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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
servil bis sesse (Bd. 16, Sp. 630 bis 631)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) servil, adj. knechtisch, sklavisch, in unwürdiger weise unterwürfig, kriechend. aus lat. servilis: servile gesinnung, serviles benehmen und ähnl. jetzt sehr gewöhnlich. früher sagte man dafür servilisch, s. Campe erg.-wb.: weil Antenor dem Philanderson versprochen hatte, dasz er des andern tages seiner wiederumb wolte gewärtig seyn, als setzte er andere servilische, animo et ingenio suo indigna negotia zurück. Schuppius 91; solche leute .. sind der freyheit gewohnet, und wollen lieber sterben, als servilisch tractiret werden. 384; solche leute haben vermeynt, sie wollen durch anderer leut ruin .. ihnen einen grossen namen machen. haben demnach allerhand servilische ingenia auszgeschickt, welche haben erforschen sollen, was dieser oder jener mache? 632. — dazu servilismus, m.
 
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serving, f., auch sarving, dickes, plattes, nicht spitz zulaufendes, von alten kabelgarnen geflochtenes tau. Bobrik 638a. Campe schreibt serwing.
 
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serviten, plur. dem dienst der Maria gewidmete mönche. Campe erg.-wb.
 
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servitor, m. diener, vereinzelt im 18. jahrh. aus dem lat. übernommen, häufiger in franz. form serviteur. als ablehnungsformel (wie sonst gehorsamster diener!): servitor! wenn ich mich wollte brauchen lassen, ging ich in honnete gesellschaft. Göthe 57, 166 (Claudine).
 
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servitut, f. n. verbindlichkeit oder last, die auf einem grundstück oder gebäude ruht; gerechtigkeit, die einem andern daran zusteht, vom standpunkte des besitzers aus, wo sie sich als eine einschränkung des vollen eigenthumsrechts darstellt. Adelung. Campe erg.-wb. öcon. lex.2 2721. (bei Kinderling 330 schlecht übersetzt durch dienstpflicht.) waldservitute s. Behlen 6, 268 ff. aus lat. servitus entlehnt, daher bei Adelung als fem. so auch: es haftete an beiden häusern von altersher das recht des durchganges durch gärten, höfe und hausflüre .. es war ein nicht eben schönes .. wesen, das vor dem überraschten stand und ihn von der bestehenden servitut unterrichtete. Keller 2, 107. Weigand 2, 702 und Behlen gebrauchen es in übereinstimmung mit dem heutigen überwiegenden sprachgebrauche als neutrum.
 
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sesam, m. eine morgenländische (indische und ägyptische) ölpflanze Adelung (hier als neutr.). öconom. lex.2 2721 f. Oken 3, 1010 ('öl-linge'), der orientalische oder morgenländische sesam, sesamkraut, ägyptische ölsame, sesamum orientale Nemnich. der name stammt über lat. sesamum, gr. σήσαμον aus arab. simsim (alles bezeichnungen der schotenfrucht), sieh Weigand 2, 703. Dodonaeus (1583) s. 522 bemerkt: 'henc frugem Graeci σήσαμον, Latini quoque sesamum .. nominant: officinis Germaniae incognitum est'. aber schon bei Sebiz feldbau (1579) findet sich das wort als sessam: von sessam, linsen und welschen bonen. 579 (sesamkraut schon 1485, s. unten). bei Tabernaemontanus 1203 dafür sesamoides(kraut). — dazu sesambein, n., auch linsenbein, gelenkbeinchen in den gelenken der hände und füsze Campe, sesamoidea ossa Nemnich.
 
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sesamkraut, n., wie sesam, s. oben. Nemnich. Kinderling 330: sisamos sesamsz kraut. hortus sanitatis (Augsb. 1485) cap. 388. sesamkrautöl, n. Jacobsson 7, 342a, gewöhnlicher sesamöl, n. oleum sesami orientalis Campe. Oken 2, 349. Karmarsch-Heeren3 6, 408 f.: wäitzenmeel mit ein wenig saltz

[Bd. 16, Sp. 631]


und sesamöl zu einem pflaster gesotten und auff ein tuch gestrichen, miltert den grossen schmertzen der vom stein verursachet wird. Tabernaemont. 602 C. ferner: sessam ... würd auch zu keynem andern ding gepraucht, dan alleyn das man eyn öl darausz preszt, und das etliche verleckerte weiber allerhand küchlin ausz dem sässenmäl machen (am rande: sessamöle. sessamküchle). Sebiz feldb. 497; den sessensamen soll man nit eh dan mitten im sommer .. säyen. ebenda.
 
