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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
servitor bis sesselart (Bd. 16, Sp. 630 bis 634)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) servitor, m. diener, vereinzelt im 18. jahrh. aus dem lat. übernommen, häufiger in franz. form serviteur. als ablehnungsformel (wie sonst gehorsamster diener!): servitor! wenn ich mich wollte brauchen lassen, ging ich in honnete gesellschaft. Göthe 57, 166 (Claudine).
 
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servitut, f. n. verbindlichkeit oder last, die auf einem grundstück oder gebäude ruht; gerechtigkeit, die einem andern daran zusteht, vom standpunkte des besitzers aus, wo sie sich als eine einschränkung des vollen eigenthumsrechts darstellt. Adelung. Campe erg.-wb. öcon. lex.2 2721. (bei Kinderling 330 schlecht übersetzt durch dienstpflicht.) waldservitute s. Behlen 6, 268 ff. aus lat. servitus entlehnt, daher bei Adelung als fem. so auch: es haftete an beiden häusern von altersher das recht des durchganges durch gärten, höfe und hausflüre .. es war ein nicht eben schönes .. wesen, das vor dem überraschten stand und ihn von der bestehenden servitut unterrichtete. Keller 2, 107. Weigand 2, 702 und Behlen gebrauchen es in übereinstimmung mit dem heutigen überwiegenden sprachgebrauche als neutrum.
 
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sesam, m. eine morgenländische (indische und ägyptische) ölpflanze Adelung (hier als neutr.). öconom. lex.2 2721 f. Oken 3, 1010 ('öl-linge'), der orientalische oder morgenländische sesam, sesamkraut, ägyptische ölsame, sesamum orientale Nemnich. der name stammt über lat. sesamum, gr. σήσαμον aus arab. simsim (alles bezeichnungen der schotenfrucht), sieh Weigand 2, 703. Dodonaeus (1583) s. 522 bemerkt: 'henc frugem Graeci σήσαμον, Latini quoque sesamum .. nominant: officinis Germaniae incognitum est'. aber schon bei Sebiz feldbau (1579) findet sich das wort als sessam: von sessam, linsen und welschen bonen. 579 (sesamkraut schon 1485, s. unten). bei Tabernaemontanus 1203 dafür sesamoides(kraut). — dazu sesambein, n., auch linsenbein, gelenkbeinchen in den gelenken der hände und füsze Campe, sesamoidea ossa Nemnich.
 
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sesamkraut, n., wie sesam, s. oben. Nemnich. Kinderling 330: sisamos sesamsz kraut. hortus sanitatis (Augsb. 1485) cap. 388. sesamkrautöl, n. Jacobsson 7, 342a, gewöhnlicher sesamöl, n. oleum sesami orientalis Campe. Oken 2, 349. Karmarsch-Heeren3 6, 408 f.: wäitzenmeel mit ein wenig saltz

[Bd. 16, Sp. 631]


und sesamöl zu einem pflaster gesotten und auff ein tuch gestrichen, miltert den grossen schmertzen der vom stein verursachet wird. Tabernaemont. 602 C. ferner: sessam ... würd auch zu keynem andern ding gepraucht, dan alleyn das man eyn öl darausz preszt, und das etliche verleckerte weiber allerhand küchlin ausz dem sässenmäl machen (am rande: sessamöle. sessamküchle). Sebiz feldb. 497; den sessensamen soll man nit eh dan mitten im sommer .. säyen. ebenda.
 
