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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
serfeln bis serken (Bd. 16, Sp. 623 bis 626)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) serfeln, verb., bair.-österr. wort, bair. sárfln, serfln, 'gehen, indem man die füsze nicht gehörig aufhebt, oder die schuhe, zumal die pantoffeln, auf dem boden fortschleift' Schm. 2, 325, im bair. wald sörfeln Baierns mundarten 2, 257, östr. sia(r)fln, auch mit der zunge beim sprechen anstoszen. Castelli 255:

nachdem hört ich gemachsam scherfeln
ein durch des tempels pforten serfeln.
H. Sachs 1, 367d;

als ich nun lag in solchem lauschen,
hört ich gar mit eim stillen rauschen
fusz für fusz in mein kammer sörffeln,
mit leysen tritten zu mir schörffeln. 2, 2, 53c.

dazu serfling, m. alter pantoffel, hinten abgetretener schuh Schm. a. a. o.
 
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serge, f. eine art wollenstoff, mit leinen oder mit seide gemischt; decke aus solchem stoff. ein lehnwort aus franz. serge, sarge, prov. serga, mittellat. sargia, das auf lat. serica 'baumseide' zurückgehen soll. Diez etym. wb.4 281. 730. schon mhd. bezeugt, mit den nebenformen sarg(e), scharse, s. Lexer hwb. 2, 890. im nhd. vielfach sarsche geschrieben (auch scharse), s. th. 8, 1802, auch sersche; als masc.: sersch, serscher, m. sargia, serga. weisser, schwartzer sersch. sargia bianca, nera etc. englischer sersch. Kramer dict. 2, 771c. gesprochen wol immer nach frz. weise. auch für die ältere sprache scheinen die vereinzelten schreibungen mit sch auf französische lautgebung zu deuten; auffällig ist dabei die häufigkeit der schreibweise mit g. auch die bedeutungsdifferenz zwischen der ältern und neuern sprache ist nicht zu übersehen.
1) in der ältern sprache meist für ein bestimmtes, zugeschnittenes stück, decke, teppich, bettdecke, matratze u. ä.: matta ...

[Bd. 16, Sp. 624]


ein sergen Dief. gl. 351c; storea matzen vel sergen. 554b; stragula ... eyn saerts. 554c; stroma ... serg vel decke 556c; serg od. decklach, torale. voc. v. 1482 bei Lexer a. a. o. sergen als erklärung von teppich in Petris nachdruck v. Luthers neuem test. (1523) s. Frommann 6, 44a; serg oder decke auff beyden seiten gefotzet, amphimallon Dasyp.; aulaea vel aulaeum, eyn gewürcket oder heydnisch tuch, decke oder sergen. ders.; storea eyn matze, serge, bintzdeck. ders.; stroma, eyn serge, decke. ders.; serge, stroma. Serranus dict.; sergen (die) matzen, matzelonen, storea Maaler 370b; gefotzet kleid oder serg gausape. lex. trilingue (1590) bei Diefenbach-Wülcker 853; cortina, ein serg, teppich. cortina striata, serg mit fallten. dict. lat.-germ. (Frcf. 1610) 199; serge, f. couverture. Hulsius 296b; grobe deck, serg, gausape. Henisch 669, 13; gardin, serg, tecke, teppich, aulaeum, velum ad locum aliquem contegendum. 1357, 17; serg, stragulum, storea, ausz binzen. voc. v. 1618 bei Schmeller 2, 325; serge, f. tegumentum, couverture. Schottel 1415; serge (die) tegmen, tegmentum. Steinbach 2, 581; serg, decke, stragulum, stroma Dentzler 2, 262b; vgl. auch Frisch 2, 150a; noch jetzt im Elsasz für eine bettdecke von grobem selbstgemachtem zeuge von dunkelblauer oder dunkelroter farbe: und kumment denn etwenn die gest ... so fürst du sye in die kammeren, und zöigst jnen deine bett und sergen. Keisersb. post. 2, 77b ('bettüberzug von grobem selbstgemachtem zeug von dunkelroter oder dunkelblauer farbe'); die serg ist z schmal, sie mag nitt zwei gedecken. narrensch. 53b; er kam in die kammeren, da waren hübsche bedt, sergen, küsse, und desgleichen. 79c; die serg ward gemacht, der weber bracht sie im. da sie über das beth gemessen ward, da was sie vil z klein. Frey gartenges. 126, 17 Bolte (cap. 110); welche sergen, kotzen, teppich und dergleichen wahr nach und zu führen. Fronsperger kriegsb. 3, 186b; daraus machen die Spanier tappeten, sergen, matzen, schiffseyl und andere seyle. Tabernaemont. 549 H; decke das rossz mit decken und sergen warm zu. 645 H; darnach decket man den zuber mit sergen und andern dergleichen decken zu. 637 K.
2) jetzt bezeichnung des stoffes, leichtes geköpertes wollenzeug, vgl. Jacobsson 4, 144b ff. (serge, schärge, scharge). 7, 339b. Karm.-Heeren3 7, 537. ähnlich zuweilen schon in der ältern sprache: ich send ain grüns tuch, das man haist ain sergi. Heinr. v. Nördlingen an Marg. Ebner br. 43, 47 (vom j. 1345); wie die fraw all jr seiden cleyder verbrennet, und sich in eyn serg gleich jrem man becleydet. Aimon B 1a; da becleydt er sich mit braunen sergen. ebenda (vgl. DWB sergen, adj.);

in der tracht der beguinen,
in dem mantel mit der kappe
von der gröbsten schwarzen serge
ist vermummt die junge nonne.
H. Heine 1, 350 Elster (der Apollogott 3).

früher sagte man in d. Rhön serges 'ein weiberrock von leinenem tuch', s. Baierns mundarten 1, 124.
 
