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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
ankünsteln bis anländen (Bd. 1, Sp. 388 bis 390)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) ankünsteln, arte affingere: das ist ihr nicht natürlich, sondern angekünstelt, s. DWB anlügen.
 
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ankuppeln, lenocinando copulare: die alte hat ihm das mädchen angekuppelt; die mir anzukuppelnde person. ehe eines weibes 163. verschieden von ankoppeln.
 
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anküssen, adosculari: als er der mutter die gute nacht anküste. J. Paul Fibel 121.
 
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anlächeln, leniter arridere, eine schöne zusammensetzung: wenn er dein bedarf, kan er dich fein effen und lächelt dich an. Sirach 13, 7; jedoch das weisz ich, wann einen die ros anlechelt, das ers gern abbrech. Fischart Garg. 77a; das kind lächelte seinen vater an; das glück will dich anlächeln. nicht gut mit dem dativ: er schaft oder trägt es (das ausgesetzte kind) in das findelhaus, damit es wenigstens taufe und namen erhalte. eines denn freilich wol lieber als das andere, nach dem ihm das eine mehr angelächelt, als das andere, nach dem ihm das eine den finger mehr gedrücket, als das andere. Lessing 10, 199.
 
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anlachen, arridere, nnl. aanlagchen, gegen, an einen lachen: mhd. noch grüeʒet noch lachet an. Lichtenst. 598, 29.

wer durch die finger sehen kan,
und leszt sin frow eim andern man,
do lacht die katz die müs süesz an.
Brant narrensch. 137;

wo mir von einer ie ein grusz wart
und mich anlacht uber ein zan. fastn. sp. 260, 30;

mein junger narr kan wol machen,
das mich die kelber do anlachen. 118, 24;

davon sie krenzlein machen,
und schenken sie irem schatz,
den sie so freundlich aulachen,
und geben im ein schmatz. Ambras. lb. 18, 6;

hiernach sind bein vierzigen studenten versammelt komen, die ihnen alle unbekant gewest, und die armen väter viel

[Bd. 1, Sp. 389]


spottes angelachet. Melanchth. 1, 489; wo nun etliche seind ein wenig eergeitiger, so anlachen sie doch, und frewen sich mit. Frank 5;

die anlachend gesprechlichkeit,
die in den kindern wir all spüren.
Fischart lieder 92;

im kellerstüblein, da ihn das new fasz anlacht. Garg. 57b; lacht es (das krüglein) an. 225a; höfischen anlachens. 239b; wenn die fraw einen frembden mit einem süszen blick anlachet. pers. baumg. 7, 22;

die zunge musz es thun, soll wer die purpurrosen
des mündleins lachen an und ihnen liebekosen.
Logau 2, 1, 38;

das auge lacht die wollust an, den schmerz beweint es drauf. 3, 6, 100;

der, denkt sie, der ist auch gefangen,
und lacht mich schalkhaft an.
Lessing;

nahe dem schenktisch,
welcher mit obst anlacht. Luise 3, 517;

wo uns der kleine freundliche ort gar anmutig anlachte. Göthe 25, 321 (ille terrarum mihi praeter omnes angulus ridet); die äpfel auf dem baume lachen mich an; die sonne lachte freundlich (nach dem gewitter) die erschrockene erde an. J. Paul Tit. 1, 144; eine gasse kleiner häuser mit welschen dächern voll bäumchen lachten den blick freundlich an. 2, 50; wie er die treppe herabläuft in die anlachende hochzeitstube hinein. uns. loge 3, 158.
 
