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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
servieren bis sesie (Bd. 16, Sp. 629 bis 631)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) servieren, verb. , nach franz. servir.
1) als commis dienen (z. b. bei den apothekern in Wien).
2) (den tisch) servieren, anrichten, die speisen auftragen. Campe erg.-wb.:

wer sich selber darf serviren,
kann sich honig nach belieben dran rühren.
Wander 4, 544.


3) beim ballspiel, s. DWB service 3. Jacobsson 7, 341 f.
 
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serviette, f. tellertuch, tuch, das man beim essen über den schosz legt oder am halse befestigt, um die kleidung vor flecken zu schützen und mund und hände daran abzuwischen, s. Kinderling 149. Adelung. öconom. lexicon2 2720 f. Jacobsson 4, 147a. lehnwort aus dem franz., s. Weigand 2, 702, der es zuerst aus Schuppius (1657) zu belegen weisz. es findet sich aber schon im 16. jahrh., zuerst in ganz franz. form zum 21. juli 1510: item adi 21 luio schenckt dem abt von Halszprun ein stück der fein servietes von Lion, nemlich 12 faczolen. Tucher haushaltbuch s. 79 Loose (s. auch s. 74, anmerk. 1, und s. 81). das diminutiv vom jahre 1542, s. unten. ferner: serviet, hantwêl, mantile, mantelium. Chytraeus nomencl. lat. sax. (Rostock 1582) 405; höffliche leute schlecken, oder belecken die lefftzen nicht mit ausgestreckter zunge, sondern wischen sie mit der servieten (tellertüchlin, mapellâ, mapullâ) ab. Comenius sprachenth. 559; mantelium, mantellum et mantile .. ein salvet, servet, facinetlein, tellertüchlein, daran man die hände träugt. Corvinus fons lat. 389a; serviet, ein teller-tuch, vom französ. serviette, und dieses vom lat. servire. sonderlich, weil die aufwärter und diener dergleichen tücher an sich, oder in händen haben, mappula. Frisch 2, 265c; er kont nicht mit den gemodelten, labirintischen servieten unnd fatziolen umbgahn. Garg. 45a; jung geschwind ein serviet her. Schuppius 109; jucha sind dünne kuchen, fast als pergament, ... die gebrauchen sie (die Perser) erst an statt der servietten oder vortücher, wischen die fetten finger daran. Olearius persian. reisebeschr. 313b (ähnlich auch 225b); es (die coiffure) sicht eben ausz, wie gefaltene servietten, wie man sie ahn den teütschen höffen macht, wan frembde kommen. Elis. Charlotte 3, 559; es sicht eben ausz, alsz wen 3 gefaltene servietten über einander legen. 571; diese hat mich gebeten, den mittag mit ihr ganz allein auf der serviette zu speisen. Weisze lustsp. 2, 253; die germanische hausfrau lernte schon damals tischtücher und servietten in ihrer truhe zu bewahren. Freytag bilder 1, 281;

das garn ist auch schon zugericht
zu tischtuch und servietten. wunderh. 2, 256 Boxberger.

zuweilen in entstellter form, so mit ausgeworfenem i servete. die modos, die man zu tischtüchern, serveten, handzwehlen, thresortüchern zugebrauchen pflegt, sind mancherley, als augicht, würffelicht u. s. w. Garzoni piazza univ. (1641) 568a. vgl. Weigand a. a. o. im diminutiv: vi elen geblumte leinwandt vor ii fl. zw seruetlein. Leipz. stadtrechn. 1542—3 fol. 162b; mantile, handzwehel, servetlin, handtuch. Golii onomast. (1582) 319; die ersten leuthfresser (anthropophagi) ... trincken ausz den hirnschalen der menschen, unnd brauchen die haut sampt den haren für brst tücher, oder servetlein, daran sie die hend wüschen. Heyden v. Dhaun Plinius s. 7. andern ursprung hat vielleicht die form salvet(t)e, s. daselbst th. 8, 1704, vgl. auch tischsalvet th. 11, 519. — als verdeutschung ist in der