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sergeant, m.
1) bezeichnung einer militärischen charge. lehnwort aus franz. sergent, gerichtsdiener u. a., das seinerseits auf lat. serviens zurückgeht, s. Diez4 292 f. Weigand 2, 702. vergl.: der titel sergeant ist einer von denen ältesten. in einigen alten lateinischen historicis der frantzö[s]ischen geschichte werden sie servientes genennt. daher das wort sergeant kommen. Fleming teutscher soldat 116b. das wort ist schon mhd. sehr verbreitet als sarjant, serjant, scharjante, schargante, hier in der bedeutung 'diener des ritters, knappe, fuszknecht' Lexer hwb. 2, 609. Scherz-Oberlin 1489, nach altfranz. serjant, vgl. Schultz höf. leb.2 2, 198 f.:

ouch brâht er tûsent schützen dar
und zîser zwei tûsent sarjant.
Pleier Garel 9544;

zehen tûsent ritter wert erkant
und zweinzic tûsent sarjant. 9816;

want si drissich ritter me noch min
braichten weder zo Colne gevangen in,
ain sarianten unde ain knechte.
Hagen boich von Colne 1128 (d. städtechr. 12, 53, im glossar als 'schaarführer' erklärt — ?);

ove da rittere of sariant were. 4676;

nâch sînem stabe bucte sich
der wegemüede sarjant.
Heinrich von Freiberg Tristan 1187;

rosknehten unde sarjant
wurden kleinôt gesant ...
den rittern gap man goltgewant,
von sîden nam der sarjant.
Heinrich von Neustadt Apollon. 11552 ff.

[Bd. 16, Sp. 625]


in diesem sinne auch ins nd. gebiet eingedrungen:

zo Achen her ouch in sande
vil ritter unte sarjande. Braunschw. reimchr. 5284:

ferner 5487. 7142, vgl. Schiller-Lübben 4, 26. ebenso mnl. serjant, knappe, dienstmann.auch im nhd. hat die ältere sprache vielfach schreibungen, die sich näher an die aussprache (seržant) anschlieszen, bes. serschant: feldweibel, et feldwebel, alids serschant, armiductor, centuriae structor, aciei instructor. Stieler 2449; serschant, ein unter-offizier, der nächste nach dem fähndrich, führt die wacht auf, holt die losung beym oberst-wachtmeister, und exercirt die unterhabende soldaten, ordinum ductor. Frisch 2, 265c; serschant feldwebel Kinderling 149; s. auch bei Ludwig, s. Weigand 2, 702, und bei Adelung. eine lautliche verschiebung tritt ein, wenn das sch an die erste stelle gerückt wird. so besonders schergant, s. bes. th. 8, 2584: schergant lictor Dief.-Wülcker 853. ferner schörgant (anlehnung an schürgen?), schergiant, schariant, schersant, scherschant, doch auch sarsiant, s. unter schergant und Frisch 2, 265c. Gombert 2, 17 f (vgl. unten). Andresen volksetymol.4 92. Campe erg.-wb. schreibt sergent nach franz. weise, sonst hat sich im allgemeinen die schreibung sergeant festgesetzt.die bedeutung hat sich im laufe der zeit mehrfach gewandelt. über das mhd. siehe oben. im ältesten nhd. meist im sinne von 'gerichtsdiener' (wie im frz.), s. schergant: sergeant, sergent, lat. apparitor, accensus, lictor, ein gerichts-bedienter in Franckreich. Apin gloss. 494. so auch übertragen: keins wegs kan der todt desz leibs geflohen unnd entgangen werden, dann er ist unser trabant und schörgant, der uns jmmerdar mit seiner lantzen sticht unnd verwundet. Gusman v. Alfarche 205. Frisch 2, 265b belegt schariant in folgenden bedeutungen: 1) trabant, satelles, miles mercede conductus, ut ab imperatoris latere non discedat, 2) fuszgänger, fuszknecht, 3) schariant, hiesz endlich ein starcker bettler (nach Maaler 347c: scharianten (die) starcke bättler. errones — ?); auszerdem kennt er serjant 'für serviteur überhaupt'. — seit dem 17. jh. überwiegend (jetzt immer) als bezeichnung einer militärischen rangstufe, einer höhern unteroffiziers-charge, und zwar früher für einen 'unteroffizier bei einer compagnie, welcher die compagnie-angelegenheiten besorgt' Jacobsson 7, 339a. Eggers 2, 897, also unserm feldwebel entsprechend, womit es auch bei Stieler, Kinderling (s. oben), Adelung direct gleichgesetzt wird, während nach Campe erg.-wb. der feldwebel bei den Franzosen serge(a)ntmajor heiszt: sergeant, lat. ordinum structor, centuriae instructor; apparitor militaris. sergeant-maior. summus excubiarum praefectus. supremus legionis instructor. centuriae instructor, sergent von einer compagnie. Apin gloss. 494 f. (nach Jacobsson 7, 339b 'der oberste wachtmeister in einer festung'). heute ist dagegen der sergeant ein niederer rang zwischen dem gewöhnlichen unteroffizier (korporal) und dem vicefeldwebel. Campe erg.-wb. Weigand 2, 702. belege: und soll man die hohe officier bisz uff die schersanten oder veldwaibel inclusive alle abziehen .. lassen, die schersanten aber, corporalen und gemaine soldaten, in 1500 oder 2000 haben sich unterstellen mieszen. Bürster d. schwed. krieg 180 Weech; wie dasz sie von dem schersanten gehört, man werde uber 2 oder 3 tag wohl sehen und hören, wa dasz schlosz geweszen seye. 190; mit dem lächerlichen unfuge, der uns droht, dasz jeglicher sergeant ehestens seine canapee- und campagnengedichte ... machen wird. Hamann 2, 113; die schöne jungfer dahinten hat sich von einem serjeanten eins anmessen lassen. Wagner kindermörd. s. 31, 2 ndr.; er erkannte sogleich den sergeant Heinrich Sandrart, dessen sich der major von Werdeck öfters zu aufträgen bediente. Gutzkow ritter vom g. 6, 138.
2) sergent als name von gerätschaften, nach dem franz. a) werkzeug der tischler, um frisch geleimte sachen zusammenzuhalten. Eggers kriegs-lex. 2, 899. b) im seewesen ein instrument zum wölben der bohlen. ebenda. c) luxemb. sergent (mit lautbarem t) zwinge, outil en barre à deux crochets, dont un mobile, pour serrer les pièces de bois. Gangler 415 (wol dass. wie a).
 
