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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
anmörteln bis anmuten (Bd. 1, Sp. 408 bis 410)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) anmörteln, caemento firmare: an jeder alten ruine ein kleines schwalbennest von menschenwohnung angemörtelt. Bettine tageb. 160.
 
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anmunden, jucundi esse saporis: die speise will nicht anmunden, der wein mundet an.
 
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anmündlich, ori suavis, jucundus: es ist wol war, dis wenig ist anmüntlicher als des andern geschmeisz(es)gar vil. Garg. 22a.
 
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anmuntern, adhortari, excitare: zur kenntnis und nachbildung der Griechen angemuntert. Herder 2, 133.
 
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anmurren, admurmurare: manche satyriker murren die fehler der menschen an, anstatt dasz sie mit ihnen lachen sollten. Rabener 1, 98.
 
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anmüszigen, adigere, cogere: wie man billich zu aller würde, oberkeit und ämptern angesucht, berufen, erwöhlet und angemüsziget werden solt. Frank weltb. 76a. gegentheil von abmüszigen.

[Bd. 1, Sp. 409]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) anmut, m. affectus; appetitus, die begier, lust, der an etwas gesetzte mut, so wenig als das folgende f. ahd. und mhd. nachzuweisen, auch bei Luther nicht vorhanden. Gregor von Tours 10, 5 überliefert einen mannsnamen Animodus, der doch aus Aunimodus könnte entstellt sein, auch erscheint kein ahd. Anamuot. zum erstenmal zeigt sich anemuot in einem Elsässer hofrotel von 1338 (weisth. 1, 729): die badebütt sol man lihen kindbetteren, und wer es bedarf, darumb hette der keller das stuck zu anemute (zur ergetzlichkeit? für seine mühewaltung hat er ein grundstück zu nutzen). Keisersberg gewährt das wort oft, noch öfter Frank. ich hab noch ein anmt z disen alten hüsern, z lust, z gt und eer. brösamlin 17c; wie dick kumpt es, daz du ein anmt hast z dem, du woltest gern der metzen da nachlaufen. 35c; oder woltest du ee verdampt sein, dann das du bei der frauwen ein nacht legest, z deren du ein anmt hast? hell. lewe 73a; du zeuchst die ding nit in dein anmt; begird und anmt z zeitlichen dingen. hase im pfeffer; si haben kleinen zkere z got, kurzen anmt. das.; inen klebt das herz an iren freunden mit fleischlichem anmt. das.; so groszen anmt hond si z der welt. siben schw.; in allen anmten (lüsten) lebendig sein. trostsp. 11; die bösen anmuten und begirden. chr. bilg. 99; dem frommen ist gott, dem bösen sein anmt ein gesatz. Frank spr. 63; mit disem zeichen erkennen von dem thoren den weisen, das diesen sein anmt, den andern sein vernuft regiert. chron. 24; peripatetici meinen, die affect und anmt seien von der natur darzugeben; in gott ist kein anmt oder zfall; dann ie der willos gott gar nichts wil und on allen anmt ist. paradoxa 16b; musz also in begirden, willen u. anmt ersticken. 42; weil nun der onwandelbarlich gott keinen neuen anmt an sich nimpt. 79; derhalb wil ich hie geschweigen den streit mit iren lastern, anmt und begirden. 119b; weil schier iederman aus eignem anmt, begird und willen sündigt. weltb. 10a; dasz ich mein vatterlich anmt und lieb gegen meinem eigen fleisch und blt umb gottes willen auszeuch. 21b; auf das er (der könig) in halsgerichten nit allein urtheil und niemand aus etwa einem anmt (einer leidenschaft) verkürzt werd. 87a; aller menschlicher affect und freuntlich anmt ist bei in aufgehaben. 117b; ein iedes seinem abgott geweicht, dem si nach irem anmt meer kraft und würdigkeit zschreiben. 231b; Oppianus beschreibt den anmut der delphinen gegen den fischern (den affect, die zuneigung zu den f.). Forer 95a;

ir seit unvernünftige thier
und lebet nach ewer begier
nach ewrem anmut und affect,
darinn ir unverschamet steckt.
H. Sachs 1, 240a.

in der einen stelle ist schon von freundlichem anmut die rede. merkwürdig aber haftete noch bei Göthe die männliche form für die heutige bedeutung: er belebt durch seinen anmut jede gesellschaft, in der er sich befindet. an Knebel 349.
 
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anmut, f., auch das weibliche wort zeigt im 16. 17 jh. noch jene bedeutung des männlichen, begierde und lust: dieweil die menschliche natur von jugent auf ein sonderliche, geistliche anmut, begierd und liebe hat zu den metallis. Thurneisser von wassern 5; die frau sol sich anschicken nach seiner (des mannes) anmut, weis und willen. Fischart ehz. 17; dasz sie aus verschmähung nicht viel ires ehwirts anmut oder unmut (lust oder unlust) achte. 18; ein natürliche zuneigung und anmut zu derselbigen. Garg. 66a;

was anmut hat mir deine red erregt?
Opitz ps. 119;

wie ein palast mit anmut wird geschauet,
der ansehn hat und künstlich ist gebauet. ps. 144;

was anmut gaben vor die sorgenfreien nächte!
Gryphius 1, 209;

hör ich den klang der beherzten trompeten,
so wacht mein anmut zu fechten und tödten. 1, 616;

o anblick, der mich fröhlich macht,
mein weinstock reift und Doris lacht,
und mir zur anmut (lust) wachsen beide.
Hagedorn 3, 93.