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ältern sprache, besonders oberdeutsch, handzwehle üblich, vgl. daselbst (th. 4, 2, 431) und oben (mhd. twehel s. Schultz höf. leben2 1, 370, 5); am allgemeinsten üblich ist tellertuch, s. theil 11, 242; vereinzelte versuche sind mundtuch und träufeltuch, s. Campe erg.-wb.mundartlich z. b. schweiz. sérwiete Seiler 268a, luxemb. servét, f., plur. -en (auch für 'arschwisch') Gangler 415. verbreiteter ist salvet(te), s. das.; so auch thür. salfêde, -fède, -faede, -salviède (med salfêde ze sàin, mit respekt zu sagen, salva venia) Hertel 44. sprachschatz 228. — dazu servietten-bänder 'sind bänder, die die frauen, welche kostgänger halten, an das ende der servietten knüpfen, um immer zu erkennen, wem sie zugehöre'. Schultz alltagsleben s. 189 (jetzt in familien zu ähnlichem zwecke serviettenringe); servietten-presse, f. zum einpressen und aufbewahren von servietten. ebenda. öconom. lexicon2 2721. Jacobsson 4, 147a; nöthigenfalls würde durch bündelschnüren und serviettenverpackung dafür gesorgt werden, dasz küsterei in ihren gerechtsamen keinen schaden erlitte. Immermann Münchh. 3, 34. — selten in andern verwendungen, so im handelswesen für ballen; in der chirurgie serviette mit dem scapulier für eine art binde, s. Jacobsson 7, 341a.
 
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servil, adj. knechtisch, sklavisch, in unwürdiger weise unterwürfig, kriechend. aus lat. servilis: servile gesinnung, serviles benehmen und ähnl. jetzt sehr gewöhnlich. früher sagte man dafür servilisch, s. Campe erg.-wb.: weil Antenor dem Philanderson versprochen hatte, dasz er des andern tages seiner wiederumb wolte gewärtig seyn, als setzte er andere servilische, animo et ingenio suo indigna negotia zurück. Schuppius 91; solche leute .. sind der freyheit gewohnet, und wollen lieber sterben, als servilisch tractiret werden. 384; solche leute haben vermeynt, sie wollen durch anderer leut ruin .. ihnen einen grossen namen machen. haben demnach allerhand servilische ingenia auszgeschickt, welche haben erforschen sollen, was dieser oder jener mache? 632. — dazu servilismus, m.
 
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serving, f., auch sarving, dickes, plattes, nicht spitz zulaufendes, von alten kabelgarnen geflochtenes tau. Bobrik 638a. Campe schreibt serwing.
 
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serviten, plur. dem dienst der Maria gewidmete mönche. Campe erg.-wb.
 
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servitor, m. diener, vereinzelt im 18. jahrh. aus dem lat. übernommen, häufiger in franz. form serviteur. als ablehnungsformel (wie sonst gehorsamster diener!): servitor! wenn ich mich wollte brauchen lassen, ging ich in honnete gesellschaft. Göthe 57, 166 (Claudine).
 
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servitut, f. n. verbindlichkeit oder last, die auf einem grundstück oder gebäude ruht; gerechtigkeit, die einem andern daran zusteht, vom standpunkte des besitzers aus, wo sie sich als eine einschränkung des vollen eigenthumsrechts darstellt. Adelung. Campe erg.-wb. öcon. lex.2 2721. (bei Kinderling 330 schlecht übersetzt durch dienstpflicht.) waldservitute s. Behlen 6, 268 ff. aus lat. servitus entlehnt, daher bei Adelung als fem. so auch: es haftete an beiden häusern von altersher das recht des durchganges durch gärten, höfe und hausflüre .. es war ein nicht eben schönes .. wesen, das vor dem überraschten stand und ihn von der bestehenden servitut unterrichtete. Keller 2, 107. Weigand 2, 702 und Behlen gebrauchen es in übereinstimmung mit dem heutigen überwiegenden sprachgebrauche als neutrum.
 
