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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
sepia bis sequestration (Bd. 16, Sp. 616 bis 617)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) sepia, f., der lat. name des tintenfisches; bezeichnet 1) das thier selbst, eine molluskenart, auch tintenfisch-schnecke, seekatze, kuttelfisch genannt), s. Nemnich (s. v. sepia). Oken 5, 533 ff. Karmarsch-Heeren3 8, 226 f. 2) den schwarzen saft, den sie in einer blase bei sich tragen, und den daraus bereiteten braunen farbstoff (zur wassermalerei). 3) den kalkartigen rückenschild, den die gemeine tintenschnecke (sepia officinalis) trägt und oft abwirft, und der zum polieren wie als medicin verwendet wird, auch weiszes fischbein, meerschaum, os sepiae. Oken 5, 534. Campe erg.-wb., sepiaknochen Karmarsch-Heeren3 8, 227. sepiolith, m. meerschaum, als mineral. 5, 779.
 
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septant, m. der sechste (?) theil eines zirkels; ein astronomisches instrument, um die weite der sterne zu messen. Jacobsson 4, 144a.
 
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septe, f. die siebente stunde, und das dann verrichtete gebet.
 
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september, m. der neunte monat des jahres; entlehnt aus lat. september (mensis), von septem, sieben, benannt, weil bei den Römern ursprünglich der siebente monat. Weigand 2, 700. so schon mhd., s. Lexer hwb. 2, 888: umb den andern augst, der ze latein september haiʒt. Megenberg 301, 7; nhd.: was im september bey hause zu verrichten. Hohberg 1, 130; des edlen hirsches brunfft gehet auf Egidii an, wo viele hirsche und thiere sind; sonst aber verziehet es sich wohl bis in die mitte des septembers. Döbel 1, 4a. im ältesten nhd. auch mit italienischer lautgebung set(t)ember: und darnach was es schön bis 25. setember. d. städtechron. 25, 37, 17 (Wilh. Rem cronica newer gesch., v. Augsburg, 1512 —1527; so gewöhnlich bei ihm, s. d. gloss.); item adi 3 settember ins hausz, het geest Egidi (am Aegidientage = 1 sept.) .. 25 . Tucher haushaltb. 13 Loose.im cimbr. übersetzt als siben-manot. cimbr. wb. 207b. als deutscher name gilt im allgemeinen herbstmonat, s. Weinhold d. deutschen monatsn. 42 (auch herbst 41); Karl d. gr. nannte ihn nach Einhart witumânôth, s. 5. 62; sonst wurde auch im ahd. herbistmânôth gesagt, s. 7. von seltnern bezeichnungen registriert Weinhold: der ander augst (Megenberg, s. oben), Ougstine (s. 32), evenmaent (nl., s. 37, vielleicht miszverständlich für november), finkenmonat (holst.), gherstmaend (Kilian, s. 38, vgl. engl. barleymonth 32), haberougst, hawersnit (39), hanffluchet (40), Michelsmonat (50, nach Fischart, syltisch Mochelsmuun), Pietmaent (altnl.), saemanet, seman, semon (53), saumonat (54), silmand (55, ditmars.), speltmaend (56, Kilian), uberherbst (59, Tegerns. kal.), fulmonet, -mant, wickemaen (60, Bordesholm. kal.). im nhd. sind auch hartmond (Phil. v. Zesen), obstmonat vorgeschlagen worden, s. Adelung.über charakter und bedeutung des monats vgl. Hohberg s. 130 ff. öconom. lex.2 2719. Fleming t. jäger 387 ff. Behlen 5, 613 f. der 1. september als unglückstag E. H. Meyer volksk. 260. sprichwörter:

der september ist wie märz
und juni wie december, ohne scherz.
wenn der september noch donnern kann,
so setzen die bäume viel blüten an.
Wander 4, 543.

zusammensetzungen: ich würde wol wenig davon haben ... wenn ich meine ersten heimlichen ausbrüche zu öffentlichen machen und die september-flüche über .. Deutschland publizieren wollte. J. Paul freiheitb. 80; so pflügten beide ruhevoll und es war schön anzusehen in der stillen goldenen

[Bd. 16, Sp. 617]


septembergegend, wenn sie so auf der höhe an einander vorbeizogen. Keller 4, 75;

frische septemberluft
jäger zum jagen ruft.
Wander 4, 543;

an septemberregen
für saat und kleben (reben) ist den bauern gelegen. ebenda.


