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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
anlanden bis anlässig (Bd. 1, Sp. 389 bis 392)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) anlanden, appellere navem, nnl. aanlanden, mlat. adripare, arripare, woher das franz. allgemein für advenire gebrauchte arriver. anlanden ist die heutige form, früher galt, und richtig, anländen. denn die anscheinend intransitive bedeutung von anlanden erklärt sich durch den ausgelassenen acc. das schif.

hänget gleich sein schif an banden
strenger pflichten, die er ehrt,
wird ihm gleich dort anzulanden,
Molly, selbst von dir verwehrt.
Bürger 2, 16;

der neue könig schickt den Laertes nach Norwegen mit der nachricht, dasz die flotte bald anlanden werde. Göthe 19, 163; in einem lande anlanden. Klinger 6, 249; als Victor anlandete (arriva) in der pfarre. J. Paul Hesp. 3, 157; indem

[Bd. 1, Sp. 390]


er den einen pfefferkuchen asz, landete der andere ohne läsionen an. uns. loge 3, 142.
 
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anländen, dasselbe, nach seiner alten gestalt, ursprünglich, das schif zu dem lande bringen: alsbald er seim reich angelendet. Fischart Garg. ...; angelend. 223b; allen anlendenden die köpf abhieb. 234a; haben sie in Estland angeländet. pers. reiseb. 2, 3;

da aber ich vielleicht mich höher möchte wenden,
als dasz mir müglich sei recht wieder anzulenden.
Opitz 3, 264;

sicher ihren fusz, dasz sie
an dein Astrachan mit sicherheit anländen.
Fleming 578;

da hoff ich an den stränden
des mächtigen Derbents mit freuden anzuländen. 646;

ein schäfermägdlein hat so schnelle nie gewendet
den fusz, wann eine schlang ist bei ihr angelendet.
Werders Ariost 1. 11, 5;

von vielen boten kam ein bot hier angelendet
die Agramante hatt in Frankreich rumb gesendet. 24, 99;

der seinen segel hin nach Engeland gewendet,
ist manchmal durch den wind nach Holland angelendet.
Logau 1, 1, 82;

du must, Cleopatra, begehrst du hülf und heil
ans kaisers gnadenport dein strandend schif anländen
Lohenst. Cleop. 47, 461;

sie lendeten im tanfanischen tempel an. Arm. 2, 595;

denn da kein port erscheint, so länd ich meinen kahn
aus furcht vor solcher höh am nächsten ufer an.
Günther 728. 967;

als im haven angeländet.
Brockes 8, 105;

dasz sie hier angeländet: sendet.
Wieland 23, 158;

als herr Charles auf der wiese anländete (arriva), liesz er die pfarrer des ortes herbeirufen. 30, 73; ich wurde einer strecke landes gewahr, die mir zum anländen bequem schien. 30, 79. s. DWB länden.
 
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anlandung, f. appulsio navis.
 
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anländung, f. die ältere form: Barselona, ein herlich statt und ein thor und anlendung des meers. Fronsp. kriegsb. 3, 181b; nach glücklicher anländung in Europa. Felsenb. 2, 574.
 
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anlangen, impetere, aggredi, nnl. aanlangen, einen angehen, an ihn langen, greifen: umb die schüld megens dich nit anlangen. fastn. sp. 848, 3; da sehet ir den, umb welchen mich die ganze menge der Jüden angelanget hat. apostelgesch. 25, 24; aber mein lieber bapst und der heilige römische stuel stöszt zu boden und verdampt solche heilige, geistliche ordnung ganz miteinander durch anlangen (auf antrieb, bitte) der priesterschaft. Luther 1, 296a; darumb were on not gewest, uns noch zur zeit umb hülf, beistand ... anzulangen. 2, 106b; bin auch seinethalben nicht angelanget worden. 3, 415b; da haben wir demütiglich mit bitten angelangt den durchleuchtigsten fürsten. 4, 334a; der grosze ernst der briefe, mit welchen ich von den unsern angelangt werde, zwinget mich. 5, 147a; nu hat mich gedachte Else mit weinen und klagen angelangt. Luthers br. 4, 273; wir sind von ime selbst angelangt uns mit ime etlichermaszen zu vertragen. Chmels Maxim. s. 52; damit wir von ime deshalben weiter unangelangt beleiben. s. 80; du wollest uns berichten, wa wir die tausent guldin, als du waist finden, oder wen wir darumb anlangen sollen. s. 94; und begern darauf an dich mit ernst, du wellest, so gedachter Ulrich Smid dich anlangen wirdet, ime hilflichen und furderlichen sein. s. 15; langt uns an (geht uns an). s. 18;

