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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
anknüpfen bis ankrähen (Bd. 1, Sp. 383 bis 387)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) anknüpfen, innectere, alligare, ahd. anagichnuphan (Graff 4, 582), nnl. aanknoopen: den losgerissenen faden wieder anknüpfen, ein neues band anknüpfen, eine liebschaft, ein verhältnis, geschäft, unterhandlung anknüpfen; kanstu im dein joch anknüpfen? Hiob 39, 10; doch sie werden wol gehengt werden und erschrecklicher, denn wenn sie von dem henger angeknüpft würden. Luther 4, 527b;

rigel, da man die narren knupfet an. fastn. sp. 229, 14;

ob ich in knupf zu disen an. 230, 5;

[Bd. 1, Sp. 384]



an den stärksten balken seiner hallen
da befestig er den derben strick,
knüpfe sich daran! das hält und trägt.
Göthe 5, 112;

noch vor morgen
mein abenteuer, wenn nicht zu vollführen,
doch anzuknüpfen. 10, 237;

er gehörte zu den glücklichen menschen, die dem lebensinteresse das historische wissen anzuknüpfen verstehn. 26, 45; dem schlüssel ein stück holz anknüpfen, um ihn nicht zu verlieren. Möser bei Göthe 45, 297; du willst unsre verbindung trennen, um selbst wiederum anzuknüpfen. Klinger 1, 467; es knüpften sich aber noch einige festliche tage an. Dahlm. fr. rev. 336.
 
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anknurren, mussitare versus aliquem: er knurrt, wie ein böser hund, die leute an.
 
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anködern, allicere esca: fische, vögel anködern.
 
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anköken, eructare, evomere versus aliquem: sie sind der gerechtigkeit so vol, das sie die andern armensünder anköken, gleichwie der grosze heilige phariseus Luce 18 für groszer trunkenheit eraus köket und speiet über den armen zölner. Luther 5, 355a.b., der auch Es. 28, 7 verdeutscht: sie daumeln von starkem getrenke und köcken die urteil eraus. obersächs. käken, ankäken; mehr unter köken.
 
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ankommen , advenire, supervenire, incedere, invadere, aggredi, nnl. aankomen. der begrif kommen, seiner natur nach intransitiv, kann erst durch ihm verknüpfte partikeln transitiv werden, wie auszer ankommen bekommen, überkommen, lat. supervenire lehren.
1) ganz intransitiv bleibt auch ankommen wenn es kommen an einen ort, franz. arriver ausdrückt, in welchem fall unsere ältere sprache auch einfaches kommen, nicht ankommen verwendet: wir kamen an zu Tyro, venimus Tyrum. apost. gesch. 21, 3; auf welchen tag eben der herzog von Frankrepas, der fürst zu Erquicklingen starkbeleitet ankamen. Fischart Garg 133a; die zeit war komen an. Fleming 53; der wagen, das schif ist eben angekommen; wir kamen zu pferde an; ihr sollt alle gesund und glücklich ankommen; das erwartete buch kam gestern nicht an.
2) gleich intransitiv ist weiter die häufige unpersönliche redensart: es kommt darauf an, es läuft darauf hinaus, in eo vertitur; es kommt so genau nicht darauf an; es kommt viel darauf an, multum interest; es kommt auf leib und leben an; es käme auf den versuch an; es kommt nur auf deinen willen, entschlusz, befehl an, in te situm est; es kommt alles auf den guten willen an, liegt daran; es kommt nur auf wenige tage an, so sind wir neu und besser als jemals gekleidet. Göthe 14, 220; es käme darauf an, ob wir nicht diese leute auf dem schlosz spielen lieszen. 18, 238; eigentlich kommt alles auf die gesinnungen an, wo diese sind, treten auch die gedanken hervor, und nachdem sie sind, sind auch die gedanken. 23, 284; ich wills drauf ankommen lassen. dazu kann auch ein persönlicher dat. treten: es kommt mir darauf an, es musz uns viel darauf ankommen, mea, nostra interest; auf ein paar hundert thaler kommts ihm dabei gar nicht an; es kommt mir mehr auf gute behandlung als auf groszen lohn an, sagt die neue dienstmagd;

am ende kommt mirs auch
auf einen kus nicht an.
Wieland 10, 175.


