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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
anlangen bis anlatschen (Bd. 1, Sp. 390 bis 393)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) anlangen, impetere, aggredi, nnl. aanlangen, einen angehen, an ihn langen, greifen: umb die schüld megens dich nit anlangen. fastn. sp. 848, 3; da sehet ir den, umb welchen mich die ganze menge der Jüden angelanget hat. apostelgesch. 25, 24; aber mein lieber bapst und der heilige römische stuel stöszt zu boden und verdampt solche heilige, geistliche ordnung ganz miteinander durch anlangen (auf antrieb, bitte) der priesterschaft. Luther 1, 296a; darumb were on not gewest, uns noch zur zeit umb hülf, beistand ... anzulangen. 2, 106b; bin auch seinethalben nicht angelanget worden. 3, 415b; da haben wir demütiglich mit bitten angelangt den durchleuchtigsten fürsten. 4, 334a; der grosze ernst der briefe, mit welchen ich von den unsern angelangt werde, zwinget mich. 5, 147a; nu hat mich gedachte Else mit weinen und klagen angelangt. Luthers br. 4, 273; wir sind von ime selbst angelangt uns mit ime etlichermaszen zu vertragen. Chmels Maxim. s. 52; damit wir von ime deshalben weiter unangelangt beleiben. s. 80; du wollest uns berichten, wa wir die tausent guldin, als du waist finden, oder wen wir darumb anlangen sollen. s. 94; und begern darauf an dich mit ernst, du wellest, so gedachter Ulrich Smid dich anlangen wirdet, ime hilflichen und furderlichen sein. s. 15; langt uns an (geht uns an). s. 18;

den langt er an umb etlich tausent.
B. Waldis 3, 92;

du must sein etwas unverschampt
und auch anlangen umb ein ampt.
Fischarts Eulensp. bl. 258;

der künig schampt sich nicht mit bitt anzulangen, ob ich nit künde. Frank weltb. 215b; dann ich ward teglich angelangt von den unsern umb hilf. 233b; es habe es dann die oberkeit, hierumb von ihnen angelangt, vergünstiget. Kirchhof mil. disc. 224; einen umb bezalung hart anlangen. wendunm. 259; und er mich ime dieselben aus meinem gerichtsbuche schriftlichen mitzutheilen begert und angelangt. Reutter kriegsordn. 50; hat er derhalben umb günstigen abscheid gebeten und angelanget. 151; derweil du grosze lust zu der rosarznei und mich bitlichen angelanget hast dich zu berichten. Zechendorfer 1, 29;

derhalb wo unter uns ein mann
schon anlangt umb ein jungfraun.
Atrer 14b;

als ich sie umb ein dienst langt an. 92a;

nachdem uns die landschaft langt an. 133b;

[Bd. 1, Sp. 391]


dasz uns der weitberühmte heidnischer orator M. T. Cicero bittlich angelanget. Ayrer proc. 3, 2. dieser gute, untadelhafte ausdruck gerieth im 17. 18 jh. auszer gebrauch, gleich dem transitiven ankommen, während intransitive bedeutungen von anlangen und ankommen sich geltend machten.
Und wie ein unpersönliches es kommt mich an bestehen blieb, erscheint auch ein es langt mich an mit der bedeutung von gelangt an mich, kommt mir zu ohren, wird mir gemeldet: so langt uns doch gläublich an. Frankf. ref. I. 40, 13; als das den keiser anlanget, ward er in einen stall verschaft. Frank chron. 275b; und wiederum mit dat. statt des acc.: in solichem langt mir auch gleuplich ane. Chmels Maxim. s. 29. a. 1494, es wird mir glaubhaft berichtet, glaubhafte meldung gelangt an mich.
Hieran unmittelbar grenzt das heutige neutrum anlangen, ankommen, eintreffen, an den ort, an die stelle, zur stelle kommen: wir alle sind glücklich angelangt; der bote langt so eben an; zu dem andern Antiochien langten die creuzfahrer erst mit dem ausgang des junii an. Hahn 3, 305; sie war kaum angelangt, als sie ihn zu sich rufen liesz. Wieland 1, 227; bis sie bei anbruche des tages wieder auf dem landhause der Danae anlangten. 1, 300; als der befehl zu ihrem verhaft anlangte. 7, 155; nach einiger zeit langte die nachricht von dem tode des königs an. 7, 158; in einer so ungeheueren stadt wird selbst von dem auszerordentlichsten ereignis nur so lange gesprochen, als es die neuigkeit des tages ist, und gemeiniglich langt es in den entfernteren regionen erst alsdann, wenn es in der, wo es sich zutrug, schon wieder vergessen ist, .. an. 32, 149; langen vollends die festtage selber an (kommen sie heran). J. Paul Fibel 29; überhaupt kann man mit dem lobe nicht zeitig genug anlangen. teuf. pap. 1, 39.
Unpersönlich, es langt mich an, geht mich an; was mich anlangt, angeht, anbelangt, anbetrift.
 
