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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
sesselschreiber bis sester (Bd. 16, Sp. 634 bis 635)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) sesselschreiber, m. ein städtischer angestellter (vergl. stuhlschreiber?), z. b. in Ulm 1520 und 1524 bezeugt, s. Schmid 493:

so gehoeret die sesselschriber wol an,
was ich von den andern geseit han. quelle bei
Scherz-Oberlin 1490.


 
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sesselsitzend, adj.: damit gschichts, dz .. die müssigen unverschten polstersiechen sessel sitzende reichen nicht leren dann zwen schenckel uber ein pferd schlagen, im bret spilen oder der stben, weinkrausen hüten. S. Franck sprichwörter 1, 160a.

[Bd. 16, Sp. 635]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) sesselsprache, f. kanzelrede, -beredsamkeit (?): ein mensch, der im vollen aufblühen seiner kräfte, so zu boden getreten (wird) ... nimmt oft eine sprache an, die roher ist als diejenige von menschen, die von anbeginn an im sessel saszen; aber sie ist gewürzt, von den thränen seiner leiden, und von den erfahrungen seines lebens, und wirkt darum auch stärker, als keine sesselsprache nie wirken kann. Pestalozzi Lienh. u. Gertr. 1, 262.
 
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sesselteppich, m. tapete, arazzo da sedia. Kramer dict. 2, 772a.
 
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sesselträger, m. sänftenträger Campe als bairisch: basternarius, ein sesselträger, oder der einen auff einem sessel trägt. Corvinus fons lat. 85a; lecticarius Stieler nachsch. 27a. in Wien sessl'trger, auch als schimpfwort: er is grob wiar a sess'ltrager. Hügel 148b f. idiot. Austr. 122.
 
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sesselüberzug, m. fodero da seggia. Kramer dict. 2, 772a.
 
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sessenmehl, -samen, s. DWB sesam.
 
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sessenrecht, n. (vgl. unter sesz 1): der zuwerfung des alten canals steht an dieser stelle nichts im wege, da in der schnurgasse jedes haus sessenrecht hat und die fäcalstoffe schon seit jahrhunderten daselbst in den canal gehen. Frankfurter journal vom 18. febr. 1873, hauptbl., local. nachr.
 
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sessig, adj., ganz vereinzelt für ansässig: dorfordnung durch ain ersambe nachperschaft und söldner zu Wising in der herrschaft Rotemburg sessig aufgericht. tirol. weisth. 1, 157, 3.
 
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session, f. sitzung (eines collegiums), aus lat. sessio, bez. franz. session (neben séance), s. Campe erg.-wb. Kinderling 330: dise als sie den xxv junij die erst session gehalten, und also dem reichstag einen anfang gemacht. Stamler Sleidan (1558) 64b; dasz die session mehr disputierens macht als die possession (var. als land und leut). Opel-Cohn 373. so schon mhd. sessigie, s. Lexer handwb. 2, 893. — dazu sessionstisch, m.: er entwarf das bild des sessionstisches mit den groszen haufen von schriften und papieren darauf, die er mit seinen herrn nachbarn nicht zu lesen habe. Immermann Münchh. 1, 74.
 
