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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
seraphsfusz bis serbling (Bd. 16, Sp. 620 bis 622)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) seraphsfusz, m.:

der geist schwingt sich mit seraphsfusz
von Lunens horn zum Sirius.
Seume ged. 135 (1826).


 
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seraphsschwinge, f.:

wer sind die hundert arme dort.
um die der dank die serafsschwingen breitet?
Schubart 2, 57.


 
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serapich, m., bezeichnung einer türkischen goldmünze, nach dem sultan Melech Seraph benannt, der sie zuerst schlagen liesz: dise alte ducaten .. werden neben impffung der sonnenkronen und guten türckischen serapichen wider in brauch kommen. Fischart groszm. 130 (kloster 8, 650).
 
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serapin, n., vgl.serapen(saft): pilulae sagapeno. serapin pilulae. von dem übelriechenden gummi serapino, machet man heutiges tages zweyerley pillulen. Tabernaemont. 213 D; dafür: von dem serapinkraut und gummi. das serapinkraut ist ein geschlecht des krauts ferulae. 212 C; serapinsafft, oder serapingummi. E; eusserlicher gebrauch des serapinsaffts oder gummi. wiewol der serapingummi einen schweren und abscheulichen geruch hat, füget er doch deszwegen niemand keinen schaden zu. 213 A.
 
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seraskier, m. (dreisilbig zu sprechen mit accent auf dem i der letzten silbe) türkischer oberfeldherr; ist 1706 bezeugt und stammt aus pers. ser- asker 'haupt des heeres' über franz. sérasquier (bez. it. seraschiere), s. Weigand 2, 701. Eggers 2, 896 f.
 
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serasses, (m.?) eine art ostindischen kattuns. Jacobsson 4, 144a.
 
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serb, m. pflanzenname, s. DWB hühnerserb th. 4, 2, 1881 f., vgl. noch Schm. 2, 324 und Frommann 5, 147 (nd. hauner-swerbe).
 
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serbe, f. , nominalbildung zu serben (vgl. daselbst).
1) krankheit u. ähnl.: der ander mangel, so sich begibt, ist ein augen serb, oder schwerung der augen, das sie fast hitzig und rot werden, stechen heftig und brennen wie feuer. Conradinus ungerisch sucht (1574) 171. so noch schwäb. serbe, f. abzehrung, lungenschwindsucht Birlinger 386b, vgl.serbet unter serben 4. — mhd. in weiterem sinne:

daʒ himelrîches erbe
volkreftic âne serbe.
Joh. von Frankenstein d. kreuziger 2148.


2) concret, als bezeichnung verkümmerter fischformen: ein beispiel einer solchen wahrscheinlich wegen mangel an gehöriger nahrung verkümmerten form des scardinius erythrophthalmus bietet Heckel .. ähnlich abenteuerlich geformte kümmerer des squalius dobula werden im Salzburgischen 'serben' genannt. Siebold süszwasserf. s. 12, anm. 2.
3) nordböhm. das abgeschnittene getreide, das zur fütterung dient, s. DWB serben, einleitung zu ende. Frommann 5, 477.

[Bd. 16, Sp. 621]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) serbeln, verb. kränkeln, seltnes demin. zu serben: dann er wardt krank und serblet, das er in kürze hernach starb. Zimm. chron.2 2, 418, 16 Barack; an stelle einer rührigen lebfrischen bäuerin mit einem schlage eine nichtsnutze, serbelnde auf dem anwesen zu haben. Anzengruber3 1, 199 (in der anm. mit 'kränkeln' erklärt). so noch mundartlich, schweiz. sërble verkommen, verkrüppeln Hunziker 240, serbla Tobler 423a, nassauisch serbeln kränkeln Kehrein 1, 376.
 