Aus der vorstellung begierlicher lust gieng aber später die heute allein geltende einer anziehenden, reizenden lust hervor, und schon Stieler (1691) legt anmut aus amabilitas, venustas; anmut ist uns nicht mehr das begehrende, sondern das begier anregende und befriedigende, die grazie: anmut des lebens. Gellert;

und anmut, holder engel,
dein antlitz überzieht.
Bürger 8b;

und anmut leuchtete ringsum.
Voss Hes. Theog. 576;

[Bd. 1, Sp. 410]


das was wir sinnliche schönheit oder anmut nennen. Göthe 38, 38, was der weltweise seiner pflicht abspricht: ich kann dem pflichtbegrif gerade um seiner würde willen keine anmut beilegen. Kant 6, 182.
 
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anmüt, gratus, acceptus, früher anmüte: nun ist einem doch ein hüpsch mensch anmüter dann ein ungeschaffens Keisersb. has im pfeffer.
 
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anmuten, expetere, sollicitare, zumuten, ansinnen: das ist war und ist also angemutet den unsern. Luther 5, 278a; sihe, das sind die gesellen, die uber gottes wort richter sein wöllen, die dörfen uns anmuten, das wir unser lere sollen widerrufen. 5, 288a; sie thüren uns anmuten, ja mit drewen und gewalt darauf treiben, das wir iren menschentand für nötig halten. 5, 373a; das heiszt ja zumal eine grobe, grosze, unverschampte unkeuschheit angemutet. 8, 4b; solche böse stück und greuel e. g. anzumuten. br. 3, 506. andere aber mit dem acc. der person: wie solches an i. f. gn. gemutet worden. Schweinichen 1, 176; als er z letst von Decio die abgötter z eren angemtet ward, litte er den tod. Frank chron. 273b; und es jetzt von dem marschalk an in gemut ward. Galmy 295; als ich aber zu ir kam und solches an sie mutet. 326;

was mutst du mich an, allers frechen,
leichtfertigen und losen maun?
Ayrer 251b,

wo dem reim zu gefallen oder noch als die alterthümliche form mann für manns steht, zu diesem gen. aber die vorausgehenden adjectiva gehören (s. allers);

dann gar manch ding verbleiben thut,
dieweil es nicht wird angemut. 95a.

Später überwiegt der dat. bald: schemt ihr euch sein nicht, das ihr mir der gleichen anmuten möget? Heinr. J. von Br. Sus. 2, 2;

damit ihr die gans wolt beschweren
und ihr anmuten auch desgleichen,
dasz sie soll aus dem himmel weichen. ganskönig E iiib;

Stintia wehrt ihrer ehren, wer ihr was wil muten an,
ei der musz es schwer entgelten, sie erzeigt sich als ein mann.
Logau 2, 3, 9;

er wird mehr nicht, als ich kan,
mir muten an.
Fleming 285;

für wen sehet ihr mich an? vor eine alte kuppeihure? solt ihr mir dis anmuten? Gryphius 1, 771; du hast mir mehr treue erwiesen, als ein herr seinem knecht anmuten darf. Simplic. 1, 319; anfangs waren die Griechen Conrado anmuten, dasz er ihrem keiser die knie küssen solle. Hahn 3, 230; der geistlichkeit die übernahme eines theils der abgaben anmuten. Forsters ansichten 1, 344; wer sich dafür interessiert, dem wird angemutet, dasz er alles vom anbeginn lesen soll. Tieck nov. kr. 4, 304; nun mutest du ferner diesen satz allen vernünftigen wesen an. Fichte sonnenkl. ber. 113; eine solche selbständigkeit mute ich mir wirklich an. über die bestimmung d. m. 187. Zu einem andern anmuten aber fügt Göthe den acc. in der bedeutung des ansprechens oder gefallens:

sie sagen, das mutet mich nicht an.
und meinen sie hättens abgethan. 2, 245;

geist und kunst auf ihrem höchsten gipfel
muten alle menschen an. 3, 124;

die mystik konnte ihn nicht anmuten. 6, 67; dasz er demjenigen, den solche dinge anmuteten, gewis beifall abgewann. 26, 77; seine gegenwart mutete mich nicht an. 32, 151; dagegen finden wir einen absoluten monstrosen helden (den serbischen Marko), der uns, so sehr wir ihn auch anstaunen, keineswegs anmuten mag. 46, 326; diese staatsdame aber wollte ihn keineswegs anmuten. 48, 164; wie eine so zerstückelte art die natur zu behandeln, den laien, der sich gern darauf einliesze, keineswegs anmuten könne. 60, 256. dies anmuten hat nur einen acc. der person, keinen der sache, jenes anmuten einen dat. (und früher auch acc.) der person neben dem acc. der sache. ganz ungewöhnlich und alleinstehend ist endlich ein sich anmuten mit gen. der sache, im sinn von sich anmaszen:

vermess sich keiner untugendlich
dies schwertes anzumuten sich.
Wieland 18, 17.


 
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anmuten, n. postulatum: ich suchte mich zwar diesem anmuten zu entziehen. Plesse 3, 13; aber man sah dieses anmuten für so lächerlich an, dasz man ungeachtet der schuldigen hochachtung es keiner beantwortung würdigte. J. E. Schlegel 3, 497; freund, welches anmuten! Stolberg 10, 416.