den langt er an umb etlich tausent.
B. Waldis 3, 92;

du must sein etwas unverschampt
und auch anlangen umb ein ampt.
Fischarts Eulensp. bl. 258;

der künig schampt sich nicht mit bitt anzulangen, ob ich nit künde. Frank weltb. 215b; dann ich ward teglich angelangt von den unsern umb hilf. 233b; es habe es dann die oberkeit, hierumb von ihnen angelangt, vergünstiget. Kirchhof mil. disc. 224; einen umb bezalung hart anlangen. wendunm. 259; und er mich ime dieselben aus meinem gerichtsbuche schriftlichen mitzutheilen begert und angelangt. Reutter kriegsordn. 50; hat er derhalben umb günstigen abscheid gebeten und angelanget. 151; derweil du grosze lust zu der rosarznei und mich bitlichen angelanget hast dich zu berichten. Zechendorfer 1, 29;

derhalb wo unter uns ein mann
schon anlangt umb ein jungfraun.
Atrer 14b;

als ich sie umb ein dienst langt an. 92a;

nachdem uns die landschaft langt an. 133b;

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dasz uns der weitberühmte heidnischer orator M. T. Cicero bittlich angelanget. Ayrer proc. 3, 2. dieser gute, untadelhafte ausdruck gerieth im 17. 18 jh. auszer gebrauch, gleich dem transitiven ankommen, während intransitive bedeutungen von anlangen und ankommen sich geltend machten.
Und wie ein unpersönliches es kommt mich an bestehen blieb, erscheint auch ein es langt mich an mit der bedeutung von gelangt an mich, kommt mir zu ohren, wird mir gemeldet: so langt uns doch gläublich an. Frankf. ref. I. 40, 13; als das den keiser anlanget, ward er in einen stall verschaft. Frank chron. 275b; und wiederum mit dat. statt des acc.: in solichem langt mir auch gleuplich ane. Chmels Maxim. s. 29. a. 1494, es wird mir glaubhaft berichtet, glaubhafte meldung gelangt an mich.
Hieran unmittelbar grenzt das heutige neutrum anlangen, ankommen, eintreffen, an den ort, an die stelle, zur stelle kommen: wir alle sind glücklich angelangt; der bote langt so eben an; zu dem andern Antiochien langten die creuzfahrer erst mit dem ausgang des junii an. Hahn 3, 305; sie war kaum angelangt, als sie ihn zu sich rufen liesz. Wieland 1, 227; bis sie bei anbruche des tages wieder auf dem landhause der Danae anlangten. 1, 300; als der befehl zu ihrem verhaft anlangte. 7, 155; nach einiger zeit langte die nachricht von dem tode des königs an. 7, 158; in einer so ungeheueren stadt wird selbst von dem auszerordentlichsten ereignis nur so lange gesprochen, als es die neuigkeit des tages ist, und gemeiniglich langt es in den entfernteren regionen erst alsdann, wenn es in der, wo es sich zutrug, schon wieder vergessen ist, .. an. 32, 149; langen vollends die festtage selber an (kommen sie heran). J. Paul Fibel 29; überhaupt kann man mit dem lobe nicht zeitig genug anlangen. teuf. pap. 1, 39.
Unpersönlich, es langt mich an, geht mich an; was mich anlangt, angeht, anbelangt, anbetrift.
 
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anlangen, n. impetitio, petitio, verlangen: anlangen und bitte. reichsabsch. von 1530. §. 5; euweren christlichen anlangen und häftigem anmten z willen werden. Frank laster A ii; al mein senlich verlangen unt anlangen. Melissus ps. Q 4b; auf sein ansehlich anlangen. Garg. 152a.
 
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anlangend, adv. respectu: anlangend ihre übrige aufführung. ehe eines mannes 240; die Schyrer anlangende werden sie vom Plinio am baltischen meere gesetzet. Micrälius 1, 103.
 
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anlappen, assuere pannum, nnl. aanlappen. weidmännisch, tuch- und federlappen anheften und aufrichten. Döbel 2.
 
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anlaschen, arborem cortice signare, forstmännisch, mit dem waldhammer zeichnen, scheint verderbt aus anlachen, anlochen, von dem ahd. lâch, hlâh incisio, vgl. RA. 544. s. DWB ablaschen. doch das nnl. aanlasschen heiszt anheften, annähen.
 