3) anderemal scheint ein zwar unausgedrückter acc. in gedanken zu ergänzen, also dem an praepositionskraft beizumessen:

ihr habt gut reden, ihr! kommt an!
was gebt ihr mir? so tret ich meine stell
euch ab.
Lessing 2, 209;

er kann ja allenfalls den schwager auch nur fragen, welches diese gründe sind. denn komm an, scheckchen! sage du selbst. 10, 212;

komm an! komm an!
Z. nieder mit ihnen! nieder!
Schiller 505.

in solchem komm an! liegt doch mehr als bloszes komm, etwa die ausforderung, lockung, heran, an mich, an uns zu kommen und einen angrif zu wagen. komm an scheck! lockt einen gaul heran. es heiszt auch in diesem sinn: er soll nur ankommen, laszt ihn einmal ankommen! da ist nicht anzukommen = beizukommen, an den, an das ist nicht zu gelangen. da bin ich übel (oder ironisch, schön) angekommen, an das bin ich übel gerathen: konnte ich nicht umhin den vorfall einem manne zu erzählen, aber wie kam ich an! er sagte das sei sehr übel gewesen. Göthe 16, 50.

schau, ob du kommest an (dazu gelangest)
ein essen fisch zu han.
Ayrer 54b;

[Bd. 1, Sp. 385]


so wie ihr mich hier seht, habe ich etliche jahr, weil ich nicht anders ankommen (an keine andere stelle gelangen) konnte, als hund dienen müssen. Tieck 10, 189; er ist endlich gut angekommen (untergebracht, angestellt worden). ankommen für das heutige auskommen, ausreichen scheint in folgender stelle gebraucht: dasz arme gesellen in dieser schweren zeit mit solcher besoldung, wie zu Braunschweig, nicht mögen ankommen. Luthers br. 4, 205. engl. come on, fortkommen.
4) deutlicher wird diese fügung, wenn, wie häufig geschieht, der acc. ausgedrückt ist. goth. aggilus fraujins anaqam ins, supervenit eos. Luc. 2, 9 d. i. qam ana ins, venit super eos, und so erlangt anaqman transitivbedeutung, des herrn engel kam, trat an sie, überkam sie. beispiele des ahd. anaqueman hat Graff 4, 666: der tôd chome die ana, mors veniat super illos, d. i. superet, obruat illos. wie mich ein glück söt kumen an. fastn. sp. 823, 30; und erwürgeten alles, was sie sonst ankamen. 2 Macc. 10, 17; wo ir solche ausgelaufene mönche in weltlichen kleidern .. bei euch oder in euern gerichten ankomen und befinden würdet. Luther 2, 73b; wenn mich ein mörder auf der straszen ankeme (auf mich stiesze). 6, 14a;

ich jag noch (gemsen)
als geren als all mein lebtag,
wo ich sie newr ankomen mag. Teuerd. 55, 10,

wo ich nur an sie kommen kann; die allerbesten und stärksten wein, so er ankommen mocht. Wickram rollw. 76b; die von Nürnberg zohen hinder Onspach, verbrenten was sie ankamen. Frank chron. 208b; so si z etlicher zeit kein wild mögen ankummen. weltb. 13b; was si im sig ankämen, das gelobten si Marti, dem kriegsgott. 66a; füren hinweg was si ankummen und übermögen, bede mann und frawen. 213a; ire speis ist blut, wo sie solches ankommen mögen. Forer fischb. 198a; sie schlugen zu tod was sie ankamen. Pontus 41; sie brandschatzten alles was sie ankamen. Garg. 201b; nam was sie ankam. 194a; stelen und rauben was die ankamen. 228a;

die spinn und die podagram
kamen einander wider an (trafen einander).
B. Waldis 2, 31;

und wo du jemand kommest an,
so führ sie gfangen in den berg.
Ayrer 207a.

doch in diesem sinne des antreffens veraltet später transitives ankommen und wir drücken es heute lieber praepositionell aus: das feuer verzehrt alles, woran es kommt statt was es ankommt, antrift; ich kann nicht ankommen, daran kommen statt es ankommen. hin und wieder erscheint aber ein dat. der person: ich kann ihm nicht ankommen, beikommen, an ihn kommen; einem grob ankommen, ihn grob anpacken;

ihm setzen beide nach,
doch kömmt ihm keiner an.
Hagedorn 2, 131.


