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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
serval bis servitor (Bd. 16, Sp. 628 bis 630)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) serval, m. tigerkatze, wildes, unzähmbares thier in Indien, felis serval. Nemnich.
 
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servante, f., nach franz. weise zu sprechen, kleines tischchen oder gestell mit mehreren tischplatten über einander, zum aufstellen von allerlei tischgerät. Campe erg.-wb. Gangler 415: die reich besetzten etagèren und servanten entfalteten einen überflusz von gold, silber und porzellan. Gutzkow ritter vom geist 3, 208. (dieselbe übertragung auch bei stummer diener, kleines tischchen, worauf man etwas sich zur hand stellen kann, wofür Jacobsson 7, 342a serviteur hat.)
 
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servellatwurst, f. schreibt Adelung für das richtigere cervellatwurst, aus ital. cervellata, also eigentlich bregenwurst, aber gewöhnlich von den dicken, geräucherten fleischwürsten gesagt; rinderwurst nach Campe erg.-wb. (unter cervelatwurst): herren- vel potius hirn- vulgo serbelatwurst, vulvula. Stieler 2588.
 
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service, n. lehnwort aus dem franz. service, das seinerseits aus lat. servitium stammt und eigentlich 'dienst, bedienung' bedeutet. (in diesem sinne bei uns in hotels gesagt.) service wird nach franz. weise ausgesprochen und daher in ältern quellen vielfach auch servis, servies geschrieben, s. Weigand 2, 702.
1) tafelgerät, das gesamte geschirr, das zum essen und trinken bei tische gebraucht wird. Kinderling 149. Campe erg.-wb. öcon. lex.2 2720. Jacobsson 4, 147a, assortiment de vaisselle ou de linge

[Bd. 16, Sp. 629]


qui sert à table. Gangler 415 (nach diesem auch die tracht, der gang bei tische, vgl. Weigand a. a. o.): ein silber etiam dicitur argentum escarium, vulgo ein servies. Stieler 1720. — nur in diesem sinne (und für 'bedienung') jetzt noch üblich. die folgenden verwendungen sind veraltet.
2) service, heisset auch dasjenige, was bey einquartierungen denen soldaten ausser dem quartier, an saltz, eszig, feuer, licht und geräthe zum gebrauch gegeben wird. öcon. lex.2 2720; utencile du soldat Eggers 2, 902. Jacobsson 7, 340b; zabendzehr enim dicebatur olim, quod milites nostri hodie servis appellant, i. e. acetum, oleum, muria, sal, candela, etc. Stieler 2607. — dagegen nach Campe erg.-wb. eine 'steuer, welche die bürger dafür, dasz sie mit dem einlager verschont bleiben, zur verpflegung der soldaten erlegen müssen'. vgl. Fr. v. Schrötter, die entwickl. des begriffes servis im preusz. heerwesen. forsch. zur brandenb. u. preusz. gesch. 13, 1—28.
3) ballspiel: service geben, servieren, den ball zuerst schlagen; service zurück geben, den servierten ball zurück werfen; service ziehen, losen, wer servieren soll. Jacobsson 7, 340b f.
 
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servient, m. im Maltheserorden ritter dritter ordnung, servans d'armes oder chevaliers servans. Eggers 2, 902.
 
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servieren, verb. , nach franz. servir.
1) als commis dienen (z. b. bei den apothekern in Wien).
2) (den tisch) servieren, anrichten, die speisen auftragen. Campe erg.-wb.:

wer sich selber darf serviren,
kann sich honig nach belieben dran rühren.
Wander 4, 544.


3) beim ballspiel, s. DWB service 3. Jacobsson 7, 341 f.
 
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serviette, f. tellertuch, tuch, das man beim essen über den schosz legt oder am halse befestigt, um die kleidung vor flecken zu schützen und mund und hände daran abzuwischen, s. Kinderling 149. Adelung. öconom. lexicon2 2720 f. Jacobsson 4, 147a. lehnwort aus dem franz., s. Weigand 2, 702, der es zuerst aus Schuppius (1657) zu belegen weisz. es findet sich aber schon im 16. jahrh., zuerst in ganz franz. form zum 21. juli 1510: item adi 21 luio schenckt dem abt von Halszprun ein stück der fein servietes von Lion, nemlich 12 faczolen. Tucher haushaltbuch s. 79 Loose (s. auch s. 74, anmerk. 1, und s. 81). das diminutiv vom jahre 1542, s. unten. ferner: serviet, hantwêl, mantile, mantelium. Chytraeus nomencl. lat. sax. (Rostock 1582) 405; höffliche leute schlecken, oder belecken die lefftzen nicht mit ausgestreckter zunge, sondern wischen sie mit der servieten (tellertüchlin, mapellâ, mapullâ) ab. Comenius sprachenth. 559; mantelium, mantellum et mantile .. ein salvet, servet, facinetlein, tellertüchlein, daran man die hände träugt. Corvinus fons lat. 389a; serviet, ein teller-tuch, vom französ. serviette, und dieses vom lat. servire. sonderlich, weil die aufwärter und diener dergleichen tücher an sich, oder in händen haben, mappula. Frisch 2, 265c; er kont nicht mit den gemodelten, labirintischen servieten unnd fatziolen umbgahn. Garg. 45a; jung geschwind ein serviet her. Schuppius 109; jucha sind dünne kuchen, fast als pergament, ... die gebrauchen sie (die Perser) erst an statt der servietten oder vortücher, wischen die fetten finger daran. Olearius persian. reisebeschr. 313b (ähnlich auch 225b); es (die coiffure) sicht eben ausz, wie gefaltene servietten, wie man sie ahn den teütschen höffen macht, wan frembde kommen. Elis. Charlotte 3, 559; es sicht eben ausz, alsz wen 3 gefaltene servietten über einander legen. 571; diese hat mich gebeten, den mittag mit ihr ganz allein auf der serviette zu speisen. Weisze lustsp. 2, 253; die germanische hausfrau lernte schon damals tischtücher und servietten in ihrer truhe zu bewahren. Freytag bilder 1, 281;