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anlage, f. impositio, dispositio, indoles. im 16 jh. fast nur die angelegte, auferlegte abgabe und steuer, census, sumtus: nachdem solchs on hülf und zuthun anderer christlichen gewalte, dazu einer anlage gemeiner christgleubigen menschen statlich zu thun nicht wol müglich. Luther 2, 435a; dasz man in keine hülfe, es seien denn den erbaren städten ihre beschwerung der übermäszigen anlagen halb geringert, ... bewilligen wollte. Melanchth. 2, 410; ihrem schutzherrn mit einigerlei steuer oder sonst anlagen zu thun nicht verpflichtet. Schweinichen 1, 390. bürgerliche anlagen, weinanlagen, bieranlagen. es (das tributum) war eine nach den bedürfnissen veränderliche anlage. Niebuhr 1, 418. heute redet man von abgaben, auflagen statt anlagen, doch auch noch von steueranlage. der vater that für den sohn die anlage, legte die kosten aus, sparte keine anlage, keine kosten.
Dem gegenwärtigen sprachgebrauch ist anlage sowol das angelegte als anliegende. die anlage, beilage eines briefs; die anlage, der entwurf, werk in der anlage verfehlt, die anlage eines gartens, wegs, einer mauer, laube, eisenbahn, und neben allen städten gibt es neue anlagen (amoenitas loci), wenn die alten wälle abgetragen werden: drüben in den neuen anlagen, versetzte der gärtner, wo sich der pfad in zwei arme theilte. Göthe 17, 3. 4. die anlage eines schlosses vor den kasten, auch das blosze eisen oder blech daran, klammer oder krampe; am schieszgewehr der theil den man an die backe legt. Auf anliegen oder anlegen zurückzuführen ist die anlage, natürliche anlage: der mensch hat gute anlagen, eine anlage zur krankheit; sein mistrauen ist die erste anlage zum menschenfeind; eine ungemeine anlage zur dichtkunst. selten für nachstellung, anliegen, hinterhalt: ich faszte den entschlusz in keine gesellschaft zu treten, welches ich auch trotz aller anlagen und nachstellungen gehalten habe. Hippel 12, 103.
 
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anlallen, gleichsam adlallare, allallare, anstammeln: das kind lallt die mutter an:

gern hört der vater aller so
sich vielfach angelallet.
Voss Luise 1, 418.


 
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anlandbar, gleichsam appellibilis, locus ubi appelli potest: der wol anlandbare hafen. Voss.
 
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anlände, f. locus appellendi, statio navium.
 
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anlanden, appellere navem, nnl. aanlanden, mlat. adripare, arripare, woher das franz. allgemein für advenire gebrauchte arriver. anlanden ist die heutige form, früher galt, und richtig, anländen. denn die anscheinend intransitive bedeutung von anlanden erklärt sich durch den ausgelassenen acc. das schif.

hänget gleich sein schif an banden
strenger pflichten, die er ehrt,
wird ihm gleich dort anzulanden,
Molly, selbst von dir verwehrt.
Bürger 2, 16;

der neue könig schickt den Laertes nach Norwegen mit der nachricht, dasz die flotte bald anlanden werde. Göthe 19, 163; in einem lande anlanden. Klinger 6, 249; als Victor anlandete (arriva) in der pfarre. J. Paul Hesp. 3, 157; indem

[Bd. 1, Sp. 390]


er den einen pfefferkuchen asz, landete der andere ohne läsionen an. uns. loge 3, 142.
 
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anländen, dasselbe, nach seiner alten gestalt, ursprünglich, das schif zu dem lande bringen: alsbald er seim reich angelendet. Fischart Garg. ...; angelend. 223b; allen anlendenden die köpf abhieb. 234a; haben sie in Estland angeländet. pers. reiseb. 2, 3;

da aber ich vielleicht mich höher möchte wenden,
als dasz mir müglich sei recht wieder anzulenden.
Opitz 3, 264;

sicher ihren fusz, dasz sie
an dein Astrachan mit sicherheit anländen.
Fleming 578;

da hoff ich an den stränden
des mächtigen Derbents mit freuden anzuländen. 646;

ein schäfermägdlein hat so schnelle nie gewendet
den fusz, wann eine schlang ist bei ihr angelendet.
Werders Ariost 1. 11, 5;

von vielen boten kam ein bot hier angelendet
die Agramante hatt in Frankreich rumb gesendet. 24, 99;

der seinen segel hin nach Engeland gewendet,
ist manchmal durch den wind nach Holland angelendet.
Logau 1, 1, 82;

du must, Cleopatra, begehrst du hülf und heil
ans kaisers gnadenport dein strandend schif anländen
Lohenst. Cleop. 47, 461;

sie lendeten im tanfanischen tempel an. Arm. 2, 595;

denn da kein port erscheint, so länd ich meinen kahn
aus furcht vor solcher höh am nächsten ufer an.
Günther 728. 967;

als im haven angeländet.
Brockes 8, 105;

dasz sie hier angeländet: sendet.
Wieland 23, 158;

als herr Charles auf der wiese anländete (arriva), liesz er die pfarrer des ortes herbeirufen. 30, 73; ich wurde einer strecke landes gewahr, die mir zum anländen bequem schien. 30, 79. s. DWB länden.