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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
anleuchten bis anloben (Bd. 1, Sp. 401 bis 403)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) anleuchten, allucere, nnl. aanlichten: einen mit dem licht anleuchten; die sonne leuchtet die erde an; beten und fasten ist gut, dann sie treiben die teufel aus, klopfen und anleuchten ist auch gut. Paracelsus 114b; Astarte, die nacht und tag anleuchtet. Lohenst. Sophon. 41, 73; ein mensch von dem sonnenglanz der tugend angeleuchtet, kan anderst nit thun, als ehre von sich schatten. Sigm. v. Birken ostl. l. o; die fürstin überwältigte alles gewölke um sie her immer glücklicher, um den freund nur aus einem blauen himmel anzulachen und anzuleuchten. J. Paul Tit. 3, 185; landstrasze, die einen knabenkopf anleuchtet und befruchtet. Fibel 30.
 
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anliebeln, einen mit verliebten augen ansehen. Stieler 1158 schreibt anlieblen.
 
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anliegen, im 16 jh. noch oft und richtig geschrieben für anlügen, was m. s.
 
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anliegen, adjacere, incumbere, nnl. aanliggen, ahd. analigan, an einem liegen, nahe liegen. von enge anschlieszenden, sich anschmiegenden kleidungsstücken, der rock liegt wol an, die hosen liegen knapp an; dasz das schildlin auf dem leibrock hart anlige. 2 Mos. 28, 28; das es fein anlige auf dem leibrock. 39, 19; stifel, die man von fuszen schüttelt, und anligen wie ein glock dem schwengel. Garg. 240b; dasz der ausdruck dem gedanken anliege, wie dem mädchen das gewand anliegt, wenn es aus dem bade kömmt. Klopstock, wo sich zugleich die figürliche anwendung zeigt; alles das lag ja Klotilden wie angegossen an. J. Paul Hesp. 2, 238; medisance, die den weibern recht knapp und schön am innern menschen anliegt. biogr. bel. 1, 110. das liegt mir an, liegt dicht an mir, dasz ich es lebhaft empfinde, engt und drängt mich; was ligt dir an? H. Sachs II. 4, 1c; was liegt dir im sinn, was quält dich?; wann ihr etwas braste oder anlage. Frey garteng. 88; dasz sie ihnen diese sache herzlich anliegen lassen. Melanchth. 1, 549; es ligt mir beides hart an. Philipp. 1, 23; lants üch ligen an. fastn. sp. 832, 31;

ein ander krankheit mich anficht,
ich wer gern grosz, das ligt mir an,
drumb ich kein friden haben kan.
Alberus 150;

das mir warlich schwär anligt. Galmy 250; was gebricht euch? was mir anliget, das kanst du mir nicht helfen. Pauli schimpf 117b;

es wird ihm etwas ligen an.
Ayrer 177a;

mich sendet hin, wem läg es näher an.
Schiller 524;

da ligt mir nichts an. Gal. 2, 6; denn es sei ebreisch oder nicht, dar ligt nichts an. Luther 3, 51b; ob wir diesem geist nicht gnug thun, der auf euszerliche werk sihet und nichts achtet gewissen, da ligt nichts an. 3, 58. wie liegt an heiszt es auch unpersönlich es ist angelegen (vgl. angelegen):

was denkstu lieber gott? wann wir so sehr uns regen
und sagen doch gar kaum was uns ist angelegen.
Logau 2, 5, 39;

es ist uns angelegen, das wort stil in den höchsten ehren zu halten. Göthe 38, 184. den unpersönlichen ausdruck können sodann wirkliche subjecte vertreten: darumb, lieben herrn,

[Bd. 1, Sp. 402]


laszt euch das werk anligen (angelegen sein), das gott so hoch von euch foddert. Luther 2, 478b; die sache liegt mir an; sein anligende sache erzelt. Pauli schimpf 5a; zum vierden sol man beten, nicht gewonheit ist, viel bletter oder körnlin zelen, sondern etliche anliegende not für nemen. Luther 1, 237b; das ist der christen kunst, das wir auf das wort sehen und thun weit aus den augen alle anligende und beschwerende not und leiden. 5, 313b; so empfehet er gewis sterke und trost wider alles unglück, das im anligt. 6, 347a; sie sollen die sünde ablegen, die inen anligt. 1, 186b; wo sünd und tod nicht were, so müste mich beide welt sampt dem fleisch und der teufel wol mit frieden lassen, das sind aber die rechten, die uns am hertesten anligen und welche durch die andern uns drücken und drengen. 6, 240b; Friderich, welchem der herzogin leid nicht wenig anlag, anfieng und sprach. Galmy 278. bei Luther oft: da alle macht anligt, worauf viel ankommt: da alle macht anlege. 3, 56b; da keine macht anligt. 3, 61; sonderlich so mans an den orten thet, da macht anligt, an andern orten lege nicht so grosze macht daran. 3, 65. Wenn nun personen einem anliegen, gleichsam sich an ihn legen, so heiszt es, dasz sie ihn mit bitten drängen, dringend bitten: aber sie lagen im an mit groszem geschrei und forderten. Luc. 23, 23; das er dem keiser bitlich anleg. Aimon B i;

nun lag der mutter an der suhn.
Alberus 162b;

das mäuslin lag der mutter an. 163;