das garn ist auch schon zugericht
zu tischtuch und servietten. wunderh. 2, 256 Boxberger.

zuweilen in entstellter form, so mit ausgeworfenem i servete. die modos, die man zu tischtüchern, serveten, handzwehlen, thresortüchern zugebrauchen pflegt, sind mancherley, als augicht, würffelicht u. s. w. Garzoni piazza univ. (1641) 568a. vgl. Weigand a. a. o. im diminutiv: vi elen geblumte leinwandt vor ii fl. zw seruetlein. Leipz. stadtrechn. 1542—3 fol. 162b; mantile, handzwehel, servetlin, handtuch. Golii onomast. (1582) 319; die ersten leuthfresser (anthropophagi) ... trincken ausz den hirnschalen der menschen, unnd brauchen die haut sampt den haren für brst tücher, oder servetlein, daran sie die hend wüschen. Heyden v. Dhaun Plinius s. 7. andern ursprung hat vielleicht die form salvet(t)e, s. daselbst th. 8, 1704, vgl. auch tischsalvet th. 11, 519. — als verdeutschung ist in der

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ältern sprache, besonders oberdeutsch, handzwehle üblich, vgl. daselbst (th. 4, 2, 431) und oben (mhd. twehel s. Schultz höf. leben2 1, 370, 5); am allgemeinsten üblich ist tellertuch, s. theil 11, 242; vereinzelte versuche sind mundtuch und träufeltuch, s. Campe erg.-wb.mundartlich z. b. schweiz. sérwiete Seiler 268a, luxemb. servét, f., plur. -en (auch für 'arschwisch') Gangler 415. verbreiteter ist salvet(te), s. das.; so auch thür. salfêde, -fède, -faede, -salviède (med salfêde ze sàin, mit respekt zu sagen, salva venia) Hertel 44. sprachschatz 228. — dazu servietten-bänder 'sind bänder, die die frauen, welche kostgänger halten, an das ende der servietten knüpfen, um immer zu erkennen, wem sie zugehöre'. Schultz alltagsleben s. 189 (jetzt in familien zu ähnlichem zwecke serviettenringe); servietten-presse, f. zum einpressen und aufbewahren von servietten. ebenda. öconom. lexicon2 2721. Jacobsson 4, 147a; nöthigenfalls würde durch bündelschnüren und serviettenverpackung dafür gesorgt werden, dasz küsterei in ihren gerechtsamen keinen schaden erlitte. Immermann Münchh. 3, 34. — selten in andern verwendungen, so im handelswesen für ballen; in der chirurgie serviette mit dem scapulier für eine art binde, s. Jacobsson 7, 341a.
 
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servil, adj. knechtisch, sklavisch, in unwürdiger weise unterwürfig, kriechend. aus lat. servilis: servile gesinnung, serviles benehmen und ähnl. jetzt sehr gewöhnlich. früher sagte man dafür servilisch, s. Campe erg.-wb.: weil Antenor dem Philanderson versprochen hatte, dasz er des andern tages seiner wiederumb wolte gewärtig seyn, als setzte er andere servilische, animo et ingenio suo indigna negotia zurück. Schuppius 91; solche leute .. sind der freyheit gewohnet, und wollen lieber sterben, als servilisch tractiret werden. 384; solche leute haben vermeynt, sie wollen durch anderer leut ruin .. ihnen einen grossen namen machen. haben demnach allerhand servilische ingenia auszgeschickt, welche haben erforschen sollen, was dieser oder jener mache? 632. — dazu servilismus, m.
 
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serving, f., auch sarving, dickes, plattes, nicht spitz zulaufendes, von alten kabelgarnen geflochtenes tau. Bobrik 638a. Campe schreibt serwing.
 
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serviten, plur. dem dienst der Maria gewidmete mönche. Campe erg.-wb.
 
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servitor, m. diener, vereinzelt im 18. jahrh. aus dem lat. übernommen, häufiger in franz. form serviteur. als ablehnungsformel (wie sonst gehorsamster diener!): servitor! wenn ich mich wollte brauchen lassen, ging ich in honnete gesellschaft. Göthe 57, 166 (Claudine).