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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
anliegen bis anludern (Bd. 1, Sp. 402 bis 403)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) anliegen, n. id quod incumbit, premit, wie das verbum neben bresten gestellt erschien, kann auch das subst. ein gebrechen anzeigen und findet sich früherhin für einen innern mangel und fehler verwandt: dann dise krankheit nimpt oft bei einem ros uberhand, ehe dan mans nit recht war nimbt, vermeint etwan einer das ros habe sonst ein anligen am husten und athem. Seuter s. 49; wie aber der husten an ihm selbst ein äuszerliches kennzeichen eines innerlichen anligen(s) ist. Pinter pferdeschatz s. 401; weilen ja solches heimliche und innerliche anliegen (mit läusen behaftet zu sein) einen menschen ganz träg machet. Simpl. 1, 222. Gewöhnlich aber bedeutet es den innern drang, der sich auch als gesuch und bitte äuszert: wirf dein anligen auf den herrn, der wird dich versorgen. ps. 55, 23; und betet stets in allem anligen. Eph.

[Bd. 1, Sp. 403]


6, 18; (der unverheiratete) hat niemands, dem er sein noth klaget, der ihm sein anligen abnimbt. Garg. 68b; also habt ir sein durstig anligen (den ihn quälenden durst) verstanden. 110a; sein anliegen offenbaren und klagen. pers. rosenth. 3, 5; was eures herrn gewerb und anliegen sein werde. Schweinichen 1, 381;

es ist noch etwas mehr das seel und sinnen nagt.
vergibt der fürst dem, der um sein anliegen fragt?
Gryphius 1, 52;

kein ander anliegen hatte ich, als dasz ich wuste, dasz es nicht ewig wären würde. Simpl. 1, 227; Wilhelm der stille weiht sich dem groszen anliegen der freiheit. Schiller 775; solange ihre vorigen beherscher kein höheres anliegen hatten als ihren wolstand abzuwarten. 784. unter dem volk hört man ein anliegens (wie ein schreibens und ähnliches) und schon Alberus hat: scrupulus ein anligens, wetterauisch onlaies, anlieges. Keisersberg sagte post. 2, 7 gott weisz mein anligend vorhin.
 
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anliegenheit, f. was das vorige anliegen: man müsse es (das orakel) nicht aus scherz und frevel, sondern nur in wahren anliegenheiten befragen. Göthe 25, 281. vgl. angelegenheit.
 
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anlieger, m. adjacens, vicinus: auch solche anlieger (am flusz), welche die früheren geringen beiträge verweigert hatten, verlangten ihren theil an dem eroberten boden. Göthe 31, 56.
 
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anliegig, astrictus, corpori haerens, bene sedens: glat anligig. Garg. 157a.
 
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anlieglich, instans: das würk anliglich, heftigklich. Keisersb. sch. der penitenz 57; anliglich betten. post. 3, 70.
 
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anlispeln, blaeso sono alloqui:

mir scheint die einsamkeit zu winken, mich
gefällig anzulispeln.
Göthe 9, 133;

kühlender wind lispelt uns an.
 
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anloben, früher für angeloben, spondere: bis sie hinfort in ruhe zu stehen anlobeten. Micrälius 2, 189; die für sich und anstatt der soldaten mit einem handstreich anloben müsten. 5, 257. heute bedeutet es allaudare: er will mir die sache recht anloben, anpreisen.
 
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anlocken, allicere, nnl. aanlokken: ein anlockendes, reizendes wesen; die fische, die vögel anlocken; blühende ufer mit bäumen süszer, anlockender früchte besetzt. Klinger 6, 113;

der schöne morgen hat zur fernen jagd
ihn angelockt.
J. E. Schlegel.


 
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anlösen, pecuniam pro re oppignorata numerare, einlösen: aufnemmen, anlösen. Fischart Garg. 191b. die gegebne erklärung hat Stieler 1177.
 
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anlöten, applumbare, plumbo conglutinare: den eisernen ring anlöten; das ist nicht fest genug angelötet.
 
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anludern, feras carne allicere, anäsen, anködern. s. DWB ankühnen.