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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
serpe bis serpentose (Bd. 16, Sp. 626 bis 627)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) serpe, f.
1) mhd. für 'schlange': serps haiʒt ain serp. daʒ ist ain slang. Megenberg 279, 4.
2) als baumname, krummholzbaum, legföhre, pinus montana. Nemnich. Campe. derselbe baum ist wol gemeint, wenn österr. sea(r)pn als krummholz, pinus mughus, erklärt wird. Castelli 254. Schm. 2, 327. Höfer 3, 140: serpe die, heiszt in Oesterreich um den schneeberg die liegende alpenföre; es scheinet, dasz die Winden dieses wort allda hinterlassen haben, da sie vor einigen jahrhunderten das bergige noricum bewohnet

[Bd. 16, Sp. 627]


haben; serp bedeutet in ihrer sprache eine sichel (falcem messoris), die stämme dieser före sind sichelartig gebogen u. s. w. Popowitsch 540 f.
 
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serpeliere, f., auch serpillere, grobe leinwand zum einpacken von ballen und kisten. Jacobsson 7, 339b.
 
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serpent, m.
1) schlange, aus lat. serpens entlehnt, als thiername (nicht in der gewöhnlichen schrift- und umgangssprache) für die schlange, serpens Nemnich, speziell für die riesenschlange, boa. ebenda. sehr gewöhnlich ist das wort im mhd., meist in der form serpant (nach der franz. aussprache), sarpant, sar(a)bant, masc. und neutr., schlange, drache, s. Lexer handwörterbuch 2, 891. — jetzt in einigen mundarten in übertragenem sinne, luxemb. serpènt böses weib Gangler 415, ostfries. 'giftiges, böses weib' Stürenburg 244a. ten Doornkaat Koolman 3, 176a.
2) ein blasinstrument von metall oder schwarzem holz, von schlangenartig gekrümmter form und groszem tonumfange (von 4 octaven), baszhorn, schlangenrohr Jacobsson 4, 146b. Campe erg.-wb. (diesem zufolge nach franz. weise gesprochen).
 
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serpentepapier, n. eine art besonders feines und durchsichtiges seidenpapier. Jacobsson 4, 146b.
 
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serpentieren, verb. sich wie eine schlange winden, schlängeln, aus franz. serpenter Campe erg.-wb. von der krümmung der flüsse und kanäle Jacobsson 7, 340b.
 
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serpentin, m.
1) serpentinstein, m. eine weiche steinart (topfstein, speckstein, seifenstein), von meist dunkelgrüner oder schwärzlicher farbe mit schwarzen, braunen, rötlichen, gelben u. s. w. flecken, die besonders in Sachsen (um Meiszen, bei Zöplitz) gebrochen und zu allerlei gefäszen verarbeitet wird, s. Adelung. Nemnich (serpentinus lapis). Oken 1, 221 ff. (vgl. das register). Jacobsson 4, 146b. 7, 340 (serpentinstein, serpentinmarmor, Zöplitzer marmor, talcum serpentinum, lapis nephriticus). öcon. lex.2 1719 f. Eggers 2, 900 unterscheidet von dem Meisznischen serpentinstein ('eine art grünlichen alabasters') den härtern, ägyptischen serpentin-marmor (ophites) der alten. serpentinstein, lapis serpentinus, marmor viride. Stieler 2140; ophites, marmor durissimus, colore viridi saturatus, dilutis ejusdem coloris maculis quasi aspersus, vulg. serpentinus. nachsch. 27a; serpentin, m. eine art weichen marmors, der sich drehen läszt, dasz man allerley geschirrlein daraus machen kan. wird in Meissen gefunden. weil er unterschiedene dunkele farben hat in seinen flecken, als grünlich und schwarz, die auch an schlangen gefunden werden, so heiszt er von serpens, serpentinus. Frisch 2, 265b. von einer felsart, die vorwiegend aus serpentin besteht, auch serpentinfels, m. ophites, serpentinus saxosus (saxatus) Nemnich, vgl. Behlen 5, 615. Oken 1, 507 f.der name stammt aus lat. serpentinus lapis (ital. serpentino), das seinerseits in griech. ὀφίτης sein vorbild hat. der stein ist so benannt nach einigen wegen seiner schlangenhautähnlichen schillernden farbe (vgl. Frisch, s. oben), nach andern, weil man im alterthum glaubte, dasz er den schlangenbisz heile. Weigand 2, 702.
2) in der artillerie, ein altes französisches stück, das 13 fusz lang war und 24 pfund schosz, s. Jacobsson 4, 146b. Eggers 2, 899. vgl. die früher so verbreitete bezeichnung schlange, feld-, handschlange für geschütze, s. Böheim waffenk. s. 436 ff. volksetymologisch entstellt zu scharfentin und ähnl., s. DWB scharf 10, c, theil 8, 2188 (scharpentin Freytag 20, 27). — dazu das deminutiv serpentinel(l), n. (?) ein kleineres stück, das 14 kaliber lang war und 16 (19?) lot schosz, verdeutscht schlänglein, schmirgel (scharfentindl Böheim s. 436, anmerk. 2. 441). Jacobsson 4, 147c (7, 339b mit abweichenden maszangaben). Eggers 2. 899.
 
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serpentine, f. schlangenwindung. von den krümmungen eines flusses Jacobsson 7, 340a. — dazu serpentintanz, m. eine besondere art des solotanzes, wobei die bewegungen der weiten, faltigen gewänder schlangenlinien bilden.
 
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serpentinel(l), s. serpentin 2.
 
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serpentinfels, -marmor-, -stein, s. serpentin 1.
 
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serpentnatter, f. eine sehr grosze, nicht giftige natter in Südamerika und Indien, auch grosze natter, coluber molurus. Nemnich.
 
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serpentose, f. bei den feuerwerkern eine art schwärmer, die sich in der luft entzünden und schlangenartig herabfallen, serpenteaux Eggers 2, 899. Jacobsson 4, 147a (serpentofen ist wol nur druckfehler), frösche. Karmarsch-Heeren3 3, 472.