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anlangen, n. impetitio, petitio, verlangen: anlangen und bitte. reichsabsch. von 1530. §. 5; euweren christlichen anlangen und häftigem anmten z willen werden. Frank laster A ii; al mein senlich verlangen unt anlangen. Melissus ps. Q 4b; auf sein ansehlich anlangen. Garg. 152a.
 
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anlangend, adv. respectu: anlangend ihre übrige aufführung. ehe eines mannes 240; die Schyrer anlangende werden sie vom Plinio am baltischen meere gesetzet. Micrälius 1, 103.
 
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anlappen, assuere pannum, nnl. aanlappen. weidmännisch, tuch- und federlappen anheften und aufrichten. Döbel 2.
 
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anlaschen, arborem cortice signare, forstmännisch, mit dem waldhammer zeichnen, scheint verderbt aus anlachen, anlochen, von dem ahd. lâch, hlâh incisio, vgl. RA. 544. s. DWB ablaschen. doch das nnl. aanlasschen heiszt anheften, annähen.
 
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anlassen, immittere, etwas an etwas lassen, nnl. aanlaten, ahd. analâʒan (Graff 2, 305) mit doppeltem acc., das wasser anlassen, den teich anlassen; das rad, die uhr anlassen, in gang setzen; die bälge anlassen, an die kohlen blasen lassen; die hunde anlassen, an das wild lassen. einen anlassen, locken, reizen: damit sie andere desto besser anlassen (an das spiel fassen lassen), verspielen sie oft freiwillig etwas weniges. Simplic. 1, 300. verschieden hiervon ist ein anlassen mit dem dat. der person: das kind ist vor müde eingeschlafen, wir wollen ihm die strümpfe anlassen und es gleich niederlegen; man soll in der rauhen luft ihm den mantel noch anlassen; du hast mir treulos gedient, ich kann dir meine livree nicht länger anlassen, d. i. an dir lassen;

hie hab ich guter wurfel drei,
die mir so treulich bei gestan,
das sie mir oft kein faden anlan. fastn. sp. 791, 25,

an mir keinen faden lassen. Einen mit worten und reden übel, hart, rauh, zornig, aber auch freundlich, höflich anlassen, anfahren, asperius, benignius appellare: diesen kerln mit so viel schmachworten anzulassen. Weise kl. leute 227; ich fuhr über seinem anblick zusammen und fürchtete hart von ihm angelassen zu werden. Wieland 30, 358; wenn meine laune dich übel anliesz. Lessing; sie liesz das fräulein mit harten worten an. Musaeus 3, 156; als sie im hauptquartiere übel angelassen wurden, weil sie nicht so reinlich erschienen. Göthe 30, 88; als ihr ihn neulich etwas hart angelassen habt. Tieck nov. 6, 62; er ist darüber mit manchem spotte angelassen worden. Kant 3, 391; unser held wurde von der fürstin

[Bd. 1, Sp. 392]


noch freundlicher angelassen, als vom fürsten. J. Paul Hesp. 3, 81. vgl. veranlassen.
Sich anlassen, speciem habere, incipere, se gerere, zumal von aufwachsenden kindern und blumen: besundirn, da er noch ein junger man was, er sich suiberlichen in der kunst anliesz. urk. von 1405 in Fichards Wetteravia s. 185;

es loszt sich eben sörglich an.
Brant narrensch. 261;

welcher vater wolt nit freud han,
wenn sich seine kind so wol lassen an? fastn. sp. 691, 10;

unser hänlin liesz sich wol an. Fischart Garg. 111b; der knabe hat sich so wol angelassen. pers. rosenth. 1, 5; und wenns geschicht wie sichs anläszt. Luthers br. 2, 597; wie ihr aber euch mit geberden anlasset. Kirchhof wendunm. 139b;

die veilgen brechen aus, doch lassen sich ingleichen
das bleiche sorgenkraut und scharfe senf wol an.
Opitz 1, 422;

wie sich der himmel pflegt im frühling anzulassen.
Werders Ariost 11, 65;

wo die tragödi so anmuthig wie sich der anfang anlässet. Gryphius 1, 731; es läszt sich fast so an (sieht beinahe so aus). Günther 812; mülstein aus dem Albertshügel, als welcher stein sich am allertüchtigsten dazu anliesz. Felsenb. 2, 319; nach einer trüben nacht läszt es sich doch zu einem heitern tage an. Musaeus 4, 168; der wirt war ein feiner höflicher mann, der sich gegen fremde gäste sehr wol anlassen konnte. Weise erzn. 8; wir wollen sehen, wie sich der neunde tag anläszt (bei dem kranken). 360; vielleicht lass ich mich desto besser als kuppler an. Schiller 201; der geistliche erzählte ihm, dasz der alte sich schon recht gut anlasse und dasz man hofnung zu seiner völligen genesung habe. Göthe 19, 246; meine kinder lassen sich zu gescheidten jungen an. 20, 135; es liesz sich an als müste der mann endlich sein weib mit gewalt entführen. Klinger 4, 108; und gerade jetzt läszt sichs zum interesse an. J. Paul Nepomukkirche 127; alles läszt sich jetzt wieder zum frieden an; es läszt sich an, als wenn keine arznei mehr helfen wollte. Man darf auch hier, wie in ähnlichen redensarten einen sinnlichen ursprung voraussetzen, das getraide läszt sich heuer gut an, der wein läszt sich herlich an konnte bedeuten: an die halme, ähren, an die reben; das kind läszt sich wol an, an die knochen, beine. der abgezogne gebrauch weisz davon nichts mehr, und fügt andere praepositionen, wie zu, bei.
 