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anlassen, immittere, etwas an etwas lassen, nnl. aanlaten, ahd. analâʒan (Graff 2, 305) mit doppeltem acc., das wasser anlassen, den teich anlassen; das rad, die uhr anlassen, in gang setzen; die bälge anlassen, an die kohlen blasen lassen; die hunde anlassen, an das wild lassen. einen anlassen, locken, reizen: damit sie andere desto besser anlassen (an das spiel fassen lassen), verspielen sie oft freiwillig etwas weniges. Simplic. 1, 300. verschieden hiervon ist ein anlassen mit dem dat. der person: das kind ist vor müde eingeschlafen, wir wollen ihm die strümpfe anlassen und es gleich niederlegen; man soll in der rauhen luft ihm den mantel noch anlassen; du hast mir treulos gedient, ich kann dir meine livree nicht länger anlassen, d. i. an dir lassen;

hie hab ich guter wurfel drei,
die mir so treulich bei gestan,
das sie mir oft kein faden anlan. fastn. sp. 791, 25,

an mir keinen faden lassen. Einen mit worten und reden übel, hart, rauh, zornig, aber auch freundlich, höflich anlassen, anfahren, asperius, benignius appellare: diesen kerln mit so viel schmachworten anzulassen. Weise kl. leute 227; ich fuhr über seinem anblick zusammen und fürchtete hart von ihm angelassen zu werden. Wieland 30, 358; wenn meine laune dich übel anliesz. Lessing; sie liesz das fräulein mit harten worten an. Musaeus 3, 156; als sie im hauptquartiere übel angelassen wurden, weil sie nicht so reinlich erschienen. Göthe 30, 88; als ihr ihn neulich etwas hart angelassen habt. Tieck nov. 6, 62; er ist darüber mit manchem spotte angelassen worden. Kant 3, 391; unser held wurde von der fürstin

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noch freundlicher angelassen, als vom fürsten. J. Paul Hesp. 3, 81. vgl. veranlassen.
Sich anlassen, speciem habere, incipere, se gerere, zumal von aufwachsenden kindern und blumen: besundirn, da er noch ein junger man was, er sich suiberlichen in der kunst anliesz. urk. von 1405 in Fichards Wetteravia s. 185;

es loszt sich eben sörglich an.
Brant narrensch. 261;

welcher vater wolt nit freud han,
wenn sich seine kind so wol lassen an? fastn. sp. 691, 10;

unser hänlin liesz sich wol an. Fischart Garg. 111b; der knabe hat sich so wol angelassen. pers. rosenth. 1, 5; und wenns geschicht wie sichs anläszt. Luthers br. 2, 597; wie ihr aber euch mit geberden anlasset. Kirchhof wendunm. 139b;

die veilgen brechen aus, doch lassen sich ingleichen
das bleiche sorgenkraut und scharfe senf wol an.
Opitz 1, 422;

wie sich der himmel pflegt im frühling anzulassen.
Werders Ariost 11, 65;

wo die tragödi so anmuthig wie sich der anfang anlässet. Gryphius 1, 731; es läszt sich fast so an (sieht beinahe so aus). Günther 812; mülstein aus dem Albertshügel, als welcher stein sich am allertüchtigsten dazu anliesz. Felsenb. 2, 319; nach einer trüben nacht läszt es sich doch zu einem heitern tage an. Musaeus 4, 168; der wirt war ein feiner höflicher mann, der sich gegen fremde gäste sehr wol anlassen konnte. Weise erzn. 8; wir wollen sehen, wie sich der neunde tag anläszt (bei dem kranken). 360; vielleicht lass ich mich desto besser als kuppler an. Schiller 201; der geistliche erzählte ihm, dasz der alte sich schon recht gut anlasse und dasz man hofnung zu seiner völligen genesung habe. Göthe 19, 246; meine kinder lassen sich zu gescheidten jungen an. 20, 135; es liesz sich an als müste der mann endlich sein weib mit gewalt entführen. Klinger 4, 108; und gerade jetzt läszt sichs zum interesse an. J. Paul Nepomukkirche 127; alles läszt sich jetzt wieder zum frieden an; es läszt sich an, als wenn keine arznei mehr helfen wollte. Man darf auch hier, wie in ähnlichen redensarten einen sinnlichen ursprung voraussetzen, das getraide läszt sich heuer gut an, der wein läszt sich herlich an konnte bedeuten: an die halme, ähren, an die reben; das kind läszt sich wol an, an die knochen, beine. der abgezogne gebrauch weisz davon nichts mehr, und fügt andere praepositionen, wie zu, bei.
 
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anlässig, invectivus. Frisch 1, 579c hat ohne beleg anlässige wort, verba quae rixam movere possunt, womit man einen hart anläszt.