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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
serbeln bis serfeln (Bd. 16, Sp. 621 bis 623)
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[Bd. 16, Sp. 621]


Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) serbeln, verb. kränkeln, seltnes demin. zu serben: dann er wardt krank und serblet, das er in kürze hernach starb. Zimm. chron.2 2, 418, 16 Barack; an stelle einer rührigen lebfrischen bäuerin mit einem schlage eine nichtsnutze, serbelnde auf dem anwesen zu haben. Anzengruber3 1, 199 (in der anm. mit 'kränkeln' erklärt). so noch mundartlich, schweiz. sërble verkommen, verkrüppeln Hunziker 240, serbla Tobler 423a, nassauisch serbeln kränkeln Kehrein 1, 376.
 
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serben, verb. welken, hinsiechen, hinschwinden, abnehmen, langsam absterben, von pflanzen und menschen. ein dem hochd. eigenthümliches wort ohne sichere anknüpfung (weder zusammenhang mit sêr, schmerz, noch mit sôr, trocken, ist sprachlich denkbar), ahd. serawên, serwên tabescere, languere, marcere, arescere Graff 6, 271. 280; mhd. sërwen, sërben (auch serwen?) Lexer handwb. 2, 892. nachtr. 364. Scherz-Oberlin 1489. im nhd. nicht allgemein üblich, am meisten bei Schweizer autoren. daher auch bei Maaler 341a: särben, erligen, lassz unnd müd werden, oblanguere. särbend languidus. daraus bei Frisch 2, 265b und Campe. sonst in den wörterbüchern nicht verzeichnet. in den oberdeutschen mundarten noch jetzt allgemein verbreitet: schweiz. serben, särben Stalder 2, 371, sërbe Hunziker 240, serba Tobler 423a, särbă Bühler Davos 1, 282, schwäb. serben Birlinger 386b, bair. serbm Schm. 2, 324, östr. serben (abserben) Höfer 3, 140, tirol. serbm Schöpf 671, serven Hintner 208, kärnt. searbn, soarbn Lexer 232, heanzisch sirben, hinserben Frommann 6, 344. vgl. auch Weigand 2, 701. auf ein altes causativ scheint zurückzugehen das nordböhm. (ab)serben 'das zu üppig aufschieszende getreide stutzen'. 5, 477. das perf. wird gewöhnlich mit haben umschrieben.
1) von pflanzen, welk werden, verdorren: aber der im himmel wohnt, vergiszt nicht das dürsten des felds und das serben der pflanzen im brennenden boden. Pestalozzi 2, 134; das volk, das schon lange diese bäume serben sah. 195; hier fault das samenkorn schon in der mutterpflanze, dort trocknet es aus, ehe es reif ist ... und auch wenn es aufgeht, nagt der wurm an seinem herzblatt und macht es serben. 6, 3; die eiche aber meinte, es habe noch nie ein bauer eine hohe eiche darum niedergehauen, damit das gras, das unter ihrem schatten serbte, fettes, hohes und blühendes wiesengras werde. 10, 67;

kaum zeigte sich annoch von unsrer gärten ruhme
ein welker amaránt und eine ringelblume,
die unter frost und sturm halb serbend ausgedaurt,
und mit gesenktem haubt der schwestern tod betraurt.
Drollinger 66;

kaum an zu tragen fangen sie (die kirschbäume),
und schon zugleich zu serben,
hoch in den lüften prangen sie,
um unten abzusterben.
Rückert (1882) 3, 88.


2) nicht oft von thieren: oder man hat sie (die unholden) ausz jhres feindes stal oder schäferei gehen gesehen, unnd darnach erfahren, dz gleich darauff dasz viech angefangen zu serben und zu sterben. Fischart Bodin 243a; er (der mensch) schafft einzelne thiere, die in der wildnisz serbten, zu heerden um, die sich an gestalt und abtrag unter seiner huth nicht mehr gleich sehen. Pestalozzi 6, 4.
3) von menschen, rein körperlich, kränkeln u. ähnl., vgl.: 'bei menschen bezeichnet es ein siechthum, das zwar nicht tötlich, doch eine lange zeit währen kann'. Stalder 2, 371: etlich werdent serben und sochen in jn selber. quelle bei Schm. 2, 324; dardurch er erstlich ein grausamen durchlauff bekummen, und nach langem serben sich inn jm die leber oppilirt, ... also dasz er durch sölches in die wassersucht gefallen ist. Thurneisser erdgewächse 45b; das ... der amman (Hieron. Stocker) ... ouch heym gefaren ist: uff der straasz, aber uff dem rosz, entnuckt, an ein aast geritten, von dem rosz gefallen, und sich der maaszen gewirset hat, das er nie wider z recht kamm, sunder me dann ein halb iar ellendicklich serwet und grosse nodt erleydt, und letstlich des fals iämerlichen starb. Bullinger 1, 206; o seine kinder, sie serben (dazu die anmerk.: kränkeln, an der gesundheit abnehmen), sind gelb, krumm und schwarz. Pestalozzi 1, 102; und sahen — im ganzen hause nichts, als halbnackende kinder — serbende — hunger und mangel athmende geschöpfe. 317; dasz eine menge mütter ihre kinder fast noch im unmündigen alter mit gewalt und schlägen zu unvernünftiger anstrengung im spinnen zwingen, und sie so von der wiege auf serben machen. 2, 353; zu tausenden schleichen im mittelstand unverheurathete, blasse, serbende gesichter umher und suchen