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anlässig, invectivus. Frisch 1, 579c hat ohne beleg anlässige wort, verba quae rixam movere possunt, womit man einen hart anläszt.
 
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anlaster, n. vitium, macula, mhd. âlaster:

iust aber allen wol erkant,
daʒ niemen alsô sælec ist,
der al der werlde und alle vrist
sô wol ze willen müge geleben,
im werde âlaster gegeben. Trist. 390, 14;

siben âlaster, septem vitia. altd. bl. 1, 362.

wie vil ein ros müg anlaster hân
das wiset diser spruch hie.

ein spruch des Conrad Schlapperitzin, wahrscheinlich vom j. 1445, gedr. in Mones anz. 3, 175; obwol der brenner (das wetterleuchten) ein gemeinsames anlaster ist den gewächsen, so greifet er doch am meisten das geträid an. Muralt eidg. s. 57. wir sahen unter den zusammensetzungen mit ab mhd. â öfter dem nhd. ab entsprechen, hier steht es dem an zur seite und âlaster ist auch dem sinne nach ein an etwas fallendes laster, nicht anders würde mhd. âsanc adustio aus an sengen zu deuten sein, aber noch näher in der bildung liegt anmal, anamâli.
 
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anlasz, m. occasio, ansa. sinnlich, der anlasz des wassers, balgs, rades, hundes. man könnte auch sagen, obschon für beides keine beispiele verzeichnet sind, das war ein harter, rauher anlasz, der anlasz des korns, des kindes ist gut. gewöhnlich aber ist anlasz gelegenheit, und es heiszt einem anlasz geben, machen, benehmen, anlasz haben, bekommen: anlasz und exempel. Kirchhof wendunm. 576;

wer ihr anlasz auch zu rechtem zorne gibt,
erfährt was sie vermag.
Opitz 1, 92;

fahre fort und mache mir
anlasz künftig mehr zu schreiben. 2, 33;

aus betrübnüs kummen threnen, die doch sind so hell und klar,
ob sie klar, so siht doch keiner, was ihr eigner anlasz war.
Logau 2, 9, 97;

dis alles gibt uns fug und anlasz gnung zu freuen.
Fleming 122;

[Bd. 1, Sp. 393]



warum will man dem neid zu lästern anlasz geben?
Gryphius 1, 14;

der hat gar wenig anlasz auf zeitliches glück zu denken. Weise kl. leute 293;

wo soll man echte freundschaft finden?
das lockwort klingt doch gar zu fein,
und kann die herzen zu verbinden
der anlasz schönster hofnung sein.
Hagedorn 2, 33;

so musz, da anlasz ihm zu dieser wahl
der richter gibt, sich David für sein volk
dem tode weihn.
Klopst. 10, 70;

dies war der anlasz zu dem gesetze. 12, 92; der dichter hatte wol gewust, dasz in erholungsstunden auch kleine anlässe zu zwecken führten. 12, 184; nicht den geringsten anlasz wird er verrathen, wenn er seinen vortheil versteht. Lessing 6, 270; er hatte noch keinen anlasz, und die wahrheit zu sagen, auch kein verlangen gehabt sich darnach zu erkundigen. Wieland 1, 221; auf der andern seite lieszen die bonzen .. diesen anlasz ihre verfallenen angelegenheiten herzustellen, nicht unbenützt. 7, 90; und unsrer gebieterin ist zum schmählen der anlasz benommen. 4, 97; nach dem anlasz dieser urhilder die räume auszumahlen. Göthe 17, 211; übrigens waren diese tage zwar nicht reich an begebenheiten, doch voller anlässe zu ernsthafter unterhaltung. 17, 212; der einen wie der andern zu folgen fühlst du eine art von innerm beruf, und von beiden seiten sind die äuszern anlässe stark genug. 19, 127; so brachte ich manche vergnügliche stunde durch anlasz solcher aufträge zu. 24, 238. Im recht wird von der that selbst ihr anlasz unterschieden. Fischart gebrauchte das wort weiblich: der mann sollte seiner frawen keine anlasz dazu geben. ehz. 67, oder wäre es der acc. pl. m.?
 
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anlaszbrief, m.: notdürftig compromiss und anlaszbrief. Luther 3, 106b.
 
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anlatschen, talipedare, ein gutes, bezeichnendes wort: die schuhe anlatschen, anschleifen, nachlässig an die füsze streifen; sie kommt angelatscht, angeschlerft, mit halbangezognen pantoffeln gegangen. s. DWB latschen.