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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
anmal bis anmauern (Bd. 1, Sp. 405 bis 407)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) anmal, anmahl, n. macula, naevus, cicatrix, ahd. anamâli (Graff 2, 715): bin ich einest in ein groszen kessel mit heiszer milch, die ob dem fewr war, gefallen und mich dermoszen verbrendt, dasz die anmäler min lebenlang von dir und andern gsechen sind worden. Plater 12; schickten mich die andren buben in kilchen umb ein liecht, das stiesz ich also brinnend in ermel, verbrand mich, das ich noch das anmall han. 14; wie die zwei gegen einandern stehend, also stehen auch die muttermall und anmall gegen denen dingen, darvon sie kommen seind. Paracelsus 1, 99a; solche anmäler, so in mutterleib empfangen (seind). 1, 1094b; sollen im die anmähler oder muttermähler, so er an sich hat, abgehn. Thurneisser infl. wirk. aller erdg. s. 36; ein jeder haft gibt ein sonderbares anmal oder narben, daraus ein grosze ungestalt nachmalen entsteht. Würtz wundarzn. s. 11; oder (das si) ein anmal der natur haben und nit die glider ganz seind. Frank weltb. 194b; darumb in gemeinklich ein schellen und ein angeprents anmal und prandzeichen mit angeprent von der schrift. chron. 87b; sein gall nimpt hin die flecken und anmäler. Forer fischb. 29b; das mandelöhl von auszen aufgelegt heilet die von den kinderblattern hinderlassenen narben und anmähler. Muralt eidg. s. 111; nur so vil als es die erst angeborn flecken und mütterlich anmal belangt. Fischart bienenk. 98b. Henisch 83, 19 hat noch anmal, Dasypodius anmaal naevus;

dein herz trägt das ammahl der mutter.
Bodmer, Rahel ges. 2,

durch welche stelle Stalder 1, 100 in den irrthum verfällt, die erste silbe von ammahl aus amme mutter zu deuten, da doch ammal assimilation von anmal ist. das gute wort verdient in der gestalt anmal gebrauch und beibehaltung.
 
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anmarsch, m. accessus, nnl. aanmarsch, gegensatz zu abmarsch: der feind ist in vollem anmarsch, im anrücken; waren solche graue, mehr nebel- als wolkenzüge im anmarsch. Göthe 51, 219.
 
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anmarschieren, accedere, anrücken, heranziehen: dort kommen sie schon anmarschiert.
 
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anmästen, pinguefacere: jährlich zwölf rinder anmästen und zu geld machen; sich anmästen:

hatte sich ein ränzlein angemäst
als wie der doctor Luther.
Göthe 12, 106.


 
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anmaszen, imitari, usurpare, sibi arrogare, nnl. aanmatigen. ahd. und mhd. unvorhanden, auch nicht bei Luther erscheinend; aber Frank und Fischart gebrauchen es mit bloszem acc., und ohne sich, in der bedeutung von nachthun, nachahmen: anmaszen und äffisch nachthun. Frank spr. 123; was ein warhaftig ding anmaszt, und doch dasselbig ding nit ist, als conterfei und mess (messing) silber und gold anmaszen, aber nit sind. das.; der bös geist got äffisch anmaszende. das.; wann sie sich underfiengen das leben Christi anzumaszen. 57; das anmaszen und nachthun. 60; alle ding sind besser in der natur, als die künst anmaszen. 2, 107; das bös, dasz ers ausz dem exempel fliehe, das gt, dasz ers anmasz (annehme, vornehme, nachahme) und aus anderer fal sich förchten leere. chron. vorr. a iiia; den bloszen text ires gesatzes, den si nach den bchstaben anmaszen (dem sie buchstäblich folgen) und darauf si füszen. weltb. 113a; wer eines jeden person kan anmaszen, sich strecken kan nach der decke. Agricola spr. 107a; hierzu fieng auch meister Janotus von Mattbruch weidlich an zu lachen, ebenso sehr als sie, das inen das wasser in den augen gestund ... darmit sie fein augenscheinlich den heraclitisenden Democritum und democritisenden Heraclitum anmaseten (d. i. anmaszten, nachahmten). Fischart Garg. 156b. Zugleich erscheint aber auch ein sich anmaszen mit gen. der sache, und dem sinn von sich annehmen, unterfangen, sich wenden an etwas: die frommen bischof zu Rom haben sich keiner gewalt angemaszt, sondern unrecht gelitten.

