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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
anmutigen bis anmutung (Bd. 1, Sp. 411)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) anmutigen, excitare, nnl. aanmoedigen: so vil sich ein mensch in tugenden me übet, ie me liebent si im, und anmütigent in. Keisersb. sieben scheiden 4.
 
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anmutigkeit, f. früher appetitus, affectus, später venustas: der hunger, der durst und dergleichen anmütigkeit der unvernünftigen thier. Spalatins verdeutschung von Melanchth. institutio. Augsb. 1523 bl. 8; alle anmtigkeit und angeborner wille. Frank parad. 24; von keiner weltlichen anmütigkeit befleckt werden. verz. Pasquinus. 1543. 8. a 7; alle böse anmütigkeit abschneiden. g 6; den fleischlichen anmütigkeiten underworfen. g 3b; des Engellands anmuhtigkeit. Weckherl. 351; und lieszen sich durch die anmutigkeit der schönen gedichte zu aller tugend anführen. Opitz poeterei 3; wie alles mit lust und anmütigkeit geschrieben wird, so wird es auch nachmals von jedermann mit der gleichen lust und anmütigkeit gelesen. 71; dieses besuchen hat wenig anmutigkeit. jetzt entbehrlich.
 
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anmutiglich, adv. venuste:

vermählet spil und stim anmuhtiglich zusammen
Weckherlin 180;

wie sich frei das haupt anmutiglich bewegete.
Göthe 40, 404.


 
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anmutleer, venustatis expers:

ist diese brust, die vor ein köcher seiner freuden,
sein irdisch himmel war, geist- trieb- und anmutleer?
Lohenst. Ibrah. sult. 59, 245.


 
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anmutreich, Brockes 4, 277. 304. 5, 16; ein mädchen anmutreich wie Hebe. Gotter 1, 440; anmutreiche blume. 3, 149.
 
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anmutsbild, n. Brockes 6, 78.
 
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anmutselig, jucundus.
 
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anmutseligkeit, f. jucunditas. Stieler 1993.
 
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anmutsknospe, f. virgo venusta. Ettners hebamme 808.
 
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anmutsvoll, Gotter 1, 113. 3, 147; an diesem anmutsvollen orte. Wieland 11, 193;

ihr anmutsvollen bettlerinnen
gebietet selbst im flehn.
Götz 2, 31.

anmutsvolles geflüster. 3, 214; ein anmutsvoller landesstrich. Bürger 104b;

ordnete anmutsvoll um das haupt ihr Pallas Athene.
Voss Hes. Theog. 570.

bei Göthe 33, 232 steht anmutvoll.
 
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anmutung, f. postulatio, affectus, incitamentum: die eiferung ist ein verderblich anmütung und bewegung des gemüts

[Bd. 1, Sp. 412]


oder begirde; darnach auf anmütung der Hunger ist er zu Regensburg auf ein schif gesessen, uf der Thonaw gen Ofen gefaren. Frank chron. 199a; der jud bewilligt ihr anmutung aufs fleiszigste auszurichten. Wickram rollw. 87b; dem ritter Galmyen war wenig an solcher anmutung (ausforderung zum kampf) gelegen. Galmy 72; dasz ihm den ersten ritt schier zu eng auf seinem gaul gewesen war, in wol halb gerewen war, dasz er dem ritter eine solche anmutung getan hett. das.; was bösen geists dir solchen rat geben hat, dasz du uns allen ein solche anmutung thun darfst. 164; wo ihr mit solcher schändlicher anmutung nicht nachlassen wollet. 222; dann es hat gott der allmechtig einem menschen ein besondere begirde, lust und anmutung zu einem ding mehr dann dem andern geben. Fronsp. kriegsb. 2, 1a; die freundlichkeit und anmutung (zuneigung) gegen den menschen sol auch got wol gefallen. Forer fischb. 95b; die weintrauben haben eine sondere anmutung zu den feigen. Sebiz feldb. 350; etliche bäume haben eine besondere anmutung zusammen. lustg. 89; natürliche anmutung zwischen dem granat- und myrtenbaum. 308; die liebe hab dann das herz dermaszen eingenommen, das sie zu beiden seiten auf gleiche anmutung, sitten, einmütigkeit und willen gegründet werde. Fischart ehz. 8; ire eigene und besondere anmutungen und neigungen. 18; alle christen haben böse anmutung nicht der bösen einfäll ubrig. Ringw. l. warh. 181; viel guter anmutungen verursachen. Spee tugendb. 73; zu andacht, mitleiden und dergleichen liebreichen anmütungen bewegen. 524;

dan ja ein jeder mensch, dem gröszten könig gleich,
hat der anmuhtungen und der begirden reich,
die seine vernunft stets soll meistern, zu regieren.
Weckherlin 515;

geschmack für die musik und die besondere anmutung (neigung) für ein gewisses instrument. Wieland 3, 26; da sie nicht grund genug hatten, die unschuldige anmutung, welche sie für einander fühlten, der sympathie des blutes zuzuschreiben. 3, 199; jene lehrsätze, zu denen mein herz eine so besondere anmutung hatte. 3, 378; wenn der instinkt nicht betrüglich wäre, so würde ich geneigt sein, die anmutung, die ich beim ersten anblicke für sie empfand, für die stimme des blutes zu halten. 12, 152; die anmutung, welche ihm ihre ähnlichkeit mit ihm einflöszte. 14, 46; die für alles menschliche und also auch für die spiele der menschen einige anmutung haben. 24, 119; anfangs erstarrte der gouverneur über diese anmutung (forderung). Schiller 833; auf diese anmutung des wolwollenden, vorsorglichen mannes. Göthe 21, 184; nur da ich jedermann mit leib und seele in Norden gefesselt, alle anmutung nach diesen gegenden verschwunden sah, konnte ich mich entschlieszen einen langen einsamen weg zu machen. 27, 201; dasz er (Rousseau) zu blumen und pflanzen andere anmutungen gehabt als solche, welche eigentlich nur auf gesinnung hindeuteten. 58, 98; dasz er geschaffen sich in die tiefen der natur zu versenken, zu der oberflächlichen, wechselnden farbe wenig anmutung haben konnte. 53, 170; es waren örtliche beschreibungen von Luzern und von schweizerischen berggegenden, für den vaterländer nicht ohne anmutung. Ulr. Hegner 4, 178. weidmännisch, die anmutung (incitamentum) des wildschweins. weidwerksbuch 58a.