 
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septentrional, adj. nördlich, mitternächtlich Kinderling 330. Campe erg.-wb., lat. lehnwort, jetzt ganz auszer gebrauch gekommen: über dieses ist die intemperies suspicionum eine alte kranckheit der septentrionalischen politicorum. Schuppius 388.
 
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septime, f. in der musik intervall von sechs tönen, im einzelnen als grosze, kleine und verminderte (älter falsche) septime unterschieden. Jacobsson 7, 338b f.dazu septimenakkord, m. bestehend aus grundton, terz, quint und (kleiner) septime; verminderter septimenakkord. 339a. — septimole, f. figur aus sieben noten, die die zeitdauer von vieren einnehmen. ebenda.
 
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sequenz, f., lat. kirchengesang, der auf die antiphone folgt, entstanden aus wortlosen tonreihen, die am schlusse des hallelujah gesungen wurden und denen später texte untergelegt wurden; eine dichtungsart, die besonders durch Notker den stammler in St. Gallen ausgebildet wurde (seine erste sammlung erschien 887), s. F. Wolf über die lais, sequenzen und leiche. 1841. K. Bartsch die lat. sequenzen des mittelalters in musik. und rhythmischer beziehung. Rostock 1868. W. Wilmanns welche sequenzen hat Notker verfaszt? zeitschr. f. d. alterth. 15, 267—294. Müllenhoff-Scherer denkm.3 2, 109. 113. 251 ff. (vgl. das reg.). R. v. Liliencron in Pauls grundr.2 3, 567 f.das wort begegnet schon mhd., s. Lexer hdwb. 2, 888. nachtr. 364, gewöhnlich als sequentie: dar nâch singen wir etewenne ze hôchgezîten ein gesanc, daʒ heiʒet ein sequentie, daʒ ist ie nâch dem ampte: von swelhem heiligen daʒ ampt ist, von dem singet man die sequentie ze lobe unde ze êren. Berthold v. Regensburg 1, 498, 14 f.; dâ von spricht maister Adam von Sant Victor in seiner sequenzien von unser frawen: ora patrem, jube nato. Megenberg 61, 33 f. daneben als masc.: nachdem in diser loblichen stat Nurmberg all samstag und all unser lieben frawen obent das loblich salve regina mit sampt dem sequentz der heiligen drivaltigkait ze singen gestift ist. d. städtechroniken 11, 638, 26. — eine confuse erklärung gibt Frisch 2, 265b. sonst in ältern nhd. wörterbüchern nicht gebucht.
 
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sequester, m.
1) seqvester, der, al. zeitverwahrer, dicitur enim in jure sequester, apud quem res, de qua controversia est, deponitur. Stieler nachsch. 27a. in diesem sinne sonst nicht bezeugt.
2) abstract, beschlag Campe erg.-wb., gerichtsseitige beschlagnahme und verwaltung einer strittigen sache bis zur gerichtlichen entscheidung; auch für die beschlagnahmte sache. aus lat. sequestrum (sequestre), s. Weigand 2, 701 f.; indessen nicht erst ende des 18. jahrh. entlehnt, sondern schon im 16., s. Germ. 28, 402. 29, 393: S. Prudentius heisset den gottes acker des herrn Christi sequester und zehender, von welchen er bey Carls gewicht aller christen beinlein, steublein, und grenlein wider fodern will. Mathesius Sar. 224b (hier wol für 'anvertrautes gut, depositum, pfand'); das land in sequester zu legen. Stamler Sleidan (1557) 217b, s. Germ. 29, 393. als neutr.: als der stamm der Lauenburgischen herzöge endlich 1687 erlosch, erfolgte .. von 1687—1731 ein kaiserliches sequester. Allmers marschenb.3 346. sprichwörtlich: sequester machen leere nester. Eiselein 567. Simrock sprichw. 9509. Wander 4, 544. in Wien: der N. des is weider ka' bug'lerter sequester (stark höckerig —?). Hügel 148b.
 
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sequestration, f. beschlaglegung, beschlagsverwaltung. Campe erg.-wb. (vgl. DWB sequester 2), 'lohnverwaltung, zeitverwaltung' Kinderling 330: wir haben hoffnung, ein groszes gut, das in sequestration liegt, in einer sehr fruchtbaren gegend zu erkaufen. Göthe 19, 147.