zwar were wünschen können
und were wollen thun,
du soltest nicht von hinnen
und so den rückzug thun,
ich lege dir stets an,
damit mein langer weg nicht würd ohn dich gethan.
Fleming 47;

so vereinigte sich die ganze gesellschaft ihm anzuliegen, dasz er ihre ungeduld nach der versprochenen geschichte befriedigen möchte. Wieland 12, 158;

lag sie mir an mit unabläszgem flehn,
ihr dieses festes anblick zu gewähren.
Schiller 503;

der minister liebt mich seit langer zeit, hatte lange mir angelegen, ich sollte mich irgend einem geschäfte widmen. Göthe 16, 79; ich lag der mutter an und diese suchte den vater zu bereden. 18, 18; als ich den eltern anlag nunmehr ernst zu machen. 24, 184.
Es lassen sich aber noch andere sinnliche anliegen denken: dem buche liegt ein bild, dem briefe ein blatt an; der stadt die mauer, der wall, das dorf; dem hause der stall, dem fenster das dach, dem boden der taubenschlag: nichts von einem halben dutzend katern zu gedenken, die auf dem dache, das an meinem fenster anliegt, der jungen katze vom hause, wie ich mir einbilde, eine serenade brachten. Wieland 11, 352. ungewöhnlich setzt Lessing 1, 3 anliegen für beiliegen, accumbere:

als Zevs Europen lieb gewann,
nahm er die schöne zu besiegen,
verschiedene gestalten an,
verschieden ihr verschiedlich anzuliegen.

während er hier doch den persönlichen dat. hinzufügt, verwendet er ein andermal tadelhaft den acc.: hier lag Antonio den könig sehr an, ihm mit einer summe von 26000 thalern beizuspringen. 6, 163; nicht anders Klopstock: sollte er auf unsern bevorstehenden landtag kommen, so wird man ihn gewis nicht wenig anliegen, nun auch von den künftigen vorfallenheiten unsrer republik zu prophezeien. 12, 122. allein das intransitive neutrum liegen erträgt keinen acc., und schon ahd. steht nur der dat. bei analigan (Graff 2, 86).
 
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anliegen, n. id quod incumbit, premit, wie das verbum neben bresten gestellt erschien, kann auch das subst. ein gebrechen anzeigen und findet sich früherhin für einen innern mangel und fehler verwandt: dann dise krankheit nimpt oft bei einem ros uberhand, ehe dan mans nit recht war nimbt, vermeint etwan einer das ros habe sonst ein anligen am husten und athem. Seuter s. 49; wie aber der husten an ihm selbst ein äuszerliches kennzeichen eines innerlichen anligen(s) ist. Pinter pferdeschatz s. 401; weilen ja solches heimliche und innerliche anliegen (mit läusen behaftet zu sein) einen menschen ganz träg machet. Simpl. 1, 222. Gewöhnlich aber bedeutet es den innern drang, der sich auch als gesuch und bitte äuszert: wirf dein anligen auf den herrn, der wird dich versorgen. ps. 55, 23; und betet stets in allem anligen. Eph.

[Bd. 1, Sp. 403]


6, 18; (der unverheiratete) hat niemands, dem er sein noth klaget, der ihm sein anligen abnimbt. Garg. 68b; also habt ir sein durstig anligen (den ihn quälenden durst) verstanden. 110a; sein anliegen offenbaren und klagen. pers. rosenth. 3, 5; was eures herrn gewerb und anliegen sein werde. Schweinichen 1, 381;

es ist noch etwas mehr das seel und sinnen nagt.
vergibt der fürst dem, der um sein anliegen fragt?
Gryphius 1, 52;

kein ander anliegen hatte ich, als dasz ich wuste, dasz es nicht ewig wären würde. Simpl. 1, 227; Wilhelm der stille weiht sich dem groszen anliegen der freiheit. Schiller 775; solange ihre vorigen beherscher kein höheres anliegen hatten als ihren wolstand abzuwarten. 784. unter dem volk hört man ein anliegens (wie ein schreibens und ähnliches) und schon Alberus hat: scrupulus ein anligens, wetterauisch onlaies, anlieges. Keisersberg sagte post. 2, 7 gott weisz mein anligend vorhin.
 
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anliegenheit, f. was das vorige anliegen: man müsse es (das orakel) nicht aus scherz und frevel, sondern nur in wahren anliegenheiten befragen. Göthe 25, 281. vgl. angelegenheit.
 
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anlieger, m. adjacens, vicinus: auch solche anlieger (am flusz), welche die früheren geringen beiträge verweigert hatten, verlangten ihren theil an dem eroberten boden. Göthe 31, 56.
 
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anliegig, astrictus, corpori haerens, bene sedens: glat anligig. Garg. 157a.
 
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anlieglich, instans: das würk anliglich, heftigklich. Keisersb. sch. der penitenz 57; anliglich betten. post. 3, 70.
 
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anlispeln, blaeso sono alloqui:

mir scheint die einsamkeit zu winken, mich
gefällig anzulispeln.
Göthe 9, 133;

kühlender wind lispelt uns an.
 
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anloben, früher für angeloben, spondere: bis sie hinfort in ruhe zu stehen anlobeten. Micrälius 2, 189; die für sich und anstatt der soldaten mit einem handstreich anloben müsten. 5, 257. heute bedeutet es allaudare: er will mir die sache recht anloben, anpreisen.