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serben, verb. welken, hinsiechen, hinschwinden, abnehmen, langsam absterben, von pflanzen und menschen. ein dem hochd. eigenthümliches wort ohne sichere anknüpfung (weder zusammenhang mit sêr, schmerz, noch mit sôr, trocken, ist sprachlich denkbar), ahd. serawên, serwên tabescere, languere, marcere, arescere Graff 6, 271. 280; mhd. sërwen, sërben (auch serwen?) Lexer handwb. 2, 892. nachtr. 364. Scherz-Oberlin 1489. im nhd. nicht allgemein üblich, am meisten bei Schweizer autoren. daher auch bei Maaler 341a: särben, erligen, lassz unnd müd werden, oblanguere. särbend languidus. daraus bei Frisch 2, 265b und Campe. sonst in den wörterbüchern nicht verzeichnet. in den oberdeutschen mundarten noch jetzt allgemein verbreitet: schweiz. serben, särben Stalder 2, 371, sërbe Hunziker 240, serba Tobler 423a, särbă Bühler Davos 1, 282, schwäb. serben Birlinger 386b, bair. serbm Schm. 2, 324, östr. serben (abserben) Höfer 3, 140, tirol. serbm Schöpf 671, serven Hintner 208, kärnt. searbn, soarbn Lexer 232, heanzisch sirben, hinserben Frommann 6, 344. vgl. auch Weigand 2, 701. auf ein altes causativ scheint zurückzugehen das nordböhm. (ab)serben 'das zu üppig aufschieszende getreide stutzen'. 5, 477. das perf. wird gewöhnlich mit haben umschrieben.
1) von pflanzen, welk werden, verdorren: aber der im himmel wohnt, vergiszt nicht das dürsten des felds und das serben der pflanzen im brennenden boden. Pestalozzi 2, 134; das volk, das schon lange diese bäume serben sah. 195; hier fault das samenkorn schon in der mutterpflanze, dort trocknet es aus, ehe es reif ist ... und auch wenn es aufgeht, nagt der wurm an seinem herzblatt und macht es serben. 6, 3; die eiche aber meinte, es habe noch nie ein bauer eine hohe eiche darum niedergehauen, damit das gras, das unter ihrem schatten serbte, fettes, hohes und blühendes wiesengras werde. 10, 67;

kaum zeigte sich annoch von unsrer gärten ruhme
ein welker amaránt und eine ringelblume,
die unter frost und sturm halb serbend ausgedaurt,
und mit gesenktem haubt der schwestern tod betraurt.
Drollinger 66;

kaum an zu tragen fangen sie (die kirschbäume),
und schon zugleich zu serben,
hoch in den lüften prangen sie,
um unten abzusterben.
Rückert (1882) 3, 88.


2) nicht oft von thieren: oder man hat sie (die unholden) ausz jhres feindes stal oder schäferei gehen gesehen, unnd darnach erfahren, dz gleich darauff dasz viech angefangen zu serben und zu sterben. Fischart Bodin 243a; er (der mensch) schafft einzelne thiere, die in der wildnisz serbten, zu heerden um, die sich an gestalt und abtrag unter seiner huth nicht mehr gleich sehen. Pestalozzi 6, 4.
3) von menschen, rein körperlich, kränkeln u. ähnl., vgl.: 'bei menschen bezeichnet es ein siechthum, das zwar nicht tötlich, doch eine lange zeit währen kann'. Stalder 2, 371: etlich werdent serben und sochen in jn selber. quelle bei Schm. 2, 324; dardurch er erstlich ein grausamen durchlauff bekummen, und nach langem serben sich inn jm die leber oppilirt, ... also dasz er durch sölches in die wassersucht gefallen ist. Thurneisser erdgewächse 45b; das ... der amman (Hieron. Stocker) ... ouch heym gefaren ist: uff der straasz, aber uff dem rosz, entnuckt, an ein aast geritten, von dem rosz gefallen, und sich der maaszen gewirset hat, das er nie wider z recht kamm, sunder me dann ein halb iar ellendicklich serwet und grosse nodt erleydt, und letstlich des fals iämerlichen starb. Bullinger 1, 206; o seine kinder, sie serben (dazu die anmerk.: kränkeln, an der gesundheit abnehmen), sind gelb, krumm und schwarz. Pestalozzi 1, 102; und sahen — im ganzen hause nichts, als halbnackende kinder — serbende — hunger und mangel athmende geschöpfe. 317; dasz eine menge mütter ihre kinder fast noch im unmündigen alter mit gewalt und schlägen zu unvernünftiger anstrengung im spinnen zwingen, und sie so von der wiege auf serben machen. 2, 353; zu tausenden schleichen im mittelstand unverheurathete, blasse, serbende gesichter umher und suchen

