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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
sennisch bis sennvolk (Bd. 16, Sp. 603 bis 604)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) sennisch, adj., hirtenmäszig, in der Schweiz, s. Tobler 422a.
 
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sennkraft, f., s. DWB sehnkraft, sp. 155.
 
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sennlein, n., schweiz. sennli verächtlich von einem sennen. Tobler 422b.
 
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sennt, m., vereinzelt für senn(e), m. Schm. 2, 288.
 
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sennte, f. , weiterbildung zu senne, f., auch sente, sänte geschrieben.
1) herde von alpenvieh. Adelung, vgl. DWB sente Wachter 1514. Weigand 2, 700. Kluge4 326b: ein sänten oder hauff vychs. Frisius (1541) 636a bei Weigand a. a. o.; vieherey, sennet, sennte, pecuaria. voc. v. 1735 bei Schm. 2, 288; sennte, res pecuaria, vaccarum certus numerus. Frisch 2, 149b; er hatte grosz sännten, erat ei res pecuaria multa. ebenda, s. ferner sennten, n.; schweiz. 'die sennete, das sennten oder sennthum, heerde kühe unter der aufsicht des sennen von unbestimmter zahl, doch in Glarus eine herde von 24 bis 30 kühen, wie eine halbsennete eine herde von 12 bis 15 kühen'. Stalder 2, 371. belege: die zween teil zu Tropensee so vil als zu zweien sännten oder hirtin ghört, und heisset das ein hirti so 12. personen jr vech zesammen stossend, und einem sännen undergebend. Tschudi 1, 15b; 150 sennten, zu jeder 16 kühe, sin 2400 stücke, die fahren auf einen einigen berg, von mehr als 12 dörfern zu alp. quelle bei Frisch a. a. o.; dazu senntenfarr, zuchtstier, s. A. Feierabend die schweizerische alpenwelt (1873) 224; gewöhnlich ist bei jeder gröszern alpenviehheerde (sennte, sennthum) ein zuchtstier (muni, senntenpfarr, oder in Bünden auch schlechthin pfarr oder schellstier). ... es ist selbst für den sennen nicht rathsam, vor seinen augen eine rindernde kuh von der sennte zu entfernen. Tschudi thierleben der alpenw. 530;

das ist der Klostermey'r von Mörlischachen,
der hier den brautlauf hält — ein reicher mann,
er hat wohl zehen senten auf den alpen.
Schiller Tell 4, 3;

dies ganze gut soll deines sein,
die fette sennte, grosz und klein.
Reithard gesch. aus der Schweiz 141;

während Ueli, lustig jodelnd,
bergwärts seine sennte treibt! 291.


2) senn-hütte. öconom. lex.2 2718. Jacobsson 7, 338b:

ihr unschuldige sennten, zerstreut auf luftigen rasen!
Baggesen 1, 170 (Parth. 8, 101);

sennten benennt sie die sprache des volks, ganz niedrige hüttchen,
einfach von tannen gebaut, mit zerbröckelten steinen zum obdach
gegen den sturz der lawinen, und nie verschlossenem eingang. 189 (9, 11).


3) die kunst des alpenhirten, mit dem vieh umzugehen. Weigand a. a. o. (nach Frisius 965a).
 
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sennten, n., nebenform zu sennte, f., wol verkürzt aus sennthum: sennten (das) pecuaria, pecuariorum, sentara, scodra. Maaler 370b; danach: das sennten oder haufen vieh. Frisch 2, 149b. auch folgende stelle wird eher das neutr. als das fem. enthalten: pecuaria, herd vieh, sennten. Dentzler 1, 557b; senten viehs, pecuaria. 2, 262b. auch mundartlich, s. Stalder 2, 371 (unter sennte, 1). Schm. 2, 288.

[Bd. 16, Sp. 604]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) senntin, f., für sennin, sennerin, vgl. Schm. 2, 288: das lamm springt unausgesetzt an der senntin empor. Ebert ged.3 600;

du schöne senntin, sprich, was senkst du so
den blick, von thränen schwer? 596.


 
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senntnen, verb., in der Schweiz für sennen, s. das. Stalder 2, 371: senntnen, heisset bey den Schweitzern so viel, als befehlen, dasz das vieh auf die alpen zur weide geführet werde, und man seinen nutzen davon ziehe. öconom. lex.2 2718.
 
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sennthum, n. , zu senne (m. oder f., 1, b), besonders in der Schweiz und Tirol gebräuchlich; oft entstellt zu senntem (und sennten? s. das.) Stalder 2, 371. Tobler 422.
1) zu ältest in abstracter bedeutung, nur vereinzelt: daʒ si (die von Luzern) daʒ sinntuem und daʒ hirttentuem selbe besetzen sullen. urk. v. 1330 bei Schm. 2, 288.
2) almwirtschaft: dise stier sollen zugleich winterszeiten zu den oxneten küeen hergelichen und gebraucht, dagegen iedes mals ... von ainem stier aus dem sennthum .. zwen gulden erstattet ... werden. tirol. weisth. 2, 203, 10; welcher das hieriber geschweigt, der soll auch nichts weniger seiner gepür nach im sennthumb, kost und lohn sein. 220, 18; nicht minder soll iemanden gestattet sein, ohne anfrage und erhaltener bewilligung des betreffenden sennthums irgend eine kuhe ... zu verbständen. 277, 30. — folgende stelle läszt sich ebenso gut zu 3 einreihen: wir zahlen ihm (dem abte) den heerdenzins, wenn seine vögte am milchprüfungstag zur schau unserer sennthümer heraufkommen. Scheffel Ekkeh. s. 365.
3) gewöhnlich eine alpenviehheerde: e senntem chüe oder en huffe vech, eine heerde von 24 kühen und einem zuchtstier; dazu senntemschella, f., eine kupferne, bauchige prachtglocke; senntma, verb., eine heerde vieh halten (vom eigentümer) Tobler 422, vgl. Stalder 2, 371; diese anzahl kühe wird, besonders wenn ein zuchtstier dabei ist, ein senntum genannt. Berlepsch alpen s. 333; des chüeners obliegenheit ist's das 'senntem' auszutreiben. 342; die leitkuh ist das schönste thier des senntums. 350.
 
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sennvieh, n. vieh, das auf die alpe getrieben wird. Schm. 2, 288.
 
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sennvolk, n.: fürs fünfzechende soll der dorfvogt ... das sennvolk und hirten bestellen und verhärren (durch handgeld verpflichten). tirol. weisth. 2, 205, 26.