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sester, m. ein hohlmasz. lehnwort aus lat. sextarius, woher auch span. sextario, ital. sestiere, prov. sestier, franz. setier, s. Diez4 293. schon früh (gemein-westgermanisch) übernommen, vgl. ags. alts. sester und Pogatscher lehnw. im altengl. s. 71 f. 161 unten. im hochd. steht neben sester eine form sechter, die aus der gemeinsamen grundform sehstari durch ausdrängung des s zwischen zwei consonanten entstanden ist, s. theil 9, 2796 f. und Kluge4 323a. Weigand 2, 676. 703. ferner vereinzelt sechster (wol in anlehnung an sechs, sechste), s. th. 9, 2792 f. bei sester könnte man an einflusz der romanischen form denken. nur dieses begegnet in den nicht-hochd. sprachen: ags. sester (einmal seoxter) Bosworth-Toller 866, mnd. sester Schiller-Lübben 4, 195a. ebenso ahd. sester, sextarius, neben sextari (Otfrid 2, 8, 31), s. Graff 6, 153, vgl. W. Grimm zeitschr. für d. alterth. 6, 329, 143 (kl. schr. 3, 576); mhd. sester, seister neben sehster, sechster, sechter, seihter Lexer handwb. 2, 852, vgl. Scherz-Oberlin 1490: modius ... sester, seyster Dief. gl. 365a; sextarius ... hd. sechter, sichter, sechszterin, sester, nd. sestere. 532a; sehster i. sexta pars congii que in scripturis dicitur hemitonix. nov. gloss. 337b. im nhd. vorwiegend, doch nicht ausschlieszlich oberdeutsch. mundartlich bezeugt für die Schweiz, s. Stalder 2, 372. Hunziker 230, Schwaben Schmid 493, vgl. Frommann 5, 407, 27; Nassau Kehrein nachtr. 51, für die Pfalz als seschter Autenrieth 132.
1) als masz: sester, modius Dasypodius; sester, m. un muy Hulsius 296b; modius Schottel 1415; sestaio contr. staio, moggio, rubbio v. scheffel, metzen. Kramer dict. 2, 772a; modius, modiolus Steinbach 2, 585; eine art von maas, korn oder wein u. d. g. zu messen, ein sechstheil vom grössern masz. Frisch 2, 265c. vgl.: was tuott ain viertel? sechs sester. fastn. sp. nachtr. 327. als erklärung von schäffel in Luthers bibelübers. bei Ad. Petri (nachdruck von 1523) s. Frommann 6, 43b.
a) als trockenmasz, besonders für korn: sester, ein gattung kornmsz, modius. Maaler 370b; sester, kornmäsz, modius. halber sester. Dentzler 2, 263a. den inhalt bestimmt Behlen 3, 749 für Baden auf malter = 10 meszle = 100 becher = 756 Pariser kubikzoll = 15 liter = 4⅓ preusz. metzen = 31 Wiener becher, Jacobsson 7, 342a für Straszburg auf 924 bez. 953 franz. kubikzoll, Adelung für den Elsasz auf 4 quart = 16 mäszel, Hunziker auf malter, Kehrein = 1 kumpf = simmer =  malter, Autenrieth simmere. belege: und

[Bd. 16, Sp. 636]


sol alle naht dem pferde einen sester fters geben, und sime ein halben. Grimm weisth. 1, 822 (Andlauer hofrecht im Breisgau vom jahre 1284); der selbe Paulus lebete eine vaste mit eime sester linsen. veterbuch 2, 15 Palm; es söllent ouch alle ... ydem pferde besunder zum tage und zr naht ein halben sester habern geben z essende und nüt minre. d. städtechr. 9, 960, 23 (Straszburger verordn. von 1395); Römer wart in eime strite so vil erslagen, das men von der doten hende nam drige sehster vol vingerlin. 901, 27; die fraw asz etwan achttag kein ziblen, und glust sie stetz die ziblen z verschen ..., und kaufft ein gantzen sester vol. Pauli schimpf u. ernst s. 201 Österley; wie die Tartarn die polnische und schlesische ohren in neun kornsecken, unnd Hannibal der Römer ring mit sestern auszmasz. Fischart groszm. 58 (kloster 8, 590); wann einer derselben (säue) ein par im leib hett, sie würden jhm den magen besser erdänen als etlich und zwentzig sester wolln (lies voll?) röhrspätzlin. Garg. 42a; ich armer unseliger Grunius, verlasse hiemit mainem vater (dem speckigen eber) dreyssig muth eychel, meiner vielgeliebten mutter (der mohren) vierzig sester gehultzes. Dornav 1, 599a (herrlichkeit des schweines); die meel-leute sollen kein meel viertels- oder achtels-weise, sondern allein bey kleinen mässen, und bey einzigen oder zum höchsten zweyen sestern verkaufen. Straszb. polizeiordn. von 1628 bei Frisch 2, 265c; mein erzihler .. verkauffte mich gegen dem frühling einem kramer, der mich unter andern hanffsamen mischte und mit uns schacherte. derselbe kramer ... gewann an jedem sester einen halben goldgülden. Simpl. 2, 176, 14 Kurz; (das pferd) solt ein sester statlichen Cöllerthäler habern fressen. Philand. 2, 27; einen streif(-zug), nach unserer soldaten art, auff ein sester dürr-bieren .. thun. 30; so war's bisher in jeder herrschaft, in jedem städtlein anders, andere ellen, andere schoppen, andere simri oder sester. Hebel 2, 216; zweitens, so hatte man bisher sogar am nämlichen ort, in der nämlichen mühle .. für verschiedene sachen verschiedenerlei masz .., ein anderer sester für glatte frucht, ein anderer für rauhe .. in zukunft gibt's nur einerlei sester. 217; ein malter hat 10 simri oder sester. ein sester hat 10 meszlein. 218; und wurde nach Basler burgermasz gerechnet das viertel sogenannte frucht zu zwei säcken, oder acht grosze und sechszehn kleine sester, der grosze sester zu sechszehn, der kleine zu acht becher. 3, 100; diese beyden klepper, welche hierauf allein bestellet, haben tags jeder ein halben sester haber. Tieck 15, 314;