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sergen, adj. von serge: wie Reynhart in crafft des angenomnen friedens, sich in eyn sergen tch becleydet. Aimon B 1a.
 
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sergenkraut, n. saturei, satureia Nemnich, nur im ältesten nhd.: sergenkraut, tymbra, est herba, latine cunila, vel satureia. Dasypodius; nimm wermut, rauten, ... sergenkraut, nuszlaub. Fischart dicht. 2, 111 Kurz (recept für die flöh); das joseplen wirdt auch an etlichen orten sergenkraut genannt. Wirsung arzneib. im 1. register; saturon hat sonst auch vil

[Bd. 16, Sp. 626]


namen, dann er würt geheyssen hünerfüll, joseplin, sergenkraut. Fuchs kräuterbuch (1643) cap. 114; die gemein saturey wird auch genannt [kunel,] joseplen, gartenhysop, kalbsysop, zwibelysop, hünerfüll, und sergenkraut. Tabernaemontanus 745 H.
 
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sergenweber, m., schon 1497 bezeugt, s. Lexer handwb. 2, 891: ein sergen weber het einem ein serg gemacht, die was in alle weg z klein. Frey gartenges. 126, 12 Bolte (cap. 110). dafür sersch-weber, m. tessitore di sergie, sargiere ò sargiero. Kramer dict. 2, 771c.
 
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serheit, f., für sehrheit, vgl. DWB sere: den siechen kummet an dise zeichen, serheit des haupts, und röte unnder dem angesicht. Braunschweig chirurgie 3a.
 
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serie, f. reihe, aus lat. series. schon mhd. serje reihe, streifen; reihenfolge, zeitlauf, s. Lexer handwb. 2, 891. jetzt in collectivem sinne, z. b. von einer reihe von bänden oder werken, von denen jedes selbstständig ist, die aber doch zusammen ein ganzes bilden.
 
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serig, adj., s. sehrig sp. 165: unnd friszt also ein gantz bein ein, ... nimpt hin die empfindtligkeit, nebenhalb dem glied, und in jm selbs, treffenlich serig. Paracelsus chir. schr. (1618) 361 B. — dazu: es heylet auch dises wasser alle serigkeit im mund. Tabernaemont. kräuterb. (1588) 256.
 
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seriös, adj. ernsthaft, ernstlich. Kinderling 330. Campe erg.-wb., aus franz. sérieux, besonders im 18. jahrh. üblich. jetzt im luxemb. als masc., ernsthafte miene: en hällt sein sérieux (wé en dreisteiwescht fierkel), er macht ein steifes amtsgesicht. Gangler 415.
 
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serken, verb. — ? (für serben?): wenn ein rosz serket, und ihm gehet das fleisch im hindern, wenn man reitet, sehr aus, der wird nicht feist. Coler hausb. (1640) 244.