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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
anlegeschlosz bis anleiher (Bd. 1, Sp. 399 bis 400)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) anlegeschlosz, sera pensilis, ein angehängtes, angelegtes schlosz, was sonst blosz anleg oder anlege hiesz, auch vorlegeschlosz.
 
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anlegung, f. insidiae: die solten die brunnen aus anlegung und heimlicher practik vergift haben. Frank weltb. 157b.
 
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anlehn, n. mutuum, foenus, ahd. analêhan (Graff 2, 124), die anleihe: ein anlehn suchen, abschlieszen, bewilligen.
 
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anlehne, f. reclinatorium, ἀνακλισμός, die lehne. anlehne der drechselbank.
 
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anlehnen, acclinare, reclinare, ἀνακλίνειν, accumbere, incumbere, ahd. anahlinên, nnl. aanleunen, zuweilen noch intransitiv: der rechte flügel des heers lehnt an den wald an, ein rasensitz lehnt an die wand an; Julie lehnt an, entschlummert. Fr. Müller 3, 335; lehnt er doch überall an. Göthe bei Schöll 233. Gewöhnlich transitiv, die thür anlehnen, den pfal an die mauer anlehnen, den stab an den boden; sich anlehnen: die schlachtordnung lehnte sich an den berg an; lehnet sich mit der hand an die wand. Amos 5, 18;

wir sahen drei ruhige hütten ans steile gestade
angelehnt, und freundlich genetzt von der schmeichelnden welle.
Stolberg 1, 140;

lehne dein ohr an seinen mund an und lausche seinen ersterbenden worten; sich an den stab anlehnen gilt zumal von müden wanderern, von greisen und von umschauenden schäfern. wenn der schäfer bei Göthe sagt:

da droben auf jenem berge
da steh ich tausendmal,
an meinem stabe gebogen
und schaue hinab in das thal,

könnte es auch heiszen angelehnt an meinen stab und schon Fischart Garg. 155a steht: ein guten schäfer geb ich, ich läne mich wol an, aber ich müst auch ein guten hund haben. die langen angelehnten leitern. Kirchhof disc. mil. 42; sie wollte die thür unverschlossen anlehnen. maulaffe 39. figürlich, bei einer aufgestellten behauptung sich an einen gewährsmann anlehnen; das deutsche recht lehnt sich ans römische an.
 
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anlehnen, ein anlehn, gewöhnlicher eine anleihe machen. dies anlehnen (ahd. analêhanôn) vom vorausgehenden anlehnen (ahd. anahlinên) gänzlich verschieden.
 
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anlehren, docere, lehren, anweisen: einen knaben anlehren; dasz die letzst not uns felschlich zu bitten anleert. Agricola spr. 210b;

[Bd. 1, Sp. 400]


so soll der pfarherr in anlehrn,
dasz er den geist besprechen söll.
Ayrer 64a;

mit falschem dat. statt des acc. der person: wird den weibern statt der milde die wilde angerathen und angelehrt. J. Paul ästh. 3, 143, wenn man den dat. nicht blosz auf anrathen beziehen will. das nnl. aanleeren bedeutet addiscere, vgl. DWB anlernen.
 
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anleiden, vexare, taedere: waren lustig und trunken gute räusche und muste mich wegen der jungfrau (der braut) wol anleiden (hatte viel zu leiden, auszuhalten, muste mich vexieren, mir leid sein lassen). Schweinichen 3, 275, hernach folgt 277 derwegen ward ich sehr geplaget wegen der jungfrau.

das mein buch, sagt mir mein mut,
noch ganz böse noch ganz gut;
kummen drüber arge fliegen,
wird gesundes bleiben liegen
und das faule leiden an,
kummen aber bienen dran,
wird das faule sein vermieden
und gesundes recht beschieden.
Logau 1, 6, 30.

Ramler und Lessing, welche dies anleiden (zuwider sein, widerstehen, ein ärger sein) nicht faszten, setzten: und das faule findet man.
 
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anleihe, f. mutuum, pecunia mutua credita, eine anleihe machen; alle staaten werden zu groszen anleihen genöthigt; gezwungene, freiwillige anleihe.
 
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anleihen, mutuo accipere: geld anleihen, gegenüber dem darleihen, credere. doch steht es auch für commodare: wenn der anleihende ein vermögender mann wäre. Kant 5, 109.
 
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anleiher, bald der erborgende, bald der dargebende: der schaden fällt auf den anleiher, casum sentit dominus. Kant 5, 110.