5) dagegen hat sich dasselbe ankommen in unpersönlicher anwendung erhalten: es kommt mich hart, schwer, sauer an, müht, belastet mich sehr: und es kam sie hart an über der geburt. 1 Mos. 35, 17; demnach asz er, wie es in ankam. Garg. 163a; es komt sie wolfeil an. 192b;

ein vogel der verschrenket
im festen käficht steckt, jemehr begier ihn lenket
nach dem, was freiheit heiszt, je härter kommts ihn an,
wenn er sein enges haus ganz nicht erbrechen kan.
Gryphius 2, 81;

nur dasz spätere den richtigen acc. meistens mit dem dat. der person vertauschen: aber den höflingen kam es schwer an, ihren verdrusz darüber zu verbergen. Wieland 3, 23; so schwer es mich ankommt, mein lieber Agathon. 3, 248; es ist mir auch schwer angekommen, ihn zu verlassen. Schiller 649; das geständnis, welches ihm so schwer ankommt. Kant 3, 341; es mag ihm sauer ankommen. 5, 394. die dativconstruction ist unlebendiger und unumsetzbar in die praeposition, d. h. es kommt mich hart an ist gleichviel es kommt hart an mich; aber für es kommt mir hart an läszt sich nicht sagen: es kommt hart an mir.
6) noch häufiger tritt an die stelle des es der nom. eines substantivs: angst kam die Philister an. 2 Mos. 15, 14; zittern kam die gewaltigen Moab an. 15, 15; krümmet sie sich und gebar, denn es kam sie ir wehe an. 2 Sam. 4, 19; da kam mich furcht und zittern an, und alle mein gebein erschracken. Hiob 4, 14; schrecken, angst und schmerzen wird sie ankomen. Es. 13, 8; und es kam in eine furcht an. Luc. 1, 12;

[Bd. 1, Sp. 386]


das sie solch jamer und not ankam. Luther 4, 24a; so bei flüchen und verwünschungen, ankommen wie angehn, anstoszen:

und sprach, komm dich das falbel an!
Alberus 47a;

s. Köres (Quirins) marter komm dich an! 91b;

dasz dich s. Tönges fewr kom an! 161b;

dasz dich die höllische darr ankomm! Garg. 149a;

und ihn kam ein groszer hunger an. sch. u. ernst 231; dise henkersbuben kam nit ein schauderlin an. Garg. 202b; davon den pfaffen ein grosze forcht ankam. Wickram rollw. 58b; als die (kinder) sie (die weiber) sauer ankommen. Garg. 67b; der du ankamst sehr hart dein mutter (ihr bei der geburt sauer wurdest). 199b; dasz sie der sieg sauer genug ankam. Opitz Arg. 2, 354; einer unter uns, den eine sonderliche andacht ankam. pers. rosenth. 2, 22;

wenn die wollust uns verläszt, kümmt uns dann die andacht an.
Logau 3, 1, 27;

ei was mocht dan mich kommen an?
Spee g. t. 35.

auch hier mit allmälich vordringendem dativ: als ihr der durst ankam. Lokman 27; erstlich kompt mir an eine lust also zu fragen. Spee 341; dasz ihnen gute worte nicht sauer ankamen. Lohenst. Arm. 2, 1518; ist dir todesgraun angekommen und rasest du davon? Klopst. 10, 172; das kommt mir sauer an. Gellert; der greuel kommt ihr an. Rachel 20; zittern und entsetzen möchte einem ehrlichen kerl ankommen. Lessing 1, 233;

so schnell? was kömmt ihm an? was fiel ihm auf? 2, 267;

nicht einen augenblick ist mir eine furcht vor der hölle angekommen. Göthe;

das lernen kommt ihr sauer an.
Gotter 3, 200;

mir kommt ein eigen grauen an.
Schiller 449;

ich bett es (liebchen), kommt ein schlaf ihm an,
auf weiches moos und thymian.
Bürger 48a;

nun kam ob dem, was er gethan,
der reue bitterkeit ihm an. 94b.

