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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
ansingen bis ansommerung (Bd. 1, Sp. 463 bis 464)
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[Bd. 1, Sp. 463]


Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) ansingen, canere incipere, gesang anheben:

der übel singet, der singe an. Morolf 70;

nu dar, sing an! Bon. 54, 17;

sing an, sing an, frau nachtigal!
du kleines vögelein vor dem wald,
sing an, sing an, du schöns mein lieb
wir bede müssen uns scheiden hie.
Uhland 264.

Dann aber transitiv, mit gesang bewillkommen, grüszen, feiern:

der stiglitz mit seiner witz
der wolt die braut ansingen.
Uhland 36;

man musz uns ansingen und anblasen, das wir den herrn sollen preisen. Luther 5, 462b; z nacht legt man si (die braut) z und singt sie an mit einem christenlichen lied. Frank weltb. 128b;

singt, wer mag und kan,
unsern könig an.
Opitz ps. 47, 3;

das rege federvolk das sang mit süszen stimmen
den jungen tag laut an.
Fleming 52;

das leichte federvieh singt schaf und schäfer an. 149;

Sariza sung uns an. 203;

die sie auf beiden seiten bedeckenden länder sang er also folgender weise an. Lohenst. Arm. 2, 511;

schon sang das hohe lied der lerche
zum zweitenmal den frühling an.
Pfeffel 5, 20;

haben euch die blumen sonst nie angesungen? Tieck 10, 268; muste sich mit nürnbergischen meistergesängen ansingen lassen. J. Paul paling. 2, 37; weil ihn die fürstin an jedem morgen mit einigen strophen aus dem busz- und eulenliede über aufruhr, Ankerströme und propagandisten ansang. Hesp. 4, 133; angesungen von der singschule der musen. Tit. 1, 73.
 
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ansinnen, postulare, anmuten, mhd. an einen sinnen, einen um etwas angehen, an einen gehen, mit der alten bedeutung von sinnen = gehen; statt des persönlichen acc. mit gen. der sache entfaltete sich, wie in andern wörtern ein dativ mit acc. der sache. es hat mir Caspar Müller auf zwei stück antwort angesonnen. Luther 3, 90;

und da wir kommen sind heraus
hat uns ein ries kampfs angesunnen.
Ayrer 220a;

es steh uns ubel an,
das wir sie angesunnen han,
das sie sol unsers willens sein. 391b;

habe vernommen, was dieselbe an mich gesinnet. Simpl. 1, 286;

wie nenn ich dich, halb oder ganz gescheidt,
da du es wagst mir dieses anzusinnen?
Hagedorn;

doch was der kaiser da dem Hüon angesonnen.
Wieland;

ich weisz was dir die königin angesonnen.
Schiller 421;

herr, welches ungeheure sinnet ihr
mir an? ich soll vom haupte meines kindes u. s. w. Tell 3, 3;

jemandem einstimmung ansinnen. Kant 7, 56; der solchen glaubenseid dem parten ansinnete (für ansönne). 5, 116; das wolthun als pflicht jemandem ansinnen. 5, 289; so kann man auch dem spieler nicht ansinnen, dasz er die gesetze wisse. J. Paul teufelspap. 1, 77; einen andern angrif auf ihre starre freiheit machte könig Erich, indem er auch ihnen seinen pflugpfennig ansann. Dahlm. dän. gesch. 1, 407.
 
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ansinnen, n. postulatio, anmutung: sie erschracken über diesem ansinnen. Weise kl. leute 65; er liesz sich dadurch nicht abschrecken, ihm das ansinnen des monarchen mit der möglichsten schonung vorzutragen. Wieland 8, 397.
 
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ansintern, scoria obduci, sinter ansetzen. s. DWB sinter.
 
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ansippen, cognatione attingere, fast nur im part. angesippt, durch sippe verwandt, bräuchlich.
 
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ansitz, m. domicilium, habitatio. weidmännisch, der ort wo die vögel gewöhnlich sitzen, vgl. DWB anfliegen. fester sitz, burgsitz, angesessenheit. Haltaus 41.
 
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ansitzen, habitare, possidere, nnl. aanzitten, angesessen sein, festsitzen, vgl. DWB ansitz, ansetz, DWB ansiedel. auch von sachen, der stein, das horn sitzt fest an, die farbe, der schmutz sitzt fest an, dasz man sie nicht ablösen kann. bergmännisch, vor ort ansitzen, die grubenarbeit beginnen. von hünern und gänsen heiszt es, dasz sie die eier ansitzen, bebrüten und angesessene eier sind angebrütete: in einem solchen falle bin ich gar ein ordentliches windei ohne dotter, es ist, auszer dem was ich schuldig bin, nichts aus mir heraus zu bringen, der

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wirt mag mich mit seiner brust ansitzen und anbrüten, wo er will. J. Paul biogr. bel. 1, 133. sich etwas ansitzen, durch langes sitzen zuziehen: man mag auf der grasbank sich ein fieber ansitzen.
 
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ansitzer, m. possessor, sessor: der ansitzende nachbar, bergmann. auch ein unberechtigt im stollen ansitzender, arbeitender.
 
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anslichttretung, f. das erscheinen, die publication eines werks: vielleicht kann ich ihre (der kupferplatte) anslichttretung nicht abwarten. Mercks briefs. 1, 222. vgl. DWB ansherzlegung.
 
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ansommern, vom annähern der sommerzeit, es sommert an, der sommer steht vor der thür.
 
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ansommerung, f. appropinquatio aestatis. Stieler 2060.