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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
sentieren bis separat (Bd. 16, Sp. 614 bis 616)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) sentieren, verb., aus lat. sentire bez. frz. sentir, fühlen, empfinden, wahrnehmen, urtheilen. Campe erg.-wb. nur im 18. jh. gebräuchlich: dasz ich ein mensch binn, und daher nichts anders sentiren kann als andre menschen. Göthe br. 2, 155; im einzelnen sentirst du kräfftig und herrlich, das ganze ging in euern kopf so wenig als in meinen. 156.
 
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sentiment, n. 'denkart, empfindung, meinung'. Kinderling 149; Campe erg.-wb. kennt es in 4 bedeutungen: 1) 'empfindnisz', 2) empfindsamkeit, 3) gefühl (wie der mann von gefühl), 4) 'eingestreute äuszerungen sittlicher empfindungen und grundsätze' in der litteratur.das wort wird im 18. jahrh. als französisches modewort herübergenommen, daher auch mit französischer aussprache ('sangtimang' Campe) und französischer mehrzahl: auch sag' ich ihnen (den weibern) nicht so viel schöne sachen, tröste mich nicht monate lang an sentiments und dergleichen. Göthe 10, 53 (Clav. 1); sind auch spuren von sentimentalität in ihm (Manzoni)? fragte ich. durchaus nicht, antwortete Göthe, er hat sentiment, aber er ist ohne alle sentimentalität; die zustände sind männlich und rein empfunden. Eckermann gespr. mit Göthe 1, 375; wie würden sich die Richardsons und alle andere gefallen haben, eine scene daraus zu machen, und über dem auskramen von delicaten sentiments recht undelicat gewesen sein. Schiller

[Bd. 16, Sp. 615]


an Göthe 179. — jetzt nicht mehr üblich, wol aber die ableitungen.
 
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sentimental, adj. empfindsam Campe erg.-wb., von unechter, gemachter empfindung erfüllt oder zeugend. von menschen: ich musz mich empfindsam, sentimental schimpfen. Arnim Hollins liebel. 38 neudr.; ich bin ihm nicht sentimental genug, nicht tief genug empfindend. Ludwig 2, 578;

ich steh' auf des berges spitze,
und werde sentimental.
'wenn ich ein vöglein wäre!'
seufz' ich viel tausendmal.
H. Heine 1, 86 Elster (lyr. interm. 53).

auf dinge übertragen: ich sehe mich noch den schlichten breitrandigen hut ergreifen, den ich längst statt des sentimentalen sammetbarrettes trug. Keller 2, 137.
 
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sentimentalisch, adj., im 18. jahrh. für und neben sentimental: wenn wir sentimentalische alltagsgeschichten und idealische familienscenen ausschlieszen. Wieland 38, 13 (vgl.: empfindsame familiengeschichten s. 7); sollten sie in diesem falle auch vor der natur ganz recht behalten, so zweifle ich, ob sie auch gegen die 'sentimentalischen' forderungen der leser es behalten werden. Schiller an Göthe 179 (d. 2. juli 1796);

tulpen, ihr werdet gescholten von sentimentalischen kennern;
aber ein lustiger sinn wünscht auch ein lustiges blatt.
Göthe 1, 393.

bei Schiller auch als kunstausdruck der ästhetik: über naive und sentimentalische dichtung. 10, 425 (überschr.); der dichter ... ist entweder natur, oder er wird sie suchen. jenes macht den naiven, dieses den sentimentalischen dichter. 450. ohne scharfe scheidung von der gewöhnlichen verwendung: die allgemeinheit dieses sentimentalischen geschmacks zu unsern zeiten, welcher sich besonders seit der erscheinung gewisser schriften, in empfindsamen reisen ... und andern liebhabereyen dieser art äussert, ist noch ganz und gar kein beweis für die allgemeinheit dieser empfindungsweise. 428 (vgl. zum verständnis dieses terminus auszer dem ganzen aufsatz besonders Kühnemann Kants und Schillers begründung der ästhetik s. 137—149).
 
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sentimentalisieren, verb. empfindeln, 'von äuszerungen einer erheuchelten, oder einer lächerlichen und abgeschmackten empfindsamkeit'. Campe erg.-wb.: wir haben schön zeit zu sentimentalisiren, wenn wir nachher wie gejagte katzen im sack sitzen. Fr. Müller 3, 202; sie sentimentalisirte nicht mit der musik, sie gab eine übung, die ihrer bildung entsprach ... und doch war ihr spiel voll seele und schmelz. Gutzkow ritter vom g. 7, 143.
 
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sentimentalität, f. empfindsamkeit, abstraktbildung zu sentimental; wie dieses, noch jetzt in gebrauch. bei Campe noch nicht verzeichnet. s. Eckermann unter sentiment; eine zeit, welche in ihrer jugend die unschuldig bewegte selbstheit unter dem namen der sentimentalität ... verhöhnte, und immer nach objectivität schrie. Brentano 8, 171.
 
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sentine, f.
1) der unterste raum eines schiffes, kielraum, pumpensood, und das daselbst aufgesammelte wasser, grundsuppe. Bobrik 638a. Jacobsson 7, 338b, aus lat. sentina in gleicher bedeutung entlehnt. schon mhd. sentîne Lexer hwb. 2, 887, hier auch als gefängnis, zufluchtsort, schatzkammer benutzt, s. A. Schultz höf. leb.2 2, 328 f.; übertragen, auf die hölle:

und fuotert siu mit scharpfem pîne
hin in die helschen sentîne. Martina 198, 84.


2) 'eine gattung groszer fahrzeuge, deren man sich in Bretagne zu verführung des salzes auf der Loire bedient'. Jacobsson 4, 144a.
 
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sentinelle, f. schildwache, seltnes lehnwort aus dem frz.:

gott ist der christen hülff und macht,
ein veste citadelle.
er wacht und schillert tag und nacht,
thut rond und sentinelle. Philand. 2, 690

(umdichtung von 'ein feste burg' u. s. w., vgl. wunderh. 1, 151 Boxb., anm.). ebenso nd.:

ja gantze regiment Latiner sampt den Greken,
dar stahn in sentinel in einer bibliteken.
Lauremberg scherzged. beschlut 114.

(an beiden stellen mit lat. buchstaben gedruckt, also noch deutlich als fremd empfunden.)
 
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sentrich, m. sevenbaum, sabina, gl. bei Schm. 2, 316.
 
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senwurz, f. erigeron. voc. v. 1482, s. Frisch 2, 265b. Lexer hwb. 2, 887 (ersterer erklärt es als senecio, kreuzwurz, grindkraut).

[Bd. 16, Sp. 616]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) separat, adj. getrennt, abgesondert, besonders, für sich (bestehend) Campe erg.-wb., aus lat. separatus entlehnt, seit dem 17. jahrh. Weigand 2, 700.