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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
ankunft bis anlanden (Bd. 1, Sp. 387 bis 389)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) ankunft, f. origo, adventus, nnl. aankomst. obschon an und ab sich sonst gegenüberstehn, so drückt doch das frühere ankunft gerade aus was das heutige abkunft, nemlich ursprung und abstammung: aber dieses namens weisz man keine ursach

[Bd. 1, Sp. 388]


noch ankunft anzuzeigen. Luther 3, 432; man sol die Christen leren, das die schlüssel nicht gegeben sind der allgemeinen kirchen, sondern Petro und dem bapst, durch ordentliche ankunft auf sie. 1, 16b; denn was sein ankunft aus der schrift nicht hat, das ist gewislich vom teufel selbs. 2, 14a; von der welt ankunft. Frank weltb. vorr.; erste ankünfte, primae origines. Rihel Livius 2; und wie Epiphanius schreibet, soll sie von der sareptanischen wittib nachkömling ir ankunft haben. Mathesius 5a; wöllen wir erstlich von ankunft und ausbreitung der bergwerk reden. 7a; nach ankunft diser bergstedte haben sich die bergwerk immer fürm und im gebirge ereiget. 17b; Job aber ob er wol von Ismahel oder Esau sein ankunft gehabt. 19a; es sagen etliche scherzweise, die fürsten, herren und edelleut haben ire ankunft daher. Agricola 264; damit ich aber nun zu meiner ankunft und geburt komme. Schweinichen 1, 18; meines herrn vatern geburt und ankunft. 1, 18; wiewol auch solcher gebrechen von schnellem laufen und heftigen groszem springen oftmals sein ankunft hat. Zechendorfer gebr. der ros. 1, 27; so ein offener schaden in dem maul von dem zaum sein ankunft hat. 1, 66;

wan dan der sonnen ankunft klar
der sternen schar vertreibend mich erwöcket.
Weckherlin 8;

sol seiner ankunft klein
in aller demut eindenk sein.
Ringwald laut. w. 149;

sein nidrig ankunft übersicht. 150;

ein edler samen schlegt
der ersten ankunft nach, von der er früchte tregt.
Opitz 1, 227;

ungeachtet seiner geringen ankunft. 1, 3a; ungeachtet ihrer adelichen ankunft und standes. poet. 15;

Willegis, deiner ankunft nicht vergisz.
Zinkgr. 2, 25;

dasz er und andere teufel von den verstoszenen engeln ihr ankunft haben. Ayrer proc. 1, 14; wann man seine edlen ahnen und ihre ankunft, leben und edle verrichtungen heraus streichet. Simpl. 1, 4; ihren ursprung allezeit durch eine göttliche ankunft zu verherlichen. Bünau 1, 5; weil die Belgen teutscher ankunft gewesen. Mascou 1, 25; von teutscher ankunft. 1, 58; auch bei Stieler 1003 ist ankunft ortus, origo, adventus, nach dem titel seines sprachschatzes will er handeln von gebrauch und ankunft der wörter. stamm und stand kommen von den alten an die jungen, wie die stelle aus Luther 1, 16b deutlich macht, ankunft ortus vergleicht sich also dem transitiven ankommen, auf einen kommen. das von dem neueren, intransitiven ankommen advenire geleitete ankunft adventus entsprang erst mit diesem, so wie jenes ältere mit dem verbum veraltete.
 
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ankünsteln, arte affingere: das ist ihr nicht natürlich, sondern angekünstelt, s. DWB anlügen.
 
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ankuppeln, lenocinando copulare: die alte hat ihm das mädchen angekuppelt; die mir anzukuppelnde person. ehe eines weibes 163. verschieden von ankoppeln.
 
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anküssen, adosculari: als er der mutter die gute nacht anküste. J. Paul Fibel 121.
 
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anlächeln, leniter arridere, eine schöne zusammensetzung: wenn er dein bedarf, kan er dich fein effen und lächelt dich an. Sirach 13, 7; jedoch das weisz ich, wann einen die ros anlechelt, das ers gern abbrech. Fischart Garg. 77a; das kind lächelte seinen vater an; das glück will dich anlächeln. nicht gut mit dem dativ: er schaft oder trägt es (das ausgesetzte kind) in das findelhaus, damit es wenigstens taufe und namen erhalte. eines denn freilich wol lieber als das andere, nach dem ihm das eine mehr angelächelt, als das andere, nach dem ihm das eine den finger mehr gedrücket, als das andere. Lessing 10, 199.
 
