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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
anlügen bis anmarschieren (Bd. 1, Sp. 403 bis 405)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) anlügen, mentiri adversus aliquem, an (auf) einen lügen, ahd. analiugan (Graff 2, 131), mhd. und bei Luther noch anliegen:

sô het ir tievellîchen an Rüedegêr gelogen. Nib. 2167, 3;

swie gar unschuldic ist ein man
man mac in dannoch liegen an,
eʒ lachet dicke unschuldic man,
swenne man in liuget an.
Freid. 170, 4;

log den armen hunt an. fastn. sp. 737, 5;

du leugst dich selber an. 815, 5;

aber was ists wunder, das du mich anleugest und schmehest, wenn du s. Paul und Christum lesterst? Luther 1, 342b; denn so leret ir keiner, er leuget sie felschlich an. 3, 467; und wir unter wolfen und wilden, unvernünftigen thieren wonen, die uns betriegen und felschlich anliegen. 4, 530a; das er flugs forn an im titel und im anfang mich und mein buch schendlich anleuget und lestert. 5, 303a; itzt musz ich abbrechen und aufs concilium, so der bapst mit den seinen angelogen und villeicht auch ausgelogen hat. 6, 544b; damit sie uns doch offentlich anliegen. 8, 286a; gott und die heilige schrift anliegen und lestern. 8, 287a;

so haben sie mich angelogen,
das ich sei meiner sinn beraubt.
H. Sachs 1, 139b;

ja jene taube leugt mich an,
sie sieht mich für ein andern an.
Uhland 142;

du hast die fromme herzogin als ein verräter und bösewicht angelogen. Galmy 321; dasz sie mich als die ehrendiebe,

[Bd. 1, Sp. 404]


schelmen und böswichter andichten und anliegen. Thurneisser ausschreiben 1, 69; der geist, der diese asche belebte, steht vor den augen des, dem es keine mühe macht, das eigene von dem angelogenen zu unterscheiden. Lessing 10, 222; lüge dir keine empfindung an. Klingers th. 2, 370; geschwätz von barbaren, die sich gern kunstsinn anlögen, für barbaren die sich durch andere ihn anlügen lassen. Fichte grundz. der g. z. 204; etwas sich ankünsteln und anlügen. nachg. werke 1, 5.
 
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anmachen, machinari, moliri, excitare, nnl. aanmaken: das feuer anmachen, anzünden, mache feuer in dem ofen an, es ist kalt; ein schön hell fewer anmachen liesz. Garg. 185a;

befiehl auch, dasz stracks wird der schorstein angemacht,
dasz uns geglühter wein nicht fehle durch die nacht.
Fleming 38;

es dampfet ein metallischer geist, welcher das wasser anmacht. Lohenst. Arm. 2, 739; den kalk anmachen, mit wasser befeuchten; beeren anmachen, mit zucker; das mehl anmachen, zum backen; den teig anmachen, anrühren, anmischen:

thu ein küchleintaig anmachen.
H. Sachs 1, 454a;

den wein, das bier anmachen heiszt aber sie durch zuthat fälschen, angemachter, verfälschter, fabrizierter wein; ein recept anmachen, die arznei nach dem recept machen. Garg. 189a. Dann vom festigen, anlegen anderer dinge: eine schnalle anmachen, das segel anmachen, das schlosz vor die thür anmachen, ein band anmachen, anbinden, wie abmachen losbinden; die thür anmachen, anlehnen, verschieden von zumachen, schlieszen. ehmals auch kleider anmachen, an den leib verfertigen, anschneiden, anmessen: doch hatt si zimlich gute kleider iren selbs angemacht. Plater 60; die leut machen heut die kleider stäts weiter dann die glider ... sie kan ohn mich einer milben ein par reutstifel anmachen. Garg. 120a; so man sonst dem unstäten mon kein kleid anmachen kan. 135b.
Eins einem anmachen, entweder anrühren, einrühren oder anhängen, anthun: wie sie ihrem nächsten möchten eines anmachen. Philand. 1, 9; welche ihrem nächsten hinderwerts eines anmachen. 1, 651; ich hab meinem gesellen eines angemacht bei der herschaft. 1, 446;

was gelts? ich hab ihm eins angmacht.
Ayrer 97a;

ob nun wol der Belial dem könig Salomon als unterrichtern gern eins angemacht und ein schimpf bewiesen hett. Ayrer proc. 2, 1; wie sie mir eins anmachen möchten. Simplic. 2, 86;

wie kan dann nun ein mann solch acht
wol haben, dasz ein weib nicht einem an eins macht?
da wir zween diese nicht recht haben können hegen,
und ist doch zwischen uns uns ruhrhart angelegen.
Werders Ariost 26, 61

sich anmachen, sich heranmachen, zudrängen.
 
