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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
ser bis seraphsflügel (Bd. 16, Sp. 618 bis 620)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) ser, s. DWB sehr sp. 160 ff.als adj.: mildes wetter haben sie (die immen) gerne, .. aber bei stürmischer witterung da sind sie ser. Leoprechting aus d. Lechrain 80.
 
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serai(l), m. palast, besonders des sultans, auch von türkischen groszen Eggers 2, 893; miszbräuchlich auch für harem, vergl. Campe erg.-wb. das wort stammt aus dem pers. serâj 'haus, wohnung'. die gewöhnliche schreibung mit l (als serrail schon 1694 belegt) beruht auf franz. sérail; hier ist wol eine volksetymologische deutung im spiel, die in ital. serraglio, span. serrallo noch deutlicher hervortritt. wirkliche ableitung von einem mittellat. ser(r)aculum 'verschlusz' (das in prov. serralh, altspan. cerraje fortlebt) anzunehmen, gestattet die bedeutung nicht. s. Diez etym. wb.4 293. Weigand 2, 701: dass Danischmend sich in der nächsten nacht vor einer hinterpforte der gärten des serai einfinden sollte. Wieland 8, 366 (Danischmend 44); hof und serail wimmelten jezt von Italiens auswurf. Schiller 3, 403 (kab. u. liebe 2, 3);

volkbeherrscher! götter unterm monde, ...
hielt die bulin (Venus) mit dem honigmunde
eingemauert im serail. 1, 188;

deken euch seraile dann und schlösser,
wann des himmels fürchterlicher presser
an des grosen pfundes zinsen mahnt? 344.

in tautologischer zusammensetzung serailhaus Göttinger musenalm. 1775, 9.
 
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serapensaft, m., -gummi,n. sagapenum Nemnich, gummi sacoponium Jacobsson 7, 339a, vgl. serapin. — mnd. serape(n), m. hitz-, eiterbläschen, s. nd. jahrb. 4, 21, anm. 1.
 
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seraph, m. ein engel höherer ordnung, aus hebr. (eigentlich name einer giftigen schlangenart der wüste —?, s. Siegfried-Stade hebr. wb. 764a), durch die bibel und kirchensprache verbreitet, vgl. Weigand 2, 701. schon im ahd. üblich: seraphin dhea angilâ. Isidor 20, 4; syrafin 22; cerubyn inti siraphin. Murbacher hymn. 7, 7, 1, in beiden fällen aus der lat. vorlage beibehalten. mhd. s. Lexer hdwb. 2, 889. bemerkenswert ist die pluralbildung. hier ist nhd. am üblichsten die hebräische endung seraphim: seraphim stunden uber jm. Jes. 6, 2; da flog der seraphim einer zu mir. 6; die cherubim unnd seraphim haben nunmehr länger denn fünfftausendt jahr die göttliche essentz unnd wesen betrachtet. J. M. Meyfart d. himmlische Jerus. 1, 285 (vgl. unten); diese allmacht der menschlichen sprache zu den gedanken der cherubim und seraphim. Hamann 1, 108;

himmlische jüngling, seraphim.
Klopstock 6, 237;

dir hören, wenn du das schwert im tief zerrissenen busen
der göttlichen mutter beweinst, mitweinende serafim zu.
Wieland 5, 38 (Amadis 13, 3);

sphären und der Olymp, seraphim, cherubim.
Schiller 1, 43;

seelenvolle harmonieen wimmeln ...
aus den saiten, wie aus ihren himmeln
neugebohrne serafim. 216;

es haben engel einzuläuten
dies fest die glocken selbst gerungen
und seraphim, die oberst prangen,
sind selbst als boten ausgegangen.
Arndt ged. 332.

im mhd. scheint die form einmal vorzukommen:

do geschf er drî chôre ...
der dritte heiʒet seraphym.
Diemer ged. 3, 14,

allerdings im reim auf darin, und unmittelbar nach cherubin. demnach ist vielleicht auch hier seraphîn beabsichtigt, welche form, vermutlich aus dem syrischen stammend, unter einflusz der lat. kirchensprache sonst im mhd. (und ahd., s. oben) ausschlieszlich herrscht, vgl. Grimm gramm. 4, 467; z. b.:

einen (chor) hieʒ er cherubîn,dar nâch [wâren] seraphîn. genes. 1, 12 Diemer;

cherubin und seraphin kunnen
dich nicht zu vollen ansehen.
Brun von Schonebeck 1399;

cherubîn und seraphîn
und swaʒ der herren mohten sîn. erlösung 391;

der newnde chor stund offen ...,
der ist gehaiʒʒen seraphin (: hin).
Suchenwirt 41, 1392

so auch noch vereinzelt im nhd.:

ein strahl, wie Miltons serafin
auf die empörten engel schiessen.
Wieland 21, 283 (Klelia 5, 266).

[Bd. 16, Sp. 619]


in auffälliger verwendung:

von der himelischen speis,
die der künig auf serafin
liesz hie der cristenheit.
H. Sachs dicht. 1, s. 8, 7 Gödeke

('eine der bei den meistersängern üblichen bezeichnungen für das metaphysische'). daneben wird der plur. auch nach deutscher weise gebildet, so unverändertes seraph schon bei Luther:

es stunden zween seraph bey jm daran. 8, 365b.

häufiger seraphe in neuerer zeit: Gottsched ist sehr ergrimmt, dasz durch Klopstock so viel seraphe und engel in die welt gekommen sind. Nicolai bei Lessing 13, 6. ebenso in der Kautzsch'-schen bibelübersetzung. (Smend alttestam. rel.-geschichte sagt sarafe.) — durch miszverständnis der hebr. pluralendung sind nicht selten die formen seraphim, -in auch als sing. verwendet: serafim, der, seraphinus, dicuntur angeli, supremae hierarchiae, quales etiam cherubini et throni. Stieler nachsch. 27a; schon mhd.:

du der wisheit ein seraphim.
Brun v. Schonebeck 340.

