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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
anmutzen bis annahme (Bd. 1, Sp. 412 bis 413)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) anmutzen, comere, vestire, zustutzen: ein gewonheit ist in diser statt (Halberstadt), dʒ si all jar den grösten sünder, so si wissen in irer acht, in ein klglich (so 1534, kläglich 1567) kleid anmutzen, und am ersten tag in der fasten in die kirchen füren, darnach als ein bannigen wider ausstoszen, der msz die ganze fasten in der statt und auszerthalb teglich umb die kirchen geen, bisz auf den grünen dornstag, so füren si in wider in die kirch, und nach beschehenem bett absolvieren si in, der ist nachmals aller sünden rein und wird Adam geheiszen, dem si vil gelts geben, das er doch der kirchen msz lassen und wider opfern, so ist er der sünden frei, wie ein hund der flöch. Frank weltb. 59a. s. DWB abmutzen, DWB aufmutzen und DWB mutzen.
 
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annageln, clavis affigere, mhd. annegelen, nnl. aannagelen:

sie naglen die zettel allenthalben an.
Ayrer 168b;

den deckel an (auf) den sarg nageln; den feuersegen ans haus annageln; das schlosz an die thür; er sitzt da wie angenagelt, weicht nicht vom platze;

zwölf dickbäuchige herrn und zwölf breithüftige damen
saszen wie angenagelt mit gierigen augen am spieltisch.
Voss;

die auf die achsel eingeschlagene hand nagelte den kleinen

[Bd. 1, Sp. 413]


zierling an den sessel an. J. Paul Hesp. 2, 56. im deutschen recht gehört noch, was niet und nagel hat, zum boden, und unangenegelt ist mobilis. weisth. 3, 791.
 
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annagen, arrodere: die maus hat die schwelle schon angenagt;

von hunger angenagt, von heiszem durst gequält.
Wieland 23, 34;

wird dort keine ameise mehr deine ruhe annagen? Fr. Müller 3, 319.
 
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annahen, appropinquare: der feind naht an; der liebe sommer, der leide winter nahet an, steht vor der thür; die zeit naht an;

aber zuerst sah jene der edle Telemachos annahn.
Voss Od. 1, 114;

als ich nunmehr annahte dem zwiefach rudernden schiffe. 10, 156;

aber auch dir ja zu früh must ach annahen des todes
hartes geschick. 24, 28;

aber wofern mir soll
annahn der ruhm.
Platen 117;

das annahende alter hält niemand auf. auch sich annahen: einen moment, worin sie jenem obern führer und vermittler sich angenaht, ja sich mit ihm vollkommen vereinigt. Göthe 45, 330.
 
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annahen, n. appropinquatio:

wie doch, Kirke, begehrst du von mir ein freundliches annahn? Od. 10, 337;

in halb willigem halb unwilligem und doch nothwendigem annahen. Göthe 17, 327.
 
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annähen, assuere, nnl. aannaajen: nähe mir doch das band an; der orden ist nicht recht angenäht.
 
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annähern, appropinquare, nnl. aannaderen, mehr in prosa, annahen mehr in der poesie gebraucht: dessen gewohnte fertigkeit der annähernde tod überwältigt hatte. Schiller 946; des lieben mädchens immer mehr annäherndes, zutrauliches betragen. Göthe 26, 24. Doch wird es richtiger sein, annähern transitiv zu verwenden: den tisch dem ofen, der wand annähern, näher rücken; und sich annähern = annahen zu setzen: durch meine vorjährige reise hatte ich mich an Fritz Jacobi mehr angenähert. Göthe 31, 37; zu höheren zwecken ward die grosze Zenobia von Calderon studiert und der wunderbare magus durch Griesens übersetzung uns angenähert. 32, 75; nicht eben so gelang es mir, mich den Kantischen anzunähern, sie hörten mich wol, konnten mir aber nichts erwidern, noch irgend förderlich sein. 50, 52; wenn wir durch den glauben an gott, tugend und unsterblichkeit uns in eine obere region erheben und an das grosze wesen annähern sollen. 50, 56; er trat, wie sie sich annäherte, in die kirche zurück. Tieck 4, 395; so würde die menschheit sich zu ihrem groszen ziele allmälich annähern. Fichte fr. rev. 101. vor dem part. annähernd kann das sich wegbleiben.
 
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annähernd, adv. appropinquando: der umfang des werks läszt sich nur annähernd (approximativ) bestimmen. zu fassen wie die gerundien schlafend, wachend, lesend, selbstredend u. s. w. mhd. slâfende, ahd. slâfando.
 
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annäherung, f. appropinquatio, nnl. aannadering, das annahen: stufenweise annäherung gegen ein vielleicht unerreichbares ziel; so bin ich überzeugt, dasz die gewohnheit annäherungsbrillen zu tragen an dem dünkel unserer jungen leute hauptsächlich schuld ist. Göthe 21, 184.
 
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annäherungsweise, adv., was annähernd: es könnte sein, dasz beide theile recht haben, denn jene mögen markten wie sie wollen, müssen sie doch meistens mehr zahlen als billig ist, und dieses mehr geht denn allmälich und annäherungsweise auf andere reisende über. Ulr. Hegner 4, 174.
 
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annahme, f. acceptio, susceptio: die annahme des geschenks, almosens, des gelds, des briefs; die annahme eines bedienten, des amtes, dienstes; die annahme an kindesstatt; die annahme einer meinung. annahme oft auch suppositio: diese annahme ist ungegründet, das ist eine schöne annahme. s. annehmung.