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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
anschiebsel bis anschirren (Bd. 1, Sp. 438 bis 439)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) anschiebsel, n. das angeschobne stück.
 
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anschielen, oculis limis, ludibundis intueri:

Diane schielt den erdkreisz an mit halbem angesicht.
Gryphius 1, 225;

Philemon schielt ihn an.
Hagedorn 2, 102;

thu das mäulchen einmal auf, schiele mich holdselig an. Menantes 1, 114; mit welchen augen Timokrates die frohlockenden regungen der nation angeschielt haben werde. Wieland 3, 72; er hatte sich vorgenommen donna Felicia gar nicht anzusehen, er konnte sich aber doch nicht enthalten, sie ein wenig von der seite anzuschielen. 12, 82;

doch anschielend den weg mitwandelnder nennst du ihn irrweg.
Voss 6, 333;

Klotilde verbaute dem säugling den angeschielten mond (schob etwas vor, damit das mondlicht dem schlafenden nicht ins auge scheine). J. Paul Hesp. 1, 115. früher hiesz es anschilhen, anschilchen: wenn die sunne dem mon beisiczt anschilhent oder anscheinent. buch der natur. Augsb. 1483.
 
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anschienen, laminam imponere, addere: die achsen anschienen. wird von J. Paul allzuoft figürlich angewandt: so geben und schienen die Franzosen morgenländischkeck der hofnung, der zeit, der liebe hände an. vorschule 2, 30; bei solchen diebsdaumen, die man meinem eignen schreibdaumen anschient. Tit. 1, 66; das verdienst wollte seinem matten arme den weltlichen anschienen. teuf. pap. 2, 239; der staat lasse

[Bd. 1, Sp. 439]


doch einmal den inneren menschen sich die lebendigen gliedmaszen selber zubilden, eh er ihm später die nöthigen holzbeine und goldnen hüften anschienet. freih. büchl. 105; in der überrumpelung sollt er den namen des metzgers anschienen. paling. 2, 33 u. s. w.
 
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anschieszen , nnl. aanschieten,
1) transitiv, feram leviter vulnerare: ein wild, den hirsch anschieszen; wie ein angeschossen reh. Fr. Müller 3, 163;

ein andrer von dem pfeil des liebens angeschossen.
Ganitz 240;

bei zween von Amorn angeschosznen leuten.
Wieland;

fünf gecken alle zugleich von Amorn angeschossen. 5, 132.

angeschossen überträgt man von dem verwundeten, getroffenen auf den berauschten oder närrischen. bei den schneidern, den ermel anschieszen, anhängen, annähen; bei buchbindern, papier anschieszen, anheften; bei den beckern, ein brot anschieszen, wenn es im ofenschub das andere berührt, ein angeschossener laib; im bauwesen, ein gebäude anschieszen, ans andere bauen.
2) intransitiv, repente ferri: das wasser schieszt an; die flut kommt angeschossen; er schieszt an wie ein pfeil; er schosz an den baum an; der Rhein schwillt, gegen den rif anschieszt. Bettine br. 1, 275; wie der hagel anschieszt. Herder 4, 55. zumal von ansetzendem erz, krystall und salz: hier schieszt krystall an; dort ist salz angeschossen; die bildung geschieht alsdann durch anschieszen d. i. plötzliches festwerden, nicht durch allmälichen übergang aus dem flüssigen in den festen zustand, sondern gleichsam durch einen sprung. Kant 7, 216; die eisblumen schieszen am fenster an. ebenwol von schnell sprossenden augen oder knospen der gewächse: in wenig tagen werden neue augen anschieszen. figürlich, so werd ich ja aber auf der einen seite nur krank, wenn auf der andern die gesundheit anschieszt. Tieck 5, 48; im alten manne schieszet oft ein liebhaberherz unter dem stern an. J. Paul Tit. 3, 59; das gefühl, das, sowie es sich mit der oberfläche des lebens berührt, gleich zur eitelkeit anschieszt. Bettine tageb. 136. Zuweilen auch für angrenzen, anstoszen: erstlich schieszen an den häusern kleine nette gärten an. Brockes 4, 313; hinter den gärten schieszt der berühmte grasbrock an. 4, 315.
 
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anschiffen, adnavigare: am gestade anschiffen; schiffet bei der insel an! mhd. einschiffen:

ze Misenburc der rîchen dâ schiften sie sich an. Nib. 1317, 1.


 
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anschiften, instituere, anordnen, anstiften, vgl. altn. skipta, dän. skifte distribuere, ahd. untirsciftan intersepire: (Otto 1), der in seinem alter Othonem zu einem mitregierer des keiserthumbs anschiftet. Frank chron. 175a; die erzählung nimmt ein kahles ende, der hausfreund fühlt es, fast soll er noch was anschiften. Hebel s. 430. scheint sich auch mit anschäften zu berühren.
 
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anschiftung, instructio, impulsio: Nero hat das keiserthumb erobert durch anschiftung seiner mutter. Frank chron. 130; die kluge fraw von Thekoha Davids muhme überschleicht auch also ihren vettern den könig, da sie auf Joabs anschiftung Absolon, den bösen buben, wider einbat. Mathesius 132b.
 
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anschildern, weidmännisch, feld- und rebhüner an den schild (ein auf leinwand gemahltes bild) gewöhnen.
 
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anschimmeln, mucorem contrahere: das brot schimmelt an, ist angeschimmelt.
 
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anschimmern, micare, coruscare ad aliquem: noch leben wir, noch schimmern die sterne uns an; will denn keine hofnung anschimmern?; das ist doch gewis ein traum von der insel der vereinigung, die so oft bisher den nebel des schlafs mit stralen durchschnitten und himmlisch und ziehend meine seele angeschimmert hat. J. Paul Hesp. 4, 174.
 
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anschirren, jugum equis imponere, auch angeschirren: die rossen anschirren; das geschütz, den wagen anschirren, bespannen: feld- und ander geschütz angeschirret. Kirchhof mil. disc. 84; hat so wacker als der best gespan anschirren können. Garg. 286b;

ihm hat
nicht umsonst der tag die zelter angeschirrt.
Platen 83.

unter geschirr wird aber dargethan werden, dasz dies wort ursprünglich von scheren, tuchscheren und weben ausgegangen, dann auf anderes zeug und geräth (instrumentum) übertragen ist, anschirren = anscheren, anzetteln, wie sich auch

[Bd. 1, Sp. 440]


durch anschere und anschur bestätigt. darum steht anschirren, ohne allen gedanken an rosse, figürlich für anordnen, anzetteln: eine gferlichkeit, dasz üppige buben gar bald angeschirren mögend, dasz ein frommer, wolhabender mit falschem zügnus überwunden wirt. Zwingli 1, 358; auf geheisz Caroli M. hat er die historien und lectionen durch das ganze jahr angeschirrt. Hedion kirchenhist. 334b. nicht anders geht das mlat. attelare, franz. atteler auf tela zurück, und das anspannen der pferde gleicht dem anspannen der faden beim gewebe.