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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
anmutleer bis annagen (Bd. 1, Sp. 411 bis 413)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) anmutleer, venustatis expers:

ist diese brust, die vor ein köcher seiner freuden,
sein irdisch himmel war, geist- trieb- und anmutleer?
Lohenst. Ibrah. sult. 59, 245.


 
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anmutreich, Brockes 4, 277. 304. 5, 16; ein mädchen anmutreich wie Hebe. Gotter 1, 440; anmutreiche blume. 3, 149.
 
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anmutsbild, n. Brockes 6, 78.
 
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anmutselig, jucundus.
 
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anmutseligkeit, f. jucunditas. Stieler 1993.
 
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anmutsknospe, f. virgo venusta. Ettners hebamme 808.
 
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anmutsvoll, Gotter 1, 113. 3, 147; an diesem anmutsvollen orte. Wieland 11, 193;

ihr anmutsvollen bettlerinnen
gebietet selbst im flehn.
Götz 2, 31.

anmutsvolles geflüster. 3, 214; ein anmutsvoller landesstrich. Bürger 104b;

ordnete anmutsvoll um das haupt ihr Pallas Athene.
Voss Hes. Theog. 570.

bei Göthe 33, 232 steht anmutvoll.
 
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anmutung, f. postulatio, affectus, incitamentum: die eiferung ist ein verderblich anmütung und bewegung des gemüts

[Bd. 1, Sp. 412]


oder begirde; darnach auf anmütung der Hunger ist er zu Regensburg auf ein schif gesessen, uf der Thonaw gen Ofen gefaren. Frank chron. 199a; der jud bewilligt ihr anmutung aufs fleiszigste auszurichten. Wickram rollw. 87b; dem ritter Galmyen war wenig an solcher anmutung (ausforderung zum kampf) gelegen. Galmy 72; dasz ihm den ersten ritt schier zu eng auf seinem gaul gewesen war, in wol halb gerewen war, dasz er dem ritter eine solche anmutung getan hett. das.; was bösen geists dir solchen rat geben hat, dasz du uns allen ein solche anmutung thun darfst. 164; wo ihr mit solcher schändlicher anmutung nicht nachlassen wollet. 222; dann es hat gott der allmechtig einem menschen ein besondere begirde, lust und anmutung zu einem ding mehr dann dem andern geben. Fronsp. kriegsb. 2, 1a; die freundlichkeit und anmutung (zuneigung) gegen den menschen sol auch got wol gefallen. Forer fischb. 95b; die weintrauben haben eine sondere anmutung zu den feigen. Sebiz feldb. 350; etliche bäume haben eine besondere anmutung zusammen. lustg. 89; natürliche anmutung zwischen dem granat- und myrtenbaum. 308; die liebe hab dann das herz dermaszen eingenommen, das sie zu beiden seiten auf gleiche anmutung, sitten, einmütigkeit und willen gegründet werde. Fischart ehz. 8; ire eigene und besondere anmutungen und neigungen. 18; alle christen haben böse anmutung nicht der bösen einfäll ubrig. Ringw. l. warh. 181; viel guter anmutungen verursachen. Spee tugendb. 73; zu andacht, mitleiden und dergleichen liebreichen anmütungen bewegen. 524;

dan ja ein jeder mensch, dem gröszten könig gleich,
hat der anmuhtungen und der begirden reich,
die seine vernunft stets soll meistern, zu regieren.
Weckherlin 515;

geschmack für die musik und die besondere anmutung (neigung) für ein gewisses instrument. Wieland 3, 26; da sie nicht grund genug hatten, die unschuldige anmutung, welche sie für einander fühlten, der sympathie des blutes zuzuschreiben. 3, 199; jene lehrsätze, zu denen mein herz eine so besondere anmutung hatte. 3, 378; wenn der instinkt nicht betrüglich wäre, so würde ich geneigt sein, die anmutung, die ich beim ersten anblicke für sie empfand, für die stimme des blutes zu halten. 12, 152; die anmutung, welche ihm ihre ähnlichkeit mit ihm einflöszte. 14, 46; die für alles menschliche und also auch für die spiele der menschen einige anmutung haben. 24, 119; anfangs erstarrte der gouverneur über diese anmutung (forderung). Schiller 833; auf diese anmutung des wolwollenden, vorsorglichen mannes. Göthe 21, 184; nur da ich jedermann mit leib und seele in Norden gefesselt, alle anmutung nach diesen gegenden verschwunden sah, konnte ich mich entschlieszen einen langen einsamen weg zu machen. 27, 201; dasz er (Rousseau) zu blumen und pflanzen andere anmutungen gehabt als solche, welche eigentlich nur auf gesinnung hindeuteten. 58, 98; dasz er geschaffen sich in die tiefen der natur zu versenken, zu der oberflächlichen, wechselnden farbe wenig anmutung haben konnte. 53, 170; es waren örtliche beschreibungen von Luzern und von schweizerischen berggegenden, für den vaterländer nicht ohne anmutung. Ulr. Hegner 4, 178. weidmännisch, die anmutung (incitamentum) des wildschweins. weidwerksbuch 58a.
 
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anmutzen, comere, vestire, zustutzen: ein gewonheit ist in diser statt (Halberstadt), dʒ si all jar den grösten sünder, so si wissen in irer acht, in ein klglich (so 1534, kläglich 1567) kleid anmutzen, und am ersten tag in der fasten in die kirchen füren, darnach als ein bannigen wider ausstoszen, der msz die ganze fasten in der statt und auszerthalb teglich umb die kirchen geen, bisz auf den grünen dornstag, so füren si in wider in die kirch, und nach beschehenem bett absolvieren si in, der ist nachmals aller sünden rein und wird Adam geheiszen, dem si vil gelts geben, das er doch der kirchen msz lassen und wider opfern, so ist er der sünden frei, wie ein hund der flöch. Frank weltb. 59a. s. DWB abmutzen, DWB aufmutzen und DWB mutzen.
 
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annageln, clavis affigere, mhd. annegelen, nnl. aannagelen:

sie naglen die zettel allenthalben an.
Ayrer 168b;

den deckel an (auf) den sarg nageln; den feuersegen ans haus annageln; das schlosz an die thür; er sitzt da wie angenagelt, weicht nicht vom platze;

zwölf dickbäuchige herrn und zwölf breithüftige damen
saszen wie angenagelt mit gierigen augen am spieltisch.
Voss;

die auf die achsel eingeschlagene hand nagelte den kleinen

[Bd. 1, Sp. 413]


zierling an den sessel an. J. Paul Hesp. 2, 56. im deutschen recht gehört noch, was niet und nagel hat, zum boden, und unangenegelt ist mobilis. weisth. 3, 791.
 
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annagen, arrodere: die maus hat die schwelle schon angenagt;

von hunger angenagt, von heiszem durst gequält.
Wieland 23, 34;

wird dort keine ameise mehr deine ruhe annagen? Fr. Müller 3, 319.