Wörterbuchnetz
Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
anspänig bis anspielen (Bd. 1, Sp. 464 bis 465)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) anspänig, s. anspenig.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
anspann, m. jugum, gespann, dann auch spanndienst, frohne.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
anspannen, intendere, jugare, gegenüber dem abspannen und ausspannen: das seil, den faden, die saite anspannen, straf anziehen; ein tuch anspannen; den bogen, den hahn am gewehr:

der feind schon spannet an
und zielet los zu schieszen.
Weckherl. 41;

die allzu stark angespannte schnur reiszt. rinder, rosse anspannen, die rinder an den pflug, die rosse an den wagen spannen, dann auch den pflug, den wagen anspannen, sowol mit doppeltem acc., den knecht, die ochsen an den pflug, die pferde an den wagen anspannen, oder den pflug, den kutscher den wagen anspannen lassen, als den umständen nach ohne acc., wo er von selbst zu verstehen ist: lasz nur anspannen und zu acker fahren; lasz anspannen, wir wollen spazieren fahren; lasz nur nach Berlin anspannen; wer nicht anspannt, dem kann man nicht fürspannen. Lehmann s. 23; da spannet Joseph seinen wagen an. 1 Mos. 46, 29; und er spannet seinen wagen an und nam sein volk mit im. 2 Mos. 14, 6; und spannet sie (die küe) an den wagen. 1 Sam. 6, 7; spann an und fahre hinab! 1 kön. 18, 44; wenn sie mich etwa zu einem bubenstück anspannen wollen. Schiller 210; indem der hausherr anspannen liesz, um seine gattin holen zu lassen. Göthe 21, 208; die zweite methode (in der historie) ist die chronologische oder die vorn anspannende. J. Paul Tit. 1, 117; wer sich läszt anspannen, der musz ziehen. Lehmann 94.
Dem anspannen des bogens oder des seils entnommen ist ein häufiger figürlicher gebrauch: spannen sie vielmehr ihren verstand an etwas auszusinnen. Lessing 1, 241; sobald nichts mehr auszer uns ist, das uns sonderlich anspannt. J. E. Schlegel 3, 368; die senatoren spannten ihren witz an, den gästen zu hofieren. Klinger 3, 74; er spannte alle seine aufmerksamkeit an, ihr zu gefallen. 8, 245; in dieser allgemeinen stummheit der öde glaubte das angespannte geistige ohr manchmal einen räthsellaut zu vernehmen. Tieck ges. nov. 2, 244.
sinnlich aber ist das anspannen der muskeln und nerven: ich fühlte das anspannen meiner wangen. Fr. Müller 1, 17, und ebenso das des ohrs, des auges, wenn man ein anstrengen der nerven des gehörs und gesichts versteht;

hier spannt, o sterbliche, der seele sehnen an!
Haller.

man verwandte sonst auch DWB anspannen vom überschwemmen durch wasser: der mit wasser hoch angespannte renneplatz. Lohenst. Arm. 1, 1224. s. spannen.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
anspanner, anspänner, m. jumentarius, ein bauer, der zugvieh hält: die fuhrleute, anspanner aus dem nächsten dorfe, spannten aus. Göthe 18, 253; städte, worin auch noch ackerhöfe liegen und anspänner wohnen. Möser 1, 99. s. vollspänner, halbhüfner.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
anspannung, f. intensio, sinnliches anspannen oder geistiges anstrengen. anspannungskraft (elasticität). Kant 9, 55.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
anspeien, aspuere, inspuere, verachten: die amme, wenn

[Bd. 1, Sp. 465]


ihr eine alte frau das kind lobt, soll sie gleich anspeien; wenn er denn stehet und spricht, es gefellet mir nicht sie zu nemen, so sol sein schwegerin zu im tretten fur den eltesten und im einen schuch ausziehen von seinen füszen und in anspeien. 5 Mos. 25, 9; spotteten in und sprachen, gegrüszet seist du Jüdenkönig! und speieten in an. Matth. 27, 30;

speudt es mich an wie ein brutgans
pf pf pf! und thut auch schattern,
mit armen samb mit flügel flattern.
H. Sachs III. 3, 44a;

der speit die sündengreuel an.
Gryphius;

ein spiegel weiset uns der narben heszlichkeit,
doch wird er oftermals deswegen angespeit.
Canitz 95;

ja, wenn mich nur jemand anspeien wolte, ich gäbe ihm gerne einen groschen. Weise comöd. 179; spinnenfeind gewesen, so dasz wir sie nur immer alle augenblicke anspeien mögen. Felsenb. 4, 305; ich eines Saracenen bastard, getauft und gerettet aus dem blinden heiligthum, angespien in der jugend von jung und alt. Klingers theat. 4, 162; die drachen speien mit gift an; zum anspeien ekelhaft.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
anspeisen, incipere cibare, instruere: die armen anspeisen, zum erstenmal, insofern entgegenstehend dem abspeisen. man sagt auch bäder anspeisen, besorgen, einrichten; die burg, die festung anspeisen. s. anspicken.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
anspenig, controversus, litigiosus: selbs personlichen hinder sinem landsiedel stehen und sal horen, obe sin gut anspenig wäre oder wurde, das er das verantworten mocht. weisth. 3, 358. häufiger begegnet das einfache spenig, spennig, spännig in gleichem sinn. Haltaus 1698. vgl. DWB abspenen.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
anspicken, lardare, saginare: den hasen, den braten anspicken, mit speck bestechen; seinen geldbeutel anspicken, spicken; eine burg, ein festes haus anspicken, mit speise und vertheidigungsmitteln ausstatten: es soll auch das schlosz allenthalben mit stroh, holz, pulfer und anderm zu dem brennen angespickt sein. Fronsp. kriegsb. 1, 128b. s. anspeisen.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
anspiel, n. allusio: 'berühmt als maaruf', das anspiel und artlichkeit bestehet allein in den worten, als wenn man sagte, so berühmt als berühmt, weil maaruf in der arabischen sprache diese bedeutung hat. pers. baumg. 4, 11.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
anspielen, incipere ludere, alludere. wer spielt an? rothe farbe anspielen, beim kartenspiel;

wehre mit spielender hand dem schwach anspielenden weiblein.
Voss 2, 182;

um sein instrument damit anzuspielen. Schiller 732; ich hörte eine flöte anspielen. Tieck Sternb. 2, 81;

auf tannenbäumen, die vom winde
sanft angespielt erklangen linde.
Tieck 4, 136.

wo bloszes anspielen, ohne acc., steht, ist das lied oder instrument hinzuzudenken, z. b. wenn Spee s. 192 (Jungm.) singt:

will ich von Jesu spielen an.

Diesem anspielen schlieszt sich die vorstellung der allusion unmittelbar an, und kann den acc. beibehalten, z. b. andeuten mag er jene ideen, anspielen jene empfindungen, doch ausführen soll er sie nicht selbst. Schiller 1243. gewöhnlich aber wird die praep. auf gesetzt, auf etwas, auf einen anspielen.