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anlachen, arridere, nnl. aanlagchen, gegen, an einen lachen: mhd. noch grüeʒet noch lachet an. Lichtenst. 598, 29.

wer durch die finger sehen kan,
und leszt sin frow eim andern man,
do lacht die katz die müs süesz an.
Brant narrensch. 137;

wo mir von einer ie ein grusz wart
und mich anlacht uber ein zan. fastn. sp. 260, 30;

mein junger narr kan wol machen,
das mich die kelber do anlachen. 118, 24;

davon sie krenzlein machen,
und schenken sie irem schatz,
den sie so freundlich aulachen,
und geben im ein schmatz. Ambras. lb. 18, 6;

hiernach sind bein vierzigen studenten versammelt komen, die ihnen alle unbekant gewest, und die armen väter viel

[Bd. 1, Sp. 389]


spottes angelachet. Melanchth. 1, 489; wo nun etliche seind ein wenig eergeitiger, so anlachen sie doch, und frewen sich mit. Frank 5;

die anlachend gesprechlichkeit,
die in den kindern wir all spüren.
Fischart lieder 92;

im kellerstüblein, da ihn das new fasz anlacht. Garg. 57b; lacht es (das krüglein) an. 225a; höfischen anlachens. 239b; wenn die fraw einen frembden mit einem süszen blick anlachet. pers. baumg. 7, 22;

die zunge musz es thun, soll wer die purpurrosen
des mündleins lachen an und ihnen liebekosen.
Logau 2, 1, 38;

das auge lacht die wollust an, den schmerz beweint es drauf. 3, 6, 100;

der, denkt sie, der ist auch gefangen,
und lacht mich schalkhaft an.
Lessing;

nahe dem schenktisch,
welcher mit obst anlacht. Luise 3, 517;

wo uns der kleine freundliche ort gar anmutig anlachte. Göthe 25, 321 (ille terrarum mihi praeter omnes angulus ridet); die äpfel auf dem baume lachen mich an; die sonne lachte freundlich (nach dem gewitter) die erschrockene erde an. J. Paul Tit. 1, 144; eine gasse kleiner häuser mit welschen dächern voll bäumchen lachten den blick freundlich an. 2, 50; wie er die treppe herabläuft in die anlachende hochzeitstube hinein. uns. loge 3, 158.
 
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anlage, f. impositio, dispositio, indoles. im 16 jh. fast nur die angelegte, auferlegte abgabe und steuer, census, sumtus: nachdem solchs on hülf und zuthun anderer christlichen gewalte, dazu einer anlage gemeiner christgleubigen menschen statlich zu thun nicht wol müglich. Luther 2, 435a; dasz man in keine hülfe, es seien denn den erbaren städten ihre beschwerung der übermäszigen anlagen halb geringert, ... bewilligen wollte. Melanchth. 2, 410; ihrem schutzherrn mit einigerlei steuer oder sonst anlagen zu thun nicht verpflichtet. Schweinichen 1, 390. bürgerliche anlagen, weinanlagen, bieranlagen. es (das tributum) war eine nach den bedürfnissen veränderliche anlage. Niebuhr 1, 418. heute redet man von abgaben, auflagen statt anlagen, doch auch noch von steueranlage. der vater that für den sohn die anlage, legte die kosten aus, sparte keine anlage, keine kosten.
Dem gegenwärtigen sprachgebrauch ist anlage sowol das angelegte als anliegende. die anlage, beilage eines briefs; die anlage, der entwurf, werk in der anlage verfehlt, die anlage eines gartens, wegs, einer mauer, laube, eisenbahn, und neben allen städten gibt es neue anlagen (amoenitas loci), wenn die alten wälle abgetragen werden: drüben in den neuen anlagen, versetzte der gärtner, wo sich der pfad in zwei arme theilte. Göthe 17, 3. 4. die anlage eines schlosses vor den kasten, auch das blosze eisen oder blech daran, klammer oder krampe; am schieszgewehr der theil den man an die backe legt. Auf anliegen oder anlegen zurückzuführen ist die anlage, natürliche anlage: der mensch hat gute anlagen, eine anlage zur krankheit; sein mistrauen ist die erste anlage zum menschenfeind; eine ungemeine anlage zur dichtkunst. selten für nachstellung, anliegen, hinterhalt: ich faszte den entschlusz in keine gesellschaft zu treten, welches ich auch trotz aller anlagen und nachstellungen gehalten habe. Hippel 12, 103.
 
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anlallen, gleichsam adlallare, allallare, anstammeln: das kind lallt die mutter an:

gern hört der vater aller so
sich vielfach angelallet.
Voss Luise 1, 418.


 
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anlandbar, gleichsam appellibilis, locus ubi appelli potest: der wol anlandbare hafen. Voss.
 
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anlände, f. locus appellendi, statio navium.
 
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anlanden, appellere navem, nnl. aanlanden, mlat. adripare, arripare, woher das franz. allgemein für advenire gebrauchte arriver. anlanden ist die heutige form, früher galt, und richtig, anländen. denn die anscheinend intransitive bedeutung von anlanden erklärt sich durch den ausgelassenen acc. das schif.

hänget gleich sein schif an banden
strenger pflichten, die er ehrt,
wird ihm gleich dort anzulanden,
Molly, selbst von dir verwehrt.
Bürger 2, 16;

der neue könig schickt den Laertes nach Norwegen mit der nachricht, dasz die flotte bald anlanden werde. Göthe 19, 163; in einem lande anlanden. Klinger 6, 249; als Victor anlandete (arriva) in der pfarre. J. Paul Hesp. 3, 157; indem

[Bd. 1, Sp. 390]


er den einen pfefferkuchen asz, landete der andere ohne läsionen an. uns. loge 3, 142.