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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
anreiszer bis anrichte (Bd. 1, Sp. 425 bis 426)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) anreiszer, m. ein werkzeug der goldschmiede.
 
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anreiten, heranreiten, geritten kommen, nnl. aanrijden:

und die jungen kommen auf dem stocke
angeritten.
Gökingk 1, 218;

[Bd. 1, Sp. 426]



als sie lieb Willm und seine braut
anreitend ward gewahr.
Herder 8, 16;

ich sah ihn heut früh auf einem schimmel anreiten. Fr. Müller 2, 66; im reiten anstoszen, an einen baum, an die mauer anreiten; daher über anreiten, übel ankommen. unterwegs anhalten: beim wirtshaus anreiten. transitiv, ein pferd anreiten, zureiten.
 
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anreiz, m. instigatio, incitamentum: durch anreiz des teufels. H. Sachs; durch anreiz falscher rät. Brant narrensch.; aus anreiz. Lohenst. Ibr. 25; der anreiz zur bestimmung des begehrens, concupiscentia. Kant; ach meine lippen! auf keinen andern hab ich je diesen anreiz und dieses hinstreben entdeckt. Thümmel 3, 224.
 
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anreizen, instigare, allicere, an etwas reizen, anspornen: die böse lust, die begier anreizen; die gedanken zur sünde;

wan mir ab der abgötterei,
damit man mich anreizet, grawet.
Weckherlin 114;

was reizet uns zur hoffart an? der leute heuchelei,
die alles preisen was wir thun, es sei gleich wie es sei
Logau 3, 9, 67;

den alten Adam ich noch spür,
der mich anreizet für und für. kirchenlied;

so reizte mich doch deren vortreflichkeit an. Felsenb. 1, 239; welche positur den wirt nebst den umbstehenden zu gleichem gelächtere anreizete. unw. doct. 11; die ergibigkeit derselben hatte etwas so anreizendes, dasz man täglich auf die vervollkommnung dieses edlen zweiges der finanzen bedacht war. Wieland 7, 82;

durch euer beispiel angereizt
bekehre sich, wer schon allmälich an der küste
des hagestolzeneilands kreuzt.
Gotter 1, 177;

was für ein dämon reizt euch an,
des alten zwistes flammen anzublasen?
Schiller.


 
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anreizig, incitans: also ist dem magen auch, so im nun solche ding zustehnd, die ihm seltzam sind, widerwertig, anreizig, so versucht ers in viel weg, wie es darumb stand. Paracelsus 1, 538a.
 
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anreizlich, dasselbe: beiwonung der personen, die im anreizlich sind. Keisersb. 7 schw.; das anreizlich fleisch kestigen. post. 1, 13.
 
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anreizung, f. instigatio: anreizung zur manheit. Kirchhof mil. disc. 74; des anwesenden höchstgeehrten frawenzimmers süsze anreizung. Weckherlin 867; alle begierden und sinnlichen anreizungen. Kant 4, 86.
 
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anrekeln, segniter accumbere. Wieland hatte Mercken antheil an recensionen übertragen und schreibt ihm: dasz ich mich nun so mit völliger hingebung an sie anrekele. Merck 1, 86. vgl. sich hinflegeln.
 
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anrennen, incurrere, aggredi, ahd. anarennan (Graff 2, 518), mhd. ane rennen, eigentlich transitiv: und rennet die feinde wiederumb an und schlug sie in die flucht. 1 Macc. 11, 72; darnach ward Landsberg angerennet. Micrälius 5, 289;

wir theten sie frölich anrennen
auf einer heiden, die ist breit.
Soltau 417;

ist jemand angerent? — schaut meine wunden an.
Gryphius 1, 73;

das fuszvolk strebt den wilden haufen anzurennen.
Günther;

ob mich gleich viel trübsal angerennet.
Opitz;

an irgend einen baum die nase anzurennen.
Wieland 9, 235;

woraus sich nun leicht, wie beim einfachen rennen, intransitivbedeutung entfaltete, anrennen = anlaufen:

ich bin gar oft gerennet an,
wile ich disz schif gezimbert han.
Brant narrensch. 273;

und jeder freund kam angerannt.
Hagedorn 2, 30;

man rennt wol öfters an,
und wer viel drüber sinnt, ist noch weit übler dran.
Göthe 7, 75;

der barsche jüngling, dessen stolze offenheit so oft gegen den verdeckten hofstolz anrennte. J. Paul Tit. 3, 185.
 
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anrichtbank, f. s. das folgende.
 
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anrichte, f. mensa instructoria coquorum, tisch oder bank, worauf die speisen, vor dem auftragen, angerichtet werden, platz in der küche, wo man leicht zu eszwaaren kommen und davon naschen kann, nnl. aanrechtbank, aanrechttafel, niederd.

[Bd. 1, Sp. 427]


richtebank; engl. dressboard. schon der nibelungische küchenmeister hat seine anrihte (ahd. anarihta?), denn im liede von Biterolf und Dietlieb heiszt es 12016:

eʒ müese im vil übele gezemen,
dem Hûnolt schancte dâ den wîn,
und dem zer anrihte sîn
Rûmolt gab die brâten.

Fischart Garg. 81b unter andern wirtshäusern nennt auch eins, das zur anricht hiesz, in allen alten kochbüchern und küchenmeistereien wird das wort zu suchen sein: streu ingber an der anricht darauf und gibs hin lautet die formel oft. steht ferner bei G. F. Messerschmid von des esels adel. Straszb. 1617 s. 125. bemerkt ich erst wie architektonisch klug anrichte, gossenstein, topf- und tellerbreter angebracht seien. Göthe 30, 111; in der nähe der küche, der speisekammer, der anrichten. 39, 103; schlimmer als der speisedampf von mönchischer anrichte. 39, 108.