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sesel, m.
1) name einer südeuropäischen pflanze, bergfenchel, seseli Nemnich. Adelung. öcon. lex.2 2722. Behlen 5, 615; erst nhd. herübergenommen aus griech.-lat. σέσελι(ς), séseli(s), s. Weigand 2, 703 und Blumer geschlechtswandel s. 32: sesel, Graecis und Latinis, seseli. Dioscorides macht desz sesels vier geschlecht, das erste nennet er seseli Massiliense, disz ist allein im brauch in den apotecken, undn wirdt genandt seseli unnd siler montanum, item welsch steinbrech. Lonicerus kräuterb. 257 A; zirmet, sesel, silermontan, heisset griechisch und lateinisch seseli. Wirsung im reg. (unter zirmet); das vierdt geschlecht desz sesels wird bey uns genannt weisz hirtzwurtz. ebenda; vgl. Tabernaemont. 304 ff., s. auch Fuchs kräuterb. (1643) cap. 304. dazu seselsame, m. Campe: wan man aber sesel, oder seselsamen, .. ohn ein zusatz in einem recept findet, soll man allwegen den zirmet ... verstehen. Wirsung a. a. o.; zirmet oder seselwurtz gebrauch. ebenda; von dem seselkraut oder zirmet. Tabernaemont. 364 E. (oder sind alle diese stellen zu 2 gehörig?)
2) sesel oder seselkraut, eine pflanze in den südeuropäischen gebirgen, deren samen und sehr bittere wurzel officinell sind, rosskümmel, laserpitium siler (auch siler montanum, seseli montanum. Nemnich. (von 1 verschieden?)
3) gordylium oder tordylium, candianischer oder cretischer sesel, hat eine düne holtzichte, weisse wurtzel u. s. w. Hohberg 3, 1, 467a.
4) mittelrheinisch sesel (n.?), rebmesser, wol aus sehselîn, s. Schm. 2, 217.
 
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sesie, f., name einer schmetterlingsart: noch weniger zahlreich sind dämmerungs- und nachtfalter heimisch, nur die blumenreichen bruchwiesen bergen einige seltene eulen: sesien und atychien. Allmers marschenb.3 s. 125.
 
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sessam, s. DWB sesam.
 
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sesse, f.
1) bair.-östr. sesz, sösz 'auf fluszschiffen, die hölzerne handschaufel, mit welcher das wasser aus dem raume geschöpft wird'. Schm. 2, 332. Höfer 3, 140. Castelli 255; bair. form für das schweiz. sasse, s. theil 8, 1804, vermutlich lehnwort aus dem roman., vgl. ital. sessola: von der sess des scheffs, damit man das wasser auswürft. quelle bei Schm. 2, 332; die erbausfergen seyn schuldig .. auf ein scheibfahrt obenher vom Hallein auf Lauffen ein hallaschseil, vier plachen, sechs seilruder, zwo sessen, zween steg, und ein kerruder, aber untenhin von Lauffen auf Burghausen nicht mehr als vier seilruder, ein sessen, zween steg .. zu geben. also auch sollen sie auf ein samscheiben, welche sie auf ihren eignen schiffungen .. ausführen, obenhin sechs seilruder, zwo sesz, ein kerruder, .. nidenhin .. vier seilruder, ein sesz, ein kerruder .. richten, und geben. Lori bergr. 314a.
2) bidubium reb messer vel sesse (aus sehse) Dief. nov. gl. 53a (anfang des 15. jh.). — läszt sich vielleicht hierher ziehen die von Dief.-Wülcker 853 beigebrachte notiz: 'im Frankfurter rechb. von 1401 zahlt ein kupferschmied in jeder messe eine summe von einer abgaben-erhebung, welche das eine mal eingetragen ist: von underkauff an kopper und sessen. in allen frühern jahren steht: an kopper, und czene (zinn) oder an kopper, czene, blij und stahel'. — ?
3) belagerung? s. DWB sesz 3.
4) sesse, interjection, als lockruf an einen hund.

sesse! sich, Weckerlin, kumm her.
Murner narrenbeschw. 31, 1

(s. 104 neudruck; nach dem glossar noch jetzt im alem. üblich).
 
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sessel, m. sitzgerät, ruhestuhl, gröszerer bequemer stuhl, meist mit lehnen und polster. ein gemeingermanisches wort, obwol nicht überall bezeugt, got. sitls, ags. setl (engl. settle), ahd. seʒʒal; ableitung zu sitzen, schon vorgermanisch gebildet, vgl. lat. sella aus sed-la, lakon. ἑλλά, gall. sedlon (Fick4 2, 298), slav. sedlo 'sattel', s. Uhlenbeck 126. Noreen urg. lautl. 200. Weigand 2, 703. Kluge4 326b. Grimm gramm. 2, 99. 3, 433. über das verhältnis zu sedel, sidel s. Noreen a. a. o. mundartlich auch setzel, so sèdsl im Donau-Lech-winkel, s. Baierns mundarten

[Bd. 16, Sp. 632]


1, 306. — im hd. zu allen zeiten bezeugt, ahd. seʒʒal, -el, seʒel cathedra, tribunal, solium, sponda (pl. seʒal neben seʒʒelâ?) Graff 6, 303, mhd. seʒʒel Lexer handwb. 2, 898, hier noch oft in einem weiten sinne (wie sitz):