[Bd. 1, Sp. 406]


Agricola spr. n° 218; Vangius aber und Sido haben sich der regierung angemaszt. Micrälius 1, 81; sich drumb anmaszen Garg. 285b;

der freundschaft musz ich mich anmaszen,
unser blutgwanten sprechen an.
B. Waldis 2, 4;

und sich der arbeit thun anmaszen (sie vornehmen)
und gottes willen gfallen lassen. 2, 17;

wer sich seins wilns nit wil anmoszen.
thut in abgrund zur hell verstoszen.
Waldis päpst. reich. A 4b;

das ihr ein keiserthumb wolt lassen,
euch diser heidin thun anmaszen,
gleich als wenn sonst kein weiber weren.
Ayrer 206b;

daraus leichtlieh wird zu sehen sein, wie hoch sich selbige vornehme männer, ungeachtet ihrer adelichen ankunft und standes, der poeterei angemaszet (angenommen). Opitz poet. 15; Hügens und Vondelen, so gar einer hohen art zu schreiben sich angemaszet. Hoffmannswaldau vorr.;

dasz er aufs euszerst dann sich meiner woll anmaszen (annehmen)
und mich von ihnen nicht gefangen nehmen lassen.
Werders Ar. 9, 54;

er erschrack heftig, wie wol er, weil er sich unter seiner feinde händen befand, sich dergleichen nicht anmaszete (merken liesz). Opitz Arg. 2, 210; Livia maszte sich dieses dings ängstig an. Lohenst. Arm. 1, 1252; der fürst musz sich der herschaft selbst anmaszen (unterziehen). 2, 772; ungeachtet die vornehmsten frauen in der stadt sich durch vorbitte seiner anmaszten (annahmen). 2, 1153. Seit dem 18 jh. ungefähr verbindet sich aber stets die vorstellung eines stolzen oder unberechtigten unterfangens damit: jene munterten die jünglinge von Athen auf, sich der regierung des staats anzumaszen. Wieland 1, 64; sich einer unabhängigkeit anzumaszen, deren schädliche folgen sie sich selbst unter dem reizenden namen der freiheit verbargen. 2, 108; das recht dieses jungen menschen an die königliche gewalt, deren er sich nach seines vaters tode anmaszte. 2, 247; Dschengis, wiewol sie alle seine sklaven gewesen waren, maszte sich keiner herschaft über sie an. 7, 108; kraft eines vorrechts, dessen sich die geschichtschreiber von jeher angemaszt haben. 11, 279; konnt es auch einem Peter Aretin einfallen sich des amtes anzumaszen. 13, 273; der mitbesitzer sich besondrer vorrechte anmaszt. 14, 122; die akademie ist weit entfernt, sich einer besondern und genauern einsicht in geheimnisse, welche unergründlich bleiben sollen, anzumaszen. 20, 251; er maszte sich der fischerei mit gewalt an. Hippel 11, 427; nur betrug maszt dieser macht sich an. Gotter 2, 52; die scheu Ottiliens, sich jener heiligen gestalt anzumaszen. Göthe 17, 271; wenn die geistliche hand der weltlichen zügel sich anmaszt. 40, 303: so mögen wir den zeitgenossen nicht gern erlauben, sich einer gleichen begünstigung anzumaszen. 50, 112; wer von den groszen liest den sittenrichter, der sich der zurechtweisung anmaszt? Klinger 11, 8;

deiner heiligen zeichen, o wahrheit, hat der betrug sich
angemaszt.
Schiller, im spaziergang;

nicht unwürdig hab ich mich
des bundes angemaszt mit deiner tochter.
Schiller 588;

der mensch maszt sich eines willens an, der u. s. w. Kant 4, 86; der sich des verlags anmaszende nachdrucker. 5, 350; in ansehung dieses vorzugs, dessen ich mich anmasze. 8, 204; der leere raum könnte sich sonst des titels eines grundsatzes anmaszen. 8, 514. Zuweilen tritt auch wieder der sächliche acc. des alten anmaszen, aber mit persönlichem dat. vor: ich masze mir ein recht an; was sie sich mehr anmaszen wollte, wäre usurpation. Wieland 29, 349;

was maszest du dir an, mir falsch orakel
betrüglich zu verkündigen?
Schiller 473;

wo der soldat sein angebornes recht auf alle welt mit raschem schritt sich anmaszt. Göthe 8, 275; so reiszt den wall der tyrannei zusammen, und schwemmt ersäufend sie von ihrem grunde, den sie sich anmaszt, weg. 8, 297. Das part. praet. hat früher die bedeutung von angenommen: endlich liesze ich den angemaszten zorn fallen. Simpl. 2, 384; später die von usurpiert: jeder angemaszte kenner. Lessing 1, 54; aus angemaszter macht. 1, 108; als ein angemaszter dichter. 3, 299; mein angemaszter richter (der sich das urtheil anmaszt). Kant 3, 307; wie von einem angemaszten statthalter gottes die bürgerliche ordnung zerrüttet wurde. 6, 307. Überschauen wir die geschichte dieses anmaszen, so scheint es ursprünglich ein an sich messen, sich zumessen, beilegen, erst in gutem, allmälich in übelm sinn. vgl. DWB anmessen.

[Bd. 1, Sp. 407]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) anmaszend, arrogans: ein anmaszender mensch; sich in der anmaszendsten weise aussprechen.
 
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anmaszer, m. imitator, usurpator: die verachtung empört die eigene eitelkeit gegen den anmaszer. Kant 10, 11.
 
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anmaszerin, f. imitatrix: die kunst ist ein äffin und anmaszerin der natur. Frank 2, 107.
 
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anmaszlich, arrogans, dünkelhaft, anmaszend, angemaszt, angeblich: ein anmaszlicher kenner; und folglich läszt sich aus diesem punkte der anmaszliche Sebastian nicht verdammen, aber wenn man ihn selbst näher betrachtet, findet sich auch da keine spur des betruges? keine. Lessing 6, 151; mistrauen in die absichten ihrer anmaszlichen beschützer. Wieland 3, 69; die alte Krobyle fand nicht für gut, ihrer pflegetochter zu entdecken, wie theuer sie dem Alcibiades ihre anmaszlichen rechte über sie verhandelt habe. 3, 269; wenn wir ihre anmaszlichen vorzüge auf ihren wirklichen werth herunter setzen. 3, 309; vor der abhängigkeit von einer anmaszlichen hauptstadt bewahren. 29, 350; vor diesen anmaszlichen gerichtshof. Schiller 409; da er (Innocenz) den kaiser unerbittlich fand, diese anmaszlichen rechte der kirche für die zukunft in sicherheit zu setzen. 1038;

als knabe verschlossen und trutzig,
als jüngling anmaszlich und stutzig.
Göthe 2, 291;

der tollen jugend anmaszliches wesen. 3, 248;

ein begünstigter freund triumphiert über den anmaszlichen nebenbuhler. 25, 38; anmaszliche unkenner. 31, 216; die theilnahme halbfähiger anmaszlicher naturen. 36, 187.
 
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anmaszung, f. imitatio, usurpatio. Fischart nennt die kinder gegenüber dem vater schön: spiegel seiner vergangenen jugend, anmasung (d. i. anmaszung) seiner geberden, angesicht und angestalt. Garg. 67a; (Gargamelle war) wolgeberdig, holdseliger anmaszung (miene?) und anmütiger redbescheidenheit. 77a. heute stolzer anspruch: die anmaszungen Sigismunds auf den schwedischen thron. Schiller 920; der adel, da er wenig hofnung hat, seine rechte auf der seite des thrones zu erweitern, sucht sich für seine ergebenheit gegen denselben durch anmaszungen über die rechte des volkes zu entschädigen. Wieland 7, 61; die deduction eines urtheils, d. i. legitimation seiner anmaszung. Kant 7, 134;

wo anmaszung mir wol gefällt?
an kindern: denen gehört die welt.
Göthe.


 
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anmauern, jungere muros: noch ein stück anmauern.