einige, zumal Wieland, halten mit recht den acc. fest: wofern ihn etwann eine versuchung dazu ankommen sollte. 3, 67; wenn ihn die lust ankam, sich von seinen sklaven anbeten zu lassen. 8, 144; eine sache zu thun, die ihn aus mangel der gewohnheit sehr hart ankam. 6, 78; wenn ihn die lust zu wandern wieder ankommt. 8, 277; was für eine tollheit kommt dich an? 11, 300;

vergebens käm ihn selbst die späte reue an. 23, 104;

es kam mich eine sehr wunderbare empfindung an, da wir so an dem forste hinfuhren. Klinger 1, 36. vgl. anwandeln.
7) ankommen lassen ist mehrdeutig: ich lasse es darauf ankommen, lasse es geschehen, will es abwarten; ich kann es nicht darauf ankommen lassen, musz mich dagegen vorsehen; ein thor läszt alles auf das glück ankommen; der feind zieht sich zurück, will es nicht auf ein treffen ankommen lassen; ich lasse es auf ihn ankommen, stelle es ihm anheim; schlimm für den autor und sein werk, wenn er die wirkung derselben auf die divinationsgabe und billigkeit seiner kritiker ankommen liesz. Schiller 760. ich will ihn ankommen lassen, seinen angrif abwarten. dasz ich ihnen die beherschung über die ganze welt werde ankommen lassen (verschaffen). Simplic. 1, 263.
 
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ankömmling, advena, nnl. aankomeling, ahd. niuquemo, engl. the new comer: unser neuer ankömmling, das neugeborne kind. gewöhnlich von dem fremden, dem kommenden mann, dem gast, doch auch der zuletzt angekommene: obgleich der fremde dem ankömmling weitüberlegen war. Göthe 18, 143; Meline sang ein liedchen, welches dem ankömmling nicht zu behagen schien. 18, 157.
 
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ankoppeln, adjugare, copulare pecora, nnl. aankoppelen, das vieh ankoppeln.
 
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ankörnen, granis sparsis allicere: die vögel, das wild ankörnen. figürlich, um mich wieder anzukörnen (per rappatumarmi, eigentlich gut zu machen, auszusöhnen). Göthe 34, 67; mit eid und pflicht soll mich niemand mehr ankörnen. 42, 306; um ihre lüsternheit, das buch selbst zu lesen, noch mehr anzukörnen. Hamann 2, 250; die liederlichen jünglinge gelten ihnen für nichts weiter als mittel, das volk anzukörnen. Tieck nov. kr. 1, 180; die hanse, mit versprechung groszer handelsfreiheiten angekörnt. Dahlm. dän. gesch. 2, 52. vgl. ankirren.

[Bd. 1, Sp. 387]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) ankrachen, gleichsam adcrepare, gegen einen krachen:

der aufgesprengte schlund
der höllen kracht uns an.
Gryphius Cath. v. G. 180.


 
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ankrächzen, adcrocitare, frequentativ des folgenden:

der rab ist heiser,
der Duncans tödlichen einzug in mein haus
ankrächzen soll.
Schillers Macbeth 1, 10. (1847 6, 203.)


 
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ankrähen, accantare: der han den tag ankrät. Garg. 93b; den gröszten theil des übels, welches ihr die unglück weissagenden alten angekrähet hatten, zu verhüten. Wieland 6, 143. figürlich, herr Gries kräht die thaten, die er thun will, an. 18, 267; bergwerk haben viel ankrehens (man streitet sich um ihren besitz). Mathesius 15a.