(Maria) dû gotes seʒʒel, unt gotes kindes klôse. minnes. 2, 381b Hagen;

das blt ist ein sitz, oder ein sessel der selen. Keisersberg post. 3, 3a. auch 'unterlage des edelsteins in einem ring': daʒ sein (des diamants) kraft vil dester grœʒer sei, wenn man im seinen seʒʒel eisnein mach, sô man in in ain vingerlein wil setzen. Megenberg 433, 13. — im nhd. nur von einem sitzgerät: sessel, cathedra, sella, stipadium, sedes, sedile. Dasypodius; sässel (der) stl, banck, sedes, sedile, cathedra, abacus, scabile, scamnum. Maaler 341a; sedile, ein sessel, ein sitz, ein banck stuel. Corvinus fons lat. 582b; sessel, sedia, seggia, .. auf (in) einem sessel sitzen. Kramer dict. 2, 771c; sessel, der, et alia dialecto siedel, die, sedile, sedes, sella. Stieler 2043; säszel (der) sella, sedile Steinbach 2, 582 neben seszel (der) 583; darin ist ain alter, herlicher man mit ainem langen, growen bart in einem sessel gesessen. Zimm. chr.2 3, 14, 23 Barack; Franz wirft sich in seinem sessel herum in schröcklichen bewegungen. Schiller 2, 187 (räub. 5, 1 schausp.); der marquis lag in einem sessel, den kopf zwischen beide arme geworfen. 3, 569; (ich) nöthig' ihn auf einen sessel in des zimmers mitte nieder. H. v. Kleist Käthchen 1, 1; er sei geng z'ringsetum hinter ihre seszle durchgegangen, und habe einer jeden ein kompliment gemacht. Gotthelf 1, 121 Vetter. sprichwörtlich: wer sich auf zwei sessel zugleich setzt, kann leicht auf die erde fallen. Wander 4, 544; österr. zwisch'n zwa sess'ln auf der erd' sitz'n, mit zwei projecten u. ähnl. durchfallen, weil man sich nicht für eins genügend verwendete. Hügel 148b; Andres war gleichsam zwischen zwei sesseln heruntergesessen. Meyer-Merian Mareili s. 134. — wie die angeführten autoritäten zeigen, wird sessel vielfach für stuhl, einzelsitz überhaupt gesagt (so auch Adelung); gewöhnlich wird es indessen in eingeschränkterem sinne angewendet, und da bezeichnet sessel dem stuhl gegenüber fast immer das gröszere, vornehmere, prächtigere oder bequemere möbel (ursprünglich umgekehrt, s. Heyne hausalterth. 1, 53). so ausdrücklich geschieden: an das vorzimmer stöszt ein kleines kabinet, schon wohnlicher und behaglicher, die stühle haben sich in sessel verwandelt. Hackländer krieg u. frieden 1, 8. sessel neben dem niedrigeren schemel:

auf dem sessel sitzt die dame,
auf dem schemel sitzt der ritter,
und sein haupt, das schlummermüde,
ruht auf den geliebten knieen.
Heine 1, 145 Elster (heimkehr Almansor 3).

ähnlich:

im sessel du, und ich zu deinen füszen,
das haupt zu dir gewendet, saszen wir.
Storm ged. 31.

vielfach als attribut von amt und würde, sessel des ministers, des richters u. a., so z. b.:

ietweder sol ein sessel hân,
darûf er size. ein buoch zertân
vor im sol ligen, daran stê
das reht geschriben. nu hörent mê:
sie son rihtern sîn gelîch.
Konrat v. Ammenhausen schachzabelb. 4243.