(ebenso mittellat. seraphinus, franz. séraphin, ital. serafino.) zu ihnen wird dann ein neuer plural mit deutscher endung gebildet, so seraphime oder gewöhnlich seraphinen (s. Wieland unter 2, vgl. auch seraphisch): von dem gesang unnd klang der cherubinen unnd seraphinen sind die uberschwellen desz hauses erbebet worden. J. M. Meyfart das himml. Jerus. 1, 228 (daneben seraphim, s. oben);

er ist ob serafinen.
H. Sachs dicht. 1, 50, 18 Gödeke;

du herr der seraphinen,
dem tausend engel dienen. kirchenlied von
Benj. Schmolck;

mich däucht, ob säh mein geist den unsichtbaren gott, ...
der seraphinen herrn, den herrscher Zebaoth.
Brockes 1, 157.


1) im eigentlichen sinne: gott, der die stimme des thons, der erde und asche so .. wohlklingend, als das jauchzen des cherubs und seraphs macht. Hamann 1, 91; wer über den schwindlichten graben vom lezten seraph zum unendlichen sezt, wird auch diesen sprung ausmessen. Schiller Fiesko 3, 2;

weit über euerm haupt, schöpft, in den höchsten sphären,
der seraf götterlust aus dem vollkommnen quell.
Wieland suppl. 1, 228 (nat. d. dinge 4, 513);

vom mogolen bis zum griechschen seher,
der sich an den lezten seraf reyht.
Schiller 1, 287.


2) auf menschen übertragen (wie engel): eine welt pöbelseelen wiegt so eine einzige nicht auf, geschaffen, aus myriaden ausgewählt, seraph oder teufel zu werden. Fr. Müller 2, 170. — ironisch von mönchen:

ein traumgesicht von jener art,
die oft, trotz skapulier und bart,
Sankt Franzens fette serafinen
in schwüler sommernacht bedienen.
Wieland 10, 157.

so auch:

die weiber schienen nur erpicht,
den theuern waldseraph zu sehen.
Lessing 1, 114 ('der eremit').


3) seraphe, f., für giraffe Oken 7, 1323.
 
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seraphide, f. findet sich ganz vereinzelt als femininbildung zu seraph:

sie asz. da schwanden kutte
und scapulier und stock.
von seraphidenhänden
gewirkt, schmückt ihre lenden
ein weiszer flügelrock.
Pfeffel poet. vers. 5, 152.


 
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seraphim, -in, s. DWB seraph. seraphinisch, s. seraphisch.
 
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seraphimgestalt, f.:

's gibt gräber, die wie wetternacht
an unserm horizonte stehn ...
und doch, wenn abendroth erwacht,
mit ihren goldnen flügeln wehn
wie milde seraphimgestalten.
A. v. Droste - Hülshoff 1, 206.


 
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seraphinenorden, m. ordre des séraphins; ein schwedischer, angeblich 1334 gestifteter orden, s. Eggers 2, 893 ff.
 
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seraphisch, adj. nach art eines seraphs, englisch, erhaben. Campe, vgl. Weigand 2, 701: eine hohe seraphische weiszheit. Rollenhagen ind. reise 170; hat er nicht schon den himmlischen hörern den namen Amalia vorgesungen auf der seraphischen harfe? Schiller 2, 74 (räuber 2, 2 schausp.); da kurz nach einander die seraphischen jünglinge Klopstock und Wieland, die er (Bodmer) nach Zürich gerufen, seine heilige vaterfreundschaft .. so schnöde getäuscht und hintergangen hatten. Keller 6, 182. dafür von den pluralformen aus gebildet:

[Bd. 16, Sp. 620]


doch deine wunder zu erzählen,
wagt nur ein seraphinscher mund!
Creuz 1, 118;

du, freund, magst deine zeit
nur immerhin bey schöner sittsamkeit,
nicht ohne seraphin'sche thränen,
bey tugend und verstand vergähnen.
Lessing 1, 17;

seraphim'sche heere,
schwingt das goldgefieder!
Platen 52b.

seraphische dichtung, bezeichnung der dichtung Klopstocks und seiner nachahmer (s. Jul. Schmidt gesch. der d. litt. 1, 229 f.), von gegnern parodistisch verdreht, z. b.: die ganze ästhetik in einer nusz .. von einigen demüthigen verehrern der sehraffischen dichtkunst, titel eines werks von Chr. O. v. Schönaich. (1754, neue ausg. von Alb. Köster. Berlin 1900.)
 
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seraphseele, f.:

geusz aus dein gift ...,
doch auf mich nur, nicht auf diese
reine seraphseele.
Müllner schuld 2, 4.


 
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seraphsflügel, m.: und hätte ein wesen seraphsflügel und ist die liebe nicht, spurlos zieht es dahin. Auerbach dorfgesch. 3, 49;

Pyoterius in seiner celle
dünkete vor gott sich grosz und herrlich,
weil er über Thabors glanz und alle
seraphsflügel tief und viel nachdachte.
Herder 28, 184 Suphan;

doch auf den seraphsflügeln des gesangs
schwang die befreite seele sich nach oben.
Schiller braut von Messina 2, 5;

o, wenn dich zweifel drückt herab
und möchtest athmen ätherluft
und möchtest schauen seraphsflügel,
dann tritt an deines vaters grab.
A. v. Droste - Hülshoff 1, 206.