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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
sensenstein bis sensitive (Bd. 16, Sp. 611 bis 612)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) sensenstein, m. schleifstein zum schärfen der sensen. Campe. Karmarsch - Heeren3 8, 226, cos falcaria Alberus dict. Ll 3b; cote, cotaio, pietra da affilare la falce. Kramer diction. 2, 771c. mhd. segensstain, sensenstein (vom j. 1480) s. Lexer handwb. 1, 850.
 
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sensenstiel, m. manico della falce. Kramer dict. 2, 771c: der bursche stand nämlich auf den sensenstiel gestützt und starrte nach dem anderen ende des feldes. Anzengruber3 3, 216.
 
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sensentag, m. tag, an dem früher die bauern mit der sense fröhnen (zur frohne mähen) muszten. Adelung.
 
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sensenträger, m. der eine sense trägt; in denselben bedeutungen wie sensenmann (2—4, s. daselbst) Campe; vom tode:

bevor der sensenträger grinsend
zu dem verdrieszlichen tanz dich aufruft. s. ebenda.

dafür auch sensenwetzer, bair. sá~stnwétze' Schm. 2, 241.

[Bd. 16, Sp. 612]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) sensenwagen, m. kriegswagen mit sensen an den achsen. Jacobsson 7, 338b, vgl. sichelwagen.
 
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sensenwetzstein, m., vgl. sensenstein: in seinem gürtel steckte eine art von futteral, ungefähr jenem gleich, worin unsere schnitter den sensenwetzstein tragen. Vischer auch einer 1, 196.
 
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sensenwurf, m. (handhabe am) stiel einer sense. Jacobsson 7, 338b: mehrere hundert rechen und sensenwürfe (sollen) ... meistbietend versteigert werden. Gieszener anzeiger, 26. juni 1873. ein wurf in ähnlichem sinne findet sich schon bei Grimm weisth. 2, 527. sonst bietet die ältere sprache die form sensenworb (zu werben, in bewegung setzen, handhaben), aus der jene wol nur entstellt ist, s. Lexer handwb. 2, 886:

jens nas ist als ein sensen worp. renner 364;

in einem alten schüsselkorb,
dem waren weib und kind gestorb,
da klaget sich ein sägesworb,
der bracht jm geld, und dazu koren zinsen. Ambr. liederb. 141, 7.

heute noch in vielen hochd. mundarten lebendig: schweizerisch sägesworb, sägeseworb, -wurb. Stalder 2, 298, sëgesseworb Hunziker 238, sèges(a)wòrb Tobler 420b, sägese-warp Seiler 247b; bair. segenswarb Schm. 2, 241, im bair. walde sengswoar Baierns mundarten 2, 256, kärntn. sèngasworp, steir. sengstenwoaf Lexer 260; schwäb. sensenwarb Schmid 517; nassauisch sensenworf Kehrein 1, 448, henneb. sensewûerf Spiesz 233, egerländ. seinswarb Neubauer 101b. dagegen bedeutet pfälzisch senseworf 'sense mit ährenrechen'. Autenrieth 132.
 
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sensenzeug, m., s. DWB sensenstahl.
 
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senser, m.
1) foenifex, foenifica, it. faber falcarius, aliàs sensenschmid. Stieler 2012.
2) als name einer vogelart, sichelschnabel, tantalus falcinellus Nemnich: von einem wältschen vogel, sichler oder sägyser genennt, falcinellus. Gesner vogelb. von Heüszlin (1582) 209a. danach bei Dief. gloss. 223c. Dief.-Wülcker 853.
 
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sensibel, adj. empfindlich Kinderling 330, fähig zu empfinden, von leicht reizbarer empfindung. besonders im 18. jahrh. übliches lehnwort aus frz. sensible, daher meistens noch in dieser schreibung und nach Campe erg.-wb. auch mit der franz. aussprache. derselbe verzeichnet dafür die übersetzungen empfindlich, fühlbar (getadelt), gefühlig. wenn es sich um die fähigkeit zu einer bestimmten empfindung handelt, würden wir vielfach dafür empfänglich setzen; so z. b.: aber natürlicher weise ist er doch sensible für dergleichen attentionen. Wieland bei Merck briefs. 1, 135. jetzt seltener und in deutscher lautgebung mehr nach art eines technischen ausdrucks gebraucht. mundartl. im luxemb. sensible Gangler 414. — dazu sensibilität, f. empfindlichkeit. Campe erg.-wb., als physiologischer ausdruck 'die mit den nerven verbundene fähigkeit, äuszere eindrücke wahrzunehmen und darauf zu reagieren', die die thierischen organismen von den pflanzen unterscheidet. Behlen 5, 612. sensibilieren, verb. empfindlich machen; in der photographie, die photographischen platten und papiere für die lichteinwirkung empfänglich machen. Karmarsch-Heeren3 8, 226.
 
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sensitive, f. name einer pflanze, deren blätter sich bei der berührung zusammenlegen, verdeutscht fühlkraut, mimosa pudica Pritzel-Jessen, mimosa sensitiva und pudica Oken 3, 1691 (vgl. oxalis sensitiva 1176):

es war, als ob ihr ganzes wesen sich —
sonst weich und zitternd, wie die sensitive, —
in einen harten demant eingeschlossen.
Werner Martin Luther 5, 1;

ergründen möcht' ich, ...
ob, vom duft der menschenhand gestreift,
gefühllos ganz die sensitive trauert?
A. v. Droste-Hülshoff 1, 167.