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sesel, m.
1) name einer südeuropäischen pflanze, bergfenchel, seseli Nemnich. Adelung. öcon. lex.2 2722. Behlen 5, 615; erst nhd. herübergenommen aus griech.-lat. σέσελι(ς), séseli(s), s. Weigand 2, 703 und Blumer geschlechtswandel s. 32: sesel, Graecis und Latinis, seseli. Dioscorides macht desz sesels vier geschlecht, das erste nennet er seseli Massiliense, disz ist allein im brauch in den apotecken, undn wirdt genandt seseli unnd siler montanum, item welsch steinbrech. Lonicerus kräuterb. 257 A; zirmet, sesel, silermontan, heisset griechisch und lateinisch seseli. Wirsung im reg. (unter zirmet); das vierdt geschlecht desz sesels wird bey uns genannt weisz hirtzwurtz. ebenda; vgl. Tabernaemont. 304 ff., s. auch Fuchs kräuterb. (1643) cap. 304. dazu seselsame, m. Campe: wan man aber sesel, oder seselsamen, .. ohn ein zusatz in einem recept findet, soll man allwegen den zirmet ... verstehen. Wirsung a. a. o.; zirmet oder seselwurtz gebrauch. ebenda; von dem seselkraut oder zirmet. Tabernaemont. 364 E. (oder sind alle diese stellen zu 2 gehörig?)
2) sesel oder seselkraut, eine pflanze in den südeuropäischen gebirgen, deren samen und sehr bittere wurzel officinell sind, rosskümmel, laserpitium siler (auch siler montanum, seseli montanum. Nemnich. (von 1 verschieden?)
3) gordylium oder tordylium, candianischer oder cretischer sesel, hat eine düne holtzichte, weisse wurtzel u. s. w. Hohberg 3, 1, 467a.
4) mittelrheinisch sesel (n.?), rebmesser, wol aus sehselîn, s. Schm. 2, 217.
 
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sesie, f., name einer schmetterlingsart: noch weniger zahlreich sind dämmerungs- und nachtfalter heimisch, nur die blumenreichen bruchwiesen bergen einige seltene eulen: sesien und atychien. Allmers marschenb.3 s. 125.
 
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sessam, s. DWB sesam.
 
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sesse, f.
1) bair.-östr. sesz, sösz 'auf fluszschiffen, die hölzerne handschaufel, mit welcher das wasser aus dem raume geschöpft wird'. Schm. 2, 332. Höfer 3, 140. Castelli 255; bair. form für das schweiz. sasse, s. theil 8, 1804, vermutlich lehnwort aus dem roman., vgl. ital. sessola: von der sess des scheffs, damit man das wasser auswürft. quelle bei Schm. 2, 332; die erbausfergen seyn schuldig .. auf ein scheibfahrt obenher vom Hallein auf Lauffen ein hallaschseil, vier plachen, sechs seilruder, zwo sessen, zween steg, und ein kerruder, aber untenhin von Lauffen auf Burghausen nicht mehr als vier seilruder, ein sessen, zween steg .. zu geben. also auch sollen sie auf ein samscheiben, welche sie auf ihren eignen schiffungen .. ausführen, obenhin sechs seilruder, zwo sesz, ein kerruder, .. nidenhin .. vier seilruder, ein sesz, ein kerruder .. richten, und geben. Lori bergr. 314a.
2) bidubium reb messer vel sesse (aus sehse) Dief. nov. gl. 53a (anfang des 15. jh.). — läszt sich vielleicht hierher ziehen die von Dief.-Wülcker 853 beigebrachte notiz: 'im Frankfurter rechb. von 1401 zahlt ein kupferschmied in jeder messe eine summe von einer abgaben-erhebung, welche das eine mal eingetragen ist: von underkauff an kopper und sessen. in allen frühern jahren steht: an kopper, und czene (zinn) oder an kopper, czene, blij und stahel'. — ?
3) belagerung? s. DWB sesz 3.
4) sesse, interjection, als lockruf an einen hund.

sesse! sich, Weckerlin, kumm her.
Murner narrenbeschw. 31, 1

(s. 104 neudruck; nach dem glossar noch jetzt im alem. üblich).