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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
serpentin bis serten (Bd. 16, Sp. 627 bis 628)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) serpentin, m.
1) serpentinstein, m. eine weiche steinart (topfstein, speckstein, seifenstein), von meist dunkelgrüner oder schwärzlicher farbe mit schwarzen, braunen, rötlichen, gelben u. s. w. flecken, die besonders in Sachsen (um Meiszen, bei Zöplitz) gebrochen und zu allerlei gefäszen verarbeitet wird, s. Adelung. Nemnich (serpentinus lapis). Oken 1, 221 ff. (vgl. das register). Jacobsson 4, 146b. 7, 340 (serpentinstein, serpentinmarmor, Zöplitzer marmor, talcum serpentinum, lapis nephriticus). öcon. lex.2 1719 f. Eggers 2, 900 unterscheidet von dem Meisznischen serpentinstein ('eine art grünlichen alabasters') den härtern, ägyptischen serpentin-marmor (ophites) der alten. serpentinstein, lapis serpentinus, marmor viride. Stieler 2140; ophites, marmor durissimus, colore viridi saturatus, dilutis ejusdem coloris maculis quasi aspersus, vulg. serpentinus. nachsch. 27a; serpentin, m. eine art weichen marmors, der sich drehen läszt, dasz man allerley geschirrlein daraus machen kan. wird in Meissen gefunden. weil er unterschiedene dunkele farben hat in seinen flecken, als grünlich und schwarz, die auch an schlangen gefunden werden, so heiszt er von serpens, serpentinus. Frisch 2, 265b. von einer felsart, die vorwiegend aus serpentin besteht, auch serpentinfels, m. ophites, serpentinus saxosus (saxatus) Nemnich, vgl. Behlen 5, 615. Oken 1, 507 f.der name stammt aus lat. serpentinus lapis (ital. serpentino), das seinerseits in griech. ὀφίτης sein vorbild hat. der stein ist so benannt nach einigen wegen seiner schlangenhautähnlichen schillernden farbe (vgl. Frisch, s. oben), nach andern, weil man im alterthum glaubte, dasz er den schlangenbisz heile. Weigand 2, 702.
2) in der artillerie, ein altes französisches stück, das 13 fusz lang war und 24 pfund schosz, s. Jacobsson 4, 146b. Eggers 2, 899. vgl. die früher so verbreitete bezeichnung schlange, feld-, handschlange für geschütze, s. Böheim waffenk. s. 436 ff. volksetymologisch entstellt zu scharfentin und ähnl., s. DWB scharf 10, c, theil 8, 2188 (scharpentin Freytag 20, 27). — dazu das deminutiv serpentinel(l), n. (?) ein kleineres stück, das 14 kaliber lang war und 16 (19?) lot schosz, verdeutscht schlänglein, schmirgel (scharfentindl Böheim s. 436, anmerk. 2. 441). Jacobsson 4, 147c (7, 339b mit abweichenden maszangaben). Eggers 2. 899.
 
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serpentine, f. schlangenwindung. von den krümmungen eines flusses Jacobsson 7, 340a. — dazu serpentintanz, m. eine besondere art des solotanzes, wobei die bewegungen der weiten, faltigen gewänder schlangenlinien bilden.
 
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serpentinel(l), s. serpentin 2.
 
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serpentinfels, -marmor-, -stein, s. serpentin 1.
 
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serpentnatter, f. eine sehr grosze, nicht giftige natter in Südamerika und Indien, auch grosze natter, coluber molurus. Nemnich.
 
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serpentose, f. bei den feuerwerkern eine art schwärmer, die sich in der luft entzünden und schlangenartig herabfallen, serpenteaux Eggers 2, 899. Jacobsson 4, 147a (serpentofen ist wol nur druckfehler), frösche. Karmarsch-Heeren3 3, 472.
 
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serre, f., entlehnt aus mittellat. roman. serra (= altlat. sera), schlosz, verschlusz (vgl. du Cange 7, 439c. Diez4 293), 'das hölzerne thor im dorfzaun, gewöhnlich fallthor d. i. zaunthor genannt': und als die serre gemacht ist, da sollen wir und

[Bd. 16, Sp. 628]


unsere nachkommen den züne mit dornen und mit allen sachen, das darzu gehört, und die serre wol gemaht und beslützig (schlieszend) .. halten. urk. von 1404 bei Mone zeitschr. 3, 182; cancelli ex trabibus confecti, quibus aulae clauduntur: da wurden die serren und porten fuir inen beschlossen, die brucken auffgezogen. Herzog (els. chron. 1502) bei Scherz-Oberlin 1489; und da sie an die eusserste serr kamen, da sprach der von Bitsch, man solte auffthun, und in einlassen .. da kam Ertel Bosz und thet dieselb eusserst serr auff, dasz die obgemelten alle vor die pfort ritten. ebenda ('hodieque sic nostrates').
 
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serreiche, f. eine südeuropäische (österr.) hochwachsende eichenart mit sehr kleinen eicheln, auch cerr-, zerr-, zirneiche, quercus cerris Nemnich, sereiche Popowitsch 540.
 
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serricht, adj.: die (knochen, die) do haben zthung und ledigkeit (bei der gelenkfuge), derenn seind ettlich clavales . i. schlüsszelecht, als die zän, ettlich serratiles .i. serrecht, als der hyrnschedel. Gersdorf wundarzn. 3a, vgl.: das seitenwandbein hat drei, mit langen nahtzacken versehene ränder, daher es auch serrecht bein, von serra, säge, genannt wurde. Hyrtl kunstw. s. 141.
 
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sersche, f. 1) s. DWB sarsche und DWB serge. 2) sersch als pflanzenname, die elsen- oder elsbeere, der wilde sperberbaum, auch sersebaum, -birlein, crataegus torminalis Nemnich. sorbus torminalis (im register) meint wol denselben baum. Campe hat serse, f.
 
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serten, verb. stuprare, futuere. altgermanisches ablautendes verb, altn. serða (part. perf. sorðinn und stroðinn), daher auch ganz vereinzelt im ags., s. Bosworth-Toller 865b (serð kann wegen des ð nicht genuin ags. sein), mnd. serden (fehlt bei Schiller-Lübben, nur in übertragener bedeutung, vgl. unten):

mochte my wat geldes van ju werden,
wy wolden dei kristen unmaten serden. Theoph. v. 443 (vgl. die anm.);

synt se nu monnyke worden,
so heft se yo de duvel sorden. zeitschrift für d. alterthum 5, 399, v. 566;

ik let dat brot nicht gar werden:
alzo konde ik de lude serden. Redentiner ostersp. 1373, vgl.
Schröders anm. u. zeitschr. f. d. phil. 8, 108.

im hochd. als starkes verb (ich sirte—sart — gesorten) bis ins 15. jahrh. bezeugt, so schon in den ahd. gesprächen: narro er sart dâr gerno stultus voluntarie fut(u)it, s. W. Grimm kl. schr. 3, 498, 67. 510. mhd. s. Lexer handwb. 2, 892 und besonders Schm. 2, 327—9:

hör, pruder Pibelitz,
du kümpst mir nit in meinen schlitz
mit deinen groszen worten;
davon so lasz mich ungesorten! fastn. sp. 616, 25;

namentlich im 'ring' von Heinr. Wittenweiler sehr oft in verschiedenen bedeutungen belegt, s. Schm. a. a. o. auch sonst in übertragenem sinne, plagen, belästigen (so besondres mnd., s. oben):

der binder
mich in der teschen siert.
Oswald v. Wolkenstein 60, 2, 13.

vgl. auch:

ir sullt sein unersart. fastn. sp. 1090.