vgl. zusammensetzungen wie herrensessel, seggia, seggio alla nobile, reale, signorile, tribuna, seggio à trono. Kramer dict. 2, 771c (vgl. theil 4, 2, 1141); prang-sessel, ehren-sessel, sedia di parata ò da pompa. 772a; red-sessel, tribuna. ebenda; ratssessel, s. theil 8, 202. früher auch sessel des königs, wofür jetzt thron (vgl. königssessel, theil 5, 1715, und thronsessel theil 11, 433. auch im got., Col. 1, 16, steht sitlos als übersetzung von θρόνοι): könig sessel, solium Dasypod.; herrlicher sessel, thronus. ebenda; ein guldin kron, ein helfenbeinen sessel, ein helfenbeinen zepter. Carbach Liv. (1546) 15; der güldin sessel Vulcanj. H. Sachs 4, 3, 114b (überschr.); ein stuel bedeut ein amt und hoheit, oder ein weib .. der königin sessel, bedeut die königin, was nun dem stuel oder sessel böses oder gutes begegnet, das begegnet auch den obgemelten personen. Coler traumb. 241 (auch sonst wird ja in derartigen gebrauchsweisen überwiegend stuhl gesagt). vom throne gottes, bildlich: der himmel ist mein sessel, und das erdtreich ist ein schemel meiner füsz. Pauli sch. u. ernst 205 Österley;

des seʒʒel ist der himel dort
unt hie diu erde sîner vüeʒe schamel. minnes. 2, 380b Hagen.

vgl. noch:

ab der künste seʒʒel
sitz, dâ si sâʒen.
Frauenlob 166, 11.

[Bd. 16, Sp. 633]


in andern fällen überwiegt der begriff des bequemen, zum ausruhen einladenden: in einem sssel sitzen unnd gerwen. Maaler 341a. schweiz. sës(s)el, 'jeder bessere stuhl': si wot nume-n im sëssel hoke, sie will nicht arbeiten, sondern die dame spielen. Hunziker 240. so als krankensitz: es war eine impertinente composition von laune meiner natur, die mich vier wochen, an den bettfus, und vier wochen, an den sessel anschraubte. der junge Göthe 1, 45; da ich mich in einem sessel, die füsze wie eine mumie verbunden, vor einen tisch gelagert habe. 50. dazu auch schlaf-sessel, s. th. 9, 308, sedia da dormirvi dentro. Kramer dict. 2, 772a. in ähnlichem sinne übertragen: führe mein Grandgauchiher ein hauszschwalm heim, die jhm ein gesellin sey inn der not, seins hertzens ein sessel, seim leib ein küssen und elenbogensteurerin. Garg. 69b. — nähere beschreibung und besondere arten: der sessel entspricht ursprünglich unserm stuhl, als das gewöhnliche sitzgerät für eine person, s. Heyne hausalterth. 1, 55. 108. 255. 373. eine bestimmte form läszt sich aus den alten quellen nicht erschlieszen. später wird das wort vielfach auf eine sitzform angewandt, die der altröm. sella curulis entspricht, einen zusammenlegbaren klappstuhl, ohne lehne, aber mit sitzpolster, der im mittelalter ebenfalls als prunk- und herrensitz dient und gewöhnlich valtstuol (woher fauteuil) heiszt, s. Heyne hausalterth. 1, 106 f. Schultz höf. leben2 1, 81 ff. sie dienen später auch als feldstuhl und als kirchenstuhl: zusammengelegter sessel, aliàs kirchstul, sella plicatilis. Stieler 2043; ein sessel den man zusammen legen kan. Frisch 2, 265b; kreutz-sessel, zusammenleg-sessel, sedia, seggetta piegante ò che si piega. Kramer dict. 2, 771c; feld-sessel, sedia di campagna. ebenda, sella castrensis Stieler 2044; 2 sesel auf welschs, wie du sy im sin hast gehabt, machen zu lassen, sind uberal beschlagen an örtern, das mons kan zusamlegen und uber lond fiern, wo man hin wil. Paumgartner briefw. s. 270 Steinhausen (sept. 1596). sessel in der kirche: da solichs die weiber haben gesehen, sind sie hinzgelauffen und [haben] sie (die prediger) bei irem har ernidergeworfen und mit iren seslen wol erplüt und erzaust. d. städtechron. 23, 194, 4. eine ähnliche lehnenlose form hält sich noch länger in schlafzimmern und weiblichen boudoirs: sessel, ist eine art kleiner ausgestopffter und beschlagener niedriger stühle sonder lehne, so man insgemein in denen zimmern an die fenster oder ercker zu stellen pfleget, das frawenzimmer nennet sie auch nönngen. frauenzimmerlex. 1842 (Schultz alltagsleb. s. 131). s. auch öcon. lex.2 2722. Jacobsson 7, 342a. (nach Adelung würde dies in der umgangssprache die gewöhnliche bedeutung von sessel sein, ganz im gegensatz zum heutigen sprachgebrauche.) über ähnliche minder vornehme sitzgeräte s. unten.heute bezeichnet dagegen sessel im allgemeinen gerade einen sitz mit rücken- und womöglich auch mit armlehnen: sessel mit länen, sella dorsuaria et brachiata. Stieler nachsch. 27a; seszel, ein lehn-seszel, lat. sella reclinatoria, a tergo loricata. Apin gloss. 495; so in zusammensetzung: lehnen-sessel, arm-sessel, sedia d'appoggio, à spalliera, ò à bracci. Kramer dict. 2, 771c (vgl. th. 1, 560 und 6, 551: lehnsessel). gemeinsam beiden arten ist die polsterung: sessel mit läder überzogen, pellica Stieler 2044. — besondere arten: halber runder sessel, hemicyclus Dasypod.; doppelter sessel, sedia doppia Kramer a. a. o.; duppelter seszel, bisellium Stieler 2043; bogensessel, s. theil 2, 221; drehesessel, seggia girante, tornatile ò che si gira Kramer a. a. o. (vgl. th. 2, 1368); rollen- ò fahr-sessel, sedia à carrucola ò à carriuola. Kramer dict. 2, 772a (vgl. th. 3, 1263 und 8, 1150: rollsessel); tragsessel (vgl. daselbst), sedia, seggia, segg(i)etta, portatile ò à barra. ebenda. für dies gerät, darin vornehme personen und kranke getragen wurden (sänfte), auch sessel schlechthin: basterna, ein sessel, darauff man jemand trägt, eine senffte. Corvinus fons lat. 85a; auf (in) einem sessel getragen werden. Kramer dict. 2, 771c; einen auf einem sessel tragen, in sella aliquem ferre. Steinbach 2, 583; trug ich so schwer, von starckem wein, fürt man mich heym, im sessel bald. Garg. 89a. — im gegensatze zu diesen gebrauchsweisen bezeichnet sessel noch zuweilen gerade einen kleinern, minder bequemen und angesehenen sitz als stuhl: nidriger sessel, sedia bassa, seggiuola, seggetta. Kramer dict. 2, 771c; ein kleiner niedriger sessel ohne arme, und ohne rück-lehne, sellae sine cubitali et sine dorso, sella humilior. Frisch 2, 265c; dreybeinichter- sive schustersseszel, sessibulum tripus Stieler 2044. bei den bleiarbeitern ein kleiner tragbarer sitz aus einem brett, der an ein geknötetes seil gehakt wird und ihnen zum befahren

