine epoche in mir entwickelte, die sich schon, als ich den Werther schrieb ... nothwendig anspinnen muste. Göthe 26, 312; sie merken, dasz sich in meinem herzen ein faden angesponnen hat, der ihnen, wenn auch nicht zum leiten, doch wenigstens zum ziehen dienen kann. Klinger 4, 87; im grabe soll ruhe sein, und wenn sich dann ein faden zu neuer dauer anspinnt, wer steht dir dafür, ob es nicht darum geschieht, um dich an ein neues joch zu knüpfen? 5, 23; wenn zwei menschen vertraulich werden, so spinnet sich für beide ein neues dasein an. 5, 25. vgl. anschirren, anzetteln, anfädeln.
 
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anspitzen, exacuere, zuspitzen: ein messer, bleistift, eine schere anspitzen, den mund anspitzen; man sagt von zornigen und sterbenden, dasz sie gesicht und nase anspitzen:

wie thut ir angsicht sie anspitzen.
H. Sachs 1, 481b;

secht nur wie sich anspitzt sein nasen.
III. 3, 61b;

sich anspitzet sam sie woll sterben.
IV. 3, 16c;

definitionen anspitzen, lahme beweise mit neuen krücken versehen. Kant 3, 308; er ist angespitzt, hat einen rausch.
 
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ansplittern, affringere: den knochen ansplittern.
 
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anspören, concitare calcaribus, compellere: zur tugend angespöret und angeflammet. von Birken Ol. o. ungewöhnlich, statt des folgenden.
 
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anspornen, das pferd anspornen, ihm die spornen geben,

[Bd. 1, Sp. 467]


und davon oft figürlich, zur eile, zur rache, zur tugend anspornen; durch die immer nahe gefahr des mangels angespornt. Wieland 7, 229;

thorheit und unruh warens, deren falsche hast
mich nach dem norden angespornt.
Platen 123.

man kann auch sagen, einen anspornen, ihm die spornen anlegen.
 
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anspornung, f. incitatio: sich durch fremde anspornung zu etwas groszem erheben. Klinger 12, 32.
 
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anspötteln, leviter irridere: männlicher Albrecht Dürer, den die neulinge anspötteln. Göthe 39, 350.
 
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anspotten, irridere: einen gebrechlichen anspotten.
 
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ansprache, f. actio, condictio, allocutio, nnl. aanspraak, in verschiednen bedeutungen des ansprechens: er bricht ein hader ab einem zun, das er mög an mich setzen und ein ansproch haben wider mich. Keisersb. post. 2, 46; ab eim zun ein ansprach brechen. fastn. sp. 893, 36; einlagen, zunftgerechtigkeiten, ansprachen, buszen, strafen und koren sind und sollen allenthalb in gemeinen kasten geschlagen und mit eingebracht werden. Luther 2, 262b; das er damit bezalet und niemand kein ansprache (keinen anspruch) mehr zu im hat. 6, 75a; einsmals ward der abt von einem guten freund verwarnt, das er nit so vil ansprachen und hadersachen suchen wölte. Stumpf 2, 34a; er lag noch in seinem end mit denen von Costanz in span und ansprach. 2, 38b; er hat wider in etwas ansprach und mishell gehabt. Plut. 70; was klagst du? was hastu für ansprach an uns? Philand. 1, 539;

die andre aber allzumahl
in solches ampt sich wolten dringen,
und fiengen an umb dise wahl
ihr ansprach also für zu bringen.
Weckherl. 337.

später und heute immer nur im sinne von anrede: es war ihm unmöglich, einen dermaszen lieben freund sonder ansprache vorbei passieren zu lassen. Pasquini staatsphantasien 1697 s. 337; er redete den fremden an, dieser antwortete auf die ansprache. Musaeus 3, 118; ansprache eines höheren an seine untergebnen, ansprache des gutsherrn, des königs an das volk.