[Bd. 16, Sp. 622]


den arzt. 7, 340. so auch mit verschobener beziehung: wer echicus ist oder den serwenden siechtagen hat. quelle bei Dief.-Wülcker 853. von den einzelnen gliedern:

daʒ hôhst gelit ist daʒ houbt:
sô daʒ mit siechtum wirt betoubt,
zehant laʒʒent unde serbent
alliu gelit und verderbent.
Ottokar reimchr. 24496.

serben im gegensatz zu sterben:

daʒ ir in disen zwein tagen
vil gwisliche sterbet
und niht lange serbet. daz bloch 114;

so wir (teufel) inan antuond mengerlai dœd,
und doch niemer mugend sterben
und an end darinne muossend serben. des teufels netz 7658;

sondern wann der tag herruckt,
dasz er (der böse) durch den tod entzuckt
von dem unglück solte sterben,
laszt er (gott) ihn noch länger serben.
Abele 3, 53.

besonders in der ältern sprache auch von seelischen zuständen, sich in kummer verzehren u. ähnl.: in hoffnung särben oder kummerlich geläben, animam trahere in spe. Maaler 341a; geseribt hat mein sel in deim hayl, defecit anima mea in salutare tuum. quelle (ps. 118, 81) bei Schm. 2, 324; das ist der nagel zu ihrem sarge gewesen, das hat sie nicht verwinden können und ist völlig von einem tage zum andern dahingeserbt. Herm. Schmid d. bair. Hiesel, gartenlaube 1865, 210;

ich serwen in leitlîcher klag'. ges. abent. 1, s. 323, 233;

sag an, mʒ ich mich richten
ûf ein lebendig sterben
und niuwen iâmer tichten
in herzen und ouch immer mêre serwen?
Hadamar v. Laber jagd 464;

hin ist all mt!
o schwöster gt,
grosz ist min pin,
das du bist hin
und ich noch hie msz serben.
Blaurer bei
Wackernagel kirchenl. 3, s. 579, nr. 662, 2.

geistig oder sittlich verkommen: es wäre ihm (dem menschen) .. gewisz besser, er könnte seine nichtigen tage .. im wald dahin leben, als bürger eines staats zu seyn, und aus mangel bürgerlicher bildung am fluch einer kette zu serben, die ihm das gefühl der rechte seiner natur von allen seiten verwirrt. Pestalozzi Lienh. u. Gertr. 3, 117.
4) ableitungen: serber, m., tirol. server kränklicher mensch Hintner 208. — schweiz. serbet, m., serbete, f. langwierige krankheit, besonders auszehrung, schwindsucht Stald. 2, 371, seuche, epidemische krankheit Hunziker 240, serbeta, f. langes kränkeln. Tobler 423a. — (serblied, n. Brockes 1, 208 druckfehler für sterblied.) —
 
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serbling, m. pflanze, blume, die nicht gedeiht, und in ihrem wachsthum zurückbleibt; kränkliches kind, siecher Stalder a. a. o., in mundartlicher form serblig Hunz. a. a. o. Tobler a. a. o.: sein vater haszte ihn, sagte ihm nur serbling und alte grochserin (jammerweib). Pestalozzi 2, 271; du hast die pracht und die zierde aller unserer nachkommen niedergemacht — also sagten alte und hohe, aber schon faule eichen, da sie in ihrem falle junge bäume zu tausenden niederschlugen, zum bauer, der sie umhieb. aber die übrig gebliebenen unbeschädigten tannen und eichen trösteten ihn und sagten: das elend, welches ihr fall über uns verbreitet, ist viel kleiner, als dasjenige, welches ihr leben über uns verhängte; denn wir werden von nun an sicher aufhören, die elenden serblinge zu seyn, welche wir um ihretwillen immer waren. 10, 93; wenn ... die armen geschöpfe in beyden verhältnissen zu krüppeln und serblingen gemacht sich weniger als unmündige helfen können. Lienh. u. Gertr. 3, 68. —