und umb ein halben sester kesten!
Konr. Dangkrotzheim namenb. 444.


b) als flüssigkeitsmasz, besonders für wein, in der Schweiz = acht kannen oder 16 masz wein ( saum) Adelung: alsdann ist innen der müllener schuldig zu geben ein sester weins. Grimm weisth. 2, 569 (vom jahre 1497); wer nit in diesem jargeding erscheint .. und darein gehört, ist verfallen der probsteien schultheiss ein sester weins und dem schöffen auch ein sester weins. 3, 748 (vom jahre 1487), vgl. auch Scherz-Oberlin 1490 f.; in jeder alp was zu einem sister oder sester gehört, und haltet ein sister 8 immj, und ist ein immj so vil milch, dasz es ein ziger geben möge. Tschudi 1, 15b.
c) scherzhaft auf abstractes übertragen: wan in eim sester vol zanckes, ist nit ein nusz grosz götlicher liebe. Keisersberg narrensch. 141 (133)d; damit sie mit eim viertheil oder ein par sester seelmessen und vigilien, unnd eim sack siben psalmen, sampt trei oder vier metzen paternoster und ave Marien, mit eim streichholtz glatt abgemessen, den seelen im fegfewer ein presentz oder bancket davon verehren mögen. bienenk. 112b; sampt allen unsern verdinsten und wercken der superogation (dasz sein die werck so uns nach abgestrichenem sester zu einer zugab uberbleiben). 117a.
d) als flächenmasz (?): wenn du ein liechtlin in der lutzernen treist, das zündt dir lecht eynes sesters wyt. Keisersberg bilg. 13c. vgl. 2, a.
2) sester bezeichnet auch ein gefäsz von entsprechendem inhalte, zuweilen auch ohne rücksicht auf ein bestimmtes masz:
a) als trockenmasz: daʒ ir einen frauen-müller dar in seczen sollen, der solt haben seinen gesaiten sester und seinen halben gesaiten sester und seinen geseiten virling und seinen halben geseiten virling. Grimm weisth. 5, 691. für gewöhnliches scheffel in der redeweise: was wer es das ein liecht wer in einer stuben under eim sester. Keisersberg evangel. 18a; dasz man ein liecht nicht unter eyn sester setzen, sonder auff eyn liechtstock .. stecken sol. bienenk. 140b.

[Bd. 16, Sp. 637]



b) in der Schweiz eine weinkanne von 8 kannen inhalt Adelung; überhaupt eine grosze weinkanne, die man auf den tisch stellt, um daraus kleinere gefäsze zu füllen, auch als trinkgerät für besonders durstige kehlen Stalder 2, 372: sester (der) oder bocal, ein geschirr in wölchem man den weyn ausz dem käller auff den tisch stelt, batiocus. Maaler 370b; sester, weingeschirr, vas vinarium, cirnea Dentzler 2, 263a; item weler ein schlecht mit einem schenkfass, sester, oder kanten, oder welerley geschirr es ist. Grimm weisth. 1, 83 (Züricher gegend, vom jahre 1456).