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sesam, m. eine morgenländische (indische und ägyptische) ölpflanze Adelung (hier als neutr.). öconom. lex.2 2721 f. Oken 3, 1010 ('öl-linge'), der orientalische oder morgenländische sesam, sesamkraut, ägyptische ölsame, sesamum orientale Nemnich. der name stammt über lat. sesamum, gr. σήσαμον aus arab. simsim (alles bezeichnungen der schotenfrucht), sieh Weigand 2, 703. Dodonaeus (1583) s. 522 bemerkt: 'henc frugem Graeci σήσαμον, Latini quoque sesamum .. nominant: officinis Germaniae incognitum est'. aber schon bei Sebiz feldbau (1579) findet sich das wort als sessam: von sessam, linsen und welschen bonen. 579 (sesamkraut schon 1485, s. unten). bei Tabernaemontanus 1203 dafür sesamoides(kraut). — dazu sesambein, n., auch linsenbein, gelenkbeinchen in den gelenken der hände und füsze Campe, sesamoidea ossa Nemnich.
 
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sesamkraut, n., wie sesam, s. oben. Nemnich. Kinderling 330: sisamos sesamsz kraut. hortus sanitatis (Augsb. 1485) cap. 388. sesamkrautöl, n. Jacobsson 7, 342a, gewöhnlicher sesamöl, n. oleum sesami orientalis Campe. Oken 2, 349. Karmarsch-Heeren3 6, 408 f.: wäitzenmeel mit ein wenig saltz

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und sesamöl zu einem pflaster gesotten und auff ein tuch gestrichen, miltert den grossen schmertzen der vom stein verursachet wird. Tabernaemont. 602 C. ferner: sessam ... würd auch zu keynem andern ding gepraucht, dan alleyn das man eyn öl darausz preszt, und das etliche verleckerte weiber allerhand küchlin ausz dem sässenmäl machen (am rande: sessamöle. sessamküchle). Sebiz feldb. 497; den sessensamen soll man nit eh dan mitten im sommer .. säyen. ebenda.
 
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sesel, m.
1) name einer südeuropäischen pflanze, bergfenchel, seseli Nemnich. Adelung. öcon. lex.2 2722. Behlen 5, 615; erst nhd. herübergenommen aus griech.-lat. σέσελι(ς), séseli(s), s. Weigand 2, 703 und Blumer geschlechtswandel s. 32: sesel, Graecis und Latinis, seseli. Dioscorides macht desz sesels vier geschlecht, das erste nennet er seseli Massiliense, disz ist allein im brauch in den apotecken, undn wirdt genandt seseli unnd siler montanum, item welsch steinbrech. Lonicerus kräuterb. 257 A; zirmet, sesel, silermontan, heisset griechisch und lateinisch seseli. Wirsung im reg. (unter zirmet); das vierdt geschlecht desz sesels wird bey uns genannt weisz hirtzwurtz. ebenda; vgl. Tabernaemont. 304 ff., s. auch Fuchs kräuterb. (1643) cap. 304. dazu seselsame, m. Campe: wan man aber sesel, oder seselsamen, .. ohn ein zusatz in einem recept findet, soll man allwegen den zirmet ... verstehen. Wirsung a. a. o.; zirmet oder seselwurtz gebrauch. ebenda; von dem seselkraut oder zirmet. Tabernaemont. 364 E. (oder sind alle diese stellen zu 2 gehörig?)
2) sesel oder seselkraut, eine pflanze in den südeuropäischen gebirgen, deren samen und sehr bittere wurzel officinell sind, rosskümmel, laserpitium siler (auch siler montanum, seseli montanum. Nemnich. (von 1 verschieden?)
3) gordylium oder tordylium, candianischer oder cretischer sesel, hat eine düne holtzichte, weisse wurtzel u. s. w. Hohberg 3, 1, 467a.
4) mittelrheinisch sesel (n.?), rebmesser, wol aus sehselîn, s. Schm. 2, 217.
 
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sesie, f., name einer schmetterlingsart: noch weniger zahlreich sind dämmerungs- und nachtfalter heimisch, nur die blumenreichen bruchwiesen bergen einige seltene eulen: sesien und atychien. Allmers marschenb.3 s. 125.