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den arzt. 7, 340. so auch mit verschobener beziehung: wer echicus ist oder den serwenden siechtagen hat. quelle bei Dief.-Wülcker 853. von den einzelnen gliedern:

daʒ hôhst gelit ist daʒ houbt:
sô daʒ mit siechtum wirt betoubt,
zehant laʒʒent unde serbent
alliu gelit und verderbent.
Ottokar reimchr. 24496.

serben im gegensatz zu sterben:

daʒ ir in disen zwein tagen
vil gwisliche sterbet
und niht lange serbet. daz bloch 114;

so wir (teufel) inan antuond mengerlai dœd,
und doch niemer mugend sterben
und an end darinne muossend serben. des teufels netz 7658;

sondern wann der tag herruckt,
dasz er (der böse) durch den tod entzuckt
von dem unglück solte sterben,
laszt er (gott) ihn noch länger serben.
Abele 3, 53.

besonders in der ältern sprache auch von seelischen zuständen, sich in kummer verzehren u. ähnl.: in hoffnung särben oder kummerlich geläben, animam trahere in spe. Maaler 341a; geseribt hat mein sel in deim hayl, defecit anima mea in salutare tuum. quelle (ps. 118, 81) bei Schm. 2, 324; das ist der nagel zu ihrem sarge gewesen, das hat sie nicht verwinden können und ist völlig von einem tage zum andern dahingeserbt. Herm. Schmid d. bair. Hiesel, gartenlaube 1865, 210;

ich serwen in leitlîcher klag'. ges. abent. 1, s. 323, 233;

sag an, mʒ ich mich richten
ûf ein lebendig sterben
und niuwen iâmer tichten
in herzen und ouch immer mêre serwen?
Hadamar v. Laber jagd 464;

hin ist all mt!
o schwöster gt,
grosz ist min pin,
das du bist hin
und ich noch hie msz serben.
Blaurer bei
Wackernagel kirchenl. 3, s. 579, nr. 662, 2.

geistig oder sittlich verkommen: es wäre ihm (dem menschen) .. gewisz besser, er könnte seine nichtigen tage .. im wald dahin leben, als bürger eines staats zu seyn, und aus mangel bürgerlicher bildung am fluch einer kette zu serben, die ihm das gefühl der rechte seiner natur von allen seiten verwirrt. Pestalozzi Lienh. u. Gertr. 3, 117.
4) ableitungen: serber, m., tirol. server kränklicher mensch Hintner 208. — schweiz. serbet, m., serbete, f. langwierige krankheit, besonders auszehrung, schwindsucht Stald. 2, 371, seuche, epidemische krankheit Hunziker 240, serbeta, f. langes kränkeln. Tobler 423a. — (serblied, n. Brockes 1, 208 druckfehler für sterblied.) —
 
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serbling, m. pflanze, blume, die nicht gedeiht, und in ihrem wachsthum zurückbleibt; kränkliches kind, siecher Stalder a. a. o., in mundartlicher form serblig Hunz. a. a. o. Tobler a. a. o.: sein vater haszte ihn, sagte ihm nur serbling und alte grochserin (jammerweib). Pestalozzi 2, 271; du hast die pracht und die zierde aller unserer nachkommen niedergemacht — also sagten alte und hohe, aber schon faule eichen, da sie in ihrem falle junge bäume zu tausenden niederschlugen, zum bauer, der sie umhieb. aber die übrig gebliebenen unbeschädigten tannen und eichen trösteten ihn und sagten: das elend, welches ihr fall über uns verbreitet, ist viel kleiner, als dasjenige, welches ihr leben über uns verhängte; denn wir werden von nun an sicher aufhören, die elenden serblinge zu seyn, welche wir um ihretwillen immer waren. 10, 93; wenn ... die armen geschöpfe in beyden verhältnissen zu krüppeln und serblingen gemacht sich weniger als unmündige helfen können. Lienh. u. Gertr. 3, 68. —
 
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serbwerk, n., für serbet Stalder a. a. o.
 
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serchen, verb., auch sarchen(en), in der gaunersprache, stinken, (tabak) rauchen Avé-Lallemant 4, 594, aus hebr. sorach, vgl. auch selchen 4, sp. 510.
 