[Bd. 16, Sp. 634]


der glockenthürme dient. ebenda. vgl. auch feld-sessel, s. oben. — sessel des wagens, wagensitz, wagenkorb:

(Poseidon) faszte die geiszel,
schön aus golde gewirkt, und trat in den sessel des wagens
(ἑοῦ δ' ἐπεβήσετο δίφρου — ?)
Voss Il. 13, 26;

und er entsank aufröchelnd dem schöngebildeten sessel
(εὐεργέος ἔκπεσε δίφρου — ?). 399;

vergl.: sella curulis, der sessel uffm wagen (miszverständnis? vgl. oben). Corvinus fons lat. 192b. in folgender stelle ist dagegen ein wirklicher thron gemeint:

dô saʒ diu Minne minneclich
ûf einem seʒʒel (daʒ sah ich)
imme wegenlîn enmitten.
Heinzelin v. Konstanz 1, 806.

der nachstehenden stelle läszt sich nur ein befriedigender sinn abgewinnen, wenn man sessel als den zum sitzen dienenden körpertheil versteht:

hier liegt Hortensius ein alt Parnassus-kind,
er wolte führer seyn, und war doch selbsten blind.
wer auf den grabestein sich nur wird wollen setzen,
dem wird die türre faust den sessel weidlich fetzen.
Hoffmannswaldau poet. grabschr. nr. 68 ('eines einfältigen schulmeisters').

als ausdruck der anatomie sessel des weckenbeins, sella turcica, s. Hyrtl kunstw. 160.
 
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sesselart, f. in folgender stelle: ich achte aber, ewere (lies ewer) früchtlin und kreutlin zu Halle, hat nu ausgeheuchelt, ... wird nu seines sessel art sich vleissigen, das frömichen. Luther 6, 115b, ist druckfehler für (seiner) nesselart, s. briefe 4, 503.