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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
serre bis servieren (Bd. 16, Sp. 627 bis 629)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) serre, f., entlehnt aus mittellat. roman. serra (= altlat. sera), schlosz, verschlusz (vgl. du Cange 7, 439c. Diez4 293), 'das hölzerne thor im dorfzaun, gewöhnlich fallthor d. i. zaunthor genannt': und als die serre gemacht ist, da sollen wir und

[Bd. 16, Sp. 628]


unsere nachkommen den züne mit dornen und mit allen sachen, das darzu gehört, und die serre wol gemaht und beslützig (schlieszend) .. halten. urk. von 1404 bei Mone zeitschr. 3, 182; cancelli ex trabibus confecti, quibus aulae clauduntur: da wurden die serren und porten fuir inen beschlossen, die brucken auffgezogen. Herzog (els. chron. 1502) bei Scherz-Oberlin 1489; und da sie an die eusserste serr kamen, da sprach der von Bitsch, man solte auffthun, und in einlassen .. da kam Ertel Bosz und thet dieselb eusserst serr auff, dasz die obgemelten alle vor die pfort ritten. ebenda ('hodieque sic nostrates').
 
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serreiche, f. eine südeuropäische (österr.) hochwachsende eichenart mit sehr kleinen eicheln, auch cerr-, zerr-, zirneiche, quercus cerris Nemnich, sereiche Popowitsch 540.
 
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serricht, adj.: die (knochen, die) do haben zthung und ledigkeit (bei der gelenkfuge), derenn seind ettlich clavales . i. schlüsszelecht, als die zän, ettlich serratiles .i. serrecht, als der hyrnschedel. Gersdorf wundarzn. 3a, vgl.: das seitenwandbein hat drei, mit langen nahtzacken versehene ränder, daher es auch serrecht bein, von serra, säge, genannt wurde. Hyrtl kunstw. s. 141.
 
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sersche, f. 1) s. DWB sarsche und DWB serge. 2) sersch als pflanzenname, die elsen- oder elsbeere, der wilde sperberbaum, auch sersebaum, -birlein, crataegus torminalis Nemnich. sorbus torminalis (im register) meint wol denselben baum. Campe hat serse, f.
 
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serten, verb. stuprare, futuere. altgermanisches ablautendes verb, altn. serða (part. perf. sorðinn und stroðinn), daher auch ganz vereinzelt im ags., s. Bosworth-Toller 865b (serð kann wegen des ð nicht genuin ags. sein), mnd. serden (fehlt bei Schiller-Lübben, nur in übertragener bedeutung, vgl. unten):

mochte my wat geldes van ju werden,
wy wolden dei kristen unmaten serden. Theoph. v. 443 (vgl. die anm.);

synt se nu monnyke worden,
so heft se yo de duvel sorden. zeitschrift für d. alterthum 5, 399, v. 566;

ik let dat brot nicht gar werden:
alzo konde ik de lude serden. Redentiner ostersp. 1373, vgl.
Schröders anm. u. zeitschr. f. d. phil. 8, 108.

im hochd. als starkes verb (ich sirte—sart — gesorten) bis ins 15. jahrh. bezeugt, so schon in den ahd. gesprächen: narro er sart dâr gerno stultus voluntarie fut(u)it, s. W. Grimm kl. schr. 3, 498, 67. 510. mhd. s. Lexer handwb. 2, 892 und besonders Schm. 2, 327—9:

hör, pruder Pibelitz,
du kümpst mir nit in meinen schlitz
mit deinen groszen worten;
davon so lasz mich ungesorten! fastn. sp. 616, 25;

namentlich im 'ring' von Heinr. Wittenweiler sehr oft in verschiedenen bedeutungen belegt, s. Schm. a. a. o. auch sonst in übertragenem sinne, plagen, belästigen (so besondres mnd., s. oben):

der binder
mich in der teschen siert.
Oswald v. Wolkenstein 60, 2, 13.

vgl. auch:

ir sullt sein unersart. fastn. sp. 1090.


 
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serval, m. tigerkatze, wildes, unzähmbares thier in Indien, felis serval. Nemnich.
 
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servante, f., nach franz. weise zu sprechen, kleines tischchen oder gestell mit mehreren tischplatten über einander, zum aufstellen von allerlei tischgerät. Campe erg.-wb. Gangler 415: die reich besetzten etagèren und servanten entfalteten einen überflusz von gold, silber und porzellan. Gutzkow ritter vom geist 3, 208. (dieselbe übertragung auch bei stummer diener, kleines tischchen, worauf man etwas sich zur hand stellen kann, wofür Jacobsson 7, 342a serviteur hat.)
 
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servellatwurst, f. schreibt Adelung für das richtigere cervellatwurst, aus ital. cervellata, also eigentlich bregenwurst, aber gewöhnlich von den dicken, geräucherten fleischwürsten gesagt; rinderwurst nach Campe erg.-wb. (unter cervelatwurst): herren- vel potius hirn- vulgo serbelatwurst, vulvula. Stieler 2588.
 
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service, n. lehnwort aus dem franz. service, das seinerseits aus lat. servitium stammt und eigentlich 'dienst, bedienung' bedeutet. (in diesem sinne bei uns in hotels gesagt.) service wird nach franz. weise ausgesprochen und daher in ältern quellen vielfach auch servis, servies geschrieben, s. Weigand 2, 702.
1) tafelgerät, das gesamte geschirr, das zum essen und trinken bei tische gebraucht wird. Kinderling 149. Campe erg.-wb. öcon. lex.2 2720. Jacobsson 4, 147a, assortiment de vaisselle ou de linge

[Bd. 16, Sp. 629]


qui sert à table. Gangler 415 (nach diesem auch die tracht, der gang bei tische, vgl. Weigand a. a. o.): ein silber etiam dicitur argentum escarium, vulgo ein servies. Stieler 1720. — nur in diesem sinne (und für 'bedienung') jetzt noch üblich. die folgenden verwendungen sind veraltet.
2) service, heisset auch dasjenige, was bey einquartierungen denen soldaten ausser dem quartier, an saltz, eszig, feuer, licht und geräthe zum gebrauch gegeben wird. öcon. lex.2 2720; utencile du soldat Eggers 2, 902. Jacobsson 7, 340b; zabendzehr enim dicebatur olim, quod milites nostri hodie servis appellant, i. e. acetum, oleum, muria, sal, candela, etc. Stieler 2607. — dagegen nach Campe erg.-wb. eine 'steuer, welche die bürger dafür, dasz sie mit dem einlager verschont bleiben, zur verpflegung der soldaten erlegen müssen'. vgl. Fr. v. Schrötter, die entwickl. des begriffes servis im preusz. heerwesen. forsch. zur brandenb. u. preusz. gesch. 13, 1—28.
3) ballspiel: service geben, servieren, den ball zuerst schlagen; service zurück geben, den servierten ball zurück werfen; service ziehen, losen, wer servieren soll. Jacobsson 7, 340b f.
 
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servient, m. im Maltheserorden ritter dritter ordnung, servans d'armes oder chevaliers servans. Eggers 2, 902.
 
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servieren, verb. , nach franz. servir.
1) als commis dienen (z. b. bei den apothekern in Wien).
2) (den tisch) servieren, anrichten, die speisen auftragen. Campe erg.-wb.:

wer sich selber darf serviren,
kann sich honig nach belieben dran rühren.
Wander 4, 544.


3) beim ballspiel, s. DWB service 3. Jacobsson 7, 341 f.