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serdintritt, m., bei der gazemanufaktur der tritt, der die taffentstreifen hervorbringt Jacobsson 4, 144a.
 
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sere, f. verwundung, wundsein, schmerz, s. DWB sehr, m. sp. 164: das ander zeychen ist unenpfindtlicheit der uszwendigen glyderen ... und besonder die sere des hertzens Gersdorf wundarzn. 84c; es sind auch die spermata mit gleichem saltzwasser vermischt, welche, so sie in dieselbige sere, offnung oder verwundung kommen, auch schneiden. L. Thurneisser v. probierung der harnen 43; frattigkeit oder

[Bd. 16, Sp. 623]


sere, oder ein wunde von dem sattel, so einer reitet. magna alchym. 2, 78.
 
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sereiche, f., s. serreiche.
 
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serenade, serenate, f. abendständchen. das wort entstammt dem romanischen: it. serenata, eine weiterbildung aus prov. serena abendlied, das seinerseits aus prov. ital. sera 'abend' abgeleitet ist, s. Diez4 292. Weigand 2, 702. Andresen volksetym.4 226. je nachdem it. serenata direct oder in der franz. schreibung sérénade zu grunde liegt, erscheint auch im deutschen t oder d. ersteres haben Adelung, Fr. Müller, letzteres Jacobsson 7, 339a, Weigand, Wieland, Göthe (s. unten), beides Campe erg.-wb. letzterer will die bedeutung allzu enge auf gesang, 'und zwar auf einen unter dem fenster der geliebten person abgesungenen klagesang' einschränken. nach andern ist das wort dagegen gerade bezeichnung eines musikstückes: 'eine cantate, welche des abends unter freiem himmel aufgeführet wird' Adelung, vgl. luxemb. sérénade, f. concert d'instruments qui se donne la nuit. Gangler 414; ein musikstück, dem ein dramatisches spiel zu grunde liegt, das aber ohne scenischen apparat, costüme und mimisches spiel aufgeführt wird. Jacobsson a. a. o. belege: meine schwester bringt heimlich Genovefen diesen abend serenate ... der gärtnerjunge ... wird eine arie singen, die Golo auf der laute accompagnirt. Fr. Müller 3, 103; poet mit musicis ...

übet da die serenade,
die der gräfin
heut am abend
sanft die augen schlieszen soll.
Göthe 57, 238.

übertragen: nichts von einem halben dutzend katern zu gedenken, die auf dem dache, das an meinem fenster anliegt, der jungen katze vom hause, wie ich mir einbilde, eine serenade brachten, und so jämmerlich in die wette heulten, dasz mir jetzt noch alle rippen im leibe davon weh thun. Wieland 1, 355 (d. Sylvio 4, 6). als titel einer dichtung: 'Crispins philosophisch-heldenmäsziger entschlusz, oder Melinens und Leanders rendezvous. zur erbauung aller halb in liebes-morast versunknen herzen, meinem freund Schönfeld zum musicalischen spielwerk mitgetheilt'. hm, hm! was ganz neues! tragi-komische serenate, neuer titul! Fr. Müller 1, 324. — mundartlich (märkisch) entstellt zu säireneute Frommann 3, 265, 20, vgl. s. 268.
 
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serenität, f., im 18. jahrh. titel eines fürsten in der kanzleisprache (jetzt nur durchlaucht): die serenitäten in Gotha sind ungefähr eben so für mich gesinnt. Wieland bei Merck briefs. 1, 106. vgl. das entsprechende, noch jetzt gebrauchte (wenn auch immer mit alterthümelndem und komischem anstrich) serenissimus, durchlauchtigster, s. Campe erg.-wb. Andresen volkset.4 s. 244, anm. 4: serenissimus schiken mich, milady zu fragen, ob diesen abend vauxhall seyn werde, oder teutsche komödie? Schiller kab. u. liebe 4, 9.
 
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serfeln, verb., bair.-österr. wort, bair. sárfln, serfln, 'gehen, indem man die füsze nicht gehörig aufhebt, oder die schuhe, zumal die pantoffeln, auf dem boden fortschleift' Schm. 2, 325, im bair. wald sörfeln Baierns mundarten 2, 257, östr. sia(r)fln, auch mit der zunge beim sprechen anstoszen. Castelli 255:

nachdem hört ich gemachsam scherfeln
ein durch des tempels pforten serfeln.
H. Sachs 1, 367d;

als ich nun lag in solchem lauschen,
hört ich gar mit eim stillen rauschen
fusz für fusz in mein kammer sörffeln,
mit leysen tritten zu mir schörffeln. 2, 2, 53c.

dazu serfling, m. alter pantoffel, hinten abgetretener schuh Schm. a. a. o.