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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
sentimentalisch bis separieren (Bd. 16, Sp. 615 bis 616)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) sentimentalisch, adj., im 18. jahrh. für und neben sentimental: wenn wir sentimentalische alltagsgeschichten und idealische familienscenen ausschlieszen. Wieland 38, 13 (vgl.: empfindsame familiengeschichten s. 7); sollten sie in diesem falle auch vor der natur ganz recht behalten, so zweifle ich, ob sie auch gegen die 'sentimentalischen' forderungen der leser es behalten werden. Schiller an Göthe 179 (d. 2. juli 1796);

tulpen, ihr werdet gescholten von sentimentalischen kennern;
aber ein lustiger sinn wünscht auch ein lustiges blatt.
Göthe 1, 393.

bei Schiller auch als kunstausdruck der ästhetik: über naive und sentimentalische dichtung. 10, 425 (überschr.); der dichter ... ist entweder natur, oder er wird sie suchen. jenes macht den naiven, dieses den sentimentalischen dichter. 450. ohne scharfe scheidung von der gewöhnlichen verwendung: die allgemeinheit dieses sentimentalischen geschmacks zu unsern zeiten, welcher sich besonders seit der erscheinung gewisser schriften, in empfindsamen reisen ... und andern liebhabereyen dieser art äussert, ist noch ganz und gar kein beweis für die allgemeinheit dieser empfindungsweise. 428 (vgl. zum verständnis dieses terminus auszer dem ganzen aufsatz besonders Kühnemann Kants und Schillers begründung der ästhetik s. 137—149).
 
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sentimentalisieren, verb. empfindeln, 'von äuszerungen einer erheuchelten, oder einer lächerlichen und abgeschmackten empfindsamkeit'. Campe erg.-wb.: wir haben schön zeit zu sentimentalisiren, wenn wir nachher wie gejagte katzen im sack sitzen. Fr. Müller 3, 202; sie sentimentalisirte nicht mit der musik, sie gab eine übung, die ihrer bildung entsprach ... und doch war ihr spiel voll seele und schmelz. Gutzkow ritter vom g. 7, 143.
 
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sentimentalität, f. empfindsamkeit, abstraktbildung zu sentimental; wie dieses, noch jetzt in gebrauch. bei Campe noch nicht verzeichnet. s. Eckermann unter sentiment; eine zeit, welche in ihrer jugend die unschuldig bewegte selbstheit unter dem namen der sentimentalität ... verhöhnte, und immer nach objectivität schrie. Brentano 8, 171.
 
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sentine, f.
1) der unterste raum eines schiffes, kielraum, pumpensood, und das daselbst aufgesammelte wasser, grundsuppe. Bobrik 638a. Jacobsson 7, 338b, aus lat. sentina in gleicher bedeutung entlehnt. schon mhd. sentîne Lexer hwb. 2, 887, hier auch als gefängnis, zufluchtsort, schatzkammer benutzt, s. A. Schultz höf. leb.2 2, 328 f.; übertragen, auf die hölle:

und fuotert siu mit scharpfem pîne
hin in die helschen sentîne. Martina 198, 84.


2) 'eine gattung groszer fahrzeuge, deren man sich in Bretagne zu verführung des salzes auf der Loire bedient'. Jacobsson 4, 144a.
 
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sentinelle, f. schildwache, seltnes lehnwort aus dem frz.:

gott ist der christen hülff und macht,
ein veste citadelle.
er wacht und schillert tag und nacht,
thut rond und sentinelle. Philand. 2, 690

(umdichtung von 'ein feste burg' u. s. w., vgl. wunderh. 1, 151 Boxb., anm.). ebenso nd.:

ja gantze regiment Latiner sampt den Greken,
dar stahn in sentinel in einer bibliteken.
Lauremberg scherzged. beschlut 114.

(an beiden stellen mit lat. buchstaben gedruckt, also noch deutlich als fremd empfunden.)
 
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sentrich, m. sevenbaum, sabina, gl. bei Schm. 2, 316.
 
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senwurz, f. erigeron. voc. v. 1482, s. Frisch 2, 265b. Lexer hwb. 2, 887 (ersterer erklärt es als senecio, kreuzwurz, grindkraut).

[Bd. 16, Sp. 616]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) separat, adj. getrennt, abgesondert, besonders, für sich (bestehend) Campe erg.-wb., aus lat. separatus entlehnt, seit dem 17. jahrh. Weigand 2, 700.
 
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separation, f. trennung, absonderung. Kinderling 330. Campe erg.-wb.; bei der verkoppelung und auftheilung von land, s. E. H. Meyer volksk. 9. — dazu: auf dem neuen separationswerke in der Weser und auf dem Neustadtdeich waren zahlreiche schaulustige versammelt. Weserzeitung 1868, nr. 7671, seite 3a.
 
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separatist, m. der sich absondert, abgesondert hält, sonderling Kinderling 330, doch kaum anders als speciell in bezug auf die religion gebräuchlich, der sich in glauben und andachtsübungen von der kirche (bes. der englischen) absondert, seit dem 18. jahrh., s. Weigand 2, 700. Campe erg.-wb. schlägt als übersetzung sondergläubiger oder absonderling vor.
 
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separieren, verb. trennen, scheiden, absondern. Campe erg.-wb., aus lat. separare (bez. frz. séparer), schon im 15. jh. bezeugt: seperieren und scheiden. quelle vom jahre 1479 bei Lexer hwb. 2, 887. Weigand 2, 700; separirte attaquen. Eggers kriegs-lex. 2, 892; preusz. śeparêre(n), sich trennen von eheleuten (se hebbe söck geśeparêrt); ausscheiden aus der bodengemeinschaft. Frischbier 2, 338b.