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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
anschnarren bis anschneien (Bd. 1, Sp. 447 bis 448)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) anschnarren, dasselbe, trotzig, heftig anfahren:

was darfst du uns also anschnarren?
H. Sachs 1, 473d;

was darfstu mich also anschnarren? II. 4, 128d;

lieber hauswirt, ich wil euch nimmermehr, wie ich leider gethan habe, bitter anschnarren. Kirchhof wendunm. 333b;

ich bitt, thut verharrn,
und mich doch nicht so hart anschnarrn.
Ayrer 96a;

o hett er
euch nur mit worten angeschnart. 266b.

mir zu liebe, bruder, schnarr ihn nicht an. Fr. Müller 3, 28. doch auch von vögeln: die ente, die drossel schnarrt mich freundlich an. s. DWB schnarren und DWB anschnerzen.
 
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anschnattern, garrire: die störche, die enten schnattern einander an; die schwätzerin schnattert alle leute an.
 
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anschnauen, adhalare, afflare, increpare, durius alloqui: dasz der husvatter die mueszig stonden tagener angeschnawet hat und gesprochen zu inen, wes stond ir hie mueszig? Keisersb. post. 1, 31; schnaw an dein sel hertiglichen umb ... den wolgefallen, den si hatt in süntlichen fröden. baum der seligk. 33a. s. die folgenden.
 
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anschnauben, afflare. intransitiv, die rosse schnauben an, kommen angeschnaubt, anschnaubend;

ihr habt matt mir gemacht die glut anschnaubender stiere.
Voss.

transitiv, anfahren, schnaubend anreden: David hat boten gesand aus der wüsten unsern herrn (Nabal) zu segenen, er aber schnaubet sie an (vulg. aversatus est eos). 1 Sam. 25, 14;

er schnaubt mit flammendem gesicht
den ritter an.
Wieland 17, 72;

hinweg, du hund! schnaubt fürchterlich
der graf den armen pflüger an.
Bürger 70b;

Gianettino schnaubt ihn trotzig an, donner und Doria! Schiller 147; Ferdinand, schnaubte er ihn an, wirst du unterschreiben? Schiller 900.
 
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anschnauben, n. afflatus: so ist uns auch umgekehrt mitten in der warmen freude das kalte anschnauben des windigen schicksals am schädlichsten. J. Paul paling. 1, 9.
 
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anschnaufen, andere form für anschnauben:

sein baur thut ihn anschnaufen.
Ayrer 57a.

s. DWB schnauben, DWB schnaufen.
 
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anschnauzen, gleichviel mit anschnauen und anschnauben, für deren frequentativum es gelten, nicht auf schnauze rostrum zurückgeführt werden musz, welches schnauze aber selbst mit schnauen und schnauben unmittelbar verwandt ist. (mehr unter den einfachen wörtern.)

sie reden alle durch die nasen,
haben wänste sehr aufgeblasen
und schnauzen jeden Christen an.
Göthe;

da musz man einen anlachen, einen anschnauzen. Tieck 3, 60; der kutscher schnauzte die pferde an und fuhr im trabe davon. J. Paul Tit. 1, 96; das gedachte journal will gelobt und geachtet sein, nicht aber angeschnauzt. vorsch. der aesth. 363.
 
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anschnauzen, n. invectio: Amalia gieng mit gefasztem

[Bd. 1, Sp. 448]


muthe nach der hausthüre, selbige dem vater zu eröfnen und scheuete sein anschnauzen gar nicht. maulaffe 18.
 
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anschneiden, incidere, admordere, delibare: brot, fleisch, käse, kuchen anschneiden; auf dem kerbholz anschneiden. das korn, das getraide ist schon angeschnitten. kleider anschneiden, anmessen, nimb arznei, lasz dir kleider anschneiden. Thurneisser magna alch. 1, 113; er ir vil herlicher kleider anschneiden liesz. Bocc. 196; er wölle im einen belz anmessen und anschneiden. Witzenbürger 74;

die narrenkappen, die im der schmeichler thut anschneiden.
B. Waldis;

wil ich mir ein pilsner anschneiden. fastn. sp. 106, 24;

sol im ein narrenkleit anschneiden. 705, 28;

mhd.

sun wilt du kleiden dîne jugent,
daʒ si ze hove in êren gê,
snit an dich zuht und reine tugent. Winsbeke 22,

also auch wol sich ane snîden daʒ kleit, ane snîden lân. schön vom anspielen des saiteninstruments:

auf harf und lauten tastet frei,
schneidt an die süsze geigen!
Spee trutzn. 126 (1841, 115);

und die seiten schneiden an. 298 (1841, 271),

weil der anhebende fiedelbogen gleichsam an die saiten schneidet, sie anschneidet, die saite beim spiel entzwei geschnitten wird:

heiâ nu hei, des fidelæres seite der ist enzwei! MS. 2, 61b.


 
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anschneidhaus, n. gewandhaus, wo tuch geschnitten, verkauft wird? beim rathaus, gegen dem anschneidhaus über. Mathesius 118.
 
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anschneien, adningere, nive adspergi: bäume und dächer sind schon angeschneit; es schneiet ans fenster an; ich lasse mich die flocken gern anschneien, weil sie so sanft niederfallen; er kommt auf einmal angeschneit.