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anmacht, f. deliquium, mhd. âmaht, Luther schreibt assimilierend ammacht: und da er mit mir redet, sank ich in eine ammacht zur erden. Dan. 8, 18; in den schriften und tischreden steht anmacht: funfzehnmal in anmacht fiel. tischr. 230b; die späteren ausgaben setzen ohnmacht;

ach es geht uns zu ein anmacht,
halt uns, dasz wir nicht fallen umb.
Ayrer 290b.

s. DWB amacht und DWB ohnmacht.
 
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anmächtig, deliquium passus: er aber entschlummert, ward ammechtig und starb. richt. 4, 21; sie haben dir dein mutter zum bier gefürt, du anmechtiger plauderer. Luther 4, 440b.
 
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anmahlen, appingere, ein bild, eine wand anmahlen, mit farbe anstreichen; sich anmahlen, schminken: sie mahlt sich an, mahlt sich ihr gesicht an; angemahlte wangen; mit lilgen angemalt. Garg. 204b.
 
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anmahlen, diem in judicio praefigere, vom ahd. mahal judicium: angemalete ordentliche tage. weisth. 2, 299.
 
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anmahnen, adhortari, nnl. aanmanen: zur gegenwehr anmahnen. Schweinichen 2, 115; zum guten anmahnet. Simpl. 1, 449;

du hast mich dergleichen leichte waaren
zu meiden angemahnt.
Gryphius;

am tag der guten ding sol ich mich anmanen und gedenken der bösen ding. Hans Jac. Velr vergiszmeinnit. Regensp. 1525 n ii;

dasz du uns zu bezähmen sie anmahust.
Voss:

wenn du zum essen und trinken ... mich anmahnst;

[Bd. 1, Sp. 405]


des ewigen ernstes auge schaut anmahnend auf uns herab. Tieck 8, 39.
 
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anmahnung, f. admonitio, adhortatio, nnl. aanmaning:

und halten nur der sonnen stich
für anmannung zu fördern sich.
Fischart gl. sch. 645;

der blasbalg strenger anmanung. Garg. 173a; in dessen munde also auch die kindliche anmahnung kein sich brüstender, überhobener rath sein wird. Herder 14, 26; immer erhalte ich noch briefe und anmahnungen mich ihnen wieder anzuschlieszen. Tieck ges. nov. 6, 14.
 
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anmal, anmahl, n. macula, naevus, cicatrix, ahd. anamâli (Graff 2, 715): bin ich einest in ein groszen kessel mit heiszer milch, die ob dem fewr war, gefallen und mich dermoszen verbrendt, dasz die anmäler min lebenlang von dir und andern gsechen sind worden. Plater 12; schickten mich die andren buben in kilchen umb ein liecht, das stiesz ich also brinnend in ermel, verbrand mich, das ich noch das anmall han. 14; wie die zwei gegen einandern stehend, also stehen auch die muttermall und anmall gegen denen dingen, darvon sie kommen seind. Paracelsus 1, 99a; solche anmäler, so in mutterleib empfangen (seind). 1, 1094b; sollen im die anmähler oder muttermähler, so er an sich hat, abgehn. Thurneisser infl. wirk. aller erdg. s. 36; ein jeder haft gibt ein sonderbares anmal oder narben, daraus ein grosze ungestalt nachmalen entsteht. Würtz wundarzn. s. 11; oder (das si) ein anmal der natur haben und nit die glider ganz seind. Frank weltb. 194b; darumb in gemeinklich ein schellen und ein angeprents anmal und prandzeichen mit angeprent von der schrift. chron. 87b; sein gall nimpt hin die flecken und anmäler. Forer fischb. 29b; das mandelöhl von auszen aufgelegt heilet die von den kinderblattern hinderlassenen narben und anmähler. Muralt eidg. s. 111; nur so vil als es die erst angeborn flecken und mütterlich anmal belangt. Fischart bienenk. 98b. Henisch 83, 19 hat noch anmal, Dasypodius anmaal naevus;

dein herz trägt das ammahl der mutter.
Bodmer, Rahel ges. 2,

durch welche stelle Stalder 1, 100 in den irrthum verfällt, die erste silbe von ammahl aus amme mutter zu deuten, da doch ammal assimilation von anmal ist. das gute wort verdient in der gestalt anmal gebrauch und beibehaltung.
 
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anmarsch, m. accessus, nnl. aanmarsch, gegensatz zu abmarsch: der feind ist in vollem anmarsch, im anrücken; waren solche graue, mehr nebel- als wolkenzüge im anmarsch. Göthe 51, 219.
 
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anmarschieren, accedere, anrücken, heranziehen